ESC-Voting 2017: Wer mochte Levina ein bisschen?

ESC-Deutschland ist am Boden, so wie Levina in ihrer ersten Kamera-Einstellung. Erneut sind die nackten Zahlen auf dem Scoreboard brutal, das reine Punkte-Ergebnis ist sogar (bei Umrechnung des Punktesystems) noch schlechter als 2015 und 2016. Doch es gab sie – Juroren, die mit „Perfect Life“ tatsächlich etwas anfangen konnten. Wir haben sie gefunden.

Die Situation ist ja nicht neu, schon in den letzten beiden Jahre haben wir ähnliche Artikel verfasst (hier für 2015 und hier für 2016), und die Magerernte mit der Lupe untersucht.

Ann Sophie hätte 29 Punkte erhalten, wäre damals schon das nun aktuelle Votingssystem mit der vollen Addierung der Punkte aus Jury- und Televoting in Kraft gewesen – 24 von den Jurys und 5 aus dem Televoting. In der Kombination damals wurde eine blanke Null daraus. Jamie-Lee erhielt 11 Punkte, einen Punkt von den Jurys und 10 Punkte aus dem Televoting. Genauer gesagt: 1 Punkt von der georgischen Jury, 2 Punkte aus dem österreichischen und 8 Punkte (Platz 3) aus dem Schweizer Televoting.

Und nun sind es 6 Punkte für Levina geworden – 3 aus der irischen Jury und 3 aus dem Schweizer Televoting. Mit anderen Worten: Die mageren Punkte haben sich zwei Mal nacheinander halbiert! Dennoch war Levina nicht Letzte, weder in der gesamten Jurybetrachtung (hier Rang 25 vor Spanien), noch im Televoting (Rang 24 vor Australien und Österreich).

Innerhalb der Jurys gab es aber auch abweichende Meinungen. Insgesamt waren in den 42 Jurys jeweils 5 Juroren am Bewerten. Ohne die 5 deutschen Juroren haben 205 internationale Juroren „Perfect Life“ bewertet – und zwar mit einer Platzziffer zwischen 1 und 26.

In 2015 fanden 42 von damals 185 Juroren (22 Prozent!), die Ann-Sophie in ihre persönliche Top10 setzten. In 2016 sahen noch 17 von 205 Experten (8 Prozent) Jamie-Lee in in ihren TopTen. Und in diesem Jahr? Sind es 24 von 205 Juroren (knapp 12 Prozent) geworden, davon hatte nur ein einziger – der Franzose Antoine Gouiffes-Yan – Levina in den Top 3.

Mochte Levina sehr: Antoine Gouiffes-Yan. Und wir mögen ihn.

Das sind die 24 Experten, die „Perfect Life“ in den TopTen hatten:

Platz 3 – Antoine Gouiffes-Yan (FRA), *1986, Marketing Director
Platz 4 – Enea (FRA), *1992, Sängerin
Platz 5 – Mirian Kukulashvili (GEO), *1982, Musical Produzent
Platz 5 – Maia Baratashvili (GEO), *1969, Sängerin, Musikerin
Platz 5 – Jay London (GBR), *1987, Radio DJ
Platz 6 –Greg French (IRL), *1982, Musical Direktor, Produzent, Komponist
Platz 6 – Suzanne Doyle (IRL), *1968, Music industry consultant
Platz 7 – Iisa (FIN), *1979, Songwriterin, Sängerin
Platz 8 – Orlin Pavlov (BUL), *1979, Sänger und Schauspieler
Platz 8 – Fabrizio Brocchieri (ITA), *1967, Produzent, Label Manager, Tour Manager
Platz 8 – Marek Dutkiewicz (POL), *1969, Songtexter
Platz 8 – Maria Marcus (SWE) *1980, Musicproduzentin, Komponistin
Platz 8 – Pele Loriano (SUI), *1969, Songwriter, Produzent
Platz 8 – Emma Stevens (GBR), *1986, Songwriterin
Platz 8 – Kipper Eldridge (GBR), *1962, Musikproduzent, Musiker
Platz 9 – Angela Socolov (MLD), *1973, Musikerin
Platz 9 – Bozo Bulatović (MNE), *1972, Musiker, Radio DJ
Platz 9 – Anna Känzig (SUI), *1984, Sängerin, Songwriterin
Platz 10 – Andreas Zahradnik (AUT), *1958, Moderator, Autor, Journalist
Platz 10 – Sys Bjerre (DEN), *1985, Songwriterin, Sängerin
Platz 10 –Amanda Lane (IRL), *1970, Sängerin, Band Manager, Musikdirektorin
Platz 10 – Michael (SWE), *1964, Musiceditor
Platz 10 – Jean-Marie Fontana (SUI), *1957, Künstler und A&R Consultant
Platz 10  – Matthijs Jacobus Thomas van Duijenbode (NED), *1981, Sänger, Produzent, Songwriter, Musiker

Letztlich reichte es dann nur in der irischen Jury insgesamt zu einer Wertung – Rang 8 und 3 Punkte blieb hier die einzige Ausbeute für Levina. In Frankreich waren zwei Juroren mit Top-Plätzen für Levina nicht genug. In Österreich hatte Andi Zahradnik Levina auf Platz 10, Christian Ude hatte sie auf 11 und Zoe Straub auf Rang 14, Juror Sasha Saedi verhinderte allerdings mit Platz 22, dass Levina dort eine Chance auf Punkte hatte. In der Schweiz lag es an Daniela Simons (ESC 1986), die den deutschen Song auf Rang 23 klassierte, drei andere Schweizer Juroren hatten Levina jedoch in der TopTen.

Hier die komplette Übersicht über den deutschen Rang bei Jury und Televoting in allen teilnehmenden Ländern:

Jury Televote
Albanien 23 21
Armenien 17 12
Australien 17 23
Aserbaidschan 19 23
Belgien 16 22
Bulgarien 25 25
Dänemark 20 18
Estland 24 26
Finnland 15 25
Frankreich 16 21
Georgien 13 14
Griechenland 25 23
Großbritannien 11 23
Irland 8 22
Island 22 25
Israel 21 24
Italien 18 23
Kroatien 17 18
Lettland 16 25
Litauen 19 24
Malta 16 23
Mazedonien 20 16
Moldawien 17 23
Montenegro 18 22
Niederlande 16 20
Norwegen 23 25
Österreich 17 14
Polen 15 23
Portugal 23 23
Rumänien 21 15
San Marino 17 26*
Schweden 11 24
Schweiz 15 8
Serbien 22 26
Slowenien 16 18
Spanien 18 12
Tschechien 16 22
Ukraine 23 24
Ungarn 19 22
Weißrussland 22 25
Zypern 22 25


*In San Marino kann aus technischen Gründen (kein von Italien unabhängiges Telefonnetz) kein Televoting stattfinden, hier hat die EBU einfach einen Durchschnitt gewisser anderer Länder, die so ähnlich werten wie San Marino, errechnet und miteinbezogen.

Bei Lektüre dieser Liste wird schnell klar, dass man keinesfalls knapp an Punkten vorbeigeschrammt ist und Deutschland eben nicht auf breiter Front Elfter, Zwölfter oder Dreizehnter wurde, Vielmehr hat der deutsche Song die TopTen sowohl bei Jury als auch beim Televoting in vielen Ländern glasklar verfehlt.

Bei der Jury lag Levina nur in Schweden und Großbritannien (Rang 11) nah an einem Punkt, 15 Jurys hatten sie dagegen auf Rang 20 und schlechter gesetzt. Schlimmer noch das Televoting: In sage und schreibe 30 Ländern plus dem künstlichen San-Marino-Voting hatte Deutschland eine 2 vorne stehen, etliche letzte und vorletzte Plätze inklusive. Hier waren nur in Spanien und Armenien (Rang 12) Punkte in Reichweite. Man muss festhalten: die Promotour in kleinere Länder wie Mazedonien, Georgien oder Armenien hatte keinen irgendwie in Punkte zählbaren Erfolg.

Fazit: Im Zahlendschungel des ESC 2017 finden wir leider keinen Trost. Das Detailergebnis bestätigt das Scheitern des NDR-Konzepts aus Sicht des Ergebnisses auf breiter Front. Man muss Spaniens Staatssender TVE wirklich dankbar sein, dass er uns in diesem Jahr vor dem in Fankreisen gefürchteten „Triple“ bewahrt hat.