ESC-Songcheck (4): „Beautiful Song“ von Anmary

Eine durchaus wandlungsfähige Künstlerin haben sich die Letten da ausgesucht, die bisher in zwei komplett unterschiedlichen Bühnenauftritten (und das nicht nur bezogen auf ihr Outfit) in Semi und Finale denselben merkwürdigen – manche sagen: peinlichen – Liedtext zu einer besonders ohrwurmfähigen Melodie präsentiert hat. Anmary gewann die Vorauswahl zuhause mit dem rührseligen „Beautiful Song“, der vom Traum handelt, einmal so richtig berühmt zu werden. Ob’s mit eben diesem Song klappt? Wir sind da eher skeptisch.

Anmary heißt im richtigen Leben Linda Amantova und lebt in der lettischen Hauptstadt Riga. Sie kommt eigentlich aus der Provinz, besuchte dort eine Musikschule und machte später ihren Abschluß an der Jāzeps Vītols Latvian Academy of Music. TV-Erfahrung sammelte sie bereits 2003 als Finalistin der Castingshow „Talantu Fabrika“, wo sie immerhin Zweite wurde. Musical-Erfahrung und eine Zusammenarbeit mit Jazzchören aus Hamburg und Berlin runden ihr musikalisches Profil ab.

Der diesjährige lettische Beitrag ist ein richtiger Radio-Song, aber eben auch nur dann angenehm, wenn man weniger aufmerksam zuhört und das Ding nur vor sich hinsummt. Optisch stellt man sich dabei eigentlich einen eher schlichten Auftritt vor, doch erinnerten die Auftritte sowohl beim Semifinale am 14. Januar als auch später beim Finale am 18. Februar vielmehr an ein Jahrestreffen eines ESC-Fanclubs: bunt, camp, und das gleich 200%… Hier sind mal beide Auftritte im Video-Vergleich:

 Anmary beim lettischen Semifinale am 14.01.

 Anmary beim lettischen Finale am 18.02.

Nun, die albernen Fahnenkleidchen à la „Surfen Multimedia“ hatte man bei der Überarbeitung der Darbietung zwar weggelassen, das Ganze dann aber verschlimmbessert mit einer albernen Hüpfchoreo inkl. Springen von einem Eurovision-Koffer. Der Text blieb erstmal grammatikalisch falsch und fremdschämig wie bisher – Johnny Logan war immer noch alt, und sie mußte Mick Jagger leider weiterhin absagen, da sie mit Paul McCartney im Studio Aufnahmen machte (Da paßt mal wieder die kölsche Universalfrage: Wat soll dä Quatsch?) Diesen Blödsinn hat sich übrigens Rolands Ūdris ausgedacht, während die hübsche Melodie von Ivars Makstnieks stammt. Wer sich die Choreographie überlegt hat, bleibt uns gleichwohl verborgen (verständlich, ich würd‘ mich auch nicht trauen, das zuzugeben).

Daß der Song am Ende in einer unübersichtlichen, zweistufigen Abstimmung aus Jury und Televoting gewann, war daher auch etwas überraschend, waren doch einige fetzige und vom Saalpublikum frenetisch gefeierte Songs mit dabei gewesen (wir erinnern uns an die singende Torte Paula Dukure, die Mad Show Boys mit ihren zusammengeklauten Textzeilen von ABBA bis zu den Beatles, und natürlich dem „Disco Superfly“-Knaller von PeR).

Schließlich hat man sich dann doch noch eines Besseren besonnen und zumindest mal die gröbsten Schnitzer im Text, sowohl grammatikalisch, als auch inhaltlich, weiter verändert und etwas präsentabler gemacht. Textbeispiel gefällig? „…the year the Irish Johnny Logan won. Now he’s old, you know, still kinda famous…“ heißt jetzt „…the year that Irish Johnny Logan won, thirty years ago, they still remember…“. Gott sei Dank!

Ein richtiges (und ganz passables) Musikvideo gibt’s jetzt obendrein, inklusive Flashmob am Flughafen. Vielleicht klappt’s dann ja doch noch mit der großen Karriere. Und vielleicht ruft Herr Logan ja auch mal an.

Lettland 2012: Anmary – Beautiful Song

> zur Facebook-Seite von Anmary

PRINZ-Blog-Urteil

Songqualität: Komposition 7/10, Text 3/10
Interpretation:
5/10
Chancen auf Finaleinzug:
30% (und damit nach Ansicht der Blogger nur 16te von 18 Songs im ersten Semi)