ESC-Songcheck (36): „Under the ladder“ von Mélovin

EiC Amsterdam 2018 Ukraine Melovin

Noch ein Second-time-Lucky: im zweiten Anlauf beim heimischen Vorentscheid schaffte es der grade mal 21 Lenze zählende Mélovin auf Platz 1 des Treppchens. Mit einer feurig-energetischen Nummer wird er nun im zweiten Semifinale in Lissabon antreten. Kann „Under the ladder“ überzeugen?

 

Der Interpret

Mélovin heißt eigentlich Kostjantyn Mykolajowytsch Botscharow und ist wie so viele andere dieses Jahr auch schon in einer Casting-Show erfolgreich gewesen. Nicht „The Voice“, sondern „X-Factor“ gewann er in seiner Heimat im Jahr 2015. Nach dem Single-Debüt im Jahr drauf und einer EP traute sich der bei Teenies überaus populäre Mélovin 2017 in den ukrainischen Vorentscheid für den Contest im eigenen Lande. Er kam trotz Massen an kreischender Fans im Studio nur auf Platz 3.

Mélovin

Bei Vidbir 2018, dem diesjährigen Auswahlprozess, kam in Prozenten gerechnet schon im Semifinale keiner an ihn ran (in Punkten lag er nur knapp vorn), und auch im Finale setzte er sich prozentual weit von Mitfavoritin Tayanna ab, die aber bei der Jury nicht ganz so toll ankam und dadurch knapp im Gesamtranking verlor. 34% zu 17% im Televoting sprechen eine deutliche Sprache und damit war er der richtige Sieger dieses Ausscheids.

Er stammt aus dem schönen Odessa (das Blogger-Kollege Jan und ich letztes Jahr vor dem Start in Kiew auf einem Abstecher unsicher machten) und schreibt seine Musik teilweise selber, obwohl er eigentlich eine Musikausbildung abbrach, und stattdessen eine Theaterausbildung abschloss. Er liebt daher auch Verwandlungen und ist ein großer Fan von Halloween, woraus er auch seinen Namen ableitet.

 

Der Song

Auch an „Under the ladder“ hat er als Komponist mitgeschrieben (zusammen mit Mike Ryals) – produziert wurde der Track von Anton Karskyi und Yevhen Filatov. Mélovin sagt, dass er das Lied auch geschrieben habe, um sich nach der Niederlage bei Vidbir 2017 wieder von der Enttäuschung zu erholen und diese Erfahrung hinter sich zu lassen – offenbar also ein sehr ehrgeiziger Zeitgenosse, der Mut, Liebe, Freiheit zum magischen Dreieck erklärt, dass es im Leben braucht, um voranzukommen. In „Under the ladder“ geht es, kurz gesagt darum, dass die Situationen, in denen wir im Leben scheitern, uns größer machen und letztlich schrittweise auch zum Erfolg führen.

Der Song ist extrem energiegeladen, lebt von einem starken Chorus mit markanten „Whoo-oh-oh“-Rufen. Der Aufbau ist klassisch mit Wechsel von Strophe und Chorus, und nach der Bridge (die nur einen zurückgenommene Piano-Version des Refrains ist) folgt der letzte verlängerte Refrain.

Für Lissabon wurde der Song gepimpt, wie Mélovin in Amsterdam erklärte, und hat nun ein anderes Ende und einen (noch) stärkeren Chorus.

Ukraine 2018: Mélovin – Under the ladder

 

Die Präsentation

Beim Vidbir stachen für den Erstbetrachter zwei Dinge heraus: In den Close-Ups war es sein Markenzeichen: eine Kontaktlinse, die ihn eher unheimlich aussehen lässt (Stichwort: Halloween!), die aber wohl sehr komfortabel sitzt, wie er scherzhaft betont. Sie hat keine tiefere Bedeutung, sondern sei lediglich Ausdruck einer gewissen Kreativität.

Dann ist da das Klavier, das auf einem Podest steht, welches er zur Bridge besteigt, und das in Flammen aufgeht. Ein Piano wird es auch in Portugal geben (ein wie er sagt „spektakuläres“ noch dazu) – aber was genau passieren soll, ließ er noch offen.

Mélovin 2

Sicherlich wird die sich stetig steigernde Energie des vom treibenden Beat lebenden Liedes durch optisch auffällige Props unterstützt werden – da wird uns die Ukraine wie in der Vergangenheit sicher nicht enttäuschen. Und wenn es kein Feuer ist, wird es Licht und sicherlich ein überraschendes Gimmick sein, das wir zehn Tagen kennenlernen werden. Bin mir nicht ganz sicher, ob zuviel Monsterlooks mit Kontaktlinse dem Publikum, das ihn noch nicht kennt, dem Anrufverhalten förderlich sein wird, aber Markenzeichen ist Markenzeichen, und wer wagt, der nicht gewinnt. Er wird es dosiert, aber effektvoll einzusetzen wissen.

 

Was PRINZ-Blogger darüber denken

DJ Ohrmeister: Bin Fan der ersten Stunde. Mélovin scheint zwar nicht der sympathischste aller Zeitgenossen zu sein und kam in den Shows immer etwas abgehoben rüber. Aber was für ein runder, dynamischer Act! Cooles Stück. Wünsche ihm auf jeden Fall einen guten Finalplatz.

Douze Points: Herr Katzenauge gibt auf der Bühne alles, was er kann. Da muss die englische Aussprache nicht bis aufs Letzte sitzen. Musikalisch nicht meins, aber eine energetische Nummer, die sicher einige Anhänger finden wird.

Salman: Viele haben Melovin nicht auf der Rechnung, aber die Ukraine ist ja dafür bekannt, dass sie auf der Bühne immer ein Feuerwerk liefern. Auch in diesem Jahr könnte die Ukraine überraschen. Bin sehr gespannt!

Tjabe: Ähnlich wie bei Weißrussland kann ich an dem Song nichts finden, was mich begeistert, und daher bin ich auch überrascht, dass die Ukraine in der Meinung so gut platziert ist. Aber ich denke, dass das die Erfolgsserie des Landes in all den Jahren ausmacht.

Jeder ESC-Titel wird im Songcheck von allen PRINZ-Bloggern nach ihrem persönlichen Gusto auf einer 11-stufigen Skala (12-10-8-7-6-5-4-3-2-1-0) bewertet, wobei 12 die höchste Wertung darstellt. Die Wertungen werden addiert. Unser persönliches subjektives Gesamtbild:

PrinzBlogger-Voting 2018_Ukraine

Die Prognose der PRINZ-Blogger

Hier geht es nicht um das persönliche Gefallen, sondern um eine Prognose. Die Ukraine hat nach Einschätzung aller PRINZ-Blogger eine Qualifikationschance von 82 Prozent und landet damit auf Platz 3 in Semifinale 2. Hier geht es zur Prognose der PRINZ-Blogger für das erste Semifinale.

 

Social Media

Wie fast alle Kandidaten tummelt sich auch der Ukrainer auf facebook, Twitter und Instagram.

Vorschau: Als Nächstes wird sich BennyBenny mit Ungarn auseinandersetzen. Bin gespannt, wie er die Chancen dieses stark polarisierenden Beitrags einschätzt.

 

Bereits erschienen:

Semifinale 1
(1) Albanien: „Mall“ von Eugent Bushpepa
(2) Aserbaidschan: „X My Heart“ von Aisel
(3) Belgien: „A Matter Of Time“ von Sennek
(4) Bulgarien: „Bones“ von Equinox
(5) Estland: „La Forza“ von Elina Nechayeva
(6) Island: „Our Choice“ von Ari Ólafsson
(7) Israel: „Toy“ von Netta Barzilai
(8) Litauen: „When we’re old“ von Ieva Zasimauskaitė
(9) Tschechien: „Lie to Me“ von Mikolas Josef
(10) Weißrussland: „Forever“ von Alekseev
(11) Armenien: Qami von Sevak Khanagyan
(12) Finnland: „Monsters“ von Saara Aalto
(13) Griechenland: „Oneiro Mou“ von Yianna Terzi
(14) Irland: „Together“ von Ryan O’Shaughnessy
(15) Kroatien: „Crazy“ von Franka
(16) Mazedonien: „Lost and found“ von Eye Cue
(17) Österreich: „Nobody but you“ von Cesár Sampson
(18) Schweiz: „Stones“ von ZiBBZ
(19) Zypern: „Fuego“ von Eleni Foureira

Semifinale 2
(20) Australien: „We Got Love“ von Jessica Mauboy
(21) Dänemark: „Higher Ground“ von Rasmussen
(22) Moldawien: „My Lucky Day“ von DoReDos
(23) Niederlande: „Outlaw in ´Em“ von Waylon
(24) Norwegen: „That’s How You Write a Song“ von Alexander Rybak
(25) Rumänien: Goodbye von The Humans
(26) Russland: „I won’t break“ von Julia Samoylova
(27) San Marino: „Who We Are“ von Jessika fest. Jenifer Brening
(28) Serbien: „Nova deca“ von Sanja Ilic & Balkanika
(29) Georgien: „For you“ von Iriao
(30) Lettland: „Funny Girl“ von Laura Rizzotto
(31) Malta: „Taboo“ von Christabelle
(32) Montenegro: „Inje“ von Vanja Radovanović
(33) Polen: „Light Me Up“ von Gromee feat. Lukas Meijer
(34) Schweden: Dance you off von Benjamin Ingrosso
(35) Slowenien: „Hvala, ne“ von Lea Sirk