ESC-Songcheck (35): „Hvala, ne“ von Lea Sirk

Werden nach Lissabon europaweit Frauen ihre Friseure überfallen und sich die Haare rosa einfärben lassen? Soweit wird es wohl nicht kommen, vermutlich wird die Slowenin Lea Sirk auf der Punktetafel am Finalabend gar nicht anwesend sein. An ihre Haare und an ihren Song, der Übersetzt „Nein, danke“ heißt, wird sich der eine oder andere vermutlich dennoch erinnern können. Hier ist der slowenische Songcheck.


Die Interpretin

Die 28-jährige Lea ist seit frühester Kindheit in der Musikszene Sloweniens unterwegs. Bereits mehrfach nahm sie an Festivals und Wettbewerben teil, ist diesbezüglich also ein „alter Hase“. 2009, 2010 und 2017 versuchte sie es auch bei der EMA, der slowenischen Vorentscheidung für den ESC, musste aber bis 2018 warten, bis ihr dort ein Sieg gelang (hier noch einmal der Live-Blog von Tjabe).

Überbrückt hat die zweifache Mutter diese Zeit mit zwei ESC-Teilnahmen als Chorsängerin: 2014 in Kopenhagen für Tinkara Kovač und 2016 in Wien für ManuElla.

ESC-Fans dürfte sie darüber hinaus besonders im vergangenen Jahr aufgefallen sein, als sie sich im Rahmen einer slowenischen Imitations-Show in den aktuellen ESC-Sieger Salvador Sobral aus Portugal verwandelte und mächtig Eindruck machte.

 

Der Song

„Hvala, ne“ ist ein etwas sperriger Elektro-Popsong, der sich einem nicht auf Anhieb erschließt. Der Schwerpunkt liegt ganz eindeutig auf dem treibenden und etwas hektischen Rhythmus. Gesungen wird der Song eigentlich nur in der Bridge, die Strophen und der „Refrain“ werden gesprochen bzw. vielmehr gerufen und bestehen gefühlt quasi nur aus einem einzigem Ton.

Geschrieben hat Lea den Song selbst, und zwar gemeinsam mit dem slowenischen DJ Tommy DeClerque. Thematisch beschäftigt er sich mit der Werbung, der man nicht immer glauben soll. Die Perfektion, die einem dort angeboten wird, ist nicht immer echt – man solle sich stattdessen vielmehr auf seine eigene Persönlichkeit verlassen. Kurz – man ist richtig so, wie man ist und solle sich von außen nicht an der Nase herumführen lassen.

Slowenien 2018: Lea Sirk – Hvala, ne

 

Die Präsentation

Mir fällt – ehrlich gesagt – nicht so viel ein, was Lea und ihre Tänzerinnen in Lissabon anders machen sollten als bei der EMA in Ljubljana. Dort präsentierten sie bereits eine ausgesprochen ausgeklügelte Choreographie, die wir so sicher auch beim zweiten Semifinale wieder erleben werden.

Ein Schwerpunkt lag allerdings auf den LED-Lichteffekten im Bühnenboden. Diesen soll es ja so in Portugal nicht geben – ich gehe aber davon aus, dass man das durch allerlei andere Lichtideen zufriedenstellend lösen wird. Und auch die sehr hübsche Idee mit den stilisierten Spiegeln, die die Tänzerinnen im zweiten Songteil in der Hand halten, sollte man beibehalten. Auch die rosafarbenen Haare der Sängerin werden ihr Übriges dazu beitragen und beim Zuschauer reges Interesse hervorrufen – zumindest für das, was optisch angeboten wird.

In Erinnerung dürfte der slowenische Auftritt somit auf jeden Fall bleiben, kurz vorm Ende des Semis. Dafür sind Song und Präsentation einfach zu ungewöhnlich. Ob die Erinnerung nun positiv oder negativ sein wird, lasse ich mal dahingestellt.

 

Was PRINZ-Blogger darüber denken

DJ Ohrmeister: So richtig angefreundet habe ich mich noch nicht damit, vielleicht weil ich mit sowas aus Slowenien einfach nicht gerechnet habe. Würde aber fast nahtlos die experimentelle Linie Montenegros der letzten Jahre fortführen. Beim wiederholten Durchspielen entdecke ich jedes Mal neue spannende Stellen. Zweifelsohne ein Grower.

Jan: Auf interessante Weise anders. Zunächst ein bisschen sperrig, aber dann doch auch irgendwann gefällig-melodisch. Gute Mischung, finde ich – und Lea kommt irgendwie cool rüber.

Marc: „Nein, danke!“ – Erneut wird bei EMA der Publikumsfavorit von der Jury verhindert. Gut finde ich, dass Lea Sirk eine innovative Elektronummer offeriert. Schade allerdings, dass der Song so unmelodiös und anstrengend geraten ist.

Peter: Wenn es im aktuellen Jahrgang einen Titel gibt, der definitiv nicht im Finale landet, dann ist es wohl dieser. Obwohl „Hvala, ne“ beim nationalen Finale prima inszeniert war, ist das zu meinem großen Bedauern ein Totalausfall. Diese nervige Drummaschine unterstreicht noch das Fehlen eines eingängigen Refrains. Einziger Bonus: Lea singt in Landessprache.

Tjabe: Als ich das Lied zum ersten Mal bei der Vorentscheidung gehört habe, da war ich sehr begeistert und konnte mir keinen anderen nationalen Sieger vorstellen. Auch konnte ich die schlechten Wettquoten nicht verstehen. Mittlerweile im Zusammenklang mit den anderen Beiträgen sehe ich die Lage der Slowenen etwas bedrohlicher. Das Lied will sich irgendwie nicht so sehr abheben. Zudem könnte der Trijntje Oosterhuis Gedächtnisstrampelanzug bei der Punktewertung abschrecken.

Jeder ESC-Titel wird im Songcheck von allen PRINZ-Bloggern nach ihrem persönlichen Gusto auf einer 11-stufigen Skala (12-10-8-7-6-5-4-3-2-1-0) bewertet, wobei 12 die höchste Wertung darstellt. Die Wertungen werden addiert. Unser persönliches subjektives Gesamtbild:

Die Prognose der PRINZ-Blogger

Hier geht es nicht um das persönliche Gefallen, sondern um eine Prognose. Slowenien hat nach Einschätzung aller PRINZ-Blogger eine Qualifikationschance von 31 Prozent und landet damit auf Platz 16 in Semifinale 2. Hier geht es zur Prognose der PRINZ-Blogger für das zweite Semifinale.

 

Social Media

Auch Frau Sirk gibt sich im Netz die Ehre, und zwar auf Facebook und Instagram. Sie hat zwar auch einen Twitter-Account, der ist aber vollständig leer. Muss ja auch nicht unbedingt sein!

 

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Vorschau: Morgen früh geht’s weiter mit dem, der unter Leitern tanzt – DJ Ohrmeister checkt den Song aus der Ukraine.

 

Bereits erschienen:

Semifinale 1
(1) Albanien: „Mall“ von Eugent Bushpepa
(2) Aserbaidschan: „X My Heart“ von Aisel
(3) Belgien: „A Matter Of Time“ von Sennek
(4) Bulgarien: „Bones“ von Equinox
(5) Estland: „La Forza“ von Elina Nechayeva
(6) Island: „Our Choice“ von Ari Ólafsson
(7) Israel: „Toy“ von Netta Barzilai
(8) Litauen: „When we’re old“ von Ieva Zasimauskaitė
(9) Tschechien: „Lie to Me“ von Mikolas Josef
(10) Weißrussland: „Forever“ von Alekseev
(11) Armenien: Qami von Sevak Khanagyan
(12) Finnland: „Monsters“ von Saara Aalto
(13) Griechenland: „Oneiro Mou“ von Yianna Terzi
(14) Irland: „Together“ von Ryan O’Shaughnessy
(15) Kroatien: „Crazy“ von Franka
(16) Mazedonien: „Lost and found“ von Eye Cue
(17) Österreich: „Nobody but you“ von Cesár Sampson
(18) Schweiz: „Stones“ von ZiBBZ
(19) Zypern: „Fuego“ von Eleni Foureira

Semifinale 2
(20) Australien: „We Got Love“ von Jessica Mauboy
(21) Dänemark: „Higher Ground“ von Rasmussen
(22) Moldawien: „My Lucky Day“ von DoReDos
(23) Niederlande: „Outlaw in ´Em“ von Waylon
(24) Norwegen: „That’s How You Write a Song“ von Alexander Rybak
(25) Rumänien: Goodbye von The Humans
(26) Russland: „I won’t break“ von Julia Samoylova
(27) San Marino: „Who We Are“ von Jessika fest. Jenifer Brening
(28) Serbien: „Nova deca“ von Sanja Ilic & Balkanika
(29) Georgien: „For you“ von Iriao
(30) Lettland: „Funny Girl“ von Laura Rizzotto
(31) Malta: „Taboo“ von Christabelle
(32) Montenegro: „Inje“ von Vanja Radovanović
(33) Polen: „Light Me Up“ von Gromee feat. Lukas Meijer
(34) Schweden: Dance you off von Benjamin Ingrosso