ESC-Songcheck (42): „Tu canción“ von Amaia & Alfred

Ein blutjunges Liebespaar, dass sich auf der Bühne anschmachtet wie nichts Gutes. Ist das das Rezept, mit dem die nicht gerade erfolgsverwöhnten Spanier endlich mal wieder eine ordentliche Platzierung beim ESC erreichen können. Amaia und Alfred werden sicher alles geben, aber ob das reicht? Hier unser spanischer Songcheck

Die Interpreten

Der spanischen Vorentscheidung voraus gegangen war in diesem Jahr die Castingshow „Operacion Triunfo“, die ja schon einige ESC-Stars hervorgebracht hat in den vergangenen Jahren. Die Siegerin Amaia Romero wurde aber nicht direkt nominiert, sondern musste sich – gemeinsam mit einigen anderen Mitkonkurrenten – noch einmal extra um das Ticket nach Lissabon bewerben. Und sie bekam es auch, und zwar gemeinsam mit Alfred Garcia. Zwischen beiden hatte sich während der Castingphase eine kleine Liebesgeschichte entwickelt, die nun perfekt umgesetzt wurde und die spanischen Zuschauer reihenweise in Verzückung versetzte.

Die 19-jährige Amaia stammt aus Pamplona im Norden des Landes. Bereits als kleines Mädchen nahm sie an Talentwettbewerben teil. Diese Erfahrung zahlte sich offenbar aus, denn sie gewann die diesjährige OT-Staffel.

EiC 2018 Amsterdam Spanien Alfred Amaia

Alfred, 21 Jahre alt und aus der autonomen Region Katalonien stammend, hat auch bereits mehrere Casting-Erfahrungen gesammelt. Bei „The Voice“ fiel er durch, aber bei Operacion Triunfo konnte er sich bis auf den vierten Platz nach vorn singen. Gemeinsam mit seiner Liebsten Amaia präsentierte er dann beim spanischen Finale die zuckersüße Ballade „Tu canción“. Die Zuschauer waren hin und weg und schickten das Pärchen nach Lissabon.

Der Song

Wie gesagt, eine zuckersüße Ballade wird uns da präsentiert. Für einige wird das soooo niedlich sein, was sie hören und sehen, andere werden es vor Kitsch kaum ertragen können.

Thematisch geht es um die erste große Liebe. Die Hormone spielen verrückt, man will dem andere nur noch nah sein – es fühlt sich alles so an, als würde man zum ersten mal tanzen. Mal abwechselnd, mal gemeinsam singen sich Alfred und Amaia an, bevor der Refrain im leichten Walzertakt etwas Fahrt aufnimmt. So geht es weiter bis zu einer kleinen und sehr ruhigen Bridge, bevor dann durch einen inzwischen hinzugefügten Streicherteppich noch ein wenig Dramatik erzeugt wird. Der Song endet, wie er begonnen hat, sehr ruhig und fast schon ein bisschen zerbrechlich.

Gewöhnungsbedürftig ist für mich immer noch die Stimme von Alfred. Belcanto ist das sicher nicht. Es klingt in meinen Ohren ein wenig „quäkig“ und unsicher. Man merkt in Live-Auftritten, dass die deutlich sicherere Amaia ihn ein wenig durch den Song führt. Aber das tut sie ja sicher sehr gern!

Die Idee zu diesem Song für die zwei Liebenden hatten übrigens Raúl Gómez und die Texterin Sylvia Santoro. Wie gesagt – der Song bewegt sich hart an der Kitschgrenze. Aus meiner Sicht kann das Pendel in die eine oder in die andere Richtung ausschlagen. Einen Platz im Mittelfeld würde ich kaum vermuten.

Spanien 2018: Amaia & Alfred – Tu canción

Die Präsentation

Die Präsentation ist sicher die größte Achillesferse für die beiden. Im spanischen Finale hatte man bisweilen den Eindruck, hier würde in einer zehnten Klasse für das Highschool-Musical geprobt werden. Das wirkte alles sehr steif und unausgegoren – man könnte sogar sagen verkrampft. Man darf sicher sein, dass für den Auftritt in Lissabon verstärkt daran gearbeitet wurde!

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Da es ja hier um die Liebe geht, sollte die Bühne in Lissabon in leichtes rot getaucht werden. Entgegen bisheriger Auftritte der beiden, würde ich vorschlagen, dass man sich erst relativ spät berührt und zunächst ein wenig „umeinander schleicht“, bevor man den gemeinsamen Walzer in Angriff nimmt. Ganz nach dem Motto: Erst ein wenig balzen, dann gemeinsam tanzen. So hätte der Auftritt mit diesem doch sehr innigen Moment auch einen schönen Höhepunkt.

Und wenn die Stimmen am Ende nicht hundertprozentig präsent sind – who cares? Wer ist in solchen Augenblicken denn nicht nervös und zittrig – das hätte dann sogar fast etwas Authentisches!

Was PRINZ-Blogger darüber denken

DJ Ohrmeister: Herrlich, wie man ganz am Anfang der VE-Saison schon mit dieser zuckersüßen, unbeholfenen Teenie-Love-Story zugekleistert wurde. Aber irgendwie ist das Ganze in sich rund, die stimmlichen Schwächen (bei ihm) passen zum Gesamtbild und machen es – tatsächlich – irgendwie rund und stimmig. Hoffe, da wird nicht allzu viel poliert bis Lissabon. Auch wenn sie damit nicht weit kommen werden.

Jan: Aus diesem Lied trieft der Schmalz ja nur so heraus. Und ich möchte mich darin suhlen. Mein „Guilty Pleasure“ dieses Jahres. Alfred kann zwar überhaupt nicht richtig singen, aber auch das finde ich irgendwie total klasse. Das klingt so schön unbeholfen – niedlich irgendwie.

Peter: Desto häufiger ich diesen Song höre, desto besser gefällt er mir. Und ich kann mir gut vorstellen, dass die beiden attraktiven Interpeten (so ein bissel wie früher Kylie und Jason) den Titel sehr sympathisch vortragen. Der Titel hat einen hohen anziehenden Wiedererkennungswert. Geradezu unverschämt fand ich es, dass dieser Titel von Peter Urban so ruppig gedisst wurde (selbst für Carmen Nebel zu kitischig oder so), als beim deutschen Vorentscheid einige bereits feststehende Songs vorgestellt wurden. Sowas macht man nicht – vor allem nicht in Big Five Kreisen. Hoffentlich rächt sich das nicht noch.

Salman: Also ich mag ja eigentlich Balladen, aber diese ist selbst mir zu schnulzig. Vom Tempo her gefühlt noch langsamer als Salvadors Siegersong im letzten Jahr. Mein Fall ist es nicht!

Jeder ESC-Titel wird im Songcheck von allen PRINZ-Bloggern nach ihrem persönlichen Gusto auf einer 11-stufigen Skala (12-10-8-7-6-5-4-3-2-1-0) bewertet, wobei 12 die höchste Wertung darstellt. Die Wertungen werden addiert. Unser persönliches subjektives Gesamtbild:

PrinzBlogger-Voting 2018_Spanien

Die Prognose der PRINZ-Blogger

Hier geht es nicht um das persönliche Gefallen, sondern um eine Prognose. Spanien erreicht nach Einschätzung aller PRINZ-Blogger einen Rang zwischen 16 und 20. Hier geht es zur Prognose der PRINZ-Blogger für die BIG5 und den Gastgeber Portugal.

 

Social Media

Man glaubt es kaum. Anstatt sich miteinander zu beschäftigen, finden Alfred und Amaia immer noch Zeit, um ausführlich zu twittern und zu instagrammen

2018 Spanien Alfred Amaia

Vorschau: Heute Nachmittag beenden wir unsere diesjährige Songcheck-Serie mit…hmmm… wer fehlt denn wohl noch???

Bereits erschienen:

(1) Albanien: „Mall“ von Eugent Bushpepa
(2) Aserbaidschan: „X My Heart“ von Aisel
(3) Belgien: „A Matter Of Time“ von Sennek
(4) Bulgarien: „Bones“ von Equinox
(5) Estland: „La Forza“ von Elina Nechayeva
(6) Island: „Our Choice“ von Ari Ólafsson
(7) Israel: „Toy“ von Netta Barzilai
(8) Litauen: „When we’re old“ von Ieva Zasimauskaitė
(9) Tschechien: „Lie to Me“ von Mikolas Josef
(10) Weißrussland: „Forever“ von Alekseev
(11) Armenien: Qami von Sevak Khanagyan
(12) Finnland: „Monsters“ von Saara Aalto
(13) Griechenland: „Oneiro Mou“ von Yianna Terzi
(14) Irland: „Together“ von Ryan O’Shaughnessy
(15) Kroatien: „Crazy“ von Franka
(16) Mazedonien: „Lost and found“ von Eye Cue
(17) Österreich: „Nobody but you“ von Cesár Sampson
(18) Schweiz: „Stones“ von ZiBBZ
(19) Zypern: „Fuego“ von Eleni Foureira

Semifinale 2
(20) Australien: „We Got Love“ von Jessica Mauboy
(21) Dänemark: „Higher Ground“ von Rasmussen
(22) Moldawien: „My Lucky Day“ von DoReDos
(23) Niederlande: „Outlaw in ´Em“ von Waylon
(24) Norwegen: „That’s How You Write a Song“ von Alexander Rybak
(25) Rumänien: Goodbye von The Humans
(26) Russland: „I won’t break“ von Julia Samoylova
(27) San Marino: „Who We Are“ von Jessika fest. Jenifer Brening
(28) Serbien: „Nova deca“ von Sanja Ilic & Balkanika
(29) Georgien: „For you“ von Iriao
(30) Lettland: „Funny Girl“ von Laura Rizzotto
(31) Malta: „Taboo“ von Christabelle
(32) Montenegro: „Inje“ von Vanja Radovanović
(33) Polen: „Light Me Up“ von Gromee feat. Lukas Meijer
(34) Schweden: „Dance you off“ von Benjamin Ingrosso
(35) Slowenien: „Hvala, ne“ von Lea Sirk
(36) Ukraine: „Under the Ladder“ von Mélowin
(37) Ungarn: „Viszlát nyár“ von AWS

Die Big 5 + Gastgeber

(38) Frankreich: „Mercy“ von Madam Monsieur
(39) Großbritannien: „Storm“ von SuRie
(40) Italien: „Non Mi Avete Fatto Niente“ Ermal Meta und Fabrizio Moro
(41) Portugal: „O jardim“ von Claudia Pascoal