ESC-Songcheck (8): „Autumn leaves“ von Daniel Kajmakoski

Daniel Kajmakoski

Mazedonien schaffte es nur einmal in den letzten acht Jahren ins Finale. Wird der in Wien aufgewachsene Daniel Kajmakoski an Kaliopis Erfolg in Baku anknüpfen können oder sollte er lieber gleich im Bett bleiben und im Unterhemd herumlümmeln?

Daniel Kajmakoski ist 32 Jahre alt und hatte als erster aller 40 Interpreten dieses Jahres seinen Song, denn das Skopjefest (Liveblog hier) fand bereits im November 2014 statt. Dort gewann Daniel gegen 19 anderen Interpreten in einem Finale, das einen Polizeieinsatz wegen mutmaßlichen Stimmbetrugs nach sich zog und tagelang die örtlichen TV-Nachrichten beherrschte. Der Skandal hatte jedoch keinen Einfluss auf Platz 1 und nichts mit Daniel zu tun, so konnte sich der Mazedonier mit der Castingshow-Vergangenheit (Starmania in Österreich, X Factor Adria) länger als alle anderen Interpreten auf den ESC vorbereiten.

Daniel Kajmakoski 2

 

Der Song

„Lisja esenski“ (Herbstlaub) wird nicht in Skopjefest-Version in Wien erklingen, sondern in der englischen Fassung als „Autumn leaves“ – der Titel wurde ohnehin auf Englisch geschrieben und erst für den Vorentscheid ins Mazedonische übersetzt. Der Song ist ein mittelschneller Popsong mit einem besonders rhythmischem Refrain. Thematisch geht es natürlich um Liebe und die damit verbundenen Qualen im Körper eines Mannes (I’m falling like the autumn leaves; my heart is beating like a million drums; cuz your the ground under my feet; I’m trying to hold on but baby I’m falling free; Like the autumn leaves).

Es beginnt sphärisch, dann folgen Strophe, Bridge und nach einer Minute der Refrain, der noch ein weiteres Mal wiederholt wird, bevor das Lied wieder sehr ruhig endet. Der Refrain ist eingängig und wesentlich schneller als die Strophen und die ruhigeren Intermezzi. Der Song und die Tempiwechsel fordern einen guten Sänger, was Daniel mit all seiner Erfahrung gut unter Beweis stellt.

Natürlich weicht das Arrangement für Wien von der Live-Version mit dem Orchester in Skopje ab. „Autumn leaves“ klingt nun moderner, aber auch glatter und hat – so denken nicht wenige ESC Fans – durch Revamping & Sprachwechsel auch einiges an Balkan-Charme verloren. Dennoch insgesamt ein eingängiger radiotauglicher Song, der allerdings keinen echten Höhepunkt aufweist und daher droht, im Semifinal nicht ausreichend erinnert zu werden nach 16 Songs.

Mazedonien 2015: Daniel Kajmakoski – Autumn Leaves, mazedonische Version hier.

 

Die Präsentation

In Skopje sang Daniel mit senfgelben Schuhen und einem Background-Chor alleine auf der Bühne, während im Backdrop Herbstlaub malerisch zu Boden glitt. Das wird sicher nicht reichen in Wien. Zwischen den Favoriten aus Estland und der ihm an Bühnenpräsenz klar überlegenen Serbin muss Daniel in besonderer Weise in Erinnerung bleiben, um eine echte Chance zu haben. Was kann er tun?

Wömöglich kommt es zu einer individuellen Audience-participation? Derzeit läuft die Aktion „Complete the story“ – Daniel fordert ESC-Fans aus aller Welt auf, die Story aus dem Zeichentrick-Preview-Video fortzuführen – er bekommt nun also Hunderte von Zeichnungen seiner Fans. Kein Wunder, ist er doch spätestens seit seinem Sieg bei X Factor Adria ein großer Teenieschwarm in Mazedonien und den angrenzenden Ländern.

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Ein Gewinner oder eine Gewinnerin darf dann mit zum ersten Semifinale nach Wien und Daniel live treffen. Aus den eingereichten Bildern kann man unter Umständen einen Backdrop bauen, der persönlicher wirken könnte als fallendes Herbstlaub? Auch das Licht sollte changieren zwischen den schnellen und langsameren Songteilen. Daniel hat eine offene, sympathische Ausstrahlung, auch etwas Spitzbubenhaftes, das sollte man einfangen. Optische Langeweile wäre hier tödlich.

Es ist zu hoffen, dass Daniel hier beherzt die Initiative ergreift und sich selbst einbringt, denn das mazedonische Fernsehen hat bereits gezeigt, dass es auf vielfältige Weise in der Lage ist, passable ESC-Songs mit mäßigen Tanzchoreographien zu ruinieren (…und schrecklichen Kostümen, ich erinnere hier an Tijanas ‚Hausanzug‘). Ob er die Gitarre, die auf vielen seinen offiziellen Bildern nicht fehlen darf, als Requisit benutzt? In einem sehr lesenwerten Interview bei aufrechtgehn.de zeigt er sich beeindruckt von der Konkurrenz und spricht für die Präsentation von „Überraschungen“, die er und sein Team auf Lager haben. Wir sind gespannt.

Daniel Kajmakoski 3

 

Was PRINZ-Blogger darüber denken:

BennyBenny: Beginnt vielversprechend und nimmt dann leider nie richtig fahrt auf. Nicht Fisch, nicht Fleisch und schwacher Refrain. 5/10 Punkte.

DJ Ohrmeister: Simpler Popsong der richtig guten Sorte. Endlich mal wieder was Eingängiges vom Balkan, das weder billig rüberkommt, noch von Željko Joksimović stammt. 7/10 P.

Matthias: Das Lied plätschert nett dahin – doch sollte sich die Delegation nicht noch eine irre Performance ausdenken, hat der Zuschauer die Herbstblätter gleich wieder vergessen. 4/10 Punkte.

Tjabe: Guter Song interpretiert von einer starken Stimme. Gewinnt durch die englische Version. Wird aber im ersten Halbfinale untergehen. 7/10 Punkte.

WM: Eine Casting-Show-Siegertitel-Powerballade mit R’n’B-Elemente. Schöne Dynamik, leichte Tempiwechslel. Aber in der Ursprungssprache wäre es noch ein Stückchen eigenständiger. 5/10 Punkte.

Jeder ESC-Titel wird im Songcheck von 5 Prinz-Bloggern nach ihren persönlichen Gusto bewertet. Im Durchschnitt erhält Mazedonien hier einen Wert von 5,6/10 Punkten. Dies ist in der Blogger-Wunschliste bisher Rang 4 im ersten Semifinale.

Unser Ranking: 1. Estland 7,8, 2. Belgien 6,6, 3. Niederlande 6,4, 4. Mazedonien 5,6, 5. Griechenland 4,0, 6. Moldawien 3,4, 7. Armenien 3,2, 8. Finnland 3,0.

 

Die Prognose der PRINZ-Blogger

Mazedonien hat nach Einschätzung aller PRINZ-Blogger eine Qualifikationschance von 37,3 Prozent und landet damit auf dem letzten Platz in Semifinale 1. Hier geht es zu der Prognose der PrinzBlogger für das erste Semifinale.

Mit anderen Worten: Uns gefällt der Song durchaus, aber wir trauen Mazedonien – wie auch die Wettquoten – kaum etwas zu. Insofern hat Daniel nichts zu verlieren und kann eigentlich nur positiv überraschen.

 

Social Media

Daniel Kajmakoski zeigt bei facebook, wie man heutzutage Schnauz trägt und trotzdem sexy wirken kann sowie schöne Urlaubsbilder (etwa aus Mazedoniens Top-Holiday-Location Ohrid, s.u.). Er unterhält einen youtube-Kanal, er twittert, ist bei Instagram aktiv und besitzt eine Homepage.

Daniel Kajmakoski in Ohrid

 

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Vorschau: Wir bleiben auf dem Balkan, denn morgen porträtiert Armen die Konkurrenz aus dem Nachbarland, den serbischen Beitrag von Bojana Stamenov. 

Bereits erschienen:

(1) Moldawien: “I want your love” von Eduard Romanyuta
(2) Armenien: “Face the Shadow” von Genealogy
(3) Belgien: “Rhythm inside” von Loïc Nottet
(
4): Niederlande: “Walk along” von Trijntje Oosterhuis
(5) Finnland: “Aina mun pitää” von Pertti Kurikan Nimipäivät
(6) Griechenland: “One last breath” von Maria-Elena Kyriakou
(7) Estland: „Goodbye to yesterday“ von Elina Born & Stig Rästa