ESC Songcheck (25): „Lights and Shadows“ von OG3NE

Licht und Schatten gab es in der Eurovision aus niederländischer Sicht des Öfteren. In den letzten Jahren konnte man aber durch Anouk, The Common Linnets und Douwe Bob wieder viel Sympathie international gewinnen. Nun ist es an OG3NE diesen Erfolg weiterzuführen. Werden ihre Stimmen und das Lied „Lights And Shadows“ diesem Anspruch gerecht werden und dem Land der Tulpen wieder Freude bereiten?

Die drei Geschwister Vol, die seit der Verkündung das Apostroph in ihrem Bandnamen OG3NE verloren haben, blicken schon auf eine Eurovisionsgeschichte zurück. Schon als junge Meisjes nahmen sie mit eher geringem Erfolg am Junior Eurovision Song Contest teil. Die Zwillinge Amy und Shelley sowie ihre ältere Schwester Lisa bewarben sich dann bei The Voice und gewannen als Trio dieses Casting Event. Seitdem waren sie auch im Gespräch die Niederlande beim Eurovision Song Contest zu vertreten. Für 2017 überzeugten sie nun die AVROTROS, die seit 2013 die niederländischen Künstler auswählt und ihnen die Freiheit bei der Entscheidung für das Lied lässt. Hier kann man nochmals die Bekanntgabe der drei und hier die Liedauswahl nachlesen.

Seitdem die Gruppe als Teilnehmer für die Niederlande feststeht, hat sich auch ihr Leben stark verändert. So sind sie alle drei mittlerweile in festen Händen und haben das Elternhaus verlassen, um auf eigenen Beinen zu stehen. Zudem durften sie Anfang Februar eine eigene Tulpe auf ihren Gruppennamen taufen.

Der Song

OG3NE luden für ihren Song Komponisten ein und in einem Workshop wurden die Lieder dann der Gruppe präsentiert. Nach einer langen Auswahlphase entschied man sich für ein Werk des Vaters, welches er zusammen mit einem der eventuell zukünftigen Schwiegersöhne schrieb.

Ihr Lied stellt eine starke Bindung an die Eltern dar, denn „Lights And Shadows“ haben sie ihrer Mutter gewidmet, die schon länger krank ist. Amy, Shelley und Lisa möchten mit ihrem Beitrag Mut machen.

Cry no more, feeling all alone and insecure
You have been going through these stages
Now it’s time to turn the pages
We’re gonna stand in line
And not give up but walk that road
That everybody goes
Through lights and shadows

Charakteristisch für OG3NE ist der Wechselgesang zwischen den Schwestern. So beginnt das ganze Stück mit einem gemeinsamen Ausruf von „Cry No More“. Den ersten Vers teilen sich dann Shelley und Lisa, welcher aber durch gemeinsame Passagen unterbrochen wird. Den anschließenden Pre-Chorus übernimmt dann Amy, und auch hier sind gemeinsame Zeilen eingebaut. Vers und Pre-Chorus folgt der Refrain, den alle drei singen.

Die Struktur wiederholt sich im zweiten Vers. Eine schnelle Bridge schließt sich dem zweiten Refrain an, der dann am Schluss noch ein drittes Mal zur Aufführung kommt.

„Lights And Shadows“ besteht aus einer kontinuierlichen Steigerung. Zu Beginn wartet ein ruhiger und leiser Gesang auf, der sich im Laufe des Songs immer mehr steigert und erst mit der letzten Zeile wieder zum ursprünglichen sanften Klang zurückfindet. Zwei Key Changes sind eingebaut und mit den gemeinsamen Gesangseinschüben gewinnt das Lied an Schwung.

Die stimmliche Betonung im Lied erlebt durch den wechselhaften Gesang verschiedene Nuancen, so dass nicht so schnell der Eindruck allzugroßer Wiederholung entsteht. Bei dem Lied bedient man sich bei mehreren Genres. „Lights And Shadows“ ist balladesk und auch Uptempo, gewisse Rhythm and Blues-Elemente lassen sich ausmachen.

Der Vater Rick Vol hat den Töchtern das Lied auf den Leib geschrieben. Unterstützt wurde er dabei von Rory de Kievit, der als Gitarrist die Band begleitet und mit der dunkelhaarigen Shelley zusammen ist. Rick Vol hat auch großen Anteil am dritten Album der Drei „We Got This“.

Niederlande 2017 – OG3NE: Lights And Shadows

 

Die Präsentation

Aus der Präsentation werden die Niederländer wie schon im vergangenen Jahr ein Geheimnis machen. Seit dem Trijntje-Oosterhuis-Fiasko 2015 legt aber der ausführende Sender Wert darauf, dass der gesamte Auftritt für den internationalen Contest schon feststeht, wenn das Lied der Allgemeinheit vorgestellt wird. Auch OG3NE bedienen sich eines Regisseurs, aber nicht Hans Pannecoucke wird sie betreuen, denn er ist dieses Jahr verantwortlich für den spanischen Song. Die Macht der Regie liegt beim Gestalter des offiziellen Videos Rolf Meter.

Das Ambiente im Video soll für die Bühne weiter ausgearbeitet werden. Die drei Sängerinnen möchten die mystische Stimmung auch in Kiew auf die Bretter, die die Welt bedeuten, bringen.

In der Ukraine sollten sich meiner Ansicht nach die Kameras in den Versen und dem Pre-Chorus auf die drei Vol-Schwestern konzentrieren und im Refrain die Weite des Raumes ergreifen. Der Hintergrund würde sich gut durch einen Wechsel von hell und dunkel präsentieren. Die Lichteinschübe wie im Video dürfen nicht fehlen, so dass der Schatten- und Lichteffekt gewahrt bleibt.


Amy, Shelley und Lisa sollten auf der Bühne zumeist auf einem Platz verharren. Höchstens in der Bridge wäre ein gemeinsamer Lauf übers Podium passend. Ob nun die Geschichte durch eine Tanzeinlage Dritter ausstaffiert werden sollte, bleibt zu überlegen. Besser fände ich einen guten Chor, der im Refrain und in der Bridge den Gesang der drei Interpretinnen stützt.

 

Was PRINZ-Blogger darüber denken

DJ Ohrmeister: Was waren wir happy, dass die Niederländer diese drei Ausnahme-Stimmen nominiert haben. Nur schade, dass der Beitrag drei Minuten lang nicht richtig aus dem Quark kommt. Man hatte schließlich auch lang genug Zeit dafür. Sie werden wohl sang- und klangvoll im Semi ausscheiden, befürchte ich…

Jan: Back to the Nineties! Dieser Harmoniegesang gefällt mir ziemlich gut. Klingt zwar ein bisschen altmodisch, hat aber den besten Key-Change des Jahrgangs. Mit dem Finale wird es aber knapp werden, denke ich.

Matthias: Ich bin gespannt, ob die Stimmen live genauso gut harmonieren wie in der Studioaufnahme. Das ist allerdings auch das einzig Spannende – das Lied selbst hat so viel Pepp wie eine Suppe, bei der der Koch die Gewürze vergessen hat. Drei langweilige Minuten, die an meinem Ohr vorbeiziehen. Mein Ohr muss ein Gähnen unterdrücken.

OLiver: Ich hatte bei diesem Sound sofort einen positiven Wilson-Philips-Gedenkmoment. Sehr schade, dass das stimmliche Potenzial nicht optimal genutzt wurde und in einem vor sich hin mäandernden und zu spät auf mäßige Touren kommenden Beitrag versandet.

Tjabe: Nicht so stark wie die Lieder von Anouk, The Common Linnets und Douwe Bob, aber die drei sind stimmlich eine Wucht. Die Niederlande müssen einfach auch dieses Jahr ins Finale.

Jeder ESC-Titel wird im Songcheck von allen PRINZ-Bloggern nach ihrem persönlichen Gusto auf einer 11-stufigen Skala (12-10-8-7-6-5-4-3-2-1-0) bewertet, wobei 12 die höchste Wertung darstellt. Die Wertungen werden addiert. Unser persönliches subjektives Gesamtbild:

Die Sonne zeigt an, dass dieser Song der Favorit des Bloggers über alle Beiträge dieses Jahres ist.

 

Die Prognose der PRINZ-Blogger

Hier geht es nicht um das persönliche Gefallen, sondern um eine Prognose. Die Niederlande haben nach Einschätzung aller PRINZ-Blogger eine Qualifikationschance von 62 Prozent und landet damit auf Platz 7 in Semifinale 2. Hier geht es zur Prognose der PRINZ-Blogger für das zweite Semifinale.

 

Was PrinzBlog-Leser darüber denken

argan: Das ist leider ein schlechteres „Magic“. Das Harmonisieren ist natürlich ihr Markenzeichen und muss auch im Vordergrund stehen, trotzdem fehlt mir ein Refrain oder wenigstens eine Hook, die man mitsingen kann und auch gleich will. Ihr Vater hat das bei „Magic“ gut gemacht, bei „Lights and Shadows“ ging es wohl eher um Können zeigen und Inszenierung.

Thomas: Drei sehr sympathische Damen, was man so bei Youtube sieht.Und live eine Klasse für sich. Da wird sich der Auftritt mit Sicherheit vom Brei der Masse abheben. Holland fällt erneut positiv auf!

manuel d.: Hmm… Na ja… An Wilson Phillips muss ich in jeder Sekunde des Liedes denken, leider genauso weichgespült: Friede, Freude, Eierkuchen…
Stört nicht und vielleicht wird’s eine vernünftige Inszenierung. Zum anrufen wird’s mir aber natürlich bei weitem nicht reichen.

karla kolumna: Will niemand gewinnen? Das schreit ja auch nur danach, dass es gerne ganz knapp ins Finale kommen will und dann ist alles egal, Hauptsache kein Sieg… Glaub aber, dass das eher ziemlich abschmiert, weil es so glatt und überhaupt nicht zeitgemäß ist. Kommt 25 Jahre zu spät… Könnte für Oranje ne bitterböse Stunde werden im Mai…

biobanane: So etwas kommt ja ein Bangles Feeling auf, aber warum kommen die erst nach zwei Minuten so richtig in Fahrt? Die drei Stimmen sind auch hamonisch sehr ungewöhnlich kombiniert, mich hat das eher ermüdet, weil es das Hören nicht leichter macht. Insgesamt ein weiteres Lied für die überquellende „gut bis ganz nett“ Kiste, aber noch keins für die „ausgzeichnet“ Wertung.

Social Media

OG3NE haben schon eine eigene Homepage und sind auch auf Facebook präsent. Sie kennen Instagram und Twitter und besitzen einen eigenen YouTube Kanal

 

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Vorschau: Als Nächstes wartet Ungarn auf die Leser. Salman wird uns mit „Origo“ von Joci Pápai einen der vier nicht englischsprachigen Songs des Wettbewerbs vorstellen.

 

Bereits erschienen:

Semifinal 1:
(1) Albanien: „World“ von Lindita
(2) Aserbaidschan: „Skeletons“ von DiHaj
(3) Australien: „Don’t come easy“ von Isaiah
(4) Belgien: „City Lights“ von Blanche
(5) Finnland: „Blackbird“ von Norma John
(6) Georgien: „Keep the faith“ von Tamara Gachechiladze
(7) Montenegro: „Space“ von Slavko Kalezić
(8) Portugal: „Amar pelos dois“ von Salvador Sobral
(9) Schweden: „I can’t go on“ von Robin Bengtsson
(10) Griechenland: „This is love“ von Demy
(11) Polen: „Flashlight“ von Kasia Moś
(12) Moldawien: „Hey Mamma!“ von SunStroke Project
(13) Island: „Paper“ von Svala
(14) Tschechien: „My turn“ von Martina Bárta
(15) Zypern: „Gravity“ von Hovig
(16) Armenien: „Fly with me“ von Artsvik
(17) Slowenien: „On my way“ von Omar Naber
(18) Lettland: „Line“ von Triana Park

Semifinal 2:
(19) Serbien: „In too deep“ von Tijana Bogićević
(20) Österreich: „Running on air“ von Nathan Trent
(21) Russland: „Flame is burning“ von Yulia Samoylova
(22) Mazedonien: „Dance alone“ von Jana Burčeska
(23) Malta: „Breathlessly“ von Claudia Faniello
(24) Rumänien: „Yodel It!“ von Ilinca ft. Alex Florea