ESC-Songcheck (7): „Goodbye to yesterday“ von Elina Born & Stig Rästa

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Elina Born & Stig Rästa aus Estland zählen mit ihrem Song „Goodbye to Yesterday“ zu den Favoriten für den diesjährigen Grand Prix in Wien. Bei den Buchmachern lagen sie schon auf den vorderen Plätzen, bevor sie überhaupt den estnischen Vorentscheid gewonnen hatten. Zumindest die Qualifikation für das Finale scheint demnach so gut wie sicher. Ob der Hype gerechtfertigt ist oder ob die beiden nur ein müder Abklatsch der Common Linnets sind, analysieren wir in unserem heutigen Songcheck.

Der Weg der beiden zum ESC liest sich wie ein modernes Pop-Märchen: Songwriter Stig (der, der 2011 mit seiner Band Outloudz den besten Song der estnischen Vorentscheidung lieferte und in Düsseldorf sicherlich besser abgeschnitten hätte als Getter Jaani) entdeckte vor drei Jahren ein YouTube-Video der bis dato unbekannten jungen Schülerin Elina und war sofort von ihrer Musikalität begeistert. Jetzt kramte er nur für sie den Song aus, den er schon lange auf Halde hatte und entschloss sich sogar, selbst mitzusingen, obwohl er sonst hauptsächlich als Songwriter und Gitarrist aktiv ist. Die beiden gewinnen mit unglaublichen 79% den estnischen Vorentscheid und fahren im Mai zum Eurovision Song Contest 2015 nach Wien.

Der Song

Nach dem Überraschungserfolg der Common Linnets im vergangenen Jahr war damit zu rechnen, dass es 2015 beim ESC nur so von (Country-)Duos wimmeln würde. So weit so gewöhnlich. Dass allerdings eine Nachahmer Combo direkt zu den Mitfavoriten zählen würde, damit war beim besten Willen nicht zu rechnen, werden diese doch sonst eher abgestraft. Und „Goodbye to yesterday“ ist definitiv nah dran an „Calm after the storm“. Auch der estnische Beitrag fischt im Bluegrass- und Countrygewässer und erinnert an Johnny Cash und June Carter. Auch er klingt ruhig und melanchonisch und lebt vom Zusammenspiel der beiden Protagonisten.

Doch es gibt auch Unterschiede: Während bei „Calm after the storm“ Ilse und Waylon von Anfang an beide sangen, besticht „Goodbye to yesterday“ vor allem durch das Wechselspiel zwischen Elina und Stig. Dass Elina erst beim ersten Refrain auf die Bühne kommt und einsetzt, sorgt für einen Überraschungseffekt. Der Song baut außerdem eine gewisse Spannung auf, so dass bei den Zuhörern Bonnie & Clyde-Assoziationen geweckt werden.

Gleichzeitig ist der estnische Beitrag ziemlich eingängig, der oft zitierte Instant Appeal ist definitiv vorhanden. Nicht ohne Grund wurden die Esten schon früh als Mitfavoriten gehandelt – was den Common Linnets bis zum Beginn der Proben in Kopenhagen ja nicht vergönnt war. Vielleicht ist es dieses Quäntchen mehr Eingängigkeit, dass Elina und Stig am Ende die Punkte bringt, die den Niederländern im vergangenen Jahr fehlten?

Estland 2015: Elina Born & Stig Rästa – „Goodbye to yesterday“

 

Die Präsentation

Stig bewies schon mit der oben genannten Performance bei der 2011er Vorentscheidung, dass er ein Gespür für gute Inszenierungen hat. Auch die bisherigen Auftritte von „Goodbye to yesterday“ lassen das erkennen. Allerdings gibt es auch kritischere Stimmen (so zum Beispiel die Bewertungen der anderen Blogger weiter unten), die hier noch Verbesserungspotenzial sehen. Die Herausforderung wird wohl sein, sympathisch auf den europäischen Bildschirmen zu wirken und gleichzeitig die düstere, kühle Stimmung des Songs zu bewahren.
Was PRINZ-Blogger darüber denken:

Armen: Melancholie pur – kreiert eine eine mystische Atmosphäre! Eine der besten Kompositionen dieses Jahr! 10/10 Punkte.

Douze Points: Elina mit toller Stimme, Stig etwas blass. Nette und eingängige Melodie, vielleicht etwas zu retro. 7/10 Punkte.

Marc: Der Retro-Kracher wandelt herrlich erfrischend auf Nancy Sinatras „Summer Wine“-Spuren und hätte das Zeug für das ESC-Podest. Allerdings steht hinter dem Live-Qualitäten noch ein großes ? 8/10 Punkte.

OLiver: Charmant und catchy. Und dennoch fehlt es mir etwas an Live-Präsenz und an lasziver Pärchen-Chemie, die ein Song dieser Machart eigentlich voraussetzt. 7/10 P.

Tjabe: Ein ungewöhnlicher Song amerikanisch angehaucht. Nicht so meins, aber gehört ins Finale 7/10 Punkte.

Jeder ESC-Titel wird im Songcheck von 5 Prinz-Bloggern nach ihren persönlichen Gusto bewertet. Im Durchschnitt erhält Estland hier einen Wert von 7,8/10 Punkten. Dies ist in der Blogger-Wunschliste bisher Rang 1 im ersten Semifinale. Ranking: 1. Estland 7,8, 2. Belgien 6,6, 3. Niederlande 6,4, 4. Griechenland 4,0, 5. Moldawien 3,4, 6. Armenien 3,2, 7. Finnland 3,0.
Die Prognose der PRINZ-Blogger

Estland hat nach Einschätzung aller PRINZ-Blogger eine Qualifikationschance von 91,8 Prozent und landet damit auf Platz 2 in Semifinale 1. Hier geht es zu der Prognose der PrinzBlogger für das erste Semifinale.

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Social Media

Elina und Stig haben eine Seite auf Facebook und einen Twitter-Account.

 

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Vorschau: Morgen bespricht OLiver an dieser Stelle den Beitrag aus Mazedonien.

Bereits erschienen:

(1) Moldawien: “I want your love” von Eduard Romanyuta
(2) Armenien: “Face the Shadow” von Genealogy
(3) Belgien: “Rhythm inside” von Loïc Nottet
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4): Niederlande: “Walk along” von Trijntje Oosterhuis
(5) Finnland: “Aina mun pitää” von Pertti Kurikan Nimipäivät
(6) Griechenland: “One last breath” von Maria-Elena Kyriakou