ESC-Songcheck (37): „Viszlát nyár“ von AWS

Gerne wird beim ESC nach polarisierenden Acts verlangt und einen solchen hat Ungarn in diesem Jahr auf jeden Fall nominiert. Die Metal-Band AWS trifft zwar nicht den Geschmack jedes Eurovision-Fans, könnte aber gerade auch deshalb ein Dark Horse sein. Wir haben den Song „Viszlát nyár“ und die Chancen der Band genauer beleuchtet.

Die Interpreten

AWS ist eine fünfköpfige Metal-Band, die bereits drei Alben veröffentlicht hat. Ursprünglich nannten sich die Herren „Ants With Slippers“, mittlerweile firmieren sie aber nur noch unter dem Kurznamen AWS.

Die Band nahm in diesem Jahr zum ersten Mal an der ungarischen Vorentscheidung A Dal teil, kämpfte sich dort zunächst durch eine Vorrunde und ein Halbfinale, bevor sie sich im Finale ganz knapp durch das Jury-Voting rettete und dann schließlich von den TV-Zuschauern als ungarische Vertreterin für Lissabon ausgewählt wurde. Unseren Liveblog des Finales könnt ihr hier nachlesen.

Der Song

„Viszlát nyár“ ist ein Metal-Song und sticht daher schon per se aus dem diesjährigen ESC-Teilnehmerfeld heraus. Während die Strophen eher zurückgenommen und vergleichsweise leise sind, wird der Refrain von Sänger Örs schon sehr kraftvoll gesungen und fast geschrien. Auch an der Stelle, an der man traditionell die Bridge erwarten wurde, wird bei „Viszlát nyár“ ausschließlich geschrien, bevor der Song in einen fast hymnischen letzten Refrain mündet, bei dem Örs gesanglich unterstützt wird.

Anders als man vielleicht zunächst denken könnte, hat „Viszlát nyár“ einen sehr gefühlvollen und berührenden Text. Er handelt von einem Vater, der im Sterben liegt und seinem Song Abschiedsworte mit auf den Weg gibt. Es geht darum, Abschied zu nehmen, aber auch darum, wie das Leben danach weitergeht.

Es braucht keine hellseherischen Fähigkeiten, um zu prognostizieren, dass der ungarische Beitrag vor Ort in Lissabon nicht viele Anhänger finden wird – zu sehr fällt der Song aus der Reihe. Gleichzeitig ist der Song trotz der Härte ausreichend melodisch und noch dazu musikalisch hochwertig, um sowohl bei den Jurys als auch bei den TV-Zuschauern zu punkten.

 Ungarn 2018: AWS – Viszlát nyár

 

Die Präsentation

AWS werden einen Spagat schaffen müssen: Eine Show wie in der Vorentscheidung wird zu wenig sein, denn es gab im Prinzip kein Auftrittskonzept, die Band stand einfach so auf der Bühne, wie sie vermutlich auch Konzerte spielen würde. Hier würde ich an einem einheitlichen, düstereren Erscheinungsbild arbeiten – etwa wie bei Eurovision in Concert in Amsterdam (Bild unten).

Gleichzeitig sollte der Auftritt auch nicht zu gekünstelt wirken, so dass die Jungs immer noch wie eine Rockband und authentisch wirken. Das wird ihnen Stimmen bringen.

 

Was PRINZ-Blogger darüber denken

BennyBenny: Top Song! Er wird vielen ESC-Fans nicht gefallen, aber trotzdem ausreichend Fans finden. Toll, dass Ungarn den Mut hatte, AWS nach Lissabon zu schicken.

Jan: Ich mag diese Schiene überhaupt nicht – ist einfach nicht meine Mucke. Denke aber, dass es da draußen auch viele Hardrock-Fans gibt, die dafür abstimmen. Mit AWS sollte man im Finale fest rechnen und dort werden sie auch nicht hinten landen.

Matthias: AWS polarisiert. Für viele dürfte „Viszlát nyár“ spätestens dann unerträglich sein, wenn der Frontmann sich seinen Schmerz aus der Seele schreit. Ich halte das Lied durchaus bis zum Ende aus, ich höre mir auch mal Rage Against the Machine an. Im Vergleich zu Popsongs aber eher selten. Immerhin bringen die Jungs eine für den ESC außergewöhnliche Farbe in den Wettbewerb. Aber wenn man da schon aus dem Rahmen fällt, hätte man vielleicht wenigstens einen englischen Text nehmen sollen. So fehlt allen Nicht-Ungarn der Zugang komplett.

Peter: Endlich mal wieder ein Hardrockschlager. Ungarn empfiehlt sich derzeit bedauerlicherweise nicht als engagiertes EU-Land aber die ESC-Titel, die Ungarn in den jüngeren Jahren geschickt hat, sind durchgehend eigenständig und gut. „Viszlát nyár„ polarisiert logischerweise maximal. Mein Stammitaliener wirft dankenswerterweise immer die „Eurovision 2018“ Spotify Playlist an, wenn wir da sind, aber bei Ungarn heißt es mit Rücksicht auf die anderen Gäste jedes Mal „Skip“. Im Büro mache ich das nicht und so habe ich auch diesen Titel inzwischen liebgewonnen.

Jeder ESC-Titel wird im Songcheck von allen PRINZ-Bloggern nach ihrem persönlichen Gusto auf einer 11-stufigen Skala (12-10-8-7-6-5-4-3-2-1-0) bewertet, wobei 12 die höchste Wertung darstellt. Die Wertungen werden addiert. Unser persönliches subjektives Gesamtbild:

Die Prognose der PRINZ-Blogger

Hier geht es nicht um das persönliche Gefallen, sondern um eine Prognose. Ungarn hat nach Einschätzung aller PRINZ-Blogger eine Qualifikationschance von 60 Prozent und landet damit auf Platz 8 in Semifinale 2. Hier geht es zur Prognose der PRINZ-Blogger für das erste Semifinale.

 

Social Media

AWS findet ihr auf Facebook, auf YouTube und Instagram.

 

 

Vorschau: Morgen beschäftigt sich Marc mit „Mercy“ aus Frankreich.

Bereits erschienen:

Semifinale 1
(1) Albanien: „Mall“ von Eugent Bushpepa
(2) Aserbaidschan: „X My Heart“ von Aisel
(3) Belgien: „A Matter Of Time“ von Sennek
(4) Bulgarien: „Bones“ von Equinox
(5) Estland: „La Forza“ von Elina Nechayeva
(6) Island: „Our Choice“ von Ari Ólafsson
(7) Israel: „Toy“ von Netta Barzilai
(8) Litauen: „When we’re old“ von Ieva Zasimauskaitė
(9) Tschechien: „Lie to Me“ von Mikolas Josef
(10) Weißrussland: „Forever“ von Alekseev
(11) Armenien: Qami von Sevak Khanagyan
(12) Finnland: „Monsters“ von Saara Aalto
(13) Griechenland: „Oneiro Mou“ von Yianna Terzi
(14) Irland: „Together“ von Ryan O’Shaughnessy
(15) Kroatien: „Crazy“ von Franka
(16) Mazedonien: „Lost and found“ von Eye Cue
(17) Österreich: „Nobody but you“ von Cesár Sampson
(18) Schweiz: „Stones“ von ZiBBZ
(19) Zypern: „Fuego“ von Eleni Foureira

Semifinale 2
(20) Australien: „We Got Love“ von Jessica Mauboy
(21) Dänemark: „Higher Ground“ von Rasmussen
(22) Moldawien: „My Lucky Day“ von DoReDos
(23) Niederlande: „Outlaw in ´Em“ von Waylon
(24) Norwegen: „That’s How You Write a Song“ von Alexander Rybak
(25) Rumänien: Goodbye von The Humans
(26) Russland: „I won’t break“ von Julia Samoylova
(27) San Marino: „Who We Are“ von Jessika fest. Jenifer Brening
(28) Serbien: „Nova deca“ von Sanja Ilic & Balkanika
(29) Georgien: „For you“ von Iriao
(30) Lettland: „Funny Girl“ von Laura Rizzotto
(31) Malta: „Taboo“ von Christabelle
(32) Montenegro: „Inje“ von Vanja Radovanović
(33) Polen: „Light Me Up“ von Gromee feat. Lukas Meijer
(34) Schweden: Dance you off von Benjamin Ingrosso
(35) Slowenien: „Hvala, ne“ von Lea Sirk
(36) Ukraine: „Under the Ladder“ von Mélowin