ESC-Songcheck (30): „Funny Girl“ von Laura Rizzotto

Welch wilde Mischung: Brasilianerin mit lettischen Wurzeln – und zugleich klingt Laura Rizzotto eher nach Rom als nach Rio. Und ihr „Funny Girl“ eher nach Fifty Shades of Grey als nach ESC. Oder halt einfach nach souligem R&B. Von den PRINZ-Bloggern kann es so recht aber nur einen überzeugen – den Autor dieses Songchecks.

 

Die Interpretin

Laura de Carvalho Rizzotto wurde in der Tat am 18. Juli 1994 in Rio de Janeiro geboren. Ihre Großmutter väterlicherseits stammt aus Riga – daher die Verbindung zu Lettland. Lauras Mutter ist Brasilianerin portugiesischer Abstammung (das passt ja zu ihrer Teilnahme in Lisboa).

Ihre Jugend verbrachte sie in Brasilien und den USA, nachdem ihre Familie nach Minnesota gezogen war; in Südamerika veröffentlichte sie aber bei Universal Music Brazil ihr erstes Album „Made in Rio“ (2011). Anschließend war sie viel in den USA unterwegs: erst Musik-College in Boston, dann am California Institute of Arts in L.A., wo sie einen Abschluss machte, danach an die Columbia University nach New York.

Nebenbei veröffentlichte sie ihr zweites Album „Reason To Stay“ (2014), war Opening Act für Demi Lovato in Brasilien und sogar Brasilianisch/Portugiesisch-Coach für Jennifer Lopez. Im Oktober 2017 erschien eine EP namens „Ruby“ – tja, und dann meldete sich das lettische Fernsehen bei ihr, dass ihr „Funny Girl“ in der engeren Wahl sei für Supernova 2018, den lettischen Auswahlprozess für den Eurovision Song Contest. Über mehrere Runden schaffte sie es schließlich ins Finale, das sie am 24. Februar für sich entscheiden konnte, unter anderem gegen Dauerkandidat Markus Riva (hier Jans Live-Blog zum Nachlesen).

 

Der Song

Laura hat sich ihr „Funny Girl“ auf den eigenen Leib geschrieben; veröffentlicht wurde es im Dezember 2017. Im Text gibt sie einer Frau eine Stimme, die sich in einen Kerl oder eine Frau (das Geschlecht bleibt offen) verliebt hat, doch der/die Angebetete macht mit einer anderen Frau rum. Das singende Ich fragt sich: „Was kann ich tun, damit du für mich so fühlst wie für sie?“- zugleich aber versucht sie, ihren Schmerz zu verbergen, wenn der/die Angebetene nach dem Parfum der anderen riecht. Und sie gesteht sich in diesem Moment ein: „Was hab ich mir nur eingebildet? Für dich bin ich doch nur das lustige Mädel!“ Eine Erfahrung, die sicher viele schon gemacht haben…

Die Komposition wiederum wird von vielen mit dem typischen Sound eines James-Bond-Filmsongs verglichen, andere sehen Ähnlichkeiten zum Soundtrack der „Fifty shades of grey“-Filmreihe. Da mich weder die Bücher noch die Filme jemals interessiert haben, ging auch die Filmmusik völlig an mir vorbei.

Ich hab für diesen Songcheck mal reingehört in den Soundtrack, und in der Tat hat „Funny Girl“ natürlich gewisse Merkmale von Songs wie „Earned It“ von The Weeknd oder „Meet Me in the Middle“, und klar, auch „I Put a Spell On You“ aus dem Soundtrack (Annie Lennox) klingt ähnlich – das ist ja ein alter Soul/R&B-Klassiker.

Denn auch wenn man Laura Rizzotto unterstellen mag, sie habe sich bei „Funny Girl“ an all diesen Songs orientiert: Im Grunde greift ihr ESC-Lied einfach die typischen stilistischen Features der Soul-R&B-Musik auf. Mich erinnert „Funny Girl“ zum Beispiel auch den Evergreen „Fever“ in der Version von Elvis Presley.

So ist auch „Funny Girl“ ein Song mit starkem Bläser-Arrangement. Um bei vorgegebenen drei Minuten keine Zeit zu verlieren, setzt das Lied – wie so mancher ESC-Beitrag – direkt mit Lauras Gesang ein. Der Aufbau folgt dem Schema: Strophe1 – Prechorus – Strophe2 – Prechorus – Refrain – Strophe3 – Prechorus-Variante – Refrain – Bridge – Refrain. An sich ein altbekanntes Popsong-Schema, das allerdings durch den Einsatz des Prechorus zwischen Strophe1 und Strophe2 aufgebrochen wird und somit etwas spannender wirkt.

Auch schon desöfteren gehört: beim letzten Refrain nach der Bridge nimmt sich das Arrangement, anders als bei den vorigen Refrains, zunächst stark zurück, ehe die Instrumente mit voller Kraft nochmal zurückkommen. Hier passt das gut und gibt Lauras schönen Stimme nochmal Raum.

Lettland 2018: Laura Rizzotto – Funny Girl

 

Die Präsentation

Der Auftritt beim lettischen Vorentscheid kann gut als Blaupause für Lissabon dienen. Ich würde Laura zwar zu anderem Outfit raten, dieses Glanzkleid sah eher nach KiK aus als nach sexy-elegant. Im Video macht Laura im ersten Teil schon mehr her (warum sie sich in der zweiten Hälfte des Clips verkleidet, als ob sie gleich im Zirkus auftritt, erschließt sich nicht). Daran sollte man sich kleidertechnisch orientieren. Das Kleid ist gerade bei einem Lied mit diesem inhaltlichen Thema enorm wichtig, und da muss es erstens aus hochwertigem Material, zweitens körperbetont und drittens betörend sein.

Auch kann man davon ausgehen, dass Frau Rizzotto bei ihren Arm-/Handbewegungen bleiben wird, mit denen sie ihre Körperlinien betont – in der Hoffnung, dass sich der Angesungene doch noch für sie, das funny girl, und nicht für die andere mit dem gut riechenden Parfum entscheiden möge. Ich finde, das kommt durchaus sexy rüber, auch wenn sie keck ihre Haarpracht von einer Seite zu anderen wirft. Alles, um den Geliebten von den eigenen Reizen zu überzeugen.

So stützt die Performance sinnvoll den Text. Ich würde jetzt noch ein bisschen mit Nebel und Licht spielen – nicht zu extrem (vgl. das Nebel-Desaster Georgiens 2015), aber so, dass beides das Sexy-Geheimnisvolle unterstreicht oder betont.

 

Was PRINZ-Blogger darüber denken

DJ Ohrmeister: Ach, irgendwie ist das gut gemacht und atmosphärisch gelungen, aber einfach musikalisch nicht my cup of tea. Berührt mich nicht.

Jan: Ach Gott – ja….eine weitere Bond-Ballade der ESC-Geschichte. Ich bin bei diesem Song total indifferent. Finde ihn zu plätscherig, da fehlt ein Höhepunkt – irgendetwas Besonderes. Ich fürchte, Laura muss vorzeitig aus Portugal abreisen.

Marc: Sorry, aber „Funny Girl“ klingt in meinen Ohren wie ein Fülltitel vom „50 Shades of Grey“-Soundtrack.

Matthias: Ich mag „Funny Girl“. Das Lied mit seinen Soul-Elementen ist top produziert und baut von Beginn an eine Spannung auf, die einen in das Lied reinzieht und einen fesselt, bis zum Schluss. Besonders gut gefällt mir das Bläserarrangement. Der Song erzählt eine Geschichte, die Laura bei „Supernova“ auch auf der Bühne gut rübergebracht hat. Sexy, keck und auch stimmlich überzeugend.

Jeder ESC-Titel wird im Songcheck von allen PRINZ-Bloggern nach ihrem persönlichen Gusto auf einer 11-stufigen Skala (12-10-8-7-6-5-4-3-2-1-0) bewertet, wobei 12 die höchste Wertung darstellt. Die Wertungen werden addiert. Unser persönliches subjektives Gesamtbild:

Die Prognose der PRINZ-Blogger

Hier geht es nicht um das persönliche Gefallen, sondern um eine Prognose. Lettland hat nach Einschätzung aller PRINZ-Blogger eine Qualifikationschance von 42 Prozent und landet damit auf Platz 13 in Semifinale 2. Hier geht es zur Prognose der PRINZ-Blogger für das zweite Semifinale.

 

Social Media

Laura Rizzotto hat ihre eigene Website (hier), auf Twitter sind sie und ihr Team auch aktiv, ihr Weg nach Lissabon in Bildern (u.a. Israel Calling und Amsterdam) gibt’s auf Instagram zu sehen, und auf Facebook könnt ihr der brasilianischen Lettin auch folgen.

 

[poll id=“829″]

 

Vorschau: Bereits heute Abend beschäftigt sich Salman mit Christabelle aus Malta – wird ihr Lied für die Zuschauer ein Anruf-„Taboo“?

 

Bereits erschienen:

Semifinale 1
(1) Albanien: „Mall“ von Eugent Bushpepa
(2) Aserbaidschan: „X My Heart“ von Aisel
(3) Belgien: „A Matter Of Time“ von Sennek
(4) Bulgarien: „Bones“ von Equinox
(5) Estland: „La Forza“ von Elina Nechayeva
(6) Island: „Our Choice“ von Ari Ólafsson
(7) Israel: „Toy“ von Netta Barzilai
(8) Litauen: „When we’re old“ von Ieva Zasimauskaitė
(9) Tschechien: „Lie to Me“ von Mikolas Josef
(10) Weißrussland: „Forever“ von Alekseev
(11) Armenien: Qami von Sevak Khanagyan
(12) Finnland: „Monsters“ von Saara Aalto
(13) Griechenland: „Oneiro Mou“ von Yianna Terzi
(14) Irland: „Together“ von Ryan O’Shaughnessy
(15) Kroatien: „Crazy“ von Franka
(16) Mazedonien: „Lost and found“ von Eye Cue
(17) Österreich: „Nobody but you“ von Cesár Sampson
(18) Schweiz: „Stones“ von ZiBBZ
(19) Zypern: „Fuego“ von Eleni Foureira

Semifinale 2
(20) Australien: „We Got Love“ von Jessica Mauboy
(21) Dänemark: „Higher Ground“ von Rasmussen
(22) Moldawien: „My Lucky Day“ von DoReDos
(23) Niederlande: „Outlaw in ´Em“ von Waylon
(24) Norwegen: „That’s How You Write a Song“ von Alexander Rybak
(25) Rumänien: Goodbye von The Humans
(26) Russland: „I won’t break“ von Julia Samoylova
(27) San Marino: „Who We Are“ von Jessika fest. Jenifer Brening
(28) Serbien: „Nova deca“ von Sanja Ilić & Balkanika
(29) Georgien: For you von Iriao