ESC-Songcheck (3): „Aphrodisiac“ von Eleftheria Eleftheriou


Die gebürtige Zypriotin Eleftheria Eleftheriou geht in diesem Jahr für die Griechen an den Start – und hat eine schwere Last zu tragen. Noch nie hat Griechenland seit Einführung der Semifinals 2004 die Finalqualifikation und eine anschließende Platzierung in den Top 10 des Grand Final verfehlt. Wird die zierliche Sängerin in den grünen Lack-Pumps den einsamen Rekord der Hellenen mit ihrem Song „Aphrodisiac“ halten können?

Zugegeben, viel Auswahl hatten die Griechen dieses Jahr nicht. Der Sender ERT war im Zuge des finanziellen Drucks eine enge Kooperation mit der Plattenfirma Universal Music Greece eingegangen und hatte gerade einmal vier Songs in der Finalshow aus dem Einkaufszentrum „River West Mall“ aufgeboten.

Vielleicht auch deshalb war wohl keine bahnbrechende Originalität zu erwarten – heraus kam ein Song, der optisch wie auch akustisch wie eine Mixtur vergangener Beiträge klingt. Ein bißchen Paparizou, ein bißchen Kalomoira, ein Schuß „I would die for you“, ein Hauch von „Shake it“… Geschrieben wurde der Beitrag von den drei schwedischen Musikern Mikaela Stenström, Dajana Lööf und Dimitri Stassos (der ist zwar Grieche, lebt aber in Schweden). Dajana wurde 2003 bekannt als Finalistin in der schwedischen Ausgabe von Fame Factory und als Moderatorin einer Spielshow, während Dimitri Stassos und Mikaela Stenström bereits auf eine mehrjährige Zusammenarbeit als Songschreiber zurückblicken können, u.a. für Sibel („Stop“, MF 2010) oder Ivi Adamou. Noch mal ein Lied also aus der schwedischen Hitfabrik, wie soviele beim Song Contest.

Eleftheria hatte schon als Kind ein Faible für die Musik, nahm bereits früh Gesangsunterricht und wurde mit 16 Mitglied des National Folk Orchestra beim zypriotischen Fernsehen. Und bereits damals versuchte sie auch ihr eurovisionäres Glück, kam sogar ins Finale der Vorauswahl in Zypern, vergeigte das eigentlich ganz hübsche Stück „Play that melody for me“ stimmlich jedoch total.

 Eleftheria feat. Maria Zorli – Play that melody for me (Zypern VE 2006)

Später studierte sie an der University of Surrey und sang im Musical „Rent“, allerdings auch wieder in der zypriotischen Heimat. Der Weg schien also geebnet für eine solide Karriere im griechischsprachigen Musikmarkt.

Viel Glück hatte sie in der Folgezeit jedoch nicht. Den ersten Versuch, an X-Factor in Griechenland teilzunehmen, ließ sie trotz eines erfolgreichen Castings sausen, nahm 2009 dann ein zweites Mal teil. Trotz Favoritenstatus flog sie aber vorzeitig raus, worauf sie Sakis Rouvas auf seine Tournee als Gaststar mitnahm. Doch also sie 2010 an der griechischen ESC-Vorauswahl mit einem richtig guten Song teilnehmen sollte, disqualifizierte man sie kurz vor der Show, weil der Song trotz Veröffentlichungssperre im Netz aufgetaucht war. Bis heute ist nicht geklärt, wie es dazu kommen konnte. „Tables are turning“ (oder die griechische Version „Kendro tou kosmou“, zu deutsch „Nabel der Welt“) ist dennoch ein Floorfiller und läuft auf ESC-Partys sehr gut. In der Folge arbeitete sie noch erfolgreich mit heimischen Pop-Größen zusammen, bevor sie im März diesen Jahres als Kandidatin für den ESC-Vorentscheid 2012 bekanntgegeben wurde.

Der Song „Aphrodisiac“ gewann die Auswahl-Show am 12. März, ohne dass die genauen Ergebnisse bekanntgegeben wurden. Es ist ein simpler Dance-Track mit dem für griechische Beiträge typischen Bouzouki-Einschlag, durchaus eingängig, aber nicht besonders originell. Die Choreographie kommt aus demselben Stall wie vergangene Bühnenpräsentationen beim ESC auch und erinnert stark an „My number one“ und ähnliche Songs. Dennoch ist davon auszugehen, dass er gut abschneiden wird in Baku.

 Griechenland 2012: Eleftheria Eleftheriou – Aphrodisiac

> zur Facebook-Seite von Eleftheria Eleftheriou (ist auch gleichzeitig ihre offizielle Webseite)

PRINZ-Blog-Urteil

Songqualität: 6/10
Interpretation: 7/10
Chancen auf Finaleinzug: 93% (und damit nach Ansicht der Blogger Platz 2 im ersten Semifinale gleich hinter den Babushki)