ESC-Songcheck (34): „Dance you off“ von Benjamin Ingrosso

Viel wurde lamentiert und diskutiert über das Melodifestivalen 2018. In seinem zweiten Anlauf sicherte sich Benjamin Ingrosso nach seinem Sieg im Televoting und bei der internationalen Jury das begehrte Ticket nach Lissabon. Im Songcheck blicken wir auf die Erfolgsaussichten von „Dance you off“.

 

Der Interpret

Mehr ESC-Familie geht nicht! Benjamin Daniele Wahlgren Ingrosso wurde am 14.9.97 geboren. Sein Vater Emilio Ingrosso (Tänzer und Komponist) und seine Mutter Pernilla Wahlgren lernten sich 1985 beim Melodifestivalen kennen und lieben. Emilio war einer von Pernillas Tänzern beim Song „Piccadilly Circus„. Die Lovestory beginnt, es wird geheiratet und die beiden bleiben bis 2002 zusammen. Insgesamt vier Mal nahm Mama Pernilla am Mello teil, und nun tritt ihr Sohn Benjamin in ihre Fußstapfen und holte gleich im zweiten Anlauf den Mello-Titel (Live-Blog Finale). Benjamins Tante Charlotte Perrelli hatte den ESC bereits 1999 gewonnen mit „Take me to your Heaven“.

Benjamin Ingrosso

Im zarten Alter von neun Jahren nahm Benjamin mit „Hej Sofia“ für Schweden beim MGP Nordic 2006 teil. In den Folgejahren war er in mehreren Musicalproduktionen zu sehen. 2014 gewann Benjamin die Tanzshow Let’s Dance an der Seite seiner Profitänzerin Sigrid Bernson (nahm auch 2018 am Mello teil) .

2017 nahm Benjamin mit dem Lied „Good Lovin’“ erstmals am Mello teil und erreichte Platz 5. Der Song wurde ein Top-10-Hit in Schweden und erreichte Goldstatus. Im selben Jahr veröffentlichte er noch die Singles „Do You Think About Me“ und „One More Time“. Mit „Dance you off“ löste er 2018 dann das begehrte ESC-Ticket nach Lissabon.

Benjamin ist nicht nur Sänger, sondern auch Songwriter. Er spielt Gitarre und Klavier und schreibt fast alle seine Songs selbst. Außerdem komponiert er u.a. für Oscar Zia, Molly Pettersson Hammar, Dash Berlin und Isac Eliott.

2014 Let’s Dance: Benjamin Ingrosso & Sigrid Bernson

 

Der Song

Komposition und Text von „Dance you off“ stammen von MAG, Louis Schoorl, K Nita und  Benjamin Ingrosso.
Louis Schoorl ist ein Songwriter und Produzent aus Amsterdam, der jetzt in Sydney lebt und mit Künstlern wie Guy Sebastian und The Veronicas zusammengearbeitet.
K Nita ist ein Songwriter aus L.A., der für Hunderte TV-Shows und Spielfilme die Musik geschrieben hat und u.a. mit Meghan Trainor und Kanye West zusammen arbeitet.
Marco Daniel Borrero ist ein Songwriter/Produzent, ebenfalls aus L.A., der z.B. für Zara Larsson produziert.

Schweden 2018: Benjamin Ingrosso – Dance you off (Official Video)

Der Text von „Dance you off“ thematisiert eine gescheiterte Beziehung. Der Mann versucht, seine Verflossene zu vergessen, indem er sie einfach wegtanzt. Im Smalltalk am Rande des Mello-Finales erzählte uns Benjamin, dass er den Song in L.A. aufnahm, nachdem er sich gerade von seiner Freundin getrennt hatte und voller Herz-Schmerz war.

„Dance you off“ ist ein minimalistischer Dance-Song im Lounge-Stil, der in Kombination mit den Show-Effekten durchaus seine fesselnde Wirkung entfalten kann. Ohne die optischen Reize, so bemängeln Kritiker, wäre dies aber ein fades Musikbett, welches ohne Höhepunkte vor sich hinplätschert. Musikalisch inspiriert ist der Sound von den 70er und 80er Jahren. Als Vorbilder nennt Benjamin oft Hall & Oates, Michael Jackson oder Stevie Wonder.

Erfolgreich ist „Dance you off“ im Heimatmarkt Schweden allemal. Bereits zehn Tage nach Mello-Finale gab es Gold und Platz 2 in den Charts. In dieser Woche erreichte der Song nun sogar Platin-Status.

 

Die Präsentation

Die Schweden machen das clever. Nach dem Sieg beim Mello haben sie ein fertiges und in der Regel funktionierendes Produktpaket inklusive Choreografie und Staging, welches sie mit zum ESC nehmen (während bei anderen Ländern dann erst die Arbeit und das Kopfzerbrechen beginnt).

Schweden 2018: Benjamin Ingrosso – Dance you off (Mello-Finale)

So auch dieses Jahr. Ohne die auffällige Show mit dem 80er-Jahre-Neonröhren-Feeling würde der Song nicht seine volle Wirkung entfalten können. Böse Zungen behaupten allerdings, die Neonröhren erinnern an Solarium-Röhren und der Sound und die Inszenierung wären genauso künstlich wie die Bräune nach einem Sonnenstudio-Besuch.

Das laszive Spielen mit seiner Jacke und die übertriebene Gestik mit dem Kopfnicken macht die Choreografie kantig und sorgt dafür, dass die Leute sich daran „reiben“ können. Die Inszenierung ist jedoch trotz aller Kritik unterhaltsam und hat einen hohen Wiedererkennungswert.

So verwundert es auch nicht, dass Schweden in den Wettquoten auf einem guten 7. Platz bei den Siegchancen liegt. Im zweiten Halbfinale liegt er aus Sicht der Buchmacher bei der Qualifikations-Chance fürs Finale sogar auf dem 1. Platz.

 

Was PRINZ-Blogger darüber denken

BennyBenny: Die Prinz-Blog-WhatsApp-Gruppe war geschockt, als ich offenbart habe, dass ich meinen Namensvetter nicht beim ESC sehen will: Ich finde Benjamin einfach nur schmierig und ich mag seine Stimme nicht. Das Gleiche gilt für diesen Live-Auftritt in Video-Optik, der so auf Hochglanz getrimmt ist, dass jede Natürlichkeit fehlt. Allerdings muss ich anerkennen, dass der Siegersong eines sehr schwachen Melodifestivalens viele der anderen Songs aus dem zweiten Halbfinale alt aussehen lässt. Ich hoffe aber, dass Benjamin zumindest im Finale nicht in den Top 5 landet.

Douze Points: Janet Jackson vertritt in diesem Jahr also die Skandinavier. Dann kann ja nichts schiefgehen. Das Lied ist ganz ok, funktioniert allein aber nicht wirklich. Zusammen mit der Bühnenshow wird daraus wieder eine erfolgreiche Nummer, die am Ende recht weit vorne landen dürfte.

Marc: Das Mello hinkte qualitativ zwar den Vorjahren hinterher, trotzdem konnten viele Beiträge hohe Chartpositionen erklimmen. Mit Benjamin Ingrosso hat dann auch der aussichtsreichste Gesamtpaket gewonnen. „Dance you off“ ist auffällig inszeniert und hat einen hohen Wiedererkennungswert. Top 10 und mehr dürfte für Schweden wieder locker drin sein.

Tjabe: Die schwedischen Beiträge wirken oft sehr künstlich, perfektiös und konstruiert. Letztes Jahr sicherlich mehr als dieses Jahr, aber ich vermute, dass auch das Tanzlied aus dem hohen Norden wieder viel Zustimmung erhält.

Jeder ESC-Titel wird im Songcheck von allen PRINZ-Bloggern nach ihrem persönlichen Gusto auf einer 11-stufigen Skala (12-10-8-7-6-5-4-3-2-1-0) bewertet, wobei 12 die höchste Wertung darstellt. Die Wertungen werden addiert. Unser persönliches subjektives Gesamtbild:

Die Prognose der PRINZ-Blogger

Hier geht es nicht um das persönliche Gefallen, sondern um eine Prognose. Schweden hat nach Einschätzung aller PRINZ-Blogger eine Qualifikationschance von 94 Prozent und landet damit auf Platz 1 in Semifinale 2. Hier geht es zur Prognose der PRINZ-Blogger für das zweite Semifinale.

 

Social Media

Benjamin hat eine Website (bei Ten Music Group) und er ist auf Facebook, bei Twitter und Instagram.

 

[poll id=“830″]

 

Vorschau: Von wegen „Danke, nein!“. Im nächsten Songcheck analysiert Jan den Beitrag von Slowenien.

 

Bereits erschienen:

Semifinale 1
(1) Albanien: „Mall“ von Eugent Bushpepa
(2) Aserbaidschan: „X My Heart“ von Aisel
(3) Belgien: „A Matter Of Time“ von Sennek
(4) Bulgarien: „Bones“ von Equinox
(5) Estland: „La Forza“ von Elina Nechayeva
(6) Island: „Our Choice“ von Ari Ólafsson
(7) Israel: „Toy“ von Netta Barzilai
(8) Litauen: „When we’re old“ von Ieva Zasimauskaitė
(9) Tschechien: „Lie to Me“ von Mikolas Josef
(10) Weißrussland: „Forever“ von Alekseev
(11) Armenien: Qami von Sevak Khanagyan
(12) Finnland: „Monsters“ von Saara Aalto
(13) Griechenland: „Oneiro Mou“ von Yianna Terzi
(14) Irland: „Together“ von Ryan O’Shaughnessy
(15) Kroatien: „Crazy“ von Franka
(16) Mazedonien: „Lost and found“ von Eye Cue
(17) Österreich: „Nobody but you“ von Cesár Sampson
(18) Schweiz: „Stones“ von ZiBBZ
(19) Zypern: „Fuego“ von Eleni Foureira

Semifinale 2
(20) Australien: „We Got Love“ von Jessica Mauboy
(21) Dänemark: „Higher Ground“ von Rasmussen
(22) Moldawien: „My Lucky Day“ von DoReDos
(23) Niederlande: „Outlaw in ´Em“ von Waylon
(24) Norwegen: „That’s How You Write a Song“ von Alexander Rybak
(25) Rumänien: Goodbye von The Humans
(26) Russland: „I won’t break“ von Julia Samoylova
(27) San Marino: „Who We Are“ von Jessika fest. Jenifer Brening
(28) Serbien: „Nova deca“ von Sanja Ilic & Balkanika
(29) Georgien: „For you“ von Iriao
(30) Lettland: „Funny Girl“ von Laura Rizzotto
(31) Malta: „Taboo“ von Christabelle
(32) Montenegro: „Inje“ von Vanja Radovanović
(33) Polen: „Light Me Up“ von Gromee feat. Lukas Meijer