ESC Songcheck (38): “You” von Robin Stjernberg

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Robin Stjernberg (Foto:Rickard Frantzen) hat mit seinen 22 Jahren bereits 2x schwedische Fernsehgeschichte geschrieben. 2011 lieferte er sich ein legendäres Kopf-an-Kopf Rennen um den Sieg beim Swedish Idol und landete mit 48% auf Platz 2. 2013 schaffte er das Unmögliche: als erster Andra-Chansen-Qualifikant heimste er die begehrte Krone des Melodifestivalen-Siegers ein. Schreibt er beim Heim-ESC in Malmö ein drittes Mal schwedische TV-Geschichte?

Robin Stjernberg

Robin James Olof Stjernberg wurde am 22. Februar 1991 in Hässleholm geboren und war schon zu Kindergartenzeiten und später in der Schule ein geborener Entertainer und nahm an zahlreichen landesweiten Talent-Wettbewerben teil. Er liebte es sich zu verkleiden und und begeisterte seine Freunde mit Coverversionen seiner Idole. Man höre und staune welche Musiker ihn geprägt haben: die Backstreet Boys, Stevie Wonder und AC/DC!

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Robin ist eine interessante Persönlichkeit, denn schon in seiner Jugend war er nicht nur ein begabter Sänger, sondern stand kurz davor eine Sportlerkarriere einzuschlagen:  als Wrestler!!! Sport oder Musik? Er galt in beiden Bereichen als vielversprechendes Talent.

Er entschied sich für seine Leidenschaft, die Musik. Bereits in der Oberstufe wurde er ausgewählt um Mitglied in der Boyband „Whats Up“ zu werden, ebenso wie Eric Saade. Die Band landete mit „Go Girl“ einen Single-Hit in Schweden und kletterte bis auf Platz 4 der Charts. Später studierte Robin dann Musik an der Furuboda Folkhögskola. Seinen großen Durchbruch schaffte er 2010/2011 mit der Audition für das Swedish Idol als er die Jury geradezu flashte. Es gelang ihm der Durchmarsch bis ins Finale, wo er dann hauchdünn Amanda Fondell unterlag.

Robin-Sterjnberg-Weight Gain

Robin Stjernberg stellte von Anfang an klar, dass er sich nie verbiegen lassen möchte. Er möchte mit Authenzität, Charisma und seinem „eigenen Ich“ überzeugen. Deshalb stand Robin auch lange zu seinen Extra-Pfunden. Respekt! In der Zwischenzeit ist Robin aber ausschließlich ein musikalisches Schwergewicht. Sein Debutalbum „My Voice“ veröffentlichte er 2012 und landete damit auch prompt auf Platz 1 der schwedischen Album-Charts. Privat ist Robin liiert mit seiner „Idol“-Mitstreiterin Molly Petterson Hammer.

Melodifestivalen 2013

Das bewährte Konzept mit 32 Teilnehmern in 4 Vorrunden wurde beibehalten. In der Andra Chansen-Runde setzen sich Robin Stjernberg und Anton Ewald durch und lösten das Ticket für das große Finale in der Stockholmer Friends Arena am 9. März 2013.

RobinAntonMello2013

Als Trend war 2013 zu erkennen, dass besonders junge männliche Künstler mit Dance-Choreografien besonders gut beim TV-Publikum ankamen. Da haben Eric Saade und Mello-Moderator Danny Saucedo wohl eine ganze nachrückende Generation inspiriert.

Aber nicht nur die Eye-Candy-Boys sorgten für Furore: in Erinnerung bleibt sicher auch das gescheiterte Comeback der Army of Lovers (mit König Karls Gustavs angeblicher „Affäre“ La Camilla) oder die Swedish House Wives mit dem Fan-Hit „On Top of the World“.

Das Finale in Stockholm war auch 2013 wieder ein Festival der Superlative: 4,1 Mio TV-Zuschauer und 1,6 Mio Votes wurden gezählt (bei über 9 Mio. Einwohnern in Schweden) und selbst der Interval-Act war ein absolutes Highlight: Carola intonierte zum 30jährigen Jubiläum ihren ESC-Hit „Främling“. Viele der 27.000 Fans in der Friends Arena rasteten aus.

Als Top-Favorit wurde im Vorfeld Yohio (ein Manga-Wesen) gehandelt, aber auch Ulrik Munther (ein Michel aus Lönneberga) und Ralf Gyllenhammar mit seinem feurigen Rock-Epos zählten zu den Sieg-Anwärtern. Selbst Comedian Sean Banan wurden Außenseiter-Chancen eingeräumt.

RobinMelloFinale

Doch es kam alles anders: Grund war das neue Votingsystem. Die schwedische Jury gab es nicht mehr, dafür 11 internationale Juries, die insgesamt 473 Punkte zu vergeben hatten. Diese Juries setzten Robin Stjernberg mit 91 Punkten auf Platz 1 und straften Yohio mit mageren 30 Pünktchen ab. Weitere 473 Punkte wurden per Televoting vergeben. Da lag Yohio zwar haushoch mit 103 Punkten vorne, aber Robins Vorsprung erwies sich als uneinholbar:

01. – 166 Punkte – Robin Stjernberg – You
02. – 133 Punkte – Yohio – Heartbreak Hotel
03. – 126 Punkte – Ulrik Munther – Tell the world I’m here
04. – 108 Punkte – Anton Ewald – Begging
05. – 085 Punkte – Louise Hoffsten – Only the dead fish follow the stream
06. – 078 Punkte – Sean Banan – Copacabanana
07. – 073 Punkte – Ralf Gyllenhammar – Bed on fire
08. – 069 Punkte – David Lindgren – Skyline
09. – 068 Punkte – State of Drama – Falling
10. – 040 Punkte – Ravaillacs – En riktig jävla schlager

Schweden 2013: Robin Stjernberg – You (Live@Melodifestivalen)
zum Liveblog Schweden

Hier gibt es eine  Analyse des Voting von Co-Blogger Matthias

Hier gibt es den Exklusivbericht zur After-Show-Party mit vielen Fotos.

Der Song „You“

Robin Stjernberg ist Co-Autor und sagt über sein Werk: „You handelt vom Start meiner Musiker-Karriere. Ich danke damit meiner Familie und Freunden, die mich immer unterstützt haben. Die besungenen Zeilen entsprechen der Wirklichkeit, z.B. schildere ich die Reaktionen meines Vaters und meiner Tante auf meinen Gesang. Es ist ein Lied über mein Leben und es geht um meine echten Gefühle. Wenn ich You auf der Bühne performe, dann kann ich einfach ich selbst sein!“

Hey, do you remember
How we would stay up all night
Talking ‘bout a destiny
And I play the piano, and you would strum on your guitar
Those were the days

If only you could see me now, I live my dream; I owe it all to you
I owe it to you ooo
Isn’t it crazy, yeah Isn’t it crazy
It’s all because of you ooo, all because of you ooo

Die weiteren Autoren sind Joy und Linnea Deb aus Stockholm. Joy hat indisch-finnische Wurzeln und ist seit 2005 Produzent. Er unterrichtet am SAE Musikinstitut als Lehrer. Mit seiner Frau Liennea hat Joy zwei Töchter. Linnea war bereits als Co-Autorin von Ulrik Munthers 2012er Mello-Hit „Soldiers“ in Erscheinung getreten. Sie arbeitet aber auch als Background-Sängerin und stand schon mit Carola und Ace of Base auf der Bühne.

Der vierte Co-Autor im Bunde ist der Norweger Joakim Harestad Haukaas (21). Er nahm bereits für Norwegen 2003 mit der Band 2U am Junior Eurovision Song Contest teil und belegte Platz 13.

„You“ startet balladesk und wandelt sich in einen Casting-Pop-Song mit Key-Change. Die Noten-Range ist extrem und verlangt Robin sein ganzes Können ab. Stimmliche Patzer (wie bei der Vorrunde oder bei Andra Chansen) kann sich Robin dabei in Malmö sicher nicht mehr erlauben. Böse Zungen und Kritiker behaupten „You“ habe etwas Heulbojen-haftes.

In den schwedischen Charts entwickelte sich „You“ nicht nur zu Robins erstem No.1-Single-Hit, sondern zu einem echten Dauerbrenner.

Robin Stjernberg

Präsentation in Malmö

Der gelungene Auftritt beim Mello-Finale zündete wie eine Rakete und katapultierte Robin weit nach vorne. Das kann gerne in ähnlicher Form für Malmö beibehalten werden. Der Instant Appeal des Songs und der Charme von Robin kamen voll zur Geltung. Auch das Styling passte: cooler Up-to-Date Haarschnitt, lässiger hellbrauner Blazer kombiniert mit beiger Slim-Fit Hose, dazu Lederstiefel. Die Background-Tänzer runden das Bild ab ohne zu sehr abzulenken und die Pyro-Technik wurde effektvoll zum Höhepunkt des Songs eingesetzt. Dazu versprühte Robin sehr viel Freude und Motivation.

Bewertung:

Optik: 3½ von 5 Sternen (Typ: der Nette von Nebenan)
Stimme: 4 von 5 Sternen („You“ ist schwer zu singen)
Komposition: 4 von 5 Sternen
Instant Appeal: 4 von 5 Sternen

Robin Stjernberg

Chancen im Finale: Durch Loreens Sieg ist Schweden gemeinsam mit den Big 5-Nationen direkt für das Finale qualifiziert und hat die Startnummer 16 zugelost bekommen. Bei den Wettquoten auf Sieg rutscht Robin Stjernberg derzeit etwas ab. Von Rang 4 ging es in den letzten Wochen runter auf Rang 8. Robin liegt damit im erweiterten Verfolgerfeld hinter der führenden Emmelie de Forest aus Dänemark (Stand 30. April 2013 um 0 Uhr).

Mein persönlicher Tipp lautet: wenn Robin beim Singen kein Fehler unterläuft und er seinen Charme wieder entfalten kann, sollte es in Malmö für eine Top 10 Platzierung im Finale reichen. Der Song sticht zwischen den vielen Balladen positiv hervor, wird aber durch das „heulbojen-hafte“ auch beim ein oder anderen Zuschauer anecken.

Mehr von Robin Stjernberg gibt es im Netz auf seiner Homepage sowie bei Facebook und Twitter. Auch Ben Morris hat Robin als Minipop Icon verewigt (alle Minipop Icons gibt’s unter anderem hier auf Tumblr):

Mini Pop Icon Robin Stjernberg

Cascada und „Glorious“ bilden voraussichtlich morgen den Abschluss unserer Songcheck-Serie für die Saison 2013! Womöglich steigern wir aber auch noch die Spannung und bringen Cascadas ausführlichen Songcheck erst zum Wochenende… stay tuned!