ESC Songcheck (31): „Grab the Moment“ von JOWST

Für Norwegen geht in diesem Jahr Jowst an den Start. Mit dem Elektro Song „Grab the moment“ gewannen sie im Osloer Spektrum den Norsk Melodi Grand Prix. Überraschend ist, dass bei Jowst nicht der Sänger, sondern der DJ im Mittelpunkt steht.

Joakim With Steen ist ein norwegischer DJ, Musikproduzent und Songwriter. Der 27-jährige trägt schon seit einigen Jahren den Künstlernamen „Jowst“ , bestehend aus den Anfangsbuchstaben seiner Namenselemente. Ende letzten Jahres schrieb er gemeinsam mit dem Texter Jonas McDonnell „Grab the moment“. Dieser war vorerst gar nicht für den ESC vorgesehen, sondern sollte verschiedenen Labels angeboten werden. Über eine Facebook Gruppe suchte Joakim nach einem geeigneten Sänger und führte ein Casting durch. Dabei überzeugte ihn der 31-jährige Aleksander Walmann, der 2012 bei der norwegischen Version von „The Voice“ bereits den zweiten Platz belegt hatte.

Das Duo begeisterte bei der norwegischen Vorentscheidung nicht nur das einheimische Publikum sondern auch die internationale Jury und sicherte sich damit das Ticket nach Kiew.

 

Der Song

„Grab the moment“ ist ein zeitgemäßer Elektro-Pop-Song. Aleksander Walmann singt die Strophen im Sprechgesang, während Jowst im Hintergrund am DJ Pult rumfuchtelt. Sein Markenzeichen ist, dass er dabei eine Maske trägt. Der Song enthält sehr viele  aufgenommene, stimmverzehrende Elemente. Im Refrain folgt immer wieder das „Grab the moment“ und setzt sich so in den Köpfen der Zuhörer fest. Dadurch hat der Song bei mehrfachem Hören starkes Ohrwurmpotential.

Was vielleicht beim ersten Hören nicht auffällt ist, dass der von Jonas McDonnell geschriebene Text eine starke Botschaft hat. Man soll die eigene Komfortzone verlassen und auch mal etwas wagen:

I’m gonna kill that voice in my head
I don’t care about falling
I’m gonna grab the moment

Auch die Strophen haben eine tiefere Bedeutung. Sie beschreiben die Ängste, die man hat, bevor man sich auf etwas Neues einlässt. Hier handelt es sich um alles andere als einen platten Elektro-Popsong:

Getting kinda heavy on my shoulders
Try to stand straight but I’m boneless
Got a pocket full of prose while I’m walking on my toes
And I’m coping with a map that is roadless

So when it’s all or nothing
I better get that good vibe buzzing
So when it’s all or nothing
I get that good vibe buzzing

Das Problem ist, dass beim ersten Hören diese Nachricht nur schwierig rüberkommt. Der Song schafft zwar für positive Stimmung, aber man bekommt die tiefere Bedeutung des Textes kaum mit, wenn man sich nicht intensiv mit ihm auseinandergesetzt hat. Je öfters man aber den Song  sich anhört, umso mehr gefällt er einem und man entdeckt immer mehr Elemente.

Nach mehrmaligen Hören kann einem der Song sogar so sehr gefallen, wie diesem Fan:

 

Die Präsentation

Sage und schreibe 1035 Beiträge wurden in diesem Jahr beim Norsk Melodi Grand Prix eingereicht. 10 Songs davon kamen in die Endrunde. Beim Finale am 11.März in Oslo trat Jowst mit der Startnummer 4 an. Die Bühne war komplett violettfarben beleuchtet.Im Vordergrund stand Aleksander Walmann und sang mit einem sehr schlichten weißen T-Shirt und einem schwarzen Hut. Man sah deutlich seine stark tätowierten Oberarme.

 

 

 

 

 

Im Hintergrund bediente Jowst in schwarzer Kleidung und mit seiner Maske das DJ Pult und spielte mittendrin auch Gitarre. Neben ihm waren noch zwei weitere DJ Pulte mit maskierten Personen auf der Bühne, darunter ein Schlagzeuger und ein weiterer DJ.

Alexander Walmann stand sehr statisch an einer Stelle. Er sang den Sprechgesang und bewegte dazu im Rhythmus sehr stark seine Arme. Sein Mikrofon hatte eine ähnliche Beleuchtung wie Kate Ryan bei „Je t’adore“ beim ESC Semifinale 2006. Auf dem Backdrop wurden violettfarbene Muster gezeigt, die aber für mich keinen erkennbaren Sinn ergeben. Zudem strahlten zahlreiche weiße Scheinwerfer, die einen schönen Kontrast zum violetten Bühnenbild darstellten.

Vor dem letzten Refrain steigert sich der bis dahin gleichmäßige Song mit einer „Elektro-Bridge“. Das Violett setzte zu diesem Zeitpunkt aus und man sieht nur noch schwarz und weiß. Das soll wohl das Ringen im Kopf symbolisieren, ob man es wagen soll und „den Moment ergreifen“ oder nicht. Nach Ende des Songs umarmten sich beide Künstler und man sah, dass sie gut miteinander harmonisieren.

 

Es wird sehr interessant sein, ob in Kiew der Song genauso umgesetzt werden kann. Er lebt von den „aufgenommenen, verzerrten Stimmen“ und beim ESC ist ja nur Livegesang erlaubt. Ohne diese Stellen würde der Song einiges verlieren.

In den letzten Tagen war zu lesen, dass der norwegische TV Sender NRK eine Ausnahmeregelung bei der EBU beantragen möchte, diese Stellen zu behalten. Eigentlich ist das eher unwahrscheinlich, aber da Christer Björkman dieses Jahr die Produktion leitet und man vom Melodifestivalen weiß, dass er ein großer Fan derartiger Elemente ist, ist es auch nicht auszuschließen. Ich selbst würde es nicht befürworten, denn es wäre ein Präzedenzfall und in Zukunft wäre es dann immer schwerer klare Linien zu ziehen, was erlaubt ist und was nicht.

Ansonsten würde ich für Kiew empfehlen, dass Alexander nicht so statisch steht, sondern sich auch mehr bewegt. So könnte man besser die Lebensfreude des Songs schon beim ersten Hören auf das Publikum zu transportieren.

Joakims Maske halte ich für albern und ich würde sie in Kiew weglassen. Zum einen ist er nicht wie Lordi oder Cro konsistent und man sieht ihn auch oft genug ohne Maske und zum anderen ist er eigentlich ganz hübsch anzusehen.

 

Was PRINZ-Blogger darüber denken

Douze Points: Ganz coole Nummer, interessante Persönlichkeit mit ebensolcher Simme. Leider fehlt das letzte Quäntchen Catchyness.

DJ Ohrmeister: Warum das gewonnen hat, frage ich mich noch heute. Ist das ein Siegerlied? Klingt wie ein Fülltitel für einen Live-Auftritt pseudointellektueller Hipster-DJs, die gern mit 10-Minuten-Tracks ganze Arenen langweilen. Die Norweger enttäuschen in den letzten beiden Jahren gewaltig, wie ich finde.

Jan: Das habe ich mir inzwischen so richtig schön gehört. Musikalisch höre ich eine angezogene Handbremse, aber der Auftritt beim Vorentscheid war schon irgendwie cool. Ich fürchte aber, JOWST werden durch das Raster fallen.

Peter: Die Maske des DJs verstört, aber Aleksander Walmann an den Leadvocals gibt mir wieder vertrauensvolle Zuversicht. Die Inszenierung beim Vorentscheid halte ich für die große internationale Bühne für nur bedingt tauglich. Und der Song ist nicht so stark wie der bessere Output der großen DJ-Vorbilder aus Schweden, UK, Frankreich oder Germany, also Avicii, David Guetta und so. Eher Hausmannskost, geadelt durch die sympathische Stimme von Aleksander.

Salman: Die beiden Jungs sind sympatisch und machen Stimmung. Der Refrain mit „Grab the moment“ ist eingängig. Der DJ sollte seine Maske daheim lassen, denn er sieht eigentlich ganz hübsch aus.  In Riga kam der Song vor nem kleinen Publikum super an, mal schauen, wie er in der großen Halle in Kiew wirkt.

Jeder ESC-Titel wird im Songcheck von allen PRINZ-Bloggern nach ihrem persönlichen Gusto auf einer 11-stufigen Skala (12-10-8-7-6-5-4-3-2-1-0) bewertet, wobei 12 die höchste Wertung darstellt. Die Wertungen werden addiert. Unser persönliches subjektives Gesamtbild:

 

Die Prognose der PRINZ-Blogger

Hier geht es nicht um das persönliche Gefallen, sondern um eine Prognose. Norwegen hat nach Einschätzung aller PRINZ-Blogger eine Qualifikationschance von 52 Prozent und landet damit auf Platz 10 in Semifinale 2. Hier geht es zur Prognose der PRINZ-Blogger für das zweite Semifinale.

 

Was PrinzBlog-Leser darüber denken

Alex: Nach ein paar mal hören hat es mir „Grab the Moment“ echt angetan. Finde es echt gut. Definitiv in meinen Top Ten.

Biobanane mobil: Mich lässt der titel ratlos zurück. Ich kann gar nicht sagen ob er mir gefällt oder nicht, auch nach zweimaligen Hören ist nichts in Erinnerung geblieben außer dem etwas lustlosen Gesang und den Musikern in Käfigen.

Jorge: Coole Nummer, verzichtet auf den affektierten ESC-Müll. Erholung, nach dem auf Grundeis gegangenen Tanker letztes Jahr.

Usain: Leider eine grottige Wahl, uninspirierter Wanna be Quark

Frank D.: Das Siegerlied ist ja ganz ok und Aleksander wirkt sehr natürlich und sympathisch, nur aus welchem Kleiderspendesack hat er sich dieses furchtbare Krankenpflegerhemd gefischt ?

 

Social Media

Jowst hat eine Webseite und ist auch auf Facebook, Twitter und Instagram zu finden.

 

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Vorschau: Im nächsten Songcheck wird Marc über den Schweizer Beitrag „Apollo“ von Timebelle berichten.

Bereits erschienen:

Semifinal 1:
(1) Albanien: „World“ von Lindita
(2) Aserbaidschan: „Skeletons“ von DiHaj
(3) Australien: „Don’t come easy“ von Isaiah
(4) Belgien: „City Lights“ von Blanche
(5) Finnland: „Blackbird“ von Norma John
(6) Georgien: „Keep the faith“ von Tamara Gachechiladze
(7) Montenegro: „Space“ von Slavko Kalezić
(8) Portugal: „Amar pelos dois“ von Salvador Sobral
(9) Schweden: „I can’t go on“ von Robin Bengtsson
(10) Griechenland: „This is love“ von Demy
(11) Polen: „Flashlight“ von Kasia Moś
(12) Moldawien: „Hey Mamma!“ von SunStroke Project
(13) Island: „Paper“ von Svala
(14) Tschechien: „My turn“ von Martina Bárta
(15) Zypern: „Gravity“ von Hovig
(16) Armenien: „Fly with me“ von Artsvik
(17) Slowenien: „On my way“ von Omar Naber
(18) Lettland: „Line“ von Triana Park

Semifinal 2:
(19) Serbien: „In too deep“ von Tijana Bogićević
(20) Österreich: „Running on air“ von Nathan Trent
(21) Russland: „Flame is burning“ von Yulia Samoylova
(22) Mazedonien: „Dance alone“ von Jana Burčeska
(23) Malta: „Breathlessly“ von Claudia Faniello
(24) Rumänien: „Yodel It!“ von Ilinca ft. Alex Florea
(25) Niederlande: „Lights and Shadows“ von OG3NE
(26) Ungarn: „Origo“ von Joci Pápai
(27) Dänemark: „Where I am“ von Anja
(28) Irland: „Dying to Try“ von Brendan Murray
(29) San Marino: „Spirit of the Night“ von Valentina Monetta & Jimmie Wilson
(30) Kroatien: „My friend“ von Jacques Houdek