ESC Songcheck (27) „Where I Am“ von Anja

Dänemark hat nun zweimal in Folge den Einzug ins ESC-Finale verpasst. Das soll 2017 unbedingt anders werden und richten soll es die in Australien geborene und aufgewachsene Anja Nissen. Wir haben ihren Song „Where I Am“ genauer unter die Lupe genommen.

Anja Nissen, die offiziell nun nur noch unter dem Namen Anja beim ESC firmiert, hat bereits im vergangenen Jahr versucht, mit ihrem Song „Never Alone“ nach Stockholm zu fahren, scheiterte aber knapp an den Jungs von Lighthouse X. Zuvor hatte Anja die Castingshow The Voice gewonnen – allerdings nicht in Dänemark, sondern in Australien, wohin ihre Eltern ausgewandert sind und wo Anja geboren wurde.

Nun hat es im zweiten Anlauf geklappt: Mit „Where I Am“ nahm die 21-jährige in diesem Jahr wieder an der dänischen Vorentscheidung teil und konnte unsere Nachbarn im Norden diesmal gänzlich überzeugen. Den Liveblog des Melodi Grand Prix 2017 gibt es hier zum Nachlesen, Kollege OLiver hat alle Songs dieser Vorentscheidung hier vorgestellt.

 

Der Song

„Where I Am“ beginnt mit einem echten Highlight: Ein imposanter (Stammes-)Chor singt zweimal die Zeile „Laying down my armour“, die sich später dann auch im Refrain wiederfindet. Schade nur, dass sich dieses wirklich interessante Element weder in der Inszenierung noch im weiteren Verlauf des songs wiederfindet – dazu aber später mehr.

Daran anschließend setzt Anja mit der ersten Strophe ein, die zwar sehr balladesk gesungen wird, allerdings mit einem modernen, r’n’b-artigen Beat unterlegt wurde. Das erinnert etwas an Safura.

You’re lost in my game
But your love is repeating
Always around, you’re never holding me down

I know who you are
True colours are showing
Though my heart’s bare Always show you car

Die nun folgende Bridge hat zwar eine andere Melodie als die Strophe, hört sich aber stilistisch relativ ähnlich an. Auch hätte ich mir etwas mehr Steigerung gewünscht, denn auch bei Anjas Auftritt während des Vorentscheids hatte ich das Gefühl, dass sie durch dramatische Gesten versucht etwas mehr Power in den Song zu bringen als dieser musikalisch hergibt. Der richtige Aufbruch kommt aber dann erst bei der allerletzten Zeile „Let’s do this right“, die gleichzeitig auch zeigt, wie gut Anjas Stimme ist und welche Höhen sie singen kann.

Putting up my walls so that I last better
Don’t know why I do it because we’re together
Always holding back from you its on my mind

Tonight I’m gonna try for you real harder
Show you all the love I’ve held inside
Show you all the love I’ve held inside
Let’s do it right

Es folgt nun der erste Refrain, der zwar ins Ohr geht, aber leider doch nur sehr durchschnittlich ist und über die Qualität des gängigen Radio-Songs nicht hinaus kommt. Das ändert sich leider auch im weiteren Verlauf des Songs nicht mehr. Wie oben bereits angedeutet, ist mir unbegreiflich, warum der Chor aus dem Intro kein einziges Mal mehr auftaucht – entweder um Anja beim Refrain zu unterstützen oder um sozusagen nach dem eigentlichen Refrain ein Echo zu bilden. Ich wage zu behaupten, „Where I Am“ hätte ähnliche Qualitäten entwickeln können wie seinerzeit „Only Teardrops“, aber so bleibt das Lied leider im Mittelmaß hängen.

Tonight I’m gonna show you
Show you what you’ve done
I’m laying down my armour
Laying down my gun

Tonight I’m gonna hold you
Closer than before
So you know where I am
So you know where I am

Anja gibt im weiteren Verlauf des Songs zwar alles und stimmlich ist das teilweise wirklich beeindruckend – das musikalische Material, mit dem sie arbeiten kann, bleibt aber eben einfach Durchschnittsware. Obwohl ich zugeben muss, dass der Song sich mittlerweile doch ziemlich in meinem Ohr festgesetzt hat und ich deshalb heute vermutlich etwas mehr als die untenstehenden 2 Punkte vergeben würde.

Geschrieben wurde „Where I Am“ übrigens von Anja selbst zusammen mit Michael D’Arcy und Angel Tupai. Alle drei sind bislang im Zusammenhang mit dem ESC aufgefallen, Angel ist in Australien aber ebenfalls durch ihre Teilnahme bei The Voice bekannt.

Dänemark 2017 – Anja: Where I Am

 

Die Präsentation

Auch die Performance beim Vorentscheid war mir zu dröge und altbacken. „Frau im roten Kleid singt Liebeslied und der Hintergrund wechselt von rot zu blau und wieder zurück“ haben wir bei Anja nun wirklich nicht zum ersten Mal gesehen. Hier muss eindeutig mehr passieren und die dänischen Verantwortlichen sollten sich etwas wirklich Gutes einfallen lassen. Ich würde ja den oben genannten (dann natürlich abgespeckten Mini-)Chor auf die Bühne stellen, aber wenn dieser dann nur einmal zum Einsatz kommt, dürfte das wohl auch etwas lächerlich werden.

Aber warum nicht trotzdem mal etwas wagen? Weg von dem Wohlfühlimage und tatsächlich auch die martialische Bildsprache auf die Bühne bringen? Es muss ja nicht gleich so extrem und düster sein wie bei Nina Sublattis „Warrior“ 2015, aber Anja etwas mehr als Kämpferin und weniger als Castingsternchen, das könnte schon funktionieren. Hoffnung in diese Richtung habe ich allerdings wenig.

 

Was PRINZ-Blogger darüber denken

BennyBenny: Dänemark kann es einfach nicht mehr. Ich hoffe, dass das erneute Semi-Aus bei den Verantwortlichen zu einem Umdenken führt und der Vorentscheid kommendes Jahr endlich umgekrempelt wird.

Douze Points: Egal, egaler, Dänemark. Tut nicht weh, begeistert aber auch nicht. „Where am I“? Wohl eher nicht im Finale.

Marc: Anja ist eine klasse Sängerin und dürfte auch ein paar extra Punkte aus Australien einheimsen. Allerdings hätte ich mir einen noch stärkeren Song für sie gewünscht. 

Peter: Anja ist stimmlich sympathisch und stark und mir gefällt, dass sie viel von einem Vollweib hat (was ich mit Respekt und Zuneigung schreibe), aber der Titel ist boring, boring, boring. Außerdem kriege ich nicht aus dem Kopf, dass es beim Dansk Melodi Grand Prix deutlich fetzigere und chanchenreichere Stücke gegeben hat. Auch deshalb bleibt Anja bei mir im unteren Drittel stecken.

Salman: Als ich den Song das erste Mal gehört habe fand ich ihn recht langweilig. Mittlerweile gefällt er mir aber ganz gut und ist bei mir im oberen Drittel. Ich mag Anja’s gewaltige Stimme im Refrain. Viele werden es aber auch als nerviges Geschrei empfinden, deshalb sehe ich den Song nicht sicher im Finale.

Jeder ESC-Titel wird im Songcheck von allen PRINZ-Bloggern nach ihrem persönlichen Gusto auf einer 11-stufigen Skala (12-10-8-7-6-5-4-3-2-1-0) bewertet, wobei 12 die höchste Wertung darstellt. Die Wertungen werden addiert. Unser persönliches subjektives Gesamtbild:

 

Die Prognose der PRINZ-Blogger

Hier geht es nicht um das persönliche Gefallen, sondern um eine Prognose. Dänemark hat  nach Einschätzung aller PRINZ-Blogger eine Qualifikationschance von 41 Prozent und landet damit auf Platz 14 in Semifinale 2. Hier geht es zur Prognose der PRINZ-Blogger für das zweite Semifinale.

 

Was PrinzBlog-Leser darüber denken

Jorge: Na, da hat sich die Einbindung von ESC-Fans ja gelohnt. *hust*
Finde aber, sie hat mit dem Auftritt auch viel aus dem Song herausgeholt. Song stört nicht, begeistert nicht – mir egal wo er landet. Kann man sich bis zum ESC schön und schlecht hören.

Cursha: Mensch, nach den letzten Jahren dachte ich eigentlich Dänemark macht es jetzt besser. Aber das ist ja mega enttäuschend. Die Entwickeln sich aber in die vollkommen falsche Richtung. Das Angebot war aber auch sehr unspektakulär und nicht sonderlich abwechslungsreich.

tomudu: Bin wohl einer der wenigen, denen der Song eigentlich ganz gut gefällt 😀
Die Finalqualifikation halte ich durchaus für möglich, vor allem die Juroren werden Anjas starke Stimme wertschätzen.

Merlin: der song ist völlig belanglos, die interpretin schreit statt zu singen. unfassbar, dass das gewonnen hat!

Festivalknüller: Mir gefällt der Song gut. Wird von Anja auch ansprechend präsentiert. Kommt sicher ins Finale und landet dort auf einem guten Mittelplatz.

 

Social Media

Hier geht es zur Webseite von Anja. Sie ist außerdem auf Facebook, Twitter und Instagram.

[poll id=“692″]

Vorschau: Morgen stellt Matthias an dieser Stelle den irischen Beitrag vor.

 

Bereits erschienen:

Semifinal 1:
(1) Albanien: „World“ von Lindita
(2) Aserbaidschan: „Skeletons“ von DiHaj
(3) Australien: „Don’t come easy“ von Isaiah
(4) Belgien: „City Lights“ von Blanche
(5) Finnland: „Blackbird“ von Norma John
(6) Georgien: „Keep the faith“ von Tamara Gachechiladze
(7) Montenegro: „Space“ von Slavko Kalezić
(8) Portugal: „Amar pelos dois“ von Salvador Sobral
(9) Schweden: „I can’t go on“ von Robin Bengtsson
(10) Griechenland: „This is love“ von Demy
(11) Polen: „Flashlight“ von Kasia Moś
(12) Moldawien: „Hey Mamma!“ von SunStroke Project
(13) Island: „Paper“ von Svala
(14) Tschechien: „My turn“ von Martina Bárta
(15) Zypern: „Gravity“ von Hovig
(16) Armenien: „Fly with me“ von Artsvik
(17) Slowenien: „On my way“ von Omar Naber
(18) Lettland: „Line“ von Triana Park

Semifinal 2:
(19) Serbien: „In too deep“ von Tijana Bogićević
(20) Österreich: „Running on air“ von Nathan Trent
(21) Russland: „Flame is burning“ von Yulia Samoylova
(22) Mazedonien: „Dance alone“ von Jana Burčeska
(23) Malta: „Breathlessly“ von Claudia Faniello
(24) Rumänien: „Yodel It!“ von Ilinca ft. Alex Florea
(25) Niederlande: „Lights and Shadows“ von OG3NE
(26) Ungarn: „Origo“ von Joci Pápai