ESC-Songcheck (39): „Storm“ von SuRie

So Ihr Lieben – ich bin mal wieder an Land und habe Urlaub vom Schiff. Daher habe ich Zeit, mich wieder für unseren Blog einzubringen und darf den Songcheck für das Vereinigte Königreich verfassen. Zuvor musste ich mich aber erst mal durch über 42 weitere Beiträge kämpfen, um die gesamte Konkurrenz zu evaluieren – ich hatte ja bis zu meiner Rückkehr Ende März nichts mitbekommen von der alljährlichen Vorentscheidungs-Saison. SuRie will also den ESC-Pokal nach 21 Jahren wieder auf die Insel holen – wie ihre Chancen stehen, will ich versuchen festzustellen…

Der Interpret

SuRie wurde nicht weit von London in Essex geboren und begann ihre Musikkarriere bereits mit 12 Jahren. Ihre Ausbildung absolvierte sie an der Musikhochschule Royal Academy of Music, eine der führenden Musikinstitutionen weltweit. Witzigerweise kenne ich von meinem neuen Beruf her eine Sängerin, die mit ihr an der selben Academy studiert hat. SuRies Künstlername leitet sich übrigens von ihren beiden Vornamen Susanna Marie ab. Sie hat (ich war überrascht) auch schon ESC-Erfahrung. Bereits 2015 war sie für den belgischen Beitrag im Chor und hatte für Blanches Beitrag letztes Jahr die musikalische Leitung übernommen.

Hier könnt ihr den Live-Blog der britischen Vorentscheidung nachlesen. Damals konnte sich SuRie gegen 5 Konkurrenten durchsetzen. Die Entscheidung wurde von einer 8-köpfigen Jury und den Zuschauern per Tele-Voting gefällt.

 

Der Song

Der Song „Storm“ wurde komponiert von Nicole Blair, Gil Lewis und Sean Hargreaves. Alle drei sind verbunden in ihrer Zusammenarbeit mit den Tileyard-Studios in London.

Im Grunde ist „Storm“ ein einfacher Pop-Song, mit leicht hymnischen Einschlag. Immer wieder findet man diese Art von Song im Rahmen vom Eurovision Song Contest. So hätte dieser Titel auch vor 10 oder 20 Jahren vorgetragen werden können. Deshalb wirkt er auch ein wenig alt-backen. Nichtsdestotrotz hat er durchaus eine gewisse Frische und ich erwische mich, wie ich beim Zuhören gerne mitwippe.

Von der Struktur her besteht das Lied aus Strophe-Refrain-Strophe-Refrain-Bridge und noch mal Refrain und erreicht somit seinen Höhepunkt in der Bridge. Es beginnt ganz ruhig mit fast nur der Stimme, man ahnt im (ich nenn es mal) „Vor-Refrain“, jetzt kommts und dann legt SuRie los. In der zweiten Strophe wiederholt sich diese Dramatik, um dann in der Bridge zu ihrem Höhepunkt zu gelangen. Es schließt sich der letzte Refrain an.

Der Aufbau ist also wie die Komposition recht klassisch gehalten. Ich bin überrascht, dass eine Sängerin, die bei zwei derart modernen und positiv auffallenden Beiträgen wie „Rhythm inside“ und „City Lights“ involviert war, auf doch recht klassische Töne setzt. Zumal beide belgischen Songs sehr gut abgeschnitten haben.  

Was mir sehr positiv auffällt ist SuRies starke Stimme, die tatsächlich eine gewisse Ähnlichkeit zu Annie Lennox aufweist. Ich finde auch in der Optik hat sie eine Vergleichbarkeit mit ihrer Landsmännin. Das allein wird dem Vereinigten Königreich nicht zu einer gute Position verhelfen, aber vielleicht überlegt sich das Team um SuRie eine derart großartige Performance, dass dabei doch die linken Tabellenhälfte rumkommt!? Wir werden sehen…

Großbritannien 2018: SuRie – Storm

 

Die Präsentation

Tja – die Präsentation. Das ist nicht einfach, sich was zu überlegen, wie ein ESC-Titel optimal dargestellt werden sollte.

Was mir als erstes einfällt, ist natürlich SuRies cooles Aussehen. Die kurzen, blonden Haare – das hat beim ESC in dieser Form Seltenheitswert und man wird sich daran erinnern. Verbunden mit einem richtig hippen Outfit kann das echt wirken. Leider ist das mit den erinnerungswürdigen Kostümen immer eine Gradwanderung. Die feine Linie von Top zu Flop ist schnell überschritten. Außerdem muss man drauf achten, dass die Ausstrahlung nicht zu „cool“ wird – sonst wirkt das arrogant und regt zu wenige Zuschauer zum Anrufen an. Die Aufgabe ist also: coole Klamotte – passend zu ihren Look, die aber auch Wärme und eine Prise Sex-Appeal ausstrahlt. Das gleich gilt natürlich auch für ihr Make-Up.

Außerdem fände ich es gut, wenn der Chor zu sehen wäre. Zum Beispiel könnte man den Chor zunächst „verstecken“ und effektvoll in Szene setzen beim ersten oder zweiten Refrain. Das gibt dem Song noch eine optische Steigerung – passend zur Komposition.

Auf jeden Fall muss die Bridge kameratechnisch so geschnitten werden, dass der Beat unterstützt wird – das heißt: schnelle Wechsel – optimalerweise in Kombination mit einem Licht-Schatten-Spiel. Ich rate vom Einsatz von irgendwelchen Capes oder Schleiern, die im Wind wehen, dringend ab. Das würde zwar den Titel quasi sichtbar machen – aber das haben wir nun wirklich schon tausend mal gesehen.

Ihr merkt schon an meiner Beschreibung  – und das geht mir beim Schreiben auch so auf: im Grunde orientiert sich die gesamte Performance mehr oder weniger auf SuRies Person. Ablenkendes Getänzel im Hintergrund oder überflüssiges Feuerspiel wären fehl am Platze. So oder so – kann man echt gespannt sein, wie das Lied am Ende abschneidet – erste Voraussagen kann man ja eh eigentlich erst nach den ersten Proben wagen. Dennoch traue ich mich und sage etwas zwischen Platz 14 und 18. Was an sich schon echt schade ist, denn Großbritannien sollte als Mutterland der Pop-Musik, ein Land das so viele Welterfolge und Weltstars hervor gebracht hat, nicht mit einer derartigen Prognose konfrontiert werden. Meine lieben Briten – da ist noch viel Luft nach oben!!!

 

Was PRINZ-Blogger darüber denken

DJ Ohrmeister: Und wieder mal enttäuscht das UK mit einem überflüssigen Machwerk vom Grabbeltisch, da auch noch ganz unten drin versteckt unter lauter anderem unverkäuflichen Ausschuss. Es ist schon eine Kunst, wie dieses Land, das die Popkultur erfunden und immer weiterentwickelt hat, sich einfach nicht durchringen kann, beim ESC auch mal was von dem ganzen Zauber zu präsentieren. Stattdessen ein lahmer Klatschmarsch von einer streng frisierten Annie-Lennox-Imitatorin, die beim Vorentscheid ihren rechten Arm nicht so ganz unter Kontrolle hatte. Weg damit.

Douze Points: Musikalisch aktivierend und irgendwie modern, gleichzeitig aber (nicht nur textlich) total veraltet. SuRie sollte es mit ihrer ESC-Erfahrung eigentlich besser wissen. Das Lied tut nicht weh, zündet aber auch nicht wirklich.

Matthias: „Storm“ ist an sich eine passable Komposition, aus der man deutlich mehr hätte machen können, als wir jetzt zu Gehör bekommen. Zudem wird das Lied nach spätestens zwei Minuten extrem repetitiv – dann habe ich die Botschaft „Storms won’t last forever“ oft genug gehört. SuRie ist ganz nett, sie hat aber zu wenig Charisma, um dem lauwarmen Popsong noch Pepp zu verleihen. Insofern passt zumindest das Gesamtpaket.

Peter: „Das könnte das ‚Perfect Life‘ von 2018 werden,“ meinte BennyBenny bei den Eurovision.de-Songchecks. Wenn er damit mal nicht über’s Ziel hinausschießt. Zwar hat Levina sogar die bessere Stimme, aber SuRie kommt im Annie-Lennox-Look eigenständiger und dynamischer rüber und „Storm“ hat – das war beim BBC-You-Decide-VE gut erkennbar – durchaus „Instant Appeal“. Zudem ist SuRie eine sehr aktive Social Media Queen, auch das dürfte bei den Fans und im Televoting helfen.

Jeder ESC-Titel wird im Songcheck von allen PRINZ-Bloggern nach ihrem persönlichen Gusto auf einer 11-stufigen Skala (12-10-8-7-6-5-4-3-2-1-0) bewertet, wobei 12 die höchste Wertung darstellt. Die Wertungen werden addiert. Unser persönliches subjektives Gesamtbild:

Die Prognose der PRINZ-Blogger

Hier geht es nicht um das persönliche Gefallen, sondern um eine Prognose. Großbritannien erreicht nach Einschätzung aller PRINZ-Blogger einen Rang zwischen 21 und 26. Hier geht es zur Prognose der PRINZ-Blogger für die BIG5 und den Gastgeber Portugal.

Social Media

Natürlich findet man SuRie auf diversen Online-Portalen – auf Facebook, ihrer eigenen Homepage, dem eigenen Youtube-Kanal, Instagram und natürlich Twitter.

Vorschau: Von der britischen Insel geht es morgen früh gen Italien. Können Ermal Meta und Fabrizio Moro die großen Fußstapfen von Francesco Gabbani ausfüllen?

Bereits erschienen:

Semifinale 1
(1) Albanien: „Mall“ von Eugent Bushpepa
(2) Aserbaidschan: „X My Heart“ von Aisel
(3) Belgien: „A Matter Of Time“ von Sennek
(4) Bulgarien: „Bones“ von Equinox
(5) Estland: „La Forza“ von Elina Nechayeva
(6) Island: „Our Choice“ von Ari Ólafsson
(7) Israel: „Toy“ von Netta Barzilai
(8) Litauen: „When we’re old“ von Ieva Zasimauskaitė
(9) Tschechien: „Lie to Me“ von Mikolas Josef
(10) Weißrussland: „Forever“ von Alekseev
(11) Armenien: Qami von Sevak Khanagyan
(12) Finnland: „Monsters“ von Saara Aalto
(13) Griechenland: „Oneiro Mou“ von Yianna Terzi
(14) Irland: „Together“ von Ryan O’Shaughnessy
(15) Kroatien: „Crazy“ von Franka
(16) Mazedonien: „Lost and found“ von Eye Cue
(17) Österreich: „Nobody but you“ von Cesár Sampson
(18) Schweiz: „Stones“ von ZiBBZ
(19) Zypern: „Fuego“ von Eleni Foureira

Semifinale 2
(20) Australien: „We Got Love“ von Jessica Mauboy
(21) Dänemark: „Higher Ground“ von Rasmussen
(22) Moldawien: „My Lucky Day“ von DoReDos
(23) Niederlande: „Outlaw in ´Em“ von Waylon
(24) Norwegen: „That’s How You Write a Song“ von Alexander Rybak
(25) Rumänien: Goodbye von The Humans
(26) Russland: „I won’t break“ von Julia Samoylova
(27) San Marino: „Who We Are“ von Jessika fest. Jenifer Brening
(28) Serbien: „Nova deca“ von Sanja Ilic & Balkanika
(29) Georgien: „For you“ von Iriao
(30) Lettland: „Funny Girl“ von Laura Rizzotto
(31) Malta: „Taboo“ von Christabelle
(32) Montenegro: „Inje“ von Vanja Radovanović
(33) Polen: „Light Me Up“ von Gromee feat. Lukas Meijer
(34) Schweden: Dance you off von Benjamin Ingrosso
(35) Slowenien: „Hvala, ne“ von Lea Sirk
(36) Ukraine: „Under the Ladder“ von Mélowin
(37) Ungarn: „Viszlát nyár“ von AWS

Die Big 5 + Gastgeber
(38) Frankreich: „Mercy“ von Madam Monsieur