ESC Songcheck (29): „Spirit Of The Night“ von Valentina Monetta & Jimmie Wilson

Ein kleines Land will Rekorde sammeln. Mit Valentina Monetta schickt San Marino seine erfolgreichste Teilnehmerin zum vierten Mal ins Rennen. 2017 startet sie mit Jimmie Wilson im Duett unter der erfahrenen Regie von Ralph Siegel, der die Eurovision wie kein anderer kennt. Bringt die geballte Erfahrung den Finaleinzug für „Spirit Of The Night“ oder wären aller guten Dinge drei besser gewesen?

Von 2012 bis 2014 nominierte San Marino, das keine öffentlichen Vorentscheidungen kennt, Valentina Monetta, die schon 2008 mit „Se Non Ci Sei Tu“ versucht hatte, für den kleinen Staat im Herzen Italiens zu starten. 2012 blieb sie mit „The Social Network Song (oh oh -uh- oh oh)“ auf Platz 14 im Halbfinale hängen und auch das hochfavorisierte „Crisalide (Vola)“ verpasste mit Platz 11 das Finale. 2014 jedoch erhielt der Titel „Maybe“ genau den einen Punkt, der San Marino ins Finale katapultierte und dort auf Platz 24 enden ließ.

Die Vita von Valentina Monetta wird dominiert durch den Sangescontest. Geboren am 1. März 1975 begann sie ihren musikalischen Weg in diversen Bands und nahm 2001 an der Casting Show „Popstars“ teil. Drei Alben und mehrere Singles konnte die Künstlerin auf den Markt bringen.

An Valentinas Seite wird 2017 Jimmie Wilson stehen, der in Detroit geboren wurde und seine schauspielerische Ausbildung in Hollywood genoss. Er spielte in den USA im Musical „Sisterella“ und nach seinem Umzug nach Deutschland stand er als Barack Obama in „Hope! – Das Obama Musical“ auf der Bühne. Er nahm zudem an einem Castingformat in Polen teil. Mehr über die beiden kann man hier lesen.

 

Der Song

Erst kurz vor Toresschluss wurde der san marinesische Song bekannt gegeben. Unzufriedenheit über die Ergebnisse sowie angebliche gescheiterte Nominierungsversuche liessen den Eurovisionfan warten. Beim Lesen der Titelzeile „Spirit Of The Night“ erwartete man eine balladeske Hymne, aber schon mit den ersten Klängen wird man in die Discozeit zurückversetzt. Ein klassischer Popsong über das Entdecken einer neuen Liebe, die eine frühere Enttäuschung vergessen machen lässt.

You’ve got me feeling right
and I can see the future is bright
I’ll take your blues away
So no more searching high and low and
always looking for the right time

Das typische Format von zweimal Vers und Refrain, sowie die Wiederholung des Refrains am Ende mit einer Brücke dazwischen charakterisiert eigentlich den Discostampfer, aber durch den Wechselgesang, der Verarbeitung verschiedener Musikepochen sowie der unterschiedlichen Tempi erhält das Lied eine erwachsene Note. Man bedient sich schon beim ersten Vers neben den sanften fließenden Discoklängen rhythmischen Stakkato-Tönen, um dem Lied Schnelligkeit einzuhauchen.

Der Refrain macht dann den Song tanzbar und baut das Diskotheken-Ambiente auf. Die zweite Wiederholung des Refrains erlebt gleich einen Key Change. Ihr folgt eine ruhigere Bridge, welche in einen fast A-Capella Refrain mündet. Ein weiterer Key Change Refrain schließt sich an. Im Video kommt eine Pause nach diesem Höhepunkt, um nochmals die diskohafte Grundmelodie erklingen zu lassen. Sollte dieses zur Aufführung kommen wäre eine Klatschfalle vorprogrammiert.

Der modulative Charakter des Liedes lassen Valentina Monetta und Jimmie Wilson die Möglichkeit mit ihren Stimmen zu spielen. Dabei kann die hervorragende Sängerin, die mehr als nur Eurovision kann, was sie eindrucksvoll in Malmö 2013 bewies, ihre Stärken zeigen. Jazzig bluesige Elemente gibt es leider nicht, aber kraftvolle Dynamikwechsel.

Ralph Siegel hat, dieses Mal zusammen mit Jutta Staudenmayer und Steven Barnacle, sich wieder etwas einfallen lassen, um seine Künstlerin glänzen zu lassen. Schon 2013 hat er mit „Crisalide“ für Valentina einen Song gezaubert, der sie in die Herzen der Eurovisionfans katapultiert hat. Leider scheiterte das grandiose Lied, das viele gerne im Finale gesehen hätten, wohl an der frühen Startposition. Ein Interview mit Ralph Siegel, das Bloggerkollege Matthias mit ihm geführt hat, ist hier nachzulesen

San Marino: Valentina Monetta & Jimmie Wilson – Spirit Of The Night

 

Die Präsentation

Es wird eine schwierige Aufgabe werden, um für die beiden Protagonisten ein passendes Szenario zu schaffen, das sie glaubwürdig rüber bringt. Mit Disco verbindet man zumeist junge ausgeflippt tanzende Mädels und Jungs und beim Betrachten des Videos fühlt man sich eher in einen Club versetzt. Aber der Song braucht Discocharakter.

Mein Vorschlag: Man sollte die beiden auf die Mitte der Bühne stellen. Sie sollten sich zumeist zugewandt ansingen und nur im Refrainteil nach vorne drehen. In der Bridge könnten sie sich einmal umrunden. Aber nicht zu ausgeflippte Bewegungen.

Ein Chor und keine Tänzer sollte die beiden verstärken. Hinter ihren Mikros dürfen sie dem Groove des Liedes folgen, aber auch hier nicht zu ausgiebig. Die Schnelligkeitswechsel im Lied müsste der Hintergrund durch Farbwechsel aufzeigen. Hier braucht es auch nicht nur weiß und schwarz geben, auch wenn von der Nacht gesungen wird, aber die blauen und roten Elemente dürften einen dunkleren Charakter haben.

Outfittechnisch sollten Valentina und Jimmie nicht in T-Shirt und Lederhose darstehen, sondern Jackett und ein schickes kurzes Abendkleid dürfen es sein. Bei so einem Lied kann man auch zuviel einsetzen, wodurch die Darbietung an Glaubwürdigkeit verlieren würde.

 

Was PRINZ-Blogger darüber denken

Douze Points: Wenn man weiß, von wem das Lied stammt, ist das durchaus eine runde Nummer. Ohne das Wissen wirkt es etwas aus der Zeit gefallen. Aber aus der guten.

Marc: Kein ESC ohne Ralph Siegel und mit „Spirit of the Night“ hat er uns eine schöne Euroclub-Nummer geschenkt. Valentinas Rückkehr verzückt viele Fans und mit Jimmie hat sie einen sympathischen Duett-Partner an ihrer Seite. 

Matthias: Ralph Siegel hat seinem Computer den gleichen Beat entlockt, der schon bei „Just get out of my life“ Jahre zu spät kam. Wenn das Retro sein soll, dann ist es schlechter Retro. Zum Vergleich: gut gemachter Retrosound ist „Space“ aus Montenegro.

Salman: Valentina is back! Und diesmal hat sie sich mit Jimmy Verstärkung mitgebracht! Ralph Siegel hat schon bessere Songs geschrieben aber auch schon schlechtere. Mir gefällt der Retrostyle eigentlich ganz gut. Ich würde es sowohl Valentina als auch Ralph gönnen ins Finale zu kommen.

Tjabe: Gute Stimmen und ein klassischer Popsong. Aber es wird wie immer schwer für das kleine Land.

Jeder ESC-Titel wird im Songcheck von allen PRINZ-Bloggern nach ihrem persönlichen Gusto auf einer 11-stufigen Skala (12-10-8-7-6-5-4-3-2-1-0) bewertet, wobei 12 die höchste Wertung darstellt. Die Wertungen werden addiert. Unser persönliches subjektives Gesamtbild:

 

Die Prognose der PRINZ-Blogger

Hier geht es nicht um das persönliche Gefallen, sondern um eine Prognose. San Marino hat nach Einschätzung aller PRINZ-Blogger eine Qualifikationschance von 33 Prozent und landet damit auf Platz 17 in Semifinale 2. Hier geht es zur Prognose der PRINZ-Blogger für das zweite Semifinale.

 

Was PrinzBlog-Leser darüber denken

Martin: Ich find das genial:D:D Endlich ist Valentina wieder da!!!! Klingt zwar sehr altbacken und passt musikalisch zu Fame und co, aber das könnte ins FInale kommen. Bei Maybe hat das auch niemand erwartet und das war deutlich uneingängiger als dieses hier

Dina: Flashback zurück in die 80er…jede x-beliebige Klassenfahrt mit dem obligatorischen Disko-Abend. Die Luft knistert vor Spannung, die Hormone sind am Toben – und nichts passiert. Da kommt Nostalgie auf. Jimmie hat eine gute Stimme – der musste nach dem Anruf bestimmt erst bei Wikipedia nach diesem Mr. Ralph Siegel suchen. P.S. Täusche ich mich oder ist es ihnen beim Videodreh gelungen alle Einwohner San Marinos in den Club zu kriegen? 🙂

Bandido: San Trollino hat es wieder getan! Scheint so eine Art Erpressungstaktik des Winzstaats gegenüber der EBU zu sein. So nach dem Motto: so lange ihr die Votingregeln nicht ändert schicken wir immer wieder und wieder und wieder das Gleiche! 😉 Das ist natürlich ein klassischer Siegel. Nett, dass er wieder mit dabei ist aber wer ernsthaft mit einem Finaleinzug rechnet sollte vielleicht mal kurz aus dem Fenster schauen ob die ersten Schweine schon fliegen können …

Niki: Ich liebe diesen Song!! ♥ Ein billiger Popsong – genau das, was ich mag^^ Mit dem Finalenzug wird’s wohl leider nichts…

Ruhrpottler: FINALE OHOHOOO FINALE OHOHOOO Viele Fans freuen sich auf unsere Queen und ich bin schon seit dem Facebook-Song ein großer Fan von Monetta! Ralph Siegel hatte die letzten drei Jahren immer die besseren Songs als wir. Chain Of Lights war besser als Black Smoke. Under the Sun war besser als Ghost und nun ist dieser Song definitv besser als Perfect Life. Ich würde mich nicht wundern, dass Monetta ins Finale kommt und besser abschneidet als Levina.

Social Media

Als zusammengesetztes Doppel fehlen Valentina Monetta und Jimmie Wilson natürlich eine gemeinsame Homepage und andere Social Media Attribute, aber auf Valentinas Facebook-Seite dreht sich nun alles um die beiden. Und auch auf ihrer Instagram-Seite kann man viele Momente der letzten Wochen wiederfinden. Insbesondere Jimmie trägt erheblich dazu bei. Er hat eine Website und ist bei Facebook und Instagram.

 

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Vorschau: Als nächstes nimmt sich „My“ Blogger „Friend“ BennyBenny heute Abend des kroatischen Beitrags von Jacques Houdek an.

Bereits erschienen:

Semifinal 1:
(1) Albanien: „World“ von Lindita
(2) Aserbaidschan: „Skeletons“ von DiHaj
(3) Australien: „Don’t come easy“ von Isaiah
(4) Belgien: „City Lights“ von Blanche
(5) Finnland: „Blackbird“ von Norma John
(6) Georgien: „Keep the faith“ von Tamara Gachechiladze
(7) Montenegro: „Space“ von Slavko Kalezić
(8) Portugal: „Amar pelos dois“ von Salvador Sobral
(9) Schweden: „I can’t go on“ von Robin Bengtsson
(10) Griechenland: „This is love“ von Demy
(11) Polen: „Flashlight“ von Kasia Moś
(12) Moldawien: „Hey Mamma!“ von SunStroke Project
(13) Island: „Paper“ von Svala
(14) Tschechien: „My turn“ von Martina Bárta
(15) Zypern: „Gravity“ von Hovig
(16) Armenien: „Fly with me“ von Artsvik
(17) Slowenien: „On my way“ von Omar Naber
(18) Lettland: „Line“ von Triana Park

Semifinal 2:
(19) Serbien: „In too deep“ von Tijana Bogićević
(20) Österreich: „Running on air“ von Nathan Trent
(21) Russland: „Flame is burning“ von Yulia Samoylova
(22) Mazedonien: „Dance alone“ von Jana Burčeska
(23) Malta: „Breathlessly“ von Claudia Faniello
(24) Rumänien: „Yodel It!“ von Ilinca ft. Alex Florea
(25) Niederlande: „Lights and Shadows“ von OG3NE
(26) Ungarn: „Origo“ von Joci Pápai
(27) Dänemark: „Where I am“ von Anja
(28) Irland: „Dying To Try“ von Brendan Murray