ESC-Songcheck (27): „Who we are“ von Jessika feat. Jenifer Brening


Nach einer langwierigen Online-Suche fiel Anfang März die Entscheidung: Ein maltesisch-deutsches Duo wird die hellblau-weißen Farben des Zwergstaats in Lissabon vertreten. Doch haben die beiden sympathischen Damen eine Chance, die Ein-Punkt-Schmach des letzten Jahres vergessen zu machen? Schauen wir uns Jessika und Jenifer mit „Who we are“ nochmal genauer an…

 

Die Interpreten

Das war wahrlich eine kuriose Suche nach einem Siegerlied (nach einigen Siegelliedern). Bereits im Oktober ging es mit los und tatsächlich jeder konnte sich bewerben, der entweder 100 Likes oder Shares erreichte oder 4,99 Euro zur Hand hatte – ein richtiges Schnäppchen gegenüber den 20.000 Euro, die in Griechenland kurz vorm Finale fällig wurden. Im Verlauf der Auswahl konnten dann sogar Fan-Blogs Vorschlagslisten einreichen – eine Chance, die natürlich auch der PRINZ-Blog wahrnahm.

Schlussendlich fand am 3. März ein – natürlich online gestreamtes – Finale in… Bratislava statt, aus dem eine Frau mit massig Vorentscheiderfahrung als Siegerin hervorging: Jessika (bürgerlich Jessica Muscat) aus Malta. Wenn ich mich nicht verzählt habe, hat sie in neun aufeinanderfolgenden Jahren von 2008 bis 2016 mit 10 Songs an der maltesischen Vorentscheidung teilgenommen. Dabei hangelte sie sich ganz langsam von Scheitern in den Semis über einen letzten Platz im Finale mit 0 Punkten mühsam bis zu einem 7. Platz in 2016 hoch. Hut ab vor so viel Mut und Durchhaltevermögen!

Die heute 29jährige mit der markanten roten Mähne scheint in der Heimat leider nicht die Lobby zu haben, um das heimische Festival wie so viele andere Wiederholungstäter vor ihr einmal gewinnen zu können. Und so schöpfte sie nach einem Jahr Wettbewerbspause neuen Mut und bewarb sich in der offenen sammarinesischen Auswahl.

Im Duett mit Jenifer Brening klappte es dort im Finale endlich: Jessika fährt zum ESC! (Hier gibt’s nochmal die ganze Sendung auf youtube). Jenifer ist gebürtige Berlinerin und hat bei diversen Castingformaten mitgemacht, erreichte u.a. den Recall bei DSDS. Mit ihrem eigenen Finalbeitrag beim San-Marino-Finale kam sie auf Platz 3, gewann jedoch gleichzeitig kurioserweise, indem sie kurzfristig für den Rap-Part in Jessikas Beitrag für einen männlichen Kandidaten einsprang.

 

Der Song

Der Song wurde verfasst von Mathias Strasser, Stefan Moessle, Jenifer Brening selbst, sowie Christof Straub und Blog-Darling Zoë (Straub). Letzteres hat mich dann bei der Recherche doch etwas erstaunt. Denn er klingt wie ein angestaubter Pop-Song, der wesentlich mehr sein möchte, als er letztlich ausstrahlt. Die Strophen sind noch passabel, beim Refrain drängt sich aber ungut ein Déjà-vu zu „Heroes“ von Måns Zelmerlöw auf, und beim Rap-Part fühlt man sich unweigerlich in die 90er Jahre versetzt.

Textlich setzt man auch hier auf die Bullying-Problematik, allerdings mit einem eher schwachen, oberflächlichen Vers – das haben die Beiträge aus der Schweiz und aus Israel mit ähnlichen Themen deutlich griffiger und markanter gelöst.

Wirklich schade, dass Dauer-Aspirantin Jessika (und auch Jenifer, auch wenn es ihr erster Versuch ist), mit einer so mittelprächtigen Nummer zum ESC fahren. Dass dies dann auch noch für ein eher zufälliges Land ist, macht das ganze Unterfangen noch unpersönlicher. Ein in der Slowakei ausgewähltes Lied, von Deutschen und Österreichern geschrieben, mit maltesisch-deutschen Interpreten. So gar kein Bezug zum absendenden Land macht es für so manchen ESC-Fan vollkommen beliebig, und für den Ersthörer am Bildschirm wird es – leider – auch beliebig klingen. Einen großen Fan dieses Songs habe ich letzte Woche in meinem Freundeskreis entdeckt. Das wird aber nicht reichen. Schade.

San Marino 2018: Jessika (feat. Jenifer Brening) – Who we are

 

Die Präsentation

Tatsächlich bin ich hier überfragt, da ich so gar keinen Zugang finde zu diesem Lied. In den Fan-Votings und den Wettquoten läuft es unter ferner liefen, und ein schönes Alleinstellungsmerkmal, um das man die Präsentation aufbauen könnte, kann ich auch nicht ausmachen.

Ein Asset ist vielleicht die für Pop-Produktionen gut geeignete Stimme von Jessika – schade, dass man Jenifers Talent in dieser Richtung nicht hören wird. Insofern: Konzentriert Euch darauf, Jessika gut in Szene zu setzen. Versucht, den Rap-Part nicht gar zu sehr als Fremdkörper wirken zu lassen – dazu müssten sich die beiden auch mehr miteinander beschäftigen als nur umeinander rumzuschleichen. Irgendwie sollten die beiden die Botschaft des Songs glaubhafter als Team rüberbringen, als noch beim Finale in Bratislava: da wirkte das nämlich distanziert und kühl.

 

Was PRINZ-Blogger darüber denken

BennyBenny: Diesen Song hatte ich ganz lange nicht auf dem Schirm, letztens hatte ich aber sogar einen Ohrwurm davon. Trotzdem: Ziemlich billig produziert und dieser Rap-Part aus den 90ern geht auch gar nicht.

DJ Ohrmeister: Überflüssiger, sinnfreier Beitrag, der seinen musikalischen Climax beim Einstieg in den Refrain auch noch bei Monz geklaut hat. Die Komposition und der Text animieren mich eigentlich nur zum Weiterskippen. Schade.

Salman: Ein sehr skurriler Song mit zwei Refrains. Einer davon erinnert sehr stark an „Heroes“. Dazu noch der komische Rap. Finalchancen für San Marino gegen Null!

Tjabe: Oh je. Ist San Marino ein Kandidat für null Punkte? So etwas gibt es ja sehr selten. Im letzten Jahr gab es ja wenigstens einen, aber dieses Jahr sehe ich noch schwärzer. Da wurde so viel Arbeit in die Auswahl gesteckt und es ist irgendwie nichts dabei rausgekommen. Schade um all diejenigen, die sich so bemüht haben.

Jeder ESC-Titel wird im Songcheck von allen PRINZ-Bloggern nach ihrem persönlichen Gusto auf einer 11-stufigen Skala (12-10-8-7-6-5-4-3-2-1-0) bewertet, wobei 12 die höchste Wertung darstellt. Die Wertungen werden addiert. Unser persönliches subjektives Gesamtbild:

Die Prognose der PRINZ-Blogger

Hier geht es nicht um das persönliche Gefallen, sondern um eine Prognose. San Marino hat nach Einschätzung aller PRINZ-Blogger eine Qualifikationschance von 11 Prozent und landet damit auf Platz 18 in Semifinale 2. Hier geht es zur Prognose der PRINZ-Blogger für das zweite Semifinale.

 

Social Media

Jessika/Jessica ist auf facebook, Jenifer auch. Jessika hat eine Website und einen Twitter-Account, und über Jenifer gibt es diese Seite zum Nachlesen.

 

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Vorschau: Bereits heute Nachmittag wird das serbische Lied von BennyBenny unter die Lupe genommen.

 

Bereits erschienen:

Semifinale 1
(1) Albanien: „Mall“ von Eugent Bushpepa
(2) Aserbaidschan: „X My Heart“ von Aisel
(3) Belgien: „A Matter Of Time“ von Sennek
(4) Bulgarien: „Bones“ von Equinox
(5) Estland: „La Forza“ von Elina Nechayeva
(6) Island: „Our Choice“ von Ari Ólafsson
(7) Israel: „Toy“ von Netta Barzilai
(8) Litauen: „When we’re old“ von Ieva Zasimauskaitė
(9) Tschechien: „Lie to Me“ von Mikolas Josef
(10) Weißrussland: „Forever“ von Alekseev
(11) Armenien: Qami von Sevak Khanagyan
(12) Finnland: „Monsters“ von Saara Aalto
(13) Griechenland: „Oneiro Mou“ von Yianna Terzi
(14) Irland: „Together“ von Ryan O’Shaughnessy
(15) Kroatien: „Crazy“ von Franka
(16) Mazedonien: „Lost and found“ von Eye Cue
(17) Österreich: „Nobody but you“ von Cesár Sampson
(18) Schweiz: „Stones“ von ZiBBZ
(19) Zypern: „Fuego“ von Eleni Foureira

Semifinale 2
(20) Australien: „We Got Love“ von Jessica Mauboy
(21) Dänemark: „Higher Ground“ von Rasmussen
(22) Moldawien: „My Lucky Day“ von DoReDos
(23) Niederlande: „Outlaw in ´Em“ von Waylon
(24) Norwegen: „That’s How You Write a Song“ von Alexander Rybak
(25) Rumänien: Goodbye von The Humans
(26) Russland: „I won’t break“ von Julia Samoylova