ESC-Songcheck (31): „Love me back“ von Can Bonomo

Unbekannter Künstler, ungewöhnlicher Tanzstil und Angehöriger der jüdischen Minderheit – die Vorbehalte gegen Can Bonomo, den türkischen Vertreter beim Eurovision Song Contest in Baku, sind und waren im Heimatland vielfältig. Gleichzeitig lastet auf dem jungen Sänger die Aufgabe, nach dem Patzer im Vorjahr die Türkei wieder ins Grand-Prix-Finale zu führen. Die Chancen dafür stehen recht gut.

Im Gegensatz zum Nachbarland Griechenland probieren sich die Türken seit einigen Jahren mit regelmäßig wechselnden und bisweilen recht modernen Musikgenres beim Eurovision Song Contest aus – zumeist mit großem Erfolg. Umso überraschender blieben sie 2011 mit dem Titel Live it Up von der Band Yüksek Sadakat im Halbfinale stecken.

Nach längeren internen Diskussionen, bei denen große Namen aus der türkischen Musikbranche die Runde machten, wurde letztlich der erst 24-jährige Can Bonomo als Vertreter der Türkei benannt. Der Aufschrei war groß: Ein weitgehend unbekannter Sänger, dann auch noch Jude! Can verwies in den folgenden diesbezüglichen Diskussionen darauf, dass seine Familie bereits seit 540 Jahren in der Türkei lebe und er nur diese Kultur kenne.

Can wurde 1987 in Izmir geboren und lebt heute in Istanbul. Als Achtjähriger begann er mit dem Gitarrenspielen. Er hat als Toningenieur gearbeitet sowie Film und Fernsehen studiert. Während dieser Zeit war er auch immer als Amateurmusiker unterwegs. 2011 erschien sein bisher einziges Album Meczup. Hierfür hat er alle Titel selbst geschrieben. Can hat auch als DJ aufgelegt sowie für Radiosender und TV-Stationen gearbeitet.

Auffällig sind Cans viele Tattoos an den Unterarmen und Händen. Nach Eigenauskunft hat jede Tätowierung eine besondere Bedeutung.

Dank seiner offenen, ungekünstelten Art fliegen Can die Herzen nur so zu. Umso erstaunlicher ist es daher, dass er bei Eurovision in Concert die meiste Zeit mit dem Malteser Kurt Calleja abgehangen hat.

Can ist fast immer behütet und hatte sowohl bei der Liedvorstellung als auch im Promo-Video einen unsymmetrisch geschnittenen Mantel an, der wild durch die Luft wirbelt, wenn er ausschweifend „tanzt“. Damit seine Bewegungen geschmeidiger und wirkungsvoller daherkommen, wurde Canda Bas in das „Team Bonomo“ (siehe Foto unten von Cans Facebook-Seite) aufgenommen. Sie hat bereits an Sertab Ereners Siegerbeitrag mitgearbeitet.

Das Lied Love me back hat Can Bonomo selbst komponiert und auch den Text dazu verfasst. Während es auf Englisch gesungen wird, machen die Instrumente schnell deutlich, dass es sich um ein türkisches Lied handelt. Möglicherweise nur vor Cans jüdischem Hintergrund lassen sich auch einige Ähnlichkeiten mit der Klezmer-Musik erahnen. In jedem Fall ist das Stück phasenweise sehr eingänglich.

Türkei 2012: Can Bonomo – Love me back

Love me back erinnert mit dem leicht maritimen Sound und dem Text auch ein bisschen an den Drunken Sailor. Can vergleicht sich mit einem Schiff, das aus der Hoffnung besteht, und bittet seine Angebetete, sich ihre Gefühle einzugestehen und an Bord zu hüpfen, wo er sie dann glücklich machen würde. Gleichzeitig bittet er sie, das Schiff nicht zum Sinken zu bringen.

Das Internetmagazin klatsch-tratsch.de sieht „für den türkischen Beitrag zum Eurovision Song Contest am 26. Mai in Baku gute Chancen für einen Platz unter den ersten fünf. Mehr aber eher nicht.“ Mehr wäre auch aufgrund des Regelwerks unmöglich. Eine ähnlich positive Einschätzung gibt auch die MDR-JUMP-Redakteurin Bernadette Hirschfelder im  SongCheck der ARD.

Die Prinz-Blogger schließen sich – vorerst zumindest für das zweite Halbfinale, in dem Can Bonomo antritt – dieser Einschätzung an: Platz 4 mit einer 85%-igen Wahrscheinlichkeit, das Finale zu erreichen.

Can Bonomo nutzt ungefähr alle denkbaren Social-Media-Kanäle, darunter natürlich auch Facebook und Twitter. Eine eigene Website ist für ihn ebenso selbstverständlich.

PRINZ-Blog-Urteil

Songqualität: 5/10
Interpretation: 4/10
Chancen auf Finaleinzug: 85 Prozent (und damit nach Ansicht der PRINZ-Blogger Platz 4 im zweiten Semifinale)