ESC-Songcheck (32): „Kuula“ von Ott Lepland

Ulf Ansorge, deutscher ESC-Kommentator im Jahre 1996 würde es wie folgt formulieren: „Es wird immer ruhiger in Baku!“ Den passenden Song zu diesem Satz liefern uns in diesem Jahr Estland und sein Interpret Ott Lepland, der sich in Gegenwart unseres Bloggers OLiver sowie einiger einheimischer Tippmodels im Februar an die Spitze einer an Höhepunkten armen Vorentscheidung setzte.

Ott (gesprochen „Oit“) Lepland, für den man am liebsten ein kleines zusätzliches „o“ kaufen möchte, ist erst 24 Jahre alt, aber in dem kleinen Baltenstaat bereits seit 17 Jahren ein Plattenstar. Als Kind besang er diverse Kassetten (braucht jemand eine Erklärung, was das ist?) mit Kinderliedern. Und 2009 gelang ihm nach längerer Pause ein grandioses Comeback mit dem Sieg bei „Eesti otsib superstaari“, was wohl keiner Übersetzung bedarf. Es folgten ein Album und eine Rolle im High School Musical, so dass Otto sich mit Fug und Recht als estnischer Zac Efron bezeichnen darf!

Der 10-jährige Otti ganz glockenhell

Zusammen mit dem Lyriker Aapo Ilves schrieb Ott den Song „Kuula“ (Hör zu) für die Vorentscheidung Eesti Laul. Und tatsächlich hat der Song textlich betrachtet einen ziemlich bedeutungsschwangeren Einschlag, wenn man die englische Übersetzung mal zu Grunde legt:

Listen to the horizon
Listen to how far it takes you
Listen to what the wind has to say
Listen
Watch as darkness approaches
Wait – the light remains within us
Listen to how your land breathes
Listen now
Listen to what has fallen silent
Just listen to these simple moments
Listen – my heart has a voice

The path has passed into shadow
I look and keep on looking
Silence has the power to resound
I wait for you here, halfway there
Listen to my voice calling you
Listen to what has fallen silent
Just listen to these simple moments
Listen – my heart has a voice
Listen me now

Ja, schöne Worte. Allein – was wollen die uns sagen? Ein bisschen zusammenhanglos scheint mir das schon zu sein, zumindest ist es ordentlich geschwurbelt. Gut, unterstellen wir mal einen qualitativ hochwertigen lyrischen Text. Leider wird dieser dann aber verbunden mit einer doch eher durchschnittlichen Komposition, die zumindest mir die Füße einschlafen lässt, zumal Ott – mag er auch noch so knuffig sein – nicht wirklich über ein fesselndes Charisma zu verfügen scheint. Und dann ist der Text auch noch auf estnisch, so dass man bei der Abstimmung wohl nicht einmal auf die Literaturfreunde unter uns zählen kann. Zumindest hat man das Arrangement gegenüber der ursprünglichen Fassung noch etwas aufgepimpt. So schrammeln im Hintergrund deutlich mehr Bratschen als vorher und zum Ende hin werden auch noch Pauken für den dramatischen Unterton bemüht.

Aber vielleicht steckt ja auch etwas versteckt Erotisches dahinter, wenn man sich die körperlichen Reaktionen des Sängers anlässlich seines Sieges bei der Vorentscheidung vor Augen führt. Überhaupt muss man beim Anschauen diverser Youtube-Videos feststellen, dass der gute Mann körpermittig besonders gesegnet zu sein scheint – oder er freut sich so beim Singen…

Ich weiß, dass viele meine Meinung nicht teilen werden, aber dieses Wiegenlied in Moll löst bei mir einfach bereits nach wenigen Takten eine Vorstufe zur REM-Phase aus…

Estland 2012: Ott Lepland – Kuula

Mal abgesehen von meinem eigenen Geschmack kann man die Chancen für Otti aber auch überhaupt nicht einschätzen. Entweder lassen sich die Zuschauer von Ott und seinem Schlafzimmerblick einlullen oder sie sinken ermattet vor Langeweile in ihr Sofa. Ich fürchte Letzteres, und dann wird Ott seine ganzen Hoffnungen auf die Jurys legen müssen.

Was wir aber auf keinen Fall wollen, ist, dass am Eurovisions-Abend so etwas passiert wie hier in diesem Trailer zu einem estnischen Horrorfilm-Festival – so schlimm ist es denn doch auch wieder nicht!

 

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PRINZ-Blog-Urteil

Songqualität: 5/10
Interpretation: 5/10
Chancen auf Finaleinzug: 47 Prozent (und damit nach Ansicht der Blogger Platz 9 im zweiten Halbfinale)