ESC-Songcheck (6): „Our Choice“ von Ari Ólafsson

Für viele sehr unerwartet hat Ari Ólafsson das Söngvakeppnin 2018 gewonnen und vertritt damit Island beim ESC in Lissabon. Im Superfinale setzte er sich überraschend gegen den nach der ersten Runde klar führenden Dagur Sigurðsson durch. Ob er es mit „Our Choice“  allerdings schafft erstmalig nach 2014 wieder das ESC Finale für Island zu erreichen, ist mehr als fraglich.

 

Der Interpret

Ari Ólafsson wurde am 21. Mai 1998 in Reykjavik geboren. Sehr früh entdeckte er seine Liebe zur Musik und spielte bereits mit 11 Jahren die Hauptrolle im Musical „Oliver!“. National bekannt wurde er 2015 durch seine Teilnahme bei der isländischen Version von „The Voice“. Dort war auch die letztjährige isländische Vertreterin Svala in der Jury, ließ sich aber in der ersten Blind Audition nicht von Ari überzeugen.

 

Ari kam zwar in der Audition weiter, scheiterte aber später in der Battlephase. Dennoch gab er seinen Traum von der großen Bühne nie auf.  Dieser ging mit seinem überraschenden Sieg bei der isländischen Vorentscheidung nun in Erfüllung. Unseren Live-Blog dazu gibt es hier nachzulesen.

 

Der Song

„Our Choice“ ist eine klassische Weltbesserungsballade. Geschrieben wurde der Song von Þórunn Erna Clausen, der Witwe von Sigurjón Brink. Bereits 2011 hatte sie den isländischen Beitrag „Coming Home“ zu Ehren ihres verstorbenen Mannes geschrieben, der von Sjonni’s Friends vorgetragen wurde und in Düsseldorf den 20. Platz erreichte.

Vom Stil her erinnert „Our Choice“ an die DSDS-Gruppensongs aus den frühen 2000er Jahren wie z.B. „We have a dream“ und könnte deshalb auch aus der Feder von Dieter Bohlen stammen. Es ist eine sehr süßlich klingende Ballade. Verstärkt wird der Gesamteindruck durch den einfachen Songtext. Dieser hat sehr kitschige Passagen wie:

“ There is always a choice we can make to help and to heal in different ways. Too many are dying in vain together we could ease the pain. Together we could make a change“

Der Song fängt sehr langsam an. Der klare Fokus ist auf Aris Stimme, die von einem Klavier begleitet wird. Man fühlt sich an den Anfang von „My heart is yours“ (Norwegen 2010) erinnert. Nach der ersten Strophe setzt dann im Background auch dezent Schlagzeug und E-Gitarre ein. Vor dem letzten Refrain gibt es eine hohe Stelle, bei der Ari in der Vorentscheidung souverän seine musikalischen Fähigkeiten unter Beweis stellte. Danach setzt der Chor ein, bevor zum Ende hin Ari eindringlich dem Publikum seine Weltverbesserungsbotschaft übermittelt.

Als irische ESC-Ballade in den 90er Jahren wäre der Song perfekt gewesen. Aber ob das im Jahr 2018 noch bei Jury und Publikum ankommt, ist mehr als fraglich.

Island 2018: Ari Ólafsson – Our Choice

 

Die Präsentation

Der 19-jährige Ari ist ein absoluter Sympathieträger und Sunnyboy. Mit seinen strahlend weißen Zähnen könnte er für jede Zahnpastamarke Werbung machen. Er hat eine tolle Ausstrahlung und daher sollte auch in Lissabon der Fokus voll und ganz auf ihn liegen.

Sollte er am Bildschirm als „perfekter Schwiegersohn“ rüberkommen und die Televoter für ihn als Gesamtpaket anstatt nur für den Song anrufen, ist das die einzige kleine Chance die Island hat das Finale zu erreichen.

Das ist sehr schade, denn mit einem anderen Song hätte Ari mit Sicherheit das Potential gehabt die Herzen Europas zu erobern.

Das Hauptproblem sehe ich dabei bei dem kitschigen Text. Wäre das Lied von Russland oder Georgien, würde es weitaus mehr von allen Seiten zerrissen werden. Dennoch sollte auch Island die Finger davon lassen, tragische Bilder im Hintergrund zu zeigen.

Sehr schade ist, dass man sich nicht für die isländische Version „Heim“ entschieden hat.  „Ég á líf“ (Island 2013) war beispielsweise auch ein sehr einfacher Song und hätte auf englisch höchstwahrscheinlich auch seinen Zauber verloren. Auf isländisch hört sich der Song von Ari schon viel besser an:

 

Was PRINZ-Blogger darüber denken

Jan: Gibt mir nichts. Viel zu altbacken. Der Text geht gar nicht, das ist Fremdschämen pur. Fast alle Punkte von mir gibt es ausschließlich für Ari, aber sicher nicht für den Song.

Marc: „We all have a choice“: Der extrem smarte und dauergrinsende Ari liefert mit seiner Weltverbesserungsballade den perfekten Beweis, warum ein Superfinale bei nur 6 Teilnehmern wenig Sinn macht.

Matthias: Die Stimme ist schön, Ari kommt nett rüber. Beides kann aber nicht drüber hinwegtäuschen, dass „Our choice“ die ödeste Nummer des Jahrgangs ist. Die Komposition – und die kitschige Botschaft „There’s always a choice we can make“ – hätte man schon beim ESC vor 20 Jahren als völlig altmodisch abgetan.

Salman: Der Song mag altbacken sein, aber mir gefällt er. Mag daran liegen, dass ich Ari bei der isländischen VE kennengelernt habe und er ein total sympathischer Typ ist. Ich drücke ihm die Daumen das Finale zu erreichen, was aber sehr schwierig sein wird.

Jeder ESC-Titel wird im Songcheck von allen PRINZ-Bloggern nach ihrem persönlichen Gusto auf einer 11-stufigen Skala (12-10-8-7-6-5-4-3-2-1-0) bewertet, wobei 12 die höchste Wertung darstellt. Die Wertungen werden addiert. Unser persönliches subjektives Gesamtbild:

 

Die Prognose der PRINZ-Blogger

Hier geht es nicht um das persönliche Gefallen, sondern um eine Prognose. Island hat nach Einschätzung aller PRINZ-Blogger eine Qualifikationschance von 17 Prozent und landet damit auf Platz 18 in Semifinale 1Hier geht es zur Prognose der PRINZ-Blogger für das erste Semifinale.

 

Social Media

Wer mehr über Ari erfahren möchte, kann ihn auf Facebook, Instagram und Youtube finden.

 

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Vorschau: Morgen vormittag wird sich Jan mit der großen Favoritin Netta Barzilai aus Israel beschäftigen.

 

Bereits erschienen:

Semifinale 1
(1) Albanien: „Mall“ von Eugent Bushpepa
(2) Aserbaidschan: „X My Heart“ von Aisel
(3) Belgien: „A Matter Of Time“ von Sennek
(4) Bulgarien: „Bones“ von Equinox
(5) Estland: „La Forza“ von Elina Nechayeva