ESC-Songcheck (9): „Lie to me“ von Mikolas Josef

Mikolas Josef hat gut lachen. Er schickt sich an, das beste Ergebnis für Tschechien in der ESC-Geschichte einzufahren. Zusammen mit den anderen Top-Favoriten wird er sich im ersten Semifinale ein heißes Battle liefern und dann im Finale vielleicht nach den Sternen greifen? Die Wettquoten attestieren ihm aktuell die dritthöchste Siegchance aller Beiträge.

 

Der Interpret

Mikolas Josef wurde am 4.10.1995 in Prag geboren und ist ein wahres Multitalent: Er ist Komponist, Produzent, Sänger, Regisseur von Musikvideos und spielt mehrere Instrumente. Er wuchs in Prag und Znojmo auf, lebt heute aber hauptsächlich in Wien. Mikolas stammt aus einer Musikerfamilie und spielt bereits seit seinem fünften Lebensjahr Gitarre.

Mikolas besuchte eine englische Schule in Prag, die er mit Bestnoten abschloss. Als 17-Jähriger erhielt er von der London Academy of Music and Dramatic Arts bereits einen Award. Im selben Jahr begann er für Diesel und Prada zu modeln. Bereits nach einem Jahr beendete er seine Modelkarriere und zog als Straßenmusiker kreuz und quer durch Europa (Oslo, Zürich, Hamburg, Wien und Prag). Seine Ersparnisse investierte er fortan in seine kreative Arbeit, die 2015 zu seiner ersten Single und seinem Video-Clip „Hands Bloody“ führte. Mit seinen Singles „Free“ und „Believe“ schaffte er in den tschechischen Charts & Airplays erste Erfolge. Mikolas ist derzeit noch ein unabhängiger Artist und bei keinem Major Label unter Vertrag.

Die ESC-Geschichte von Mikolas begann bereits im Vorjahr, als er den späteren Martina-Barta-Song „My turn“ ablehnte. Ein Jahr später bewarb er sich mit seiner eigenen vierten Single „Lie to me“ bei Eurovision Song CZ und schaffte es unter die 6 Finalsongs. Am 22. Januar wurde bekanntgegeben, dass er das Jury-Voting gewonnen hat. Eine Woche später wurde mitgeteilt, dass er auch beim Onlinevoting-Ergebnis vorne lag und somit Tschechien beim ESC in Lissabon vertreten wird.

 

Der Song

Mikolas Josef hat den Song „Lie to me“ selbst komponiert und getextet. Den Feinschliff hat niemand Geringeres als Österreichs Mastering Engineer und Produzent Nikodem Milewski beigtragen. Nikodem arbeitete bereits mit Felix Jaehn (Ain’t nobody), Avicii (The Nights), Wyclef Jean, Moby, Sam Smith, Klangkarussell sowie The Makemakes.

Eine der Vorgaben für den PrinzBlog-Songchecks lautet: Verzicht auf Textpassagen – außer, sie sind Literatur-Nobelpreis-verdächtig. „Lie to me“ ist zwar das krasse Gegenteil, aber gerade deshalb lohnt ein Blick. Die unzensierte Ursprungsversion ist sexistisch und versaut, so dass Mikolas von der EBU angehalten wurde, eine spezielle ESC-Version zu veröffentlichen.

Tschechien 2018: Mikolas Josef – Lie to me (zensierte ESC-Version)

Kostproben von Mikolas‘ Rap-Part gefällig? Aus “Plenty motherf******s wanna eat my spaghetti” wurde nun “Plenty of these greedies wanna eat my spaghetti”. Folgende Zeile hatte die EBU ebenso auf dem Kieker: “Now Baby, I don’t give a f**k/You should have thought about me/Before you ****ed him at the club”. Daraus wurde nun  “Now baby I don’t give a damn/You should have thought about me/Back when I was your man”. Aber keine Sorge: Spielraum für eigene Interpretationen bleiben auch in der ESC-Version zu genüge offen. Was bedeutet wohl “making a puddle” oder „I know you ‚bop-whop-a-lu bop‘ on his wood bamboo“?

Musikalisch kommt „Lie to me“ sehr fresh, catchy und sexy daher und hat einen hohen Wiedererkennungswert. Charakteristisch sind die Rap-Parts und das auffällige Trompeten-Solo. Auch Funk und Swing-Elemente kann man heraushören. Eine eingängige Melodie sucht man jedoch vergebens. Vom Stil erinnert „Lie to me“ an Werke von Jason Derulo oder Justin Timberlake.

 

Die Präsentation

Tschechien hat im Blutbad-Semifinal 1 die Startposition 5 zugeteilt bekommen. Als Sandwich zwischen der Bond-Nummer aus Belgien (Startplatz 4) und vor der ruhigen Ballade aus Litauen (Startplatz 6) kann „Lie to me“ richtig herausstechen.

Ziel sollte es sein, so richtig Alarm auf der Bühne zu machen und cool und funky zu wirken. Das Trompeten-Solo könnte man sehr effektvoll in Szene setzen.

Gefahren lauern beim Outfit. Ich würde Mikolas davon abraten, wie ein braver biederer Schuljunge aufzutreten. Er sollte es auch vermeiden, alleine und verloren auf der Bühne herum zu stehen. Ein paar Tänzer und Musiker (Trompete) könnten hier für Drive und Dynamik sorgen.

Mikolas hat sich bereits zur Präsentation von „Lie to me“ in Lissabon geäußert. Er sagte, dass sein Musikvideo ja sehr gut ankommt und er daher die ein oder andere Idee für die Bühnenshow in Lissabon übernehmen wird. Das kultige Kamel wird er freilich nicht mit auf die Bühne nehmen dürfen.

 

Was PRINZ-Blogger darüber denken

DJ Ohrmeister: Dachte anfangs, das sei doch sehr an Jason Derulo’s „Talk dirty“ angelehnt, bin aber mittlerweile Fan. Bester Pop-Song dieses Jahr neben Ingrosso. Bitte endlich mal Top 10 für Tschechien.

Marc: Tolles und authentisches Gesamtpaket: Exmodel trifft auf coolen, funkigen Sound. Damit könnte Tschechien erstmals in der ESC-Geschichte ein Wörtchen um den Gesamtsieg mitreden. 

Matthias: Cool, zeitgemäß und sympathisch. Der Refrain und die markante Trompete bleiben im Gedächtnis, und der lässige Sänger natürlich auch – mit einem Auftritt wie beim ukrainischen Vorentscheid könnte Mikolas Josef Tschechiens Lena werden.

Peter: Schön, dass dank Tschechien gleich zu Beginn der Saison ein so moderner Chartsong im Jahrgangsportfolio veröffentlicht wurde. Ich habe „Lie to me“ inzwischen so oft gehört (und so gerne), dass es mir so vorkommt, als wäre er schon letztes Jahr am Start gewesen. Ein prima Dancetitel mit vielen Anleihen bei den üblichen Verdächtigen wie Bieber, Perry, Timberlake plus eine Prise Epic Sax Guy Zitate. Und Mikolas ist sexy! Er erinnert mich Kulturkreis-bedingt ein wenig an…, neeee, won’t go this way. Freue mich auf das „Lie to me“ Powerplay im Euroclub.

Jeder ESC-Titel wird im Songcheck von allen PRINZ-Bloggern nach ihrem persönlichen Gusto auf einer 11-stufigen Skala (12-10-8-7-6-5-4-3-2-1-0) bewertet, wobei 12 die höchste Wertung darstellt. Die Wertungen werden addiert. Unser persönliches subjektives Gesamtbild:

Die gelbe Markierung zeigt an, dass dieser Beitrag der Favorit des Bloggers unter allen Beiträgen ist.

 

Die Prognose der PRINZ-Blogger

Hier geht es nicht um das persönliche Gefallen, sondern um eine Prognose. Tschechien hat nach Einschätzung aller PRINZ-Blogger eine Qualifikationschance von 87 Prozent und landet damit auf Platz 1 im ersten SemifinaleHier geht es zur Prognose der PRINZ-Blogger für das Semifinal 1.

 

Social Media

Mikolas Josef bespielt die Social Media auf allen Kanälen: Er hat eine eigene Website und einen eigenen YouTube-Channel. Ihr findet ihn außerdem bei Facebook, Twitter und Instagram.

 

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Vorschau: Morgen geht’s mit Douze Points weit in den Osten nach Weißrussland.

 

Bereits erschienen:

Semifinale 1
(1) Albanien: „Mall“ von Eugent Bushpepa
(2) Aserbaidschan: „X My Heart“ von Aisel
(3) Belgien: „A Matter Of Time“ von Sennek
(4) Bulgarien: „Bones“ von Equinox
(5) Estland: „La Forza“ von Elina Nechayeva
(6) Island: „Our Choice“ von Ari Ólafsson
(7) Israel: „Toy“ von Netta Barzilai
(8) Litauen: „When we’re old“ von Ieva Zasimauskaitė