ESC-Songcheck (28): „Nova deca“ von Sanja Ilić & Balkanika

Der letzte wirklich große ESC-Erfolg liegt für Serbien schon sechs Jahre zurück. Damals kam Željko Joksimović auf den dritten Platz, es folgten zwei Halbfinal-Aus und zwei knappe Qualifikationen, die auf Platz 10 bzw. 18 endeten. Fraglich, ob es für das Balkan-Land in diesem Jahr besser laufen wird: Sanja Ilić und seine Kombo Balkanika liefern mit „Nova Deca“ alles andere als leichte Kost.


Die Interpreten

Die eigentlich elfköpfige Band Balkanika ist in erster Linie das Produkt von Sanja Ilić. Der berühmte serbische Komponist hat unter anderem den jugoslawischen ESC-Beitrag 1982 „Halo, Halo“ von Aska geschrieben. Balkanika gründete er 1998 und die Band ist so etwas wie das serbische Faun: Mittelalterliche und byzantinische Musik soll weiterentwickelt und mit modernen Elementen kombiniert werden.

Serbien hat dieses Jahr die altbewährte Vorentscheidung Beovizija reaktiviert und den Jurys und Zuschauern insgesamt 17 Acts zur Auswahl gestellt. Sanja und Balkanika konnten sich in beiden Wertungsgruppen an die Spitze setzen und fahren damit mehr als verdient nach Lissabon.

 

Der Song

„Nova Deca“ besteht eigentlich aus zwei Songs Er beginnt zunächst als folkloristisches Klagelied mit viel Drama und Wehleiden. Dieser Teil dauert dann auch fast die komplette erste Minute, was für manche Zuschauer eventuell etwas zu viel des Guten sein könnte. Erst dann setzen Trommeln ein, ebenso wie der Gesang von Sänger Mladen Lukić und das Lied nimmt langsam Fahrt auf. Bis zum Ende entwickelt es sich dann schließlich noch zu einem ausgewachsenen Balkan-Schlager.

Das Interessante – oder je nach Sichtweise Verwirrende – an dem Song ist, dass er sich nicht entscheiden kann, was er sein will. Drama-Ballade oder Tanz-Nummer? So ist er am Ende weder Fisch noch Fleisch und könnte die Zuschauer eher ratlos zurücklassen.

Ganz Ähnliches gilt übrigens für den Text. Irgendwie ist alles schlimm, aber gleichzeitig ist da die Hoffnung, dass die „Nova Deca“, also die Neuen, alles besser machen. Das würde als Entwicklung innerhalb des Liedes Sinn machen, aber dadurch, dass auch am Ende weiterhin fleißig gelitten und geklagt wird, ist es eher ein wilder Mix aus allen möglichen Gefühlen zwischen himmelhoch-jauchzend und zu Tode betrübt.

Serbien 2018: Sanja Ilic & Balkanika – Nova Deca

 

Die Präsentation

Ganz übel war die „Inszenierung“ während der serbischen Vorentscheidung. Hier fehlte alles vom klaren Konzept bis zur Ausstrahlung der Interpreten. Will Serbien ins Finale einziehen, muss hier unbedingt noch etwas passieren.

Bei einem Song, der sowieso schon verschiedene Elemente in sich vereint, ist weniger mehr. Die drei Sängerinnen und Sänger harmonieren hinter den Kulissen der Pre-Events ganz wunderbar, das sollte man unbedingt nutzen: Die drei in den Fokus rücken und den klaren Ablauf, der Text und Songaufbau fehlt, zumindest in der Inszenierung vorgaukeln. Das würde bedeuten, zu Beginn eine eher dunkle Bühne, später mehr Licht und damit auch Hoffnung. Fertig.

 

Was PRINZ-Blogger darüber denken

BennyBenny: Eigentlich hätte das ein schöner Song sein können., aber der erste Teil ist mir zu dramatisch, der zweite zu platt. Der Song als Ganzes erschließt sich mir nicht, es gibt aber auch weitaus Schlimmeres im Teilnehmerfeld.

Jan: Mir ist das alles zu anstrengend, diese Mischung aus Klagegesang, Joksimovic-artigem Balkanschlager und „bulgarischem“ Getrommele. Die ganze Truppe wirkt auf mich optisch wie musikalisch auch überhaupt nicht homogen.

Marc: Schwermütiger, klagender Balkan-Ethno-Sound. Immerhin sehr unterhaltsam dargeboten. Das Flöten-Intro mit Jean Pütz ist mein Highlight.

Matthias: Ich bin den traditionellen Balkanklängen gegenüber ja durchaus aufgeschlossen, aber fast eine Minute Klagejammern mit extrem langgezogenen Tönen halte auch ich kaum aus. Nach spätestens 40 Sekunden skippe ich weiter. Zwinge ich mich zum Weiterhören. Die Trommeln und der Elektrobeat machen es nicht besser. Ein schlimmes Machwerk, das außerhalb des ESC (und außerhalb Ex-Jugoslawiens) kaum Anhänger finden dürfte.

 

Jeder ESC-Titel wird im Songcheck von allen PRINZ-Bloggern nach ihrem persönlichen Gusto auf einer 11-stufigen Skala (12-10-8-7-6-5-4-3-2-1-0) bewertet, wobei 12 die höchste Wertung darstellt. Die Wertungen werden addiert. Unser persönliches subjektives Gesamtbild:

Die Prognose der PRINZ-Blogger

Hier geht es nicht um das persönliche Gefallen, sondern um eine Prognose. Serbien hat nach Einschätzung aller PRINZ-Blogger eine Qualifikationschance von 50 Prozent und landet damit auf Platz 11 in Semifinale 2. Hier geht es zur Prognose der PRINZ-Blogger für das zweite Semifinale.

 

Social Media

Sanja Ilic & Balkanika haben eine Facebook-Seite und einen Instagram-Account.

 

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Vorschau: Morgen beschäftigt sich Salman mit dem ungewöhnlichen Beitrag der georgischen Kombo Iriao.

 

Bereits erschienen:

Semifinale 1
(1) Albanien: „Mall“ von Eugent Bushpepa
(2) Aserbaidschan: „X My Heart“ von Aisel
(3) Belgien: „A Matter Of Time“ von Sennek
(4) Bulgarien: „Bones“ von Equinox
(5) Estland: „La Forza“ von Elina Nechayeva
(6) Island: „Our Choice“ von Ari Ólafsson
(7) Israel: „Toy“ von Netta Barzilai
(8) Litauen: „When we’re old“ von Ieva Zasimauskaitė
(9) Tschechien: „Lie to Me“ von Mikolas Josef
(10) Weißrussland: „Forever“ von Alekseev
(11) Armenien: Qami von Sevak Khanagyan
(12) Finnland: „Monsters“ von Saara Aalto
(13) Griechenland: „Oneiro Mou“ von Yianna Terzi
(14) Irland: „Together“ von Ryan O’Shaughnessy
(15) Kroatien: „Crazy“ von Franka
(16) Mazedonien: „Lost and found“ von Eye Cue
(17) Österreich: „Nobody but you“ von Cesár Sampson
(18) Schweiz: „Stones“ von ZiBBZ
(19) Zypern: „Fuego“ von Eleni Foureira

Semifinale 2
(20) Australien: „We Got Love“ von Jessica Mauboy
(21) Dänemark: „Higher Ground“ von Rasmussen
(22) Moldawien: „My Lucky Day“ von DoReDos
(23) Niederlande: „Outlaw in ´Em“ von Waylon
(24) Norwegen: „That’s How You Write a Song“ von Alexander Rybak
(25) Rumänien: Goodbye von The Humans
(26) Russland: „I won’t break“ von Julia Samoylova
(27) San Marino: „Who We Are“ von Jessika feat. Jenifer Brening