ESC-Songcheck (25): „Goodbye“ von The Humans

Vier dieser fünf Rumänen spielten schon lange in einer anderen Band zusammen – dann starteten sie mit einem fünften Anfang 2017 in Bukarest das Musikprojekt The Humans. Und gewannen ein Jahr später den nationalen Vorentscheid, mit einer Nummer, die zwischen Ballade und Retro-Rocksong changiert. Das passt zwar zum Liedtext über das Ende einer Beziehung – doch ob das den Zuschauern im Mai auffallen wird?

 

Die Interpreten

The Humans sind eine fünfköpfige Band aus Bukarest, die erst vor gut einem Jahr, Anfang 2017, gegründet wurde. Eine erste Single, „Îndură Inima“, erschien im selben Jahr. Hinter der Band stecken die Sängerin Cristina Caramarcu, Keyboarder Alexandru Matei, Gitarrist Alexandru Cismaru, Bassist Alin Neagoe und Schlagzeuger Adi Tetrade. Zuvor hatten Adi, Alin, Cristina und Alex Matei schon in einer anderen Band namens Jukebox zusammen Musik gemacht.

Ende Februar gewannen die fünf plus Cellistin Corina Matei das Finale mit 15 Songs (hier unser Live-Blog), nachdem es zuvor fünf Vorrunden gegeben hatte. Viel Aufwand für einen ESC-Beitrag. Mal sehen, ob sich das ganze gelohnt hat.

 

Der Song

„Goodbye“ stammt von den drei Bandmitgliedern Caramarcu (der Sängerin), Matei (Keyboard) und Neagoe (Bass). Und jeder hat offenbar ein eigenes Lied beigesteuert, woraus man dann eines gebastelt hat. Erst beginnt der Song mit ruhigem Keyboardsound, aber schon da klingt er irgendwie vertraut (oder auch wie schon x-mal gehört). Dann setzt die klare Stimme von Cristina ein.

An sich ist der Song interessant aufgebaut. Er besteht aus zwei verschiedenen Refrains – einem Balladen-Refrain, der aber nur einmal zu hören, nach der ersten vierzeiligen Strophe. Denn schon nach diesem ersten Refrain setzt kurz vor der Liedmitte bei 1:20 Min. das Schlagzeug ein, und aus der anfänglichen Ballade wird ein 80er-Retro-Rocksong. Dieser wird zunächst mit einem gitarrenlastigen Instrumentalteil eingeleitet. Dann kommt der Rock-Refrain. Kurz wird die Balladen-Strophenmelodie nochmal aufgegriffen (dort dann ohne Rockgitarren und Schlagzeug, sondern mit Keyboard und Cello) – ehe der Rock-Part nochmal folgt, zunächst mit langgezogenen Schreien der Sängerin und dann einer Wiederholung des Rock-Refrains.

Inhaltlich lässt sich die Trennung von Ballade und Rocksong auch als Duett interpretieren, und der Text zu „Goodbye“ unterstützt diese Deutung. Im Balladenteil spricht das lyrische Ich davon, dass es Zeit sei, zu gehen – nachdem man es schon eine Million Mal versuche habe und man in der Leere gefangen sei. Darum also: „Tschüss“. Der Rock-Part wirkt danach wie eine Replik auf das eben gesagte. Als ob eine zweite Person zu diesem lyrischen Ich sagt: „Mensch, warum erwartest du so Großes? Wir sind doch happy zusammen. Also öffne dein Herz und bleib bei mir.“ Woraufhin das lyrische Ich nur antwortet: „Hab keine Angst, weine nicht.“ Dann folgt der letzte Rock-Part, in dem die zweite Person nochmal daran erinnert, die Schönheit in dem zu sehen, was man hat – und am Ende appelliert: „Sag nicht Tschüss.“

Angesichts dieser offenkundigen Geschichte im Liedtext wäre es eigentlich logisch gewesen, „Goodbye“ als Duett zu inszenieren und z.B. den Rock-Part nicht von Cristina, sondern einem männlichen Bandmitglied singen zu lassen.

Rumänien 2018: The Humans – Goodbye (offizielles Video)

 

Die Präsentation

Die Band-Performance ist im Video schlicht und unspektakulär, dafür dürften im zweiten Semi kaum Zuschauer zu begeistern und an die Telefone zu treiben sein. Die Idee aus dem Video, mit maskierten Menschen aufzutreten, lässt sich aufgrund der Personenbegrenzung beim ESC nicht umsetzen: Mit den 5 Bandmitgliedern plus Cellistin ist die Obergrenze schon erreicht. Beim Auftritt im nationalen Vorentscheid hat man das Maskenkonzept clever übertragen, indem die Bandmitglieder – ganz in Weiß gekleidet – erst einmal die Masken trugen.

Das könnte man auch in Lissabon so inszenieren. Allerdings war es in Bukarest nicht optimal. Gitarrist und Bassist nahmen ihre Masken zu früh ab – das sollte eigentlich erst passieren, wenn der Balladen-Part endet und der Rocksong einsetzt. Und der zunächst in Schwarz gekleideten Sängerin wurde ihr Umhang auch viel zu früh weggezogen. So passte der (beim ESC gern genommene) Kleidungstrick nicht zum Liedaufbau und die Wirkung verpuffte. Das müsste man in Lissabon deutlich besser machen.

The Humans – Goodbye (live beim National Final)

Gut lässt sich hier auch mit Licht spielen: Erst sollte die Bühne recht dunkel sein und das Licht auf Cristina fokussieren, wobei man die maskierten Bandmitglieder trotzdem sehen können müsste. Dann, zum Balladen-Refrain, wird die Bühne heller – und dann, wenn bei 1:20 Min. das Schlagzeug einsetzt, erscheinen Band und Bühne komplett erleuchtet. Die Wirkung ließe sich mit Pyro verstärken. Im ruhigen Zwischenteil bei 1:58 Min. müsste die Bühne kurz wieder dunkler werden, ehe zum Rockteil und Cristinas „yeah“-Rufen nochmal das Lighting einsetzt und im besten Fall auch noch mal Pyro oder Feuer. Ich stelle mir gerade in Gedanken ein Feuerrad vor, das sich dann im Hintergrund zu drehen beginnt.

 

Was PRINZ-Blogger darüber denken

BennyBenny: Wenn ich den Song höre, finde ich ihn okay, aber danach habe ich ihn auch schnell wieder vergessen. Meine relativ gute Wertung kann ich heute nicht mehr wirklich nachvollziehen. Der Song ist aber trotzdem okay und tut (mir) nicht weh.

Douze Points: Pop-Rocksong, der nach der Hälfte des Liedes den Rhythmus ändert. Mir fehlt eine klare Wiedererkennbarkeit. Schade, dass nach so einem aufwändigen Auswahlverfahren nichts Besseres rausgekommen ist.

Jan: Links rein – rechts raus. Ich habe den Song jetzt vielleicht vier- bis fünf Mal gehört, hängen geblieben ist nichts. Ich sehe tiefschwarz.

Matthias: Erst Ballade, dann Rocksong im 80er-Jahre-Stil: eine Art Heart/Starship/Robin Beck-Gedächtnisnummer. Diese Kombi – erst ruhig, dann E-Gitarrenriffs – gab es beim ESC schon öfter (mit mal mehr, mal weniger großem Erfolg). Das hier überzeugt allerdings weder im ersten noch im zweiten Teil so recht. Als Rocksong ist „Goodbye“ nicht wuchtig genug, als Ballade berührt es mich überhaupt nicht. An den Zuschauern dürfte das im Mai auch vorbeirauschen.

Jeder ESC-Titel wird im Songcheck von allen PRINZ-Bloggern nach ihrem persönlichen Gusto auf einer 11-stufigen Skala (12-10-8-7-6-5-4-3-2-1-0) bewertet, wobei 12 die höchste Wertung darstellt. Die Wertungen werden addiert. Unser persönliches subjektives Gesamtbild:

Die Prognose der PRINZ-Blogger

Hier geht es nicht um das persönliche Gefallen, sondern um eine Prognose. Rumänien hat nach Einschätzung aller PRINZ-Blogger eine Qualifikationschance von 48 Prozent und landet damit auf Platz 12 in Semifinale 2. Hier geht es zur Prognose der PRINZ-Blogger für das zweite Semifinale.

 

Social Media

The Humans sind auf Facebook (hauptsächlich auf Rumänisch) zu finden, ebenso auf Twitter. Wer sich mehr von der Band anschauen will, findet viele Fotos in ihrem Account auf Instagram.

 

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Vorschau: Morgen geht es weiter mit dem ESC-Rückkehrer Russland – Douze Points befasst sich mit den Chancen von Julia Samoylova und ihrem Lied „I won’t break“.

 

Bereits erschienen:

Semifinale 1
(1) Albanien: „Mall“ von Eugent Bushpepa
(2) Aserbaidschan: „X My Heart“ von Aisel
(3) Belgien: „A Matter Of Time“ von Sennek
(4) Bulgarien: „Bones“ von Equinox
(5) Estland: „La Forza“ von Elina Nechayeva
(6) Island: „Our Choice“ von Ari Ólafsson
(7) Israel: „Toy“ von Netta Barzilai
(8) Litauen: „When we’re old“ von Ieva Zasimauskaitė
(9) Tschechien: „Lie to Me“ von Mikolas Josef
(10) Weißrussland: „Forever“ von Alekseev
(11) Armenien: Qami von Sevak Khanagyan
(12) Finnland: „Monsters“ von Saara Aalto
(13) Griechenland: „Oneiro Mou“ von Yianna Terzi
(14) Irland: „Together“ von Ryan O’Shaughnessy
(15) Kroatien: „Crazy“ von Franka
(16) Mazedonien: „Lost and found“ von Eye Cue
(17) Österreich: „Nobody but you“ von Cesár Sampson
(18) Schweiz: „Stones“ von ZiBBZ
(19) Zypern: „Fuego“ von Eleni Foureira

Semifinale 2
(20) Australien: „We Got Love“ von Jessica Mauboy
(21) Dänemark: „Higher Ground“ von Rasmussen
(22) Moldawien: „My Lucky Day“ von DoReDos
(23) Niederlande: „Outlaw in ´Em“ von Waylon
(24) Norwegen: „That’s How You Write a Song“ von Alexander Rybak