ESC Songcheck (31): „Waterfall“ von Sophie Gelovani und Nodi Tatishvili

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Sechs Beiträge hat Georgien bisher in den Contest geschickt, fünfmal hat man davon komplett auf Englisch gesungen, viermal hieß die Sängerin Sopho, es könnte (laut der Wettbüros) der dritte 9. Platz für Georgien werden, zwei Interpreten gehen in Malmö an den Start und – warum nicht – es könnte die erste georgische Nr. 1 werden. Die nette Zahlenspielerei kommt zustande, wenn man „Waterfall“ von Sophie & Nodi schon mal mitzählt, den mega-kitschigen Beitrag der Kaukasusrepublik, die dieses Jahr mit dem „Euphoria“-Erfolgskomponisten Thomas G:son frontal angreift und es offenbar wissen will. Irgendwie kommt einem das bekannt vor… Ist das Ell & Nikki reloaded, wie Blogger-Kollege Jan schon im Februar anmerkte?

Sophie Gelovani & Nodi Tatishvili sind beide recht bekannt und populär in ihrer Heimat. Beide haben sowohl Musik als auch „was Anständiges“ studiert. Sie war an der Ilia-Chavchavadze-Universität an der Fakultät für Internationale Beziehungen, während Nodi an der Technischen Universität des Landes die Hörsaalbank drückte. Später wurde sie Musiklehrerin, während er in London noch einen Musikabschluss draufsetzte und bereits an unzähligen (osteuropäischen) Festivals teilgenommen hat. 2009 gewann er zudem das Pop-Idol-Format „Geostar“, sie wurde dort 2010 dann Zweite.

Der Song

„Waterfall“ ist ihr erstes gemeinsames Projekt. Am Silvestertag 2012 gab das georgische Fernsehen zunächst bekannt, dass die beiden als Duo gesetzt seien, zwei Monate später wurde dann der Song aus dem Hut gezaubert und im Vormittagsprogramm erstmals öffentlich vorgestellt. Damit hat Georgien seine erste volle Direktnominierung (Interpreten und Titel). Zuvor waren schon mal zwei der drei Sophos direkt benannt worden, durften aber jeweils ein paar Songs in einer TV-Ausscheidung vorstellen.

Weltpremiere von „Waterfall“ im georgischen Frühstücksfernsehen

Und siehe da – „Waterfall“ ist ein weiterer G:son-Song, den der Schwede zusammen mit Erik Bernholm komponierte. Und so klingt er auch. Nicht der tanzbare Dance-Track („Euphoria“) oder Schwedenschlager („Invincible“), sondern der Schnulzen-G:son, den wir schon mehrfach in spanischen Vorentscheiden gehört haben (Coral, Mirela). Zuckersüß, schmachtend, mit einem extrem kitschigen Text gesegnet und einer langsamen Steigerung, die in einem Balladenschrei par excellence mündet. Da will man den Kopf in den Nacken werfen, die Arme ausbreiten und mit geschlossenen Augen lauthals mitsingen (ich sehe schon solche Momente im Euro Fan Café in Malmö vor mir!)

Georgien 2013:  Sophie Gelovani & Nodi Tatishvili – Waterfall (Offizielles Video)

Und das ist auch ein wenig das Problem. „Waterfall“ kommt einem dermaßen bekannt und tausendmal gesehen/gehört vor, dass einem fast schwindlig wird. Denn die beiden erwähnten Komponisten/Texter haben so unverschämt bei sich selbst abgeschrieben, dass man nicht nur unvermittelt „Quédate conmigo“ schmettern will, sondern auch noch „In a moment like this“.

Letztere Textzeile leitet die zweite Strophe ein und ist gleichzeitig bekanntermaßen Titel und Textbaustein des dänischen Beitrags in Oslo 2010 (den die beiden auch geschrieben hatten). Dramaturgisch liegt man bei „Waterfall“ gegen Ende ganz nah an Pastora Solers Über-Fan-Favoriten vom letzten Jahr. Und das Gesamtpaket „Schmacht-Duo aus dem Kaukasus singt schwedische Stangenware“ hatten wir 2011 schon als Gemeinsamer-Nenner-Sieger, als sonst kein andres Lied so richtig herausragen wollte.

Bei Eurovision in Concert hat das schon mal zu Begeisterungsstürmen geführt (ab 2:18 Minuten, huch!)

Aber was soll die Kritik. Die beiden haben einfach absolut perfekt bei sich und ähnlichen Produkten zusammengeklaut und die Meisterleistung vollbracht, einen Beitrag zu schreiben, der wohl das Prädikat „Eurovision-Blaupause“ wie kein anderer in diesem Jahr verdient (naja gut, zugegeben, Ralph Siegel ist dem Heiligen Gral in diesem Jahr nach Jahrzehnten auch wieder ganz, ganz nah gekommen mit seiner italienischsprachigen Nummer).

Sophie und Nodi beim armenischen Vorentscheid

Daher sollte auch die Präsentation der Nummer entsprechend eurovisionstypisch erfolgen – viel Pathos, übertriebene Gesten, den erwähnten in den Nacken geworfenen Kopf und die geschlossenen Augen, bis der Arzt kommt. Risiko: die beiden müssen natürlich glaubhaft miteinander kommunizieren und sich gegenseitig anschmachten und nicht zwei nebeneinander agierende Klageelsen geben, die vor Ergriffenheit oder Selbstverliebtheit kaum einander wahrnehmen. Chris Kempers & Daniel Kovac können davon ein Lied singen (was ein Kalauer!), und selbst Carola Häggkvist & Andreas Johnson ist sowas ja schon mal zum Verhängnis geworden (wer mir jetzt Blasphemie vorwerfen mag, der nutze bitte die Kommentarfunktion unterhalb des Blogbeitrags).

So ganz überzeugt bin ich noch nicht, dass sie nicht denselben Fehler machen werden – bei den bisher verfügbaren TV-Auftritten im Netz starrt er sie zwar immerfort an, während sie gern ihre Arme in seine Richtung ausbreitet. Am Ende gibt es auch schon mal einen Händedruck, aber so richtig innig ist das nicht und wirkt eher etwas gekünstelt. Ell & Nikki hatten das noch ein bisschen besser drauf, aber Sophie & Nodi können ja noch etwas üben bis Malmö.

Hier können die beiden auch noch etwas an Mimik lernen… na gut, vielleicht doch nicht

 

Bewertung

Optik:  3 von 5 Sternen
Stimme:  5 von 5 Sternen
Komposition:  2 von 5 Sternen (für Originalität), 5 von 5 (für den perfekten ESC-Moment)
Instant Appeal:  4 von 5 Sternen

 

Qualifikationschancen für das Finale

Stolze 94% Wahrscheinlichkeit für den Finaleinzug und damit Platz 2 in Semi 2 ist unsere PRINZ-Blogger-Prognose. Und mit den neuntbesten Wettquoten auf Sieg zählen Sophie & Nodi sicherlich zum erweiterten Favoritenkreis auch für den Samstag. Damit haben sich die Georgier in den letzten Wochen nur unwesentlich verändert in der Gunst der Wettbegeisterten. Allerdings haben erfolgreiche Rezepte beim ESC in der Regel in kurzer Abfolge kaum je ein zweites Mal reüssieren können – wer weiß, vielleicht erleben wir die Ausnahme von der Regel und die Geschichte wiederholt sich nach zwei Jahren wieder.

2013 Minipop Icon Georgien

Tiflis 2014 wäre sicherlich ein spannendes Pflaster, und zur Vorbereitung empfehlen wir die höchst unterhaltsamen Reiseberichte (hier, hier und hier) der Kollegen OLiver und Douze Points, die auf dem Rückweg von Baku nochmal die Umgegend erkundet hatten. Zungensalat und Schwefelbäder hatten wir als Rahmenprogramm zum ESC noch nicht, das klingt…. verlockend.

 

Social Media

Bei Facebook sind die beiden auch zu finden (Nodi hier und Sophie da), bei Twitter gibt es auch ein Profil, aber Nodi hat noch nichts gezwitschert.

Zum Abschluss noch ein Bericht des ARD-Nachtmagazins zu den Vorbereitungen der Georgier auf Malmö:

Sophie & Nodi in Tiflis‘ Partnerstadt Saarbrücken

 

„Waterfall“ könnt Ihr hier einen ordentlichen Schub nach vorn geben in unserem Leservoting zum ESC 2013. 

Morgen folgt Peter den Spuren der Heilsarmee, pardon, der TAKASA aus der Schweiz. Mir gsehnd üs!