ESC-Songcheck (27): „Verjamem“ von Eva Boto

Meist möchte Slowenien ja nicht gern zum Balkan gezählt werden – doch in diesem Jahr schickt das kleine Ländchen am Rande der Alpen eine lupenreine Balkan-Ballade zum Eurovision Song Contest: „Verjamem“ von der blutjungen Eva Boto dürfte Slowenien in Baku erneut ins Finale bringen.

Nonsens oder nicht? Vor diese Frage war das slowenische Publikum am 26. Februar gestellt, als die „Misija Evrovizija“ ihrem Höhepunkt entgegen ging (hier unser Live-Blog). Das junge Zwillingspärchen Eva & Nika Prusnik sang drei mehr oder weniger Quatsch-Songs, von denen das schlimmste – „Konichiwa“ – prompt ins Superfinale gelangte.

Derweil präsentierte die 16-jährige Eva Boto (bisweilen optisch „Lovely Lena“ zum Verwechseln ähnlich) drei ernsthafte Lieder: zwei Balladen und einen fröhlichen Popsong. Die Zuschauer wählten eine der Balladen, die dann im Superfinale gegen „Konichiwa“ antrat.

Und am Ende entschied sich das Publikum dann gottseidank doch für das Ernsthafte. Nach einem monatelangen Marathon, bei dem DSDS-mäßig nach und nach Sänger aus dem Rennen geworfen wurden, stand endlich ein Kandidat für Baku fest. Zuvor hatte Eva Boto in den Casting-Shows unter anderem „Hero“ von Mariah Carey, „Use Somebody“ von Kings of Leon und den ESC-Siegertitel von 2011, „Running Scared“, gesungen.

„Verjamem“ von Fräulein Boto, am 1. Dezember 1995 geboren, ist somit Sloweniens 18. Versuch, den Eurovision Song Contest zu gewinnen.

Die Chancen sollten eigentlich so schlecht nicht stehen, schließlich stammt „Verjamem“ (zu deutsch: „Ich glaube“) von einem, der weiß, wie man den Wettbewerb gewinnen kann: Komponist Vladimir Graić hat vor exakt fünf Jahren mit „Molitva“ für Serbien den Sieg eingeheimst. Und sein Lied für 2012 hat auch eine ähnliche Struktur, zart beginnend und dann mit einem ordentlichen Crescendo zum Höhepunkt hin vorarbeitend.

Slowenien 2012: Eva Boto – Verjamem

Allerdings: In meinen Augen reicht „Verjamem“ an „Molitva“ nicht ganz heran. „Molitva“ hatte mehr „instant appeal“; es erzeugt bei mir nicht die starke Wirkung, die Marija Šerifovićs Lied von Beginn an hatte. Zugleich hatte Marija auf der Bühne auch etwas mehr Strahlkraft als Eva, das gleiche gilt für Marijas Chor gegenüber Evas Begleitdamen, bei denen man – nebenbei gesagt – nur hoffen kann, dass sie ihre Hochsteck-Haar-Gardinen in Ljubljana lassen.

Gleichwohl gehen wir PRINZ-Blogger fest von einem Finaleinzug von „Verjamem“ aus – für Slowenien ja auch keine Selbstverständlichkeit. Für einen Gesamtsieg dürfte es allerdings nicht reichen – auch wenn der slowenische Moderator der Vorentscheidung, Klemen Slakonja, in einem sehenswerten Clip, der während der Show lief, u.a. als James Blunt, Elton John und Lady Gaga alle zum Voten für Slovenia animiert:

> zur Facebook-Fan-Seite von Eva Boto
> aktuelle Wettquoten zu Eva Boto (Platz 21 bei der Wette auf den Sieg beim ESC, Stand 25. April 2012)

PRINZ-Blog-Urteil

Songqualität: 6/10
Interpretation: 6/10
Chancen auf Finaleinzug: 64 Prozent (damit Platz 7 nach Ansicht der PRINZ-Blogger im 2. Semifinale)