ESC Songcheck (28): „Kedvesem“ von ByeAlex

ByeAlex Ungarn 2013

Mit dem heutigen Songcheck geht es in ein Land, dass seit seinem Debüt 1994 in einer Art On and off-Beziehung mit dem Eurovision Song Contest lebt. In 20 Jahren ist der diesjährige Song der Magyaren erst der elfte Beitrag. Mal wollte man nicht mitmachen – zumeist aus finanziellen Gründen -, mal scheiterte man in ominösen Vorauswahlen und mal bekam man aufgrund schlechter Platzierungen in den Vorjahren einfach keinen Startplatz zugeteilt.

Wie schon im vergangenen Jahr entschied man sich in Budapest auch 2013 zu einer mehrstufigen Auswahl mit Halbfinals und einem großen Finale (Hier geht´s zum Live-Blog). Am Ende stand für viele ziemlich überraschend der 28-jährige Alex Marta alias ByeAlex auf dem Siegertreppchen, der mit seinem Song „Kedvesem“ (Liebling) zwar keineswegs die Fachjury (dort nur Platz 4), dafür aber das TV-Publikum restlos überzeugen konnte. Der Vorsprung im Televoting muss ungeheuer gewesen sein, damit er von einem abgeschlagenen 4. Platz noch an die Spitze stoßen konnte.

Schaut man sich die ungarische Vorentscheidung aber genauer an, ist das aber sogar erklärbar. Zum einen wurde der Jury vorgeworfen, den Sieger von „The Voice“, Dénes Pál, nicht ins Superfinale durchgewunken zu haben, weil man gern Gigi Radics, eine andere Castingshow-Siegerin, in Malmö sehen wollte. Das soll dann angeblich zu einer Flut von Proteststimmen geführt haben, die nahezu allesamt auf Alex fielen. Fairerweise muss man aber auch sagen, dass Alex mit seinem Song auch einen Nerv getroffen haben muss. „Kedvesem“ steht momentan an der Spitze der ungarischen Charts – und das spricht sicher für sich.

bye alex ungarn 2013

Alex ist eigentlich studierter Philosoph und Journalist mit einem großen Faible für moderne Kunst und hat immer nur nebenbei ein wenig gesungen. Erst im vergangenen Jahr begann er überhaupt mit dem Schreiben von Songs. Der Ursprung seines Künstlernamens ist nicht bekannt – noch nicht! Wir werden ihn in Malmö aber sicher fragen, ob er ein Fan der Toten Hosen und ihres Songs „Bye Bye Alex“ ist. Für den Herausgeber eines Tattoo-Magazins wäre das irgendwie total passend!

Zu der Teilnahme beim Vorentscheid kam Alex wie die Jungfrau zum Kinde. Sein Manager hat ihn angemeldet, er selbst hätte nach eigenem Bekunden nicht im Traum an so etwas gedacht, da er sich für viel zu bühnenunerfahren hält. Aber so läuft es eben manchmal im Leben – einige müssen zu ihrem Glück gezwungen werden. Eine vergleichbare Aufregung um einen ungarischen Beitrag hat es jedenfalls bisher an der Donau noch nicht gegeben. Den Staatssender kann´s freuen, er darf sich im Mai sicher auf ordentliche Einschaltquoten freuen. Und während Malta (hier geht´s zum Songcheck) über einen Nerd singt, singt für Ungarn der Nerd selbst – jedenfalls vermittelt Alex´ Äußeres mit Hornbrille und Vollbart so ein bisschen diesen Eindruck, wenn auch irgendwie moderner und cool.

ByeAlex bartlos…..mal ohne Bart und Mütze

Nun aber zum Song. In wohl ziemlich lyrischen Worten, die, wie man liest, wohl nur sehr schwer zu übersetzen sind, schwärmt Alex mit ziemlich rauer Stimme von seiner Traumfrau, seinem „Kedvesem“. Der Song besticht durch seine Einfachheit, das ist schnörkellos und auf den Punkt. Manche mögen das für langweilig halten, aber ich glaube oder will zumindest glauben, dass das TV-Publikum auch durch solche in musikalischer und choreographischer Hinsicht „krawallfreien“ Beiträge positiv angesprochen werden kann.

Stimmlich ist das Ganze natürlich keine besondere Herausforderung, zum Teil handelt es sich auch mehr um eine Art „Singsprech“. Und große Bühnenerfahrung braucht man bei dieser Art der Darbietung sicher auch nicht.  Hier der Auftritt aus der Vorentscheidung:

In Malmö werden wir aber eine leicht veränderte Fassung des Songs hören. Der ungarische DJ und Produzent Zoohacker hat sich des Songs nämlich noch einmal angenommen und einen Remix kreiert, der den Refrain ein wenig gegenüber den Strophen absetzt und das Ganze ein wenig dynamischer wirken lässt. Hier das offizielle Preview-Video:

Choreographisch wird sich Alex sicher an seinem Auftritt in dem Budapester Studio orientieren. Alles andere würde zu dem Song auch gar nicht passen. Man könnte dann dazu schön im Hintergrund das Preview-Video abspielen.

Kedvesem zoohacker

Bewertung (auf einer Skala von 0 bis 5 Sternen):

Optik: 2 Sterne (solche Leute sieht man sonst immer nur mit irgendeinem Apple-Teil im Studentencafé)
Stimme: 2 Sterne (mehr Sterne sind bei diesem Song auch nicht nötig!)
Komposition: 4 Sterne (in ihrer Einfachheit irgendwie packend)
Instant Appeal: 4 Sterne (weil simpel und ungewöhnlich)

Qualifikationschancen: Geht es nach den Prinz-Bloggern, geht es für ByeAlex in Malmö gerade noch gut. Wir sehen ihn nämlich knapp im Finale mit einer Wahrscheinlichkeit von 54 %, damit liegt er bei uns auf Platz 10 im zweiten Semifinale.

Bei unserer Voting-Simulation stellte sich dann aber heraus, dass wir den Song viel höher einschätzen, wenn es nur nach unserem persönlichen Geschmack geht – da liegt Ungarn nämlich auf einem sensationellen dritten Platz! Winkt hier gar ein Überraschungserfolg? Ist Bye Alex eine Art Dark Horse? Die Buchmacher glauben das zumindest nicht. Dort liegt ByeAlex bei der Siegeswette auf dem aussichtslosen Platz 24 – ein knapper Finaleinzug wird ihm aber auch dort zugetraut.

ByeAlex (warum wird das eigentlich zusammen geschrieben?) ist bei Facebook zu finden und teilt sich mit anderen Interpreten seines Labels einen Youtube-Kanal.

ByeAlex Minipop IconIn Teil 29 unseres Songchecks unterzieht Marc morgen die Mitfavoritin Margaret Berger aus Norwegen und ihren Song „I feed you my love“ einer näheren Überprüfung.