ESC-Songcheck (40): „Non mi avete fatto niente“ von Ermal Meta & Fabrizio Moro

Bella Italia schickt dieses Jahr ein politisches Lied. „Non mi avete fatto niente“ polarisiert nicht nur durch seine Aussage – auch musikalisch kommt es nicht bei jedem an. Viele sind zwar begeistert – es gibt jedoch auch genug Stimmen, die das italienische Lied lediglich mittelprächtig finden. Ich persönlich halte die Umsetzung auf der Bühne für eine Herausforderung – aber eines nach dem anderen. Schaut selbst…

Die Interpreten

Ermal Meta und Fabrizio Moro sind in Italien keine No-Names. Beide waren bereits mehrfach im Genre der Newcomer in San Remo aufgetreten. So konnte Fabrizio Moro im Jahre 2007 mit seinem Anti-Mafia Song „Pensa“ das San Remo Festival als Newcomer nicht nur gewinnen, er landete in Italien sogar einen Nummer 1 Hit damit. Schon damals mit einer sehr deutlichen Aussage gegen die Mafia – quasi an Gedenken an die Opfer der Mafia. Er singt jedoch nicht nur, er schreibt viele Songs auch selbst und arbeitet darüber hinaus auch als TV-Moderator.

Auch der in Albanien geborene Ermal Meta kann San Remo Erfahrung aufweisen. Gleich drei Mal nahm er bereits an diesem Festival teil, bevor er dieses Jahr das große Finale gewinnen konnte. Das erste Mal im Jahre 2006 als Teil der Band Ameba4, in der er als Gitarrist auftrat. Ermal kam mit 13 Jahren nach Italien – genauer gesagt nach Bari und brachte sich sehr schnell selbst das Gitarrespielen bei. Er trat daraufhin mit diversen Schulbands auf und später in vielen Bars in der Hauptstadt Rom. Er schreibt wie sein Kollege Fabrizio viele Songs selbst, schreibt sie aber auch für viele andere italienische Berühmtheiten. so zum Beispiel für Marco Mengoni, Emma oder Patty Pravo.

Allein hatten die beiden kein Glück – erst gemeinsam konnten sie das große Festival von San Remo gewinnen. Wird dieser Erfolg in Lissabon weiter gehen?

HIER könnte ihr auch den Live-Blog des San Remo-Festivals, also die beiden am 10.02.2018 das Ticket nach Lissabon lösen konnten.

Der Song

Das Canzone „Non mi avete fatto niente“ hat bereits einige Chartplatzierungen zu verzeichnen – Nummer 16 in der Schweizer Hitparade, in den Euro Digital Songs Platz 20 und sogar Nummer 1 in Italien.

Es wurde von unseren beiden Protagonisten Ermal und Fabrizio zusammen mit Andrea Febo geschrieben und hat eine sehr klare Ansage gegen Terrorismus und Gewalt. Gegen all die Anschläge, die über die letzten Jahre vor allem hier in Europa und im Nahen Osten verübt wurden. Der Titel bedeutet im Deutschen so viel wie „Ihr konntet mir nichts anhaben“ und ist inspiriert von einem Franzosen, der nach einem Anschlag in Paris seine Frau verloren hatte. Dieser verbreitete auf den Sozialen Medien – adressiert an die Terroristen – dass er ihnen nicht den „Gefallen“ tun wird sie zu hassen. Auch sein Kind, dass er und seine Frau kurz zuvor bekommen hatten, würde ganz normal ohne Hass gegen die Terroristen aufwachsen. Eben ganz nach dem Motto: Ihr konntet uns nichts anhaben. Eigentlich sehr berührend.

Nun ist die Message stark politisch. Hier scheiden sich Geister, ob das für den ESC überhaupt geeignet ist oder nicht. Darf in einem ESC Song über politische Belange gesungen werden. Laut den offiziellen Regularien der EBU, darf keine konkrete politische Äußerung in den Liedern zu finden sein. So mussten in der Vergangenheit bereits einige Songs ihre Texte ändern – zum Beispiel die Ukraine 2005. Die Georgier mussten 2009, weil sie sich zu einer Änderung des Textes nicht durchringen konnten, den Song letztendlich sogar ganz zurückziehen. Wir erinnern uns: „We dont wanna Putin put in“.

Grundsätzlich ist und war der ESC immer schon politisch. Hallo!? – europäische Länder treten in einen Wettstreit gegeneinander an. Natürlich ist da Politik mit im Spiel – egal, ob Jurys oder Televoter abstimmen. Ich denke, es ist richtig, dass konkrete politische Aussagen auf keinen Fall gemacht werden sollten. Man sollte die ESC-Bühne nicht für seine eigenen politischen Zwecke verfolgen dürfen. Nun lässt das sicher Raum für viel Interpretation. Was aber erlaubt ist und auch erlaubt sein sollte, ist (um Peter Urban zu zitieren) „allgemeine soziale Dinge, auch Not und Elend in der Welt…darf und soll der ESC ruhig besprechen“. Letztendlich ist jedes Friedenslied, von denen es beim ESC nun auch reichlich gab und immer geben wird, auch in gewisser Weise politisch. Wieso also nicht!? Ein Friedenslied mal anders!

Stilistisch ist der Song durchaus interessant – es wird in den Strophen nicht wirklich gesungen. Rap ist es aber auch nicht wirklich. Der Song fängt schon sehr flott an und hält diese Spannung bis zum Schluss, ohne repetitiv zu wirken.
Auch der Aufbau ist abwechslungsreich – die erste Strophe singen erst Ermal dann Fabrizio. Der Refrain wird von Ermal übernommen. Dann geht es weiter mit der zweiten Strophe erst Fabrizio, dann Ermal. Den zweiten Refrain sing Fabrizio. Anschließend ist die Bridge, die beide gemeinsam singen. Das wird auch von der Kamera in San Remo interessant aufgefangen. Den letzten Refrain singen Ermal und Fabrizio wieder gemeinsam. Ob das in Lissabon so auf die Bühne gehen soll – gar nicht einfach zu beantworten. Schauen wir uns noch mal den Live-Auftritt von San Remo an.

 

Die Präsentation

Die Präsentation dieses Songs ist auch hier wieder eine kleine Herausforderung. Fakt ist, das Video, wie es im offiziellen Clip gezeigt wird, kann so in Lissabon nicht dargestellt werden, weil es keine LED-Wand geben wird. Ich finde das vom Grundsatz her gar nicht schlecht, so ist man als Delegation gezwungen sich vielleicht ein paar mehr Gedanken zu machen, wie man die TV-Zuschauer „einfangen“ will. Abgesehen davon hielte ich es für keine gute Idee den italienischen Clip quasi unzensiert beim ESC zu zeigen. So gut ich die Aussage des Liedes finde, halte ich das Video für zu verstörend für diese Bühne. Jede Diskussion erübrigt sich, da es so eh nicht gezeigt werden kann. Mein Blogger-Kollege Jan, kam mit der Idee einige Ausschnitte als Hologramm auf der Bühne darzustellen. Diese könnte man an den passenden Stellen darstellen, so dass zumindest die TV-Zuschauer das sehen können. So kommt die Botschaft noch klarer beim Publikum an. Wichtig ist hier die richtige Auswahl der Bilder und das Timing.

Ansonsten kann man die Positionierung von Ermal und Fabrizio so belassen. Die Leidenschaft und die Authentizität steht ihnen ins Gesicht geschrieben. Sie stehen hinter ihrem Song und hinter dieser Aussage. Alles Weitere an Inszenierung käme in meinen Augen unglaubwürdig rüber. Die Italiener sind auch nicht bekannt dafür ihre Beiträge groß zu inszenieren – es ist eher der Gegenteil der Fall, insofern habe ich keine Sorgen.

Ich sehe in diesem Beitrag – je nach Startposition eine gute Chance auf Top10. Eher sogar eine Top5-Platzierung. Ich bin gespannt.

Was PRINZ-Blogger darüber denken

BennyBenny: Was für eine Botschaft! Was für ein Song! Ganz, ganz stark und sehr außergewöhnlich. Gut gemacht, Italien!

Jan: Könnte meiner Meinung nach – ganz ohne vorherigen Hype – ein ähnliches Ergebnis wie Francesco Gabbani einfahren oder sogar für eine noch größere Überraschung sorgen. Ein Thema, mit dem jeder connecten kann – es sollte nur nicht allzu dick aufgetragen werden. Der Song an sich ist stark genug, trotz des ernsten Themas hat er einen treibenden Rhythmus. Normalerweise sind Anti-Kriegs-Lieder ja eher getragen und haben keinen Mitklatschfaktor. Also: Italien ist für mich DAS Dark Horse in diesem Jahr.

Salman: Ein Song mit sehr schöner Botschaft. Zündet aber leider nicht gleich beim ersten Hören. Deshalb wird eine gute Platzierung für Italien in Lissabon schwierig werden.

Tjabe: Das Land hat in den letzten Jahren oftmals eine gute Auswahl getroffen, aber dieses Jahr war scheinbar nicht viel im Angebot. Das Lied ist okay und auch die beiden Interpreten, aber mehr auch nicht. Vielleicht haben sie das Glück, dass sie Italien repräsentieren.

Jeder ESC-Titel wird im Songcheck von allen PRINZ-Bloggern nach ihrem persönlichen Gusto auf einer 11-stufigen Skala (12-10-8-7-6-5-4-3-2-1-0) bewertet, wobei 12 die höchste Wertung darstellt. Die Wertungen werden addiert. Unser persönliches subjektives Gesamtbild:

Die Prognose der PRINZ-Blogger

Hier geht es nicht um das persönliche Gefallen, sondern um eine Prognose. Italien erreicht nach Einschätzung aller PRINZ-Blogger einen Rang zwischen 11 und 15. Hier geht es zur Prognose der PRINZ-Blogger für die BIG5 und den Gastgeber Portugal.

Social Media

Ermal Meta tritt natürlich auch auf verschiedenen sozialen Medien auf. Facebook, Twitter, und Youtube.

Fabrizio Moro ist auf Facebook, Twitter, Youtube und seiner eigenen Homepage zu finden.

Vorschau:  Im nächsten Songcheck geht es in den Garten: mit Tjabe und natürlich der Gastgeber Portugal! 

Bereits erschienen:

Semifinale 1
(1) Albanien: „Mall“ von Eugent Bushpepa
(2) Aserbaidschan: „X My Heart“ von Aisel
(3) Belgien: „A Matter Of Time“ von Sennek
(4) Bulgarien: „Bones“ von Equinox
(5) Estland: „La Forza“ von Elina Nechayeva
(6) Island: „Our Choice“ von Ari Ólafsson
(7) Israel: „Toy“ von Netta Barzilai
(8) Litauen: „When we’re old“ von Ieva Zasimauskaitė
(9) Tschechien: „Lie to Me“ von Mikolas Josef
(10) Weißrussland: „Forever“ von Alekseev
(11) Armenien: Qami von Sevak Khanagyan
(12) Finnland: „Monsters“ von Saara Aalto
(13) Griechenland: „Oneiro Mou“ von Yianna Terzi
(14) Irland: „Together“ von Ryan O’Shaughnessy
(15) Kroatien: „Crazy“ von Franka
(16) Mazedonien: „Lost and found“ von Eye Cue
(17) Österreich: „Nobody but you“ von Cesár Sampson
(18) Schweiz: „Stones“ von ZiBBZ
(19) Zypern: „Fuego“ von Eleni Foureira

Semifinale 2
(20) Australien: „We Got Love“ von Jessica Mauboy
(21) Dänemark: „Higher Ground“ von Rasmussen
(22) Moldawien: „My Lucky Day“ von DoReDos
(23) Niederlande: „Outlaw in ´Em“ von Waylon
(24) Norwegen: „That’s How You Write a Song“ von Alexander Rybak
(25) Rumänien: Goodbye von The Humans
(26) Russland: „I won’t break“ von Julia Samoylova
(27) San Marino: „Who We Are“ von Jessika fest. Jenifer Brening
(28) Serbien: „Nova deca“ von Sanja Ilic & Balkanika
(29) Georgien: „For you“ von Iriao
(30) Lettland: „Funny Girl“ von Laura Rizzotto
(31) Malta: „Taboo“ von Christabelle
(32) Montenegro: „Inje“ von Vanja Radovanović
(33) Polen: „Light Me Up“ von Gromee feat. Lukas Meijer
(34) Schweden: Dance you off von Benjamin Ingrosso
(35) Slowenien: „Hvala, ne“ von Lea Sirk
(36) Ukraine: „Under the Ladder“ von Mélowin
(37) Ungarn: „Viszlát nyár“ von AWS

Die Big 5 + Gastgeber
(38) Frankreich: „Mercy“ von Madam Monsieur
(39) Vereinigtes Königreich: „Storm“ von SuRie