Euro-Trash: Russische Prothesen, norwegischer Gutmensch, irische Tausendsassa und Sexabstinenz

Das Letzte vom Eurovision Song Contest. Heute: Warum eine russische Babuschka keine Brust-, aber eine Armprothese trägt +++ Weshalb das Aufregendste an Tooji das Aussehen ist +++ Über wie viel Ausdauer und Geld Jedward verfügen +++ Was Nina Badrić und Kikki Danielsson in Liebesdingen eint

In den letzten Wochen haben sich die Ereignisse geradezu überschlagen: Quasi täglich wurde uns ein neuer Eurovision-Beitrag für Baku präsentiert. Da blieb kaum Zeit zum Luftholen, geschweige denn zum Sammeln von eurotrashigen Infos. Das holen wir jetzt natürlich schön nach.

Denn erstens kennen wir erst nunmehr alle Interpreten und können in deren Privatsphäre wildern. Und zweitens: Wie sollten wir uns sonst die Zeit bis zum Probenstart in Baku vertreiben? Mit der Organisation von Visa, Unterkunft, Flug- und Showtickets? Hmm, gute Idee! Aber langweilig zu lesen.

Bevor wir aber richtig loslegen noch etwas in eigener Sache: Der Prinz-ESC-Blog ist stolz, sehr stolz. Lange Zeit lebte unser Blog in erster Linie vom Nachplappern von Eurovision-Infos und deren meinungsfreudiger Bewertung. Nunmehr wissen wir aber auch, dass wir in Dänemark gelesen werden und man von dort Jan Feddersen, den grand monsieur der Eurovision-Blogs, auf unsere Beobachtungen hingewiesen hat.

Konkret geht es um den Beitrag von Blogger Matthias vom 27. Februar, bei dem er die Halbplaybacks beim Melodifestivalen thematisierte. Die Überschrift unseres Beitrags zitierte Jan Feddersen in seinem Blog wörtlich korrekt (“Wenn der Sänger zum Lippenbeweger mutiert”) und verwies als Quelle auf „hiesige Foren“ – also uns (den verwendeten Pluralis Majestatis nehmen wir als besondere Anerkennung unserer Leistung).

Was uns noch mehr freut als die reine Tatsache, Themenlieferant für Jan Feddersen zu sein, ist die Bestätigung durch den Blogger, dass Matthias mit seinen Beobachtungen richtig lag. Denn schließlich schreibt Feddersen auf Eurovision.de: „Und meine Recherchen besagen: Ja, diese Gerüchte kommen den Fakten nahe.“

So moralisch gestärkt begeben wir uns also in die Nachrichtenschlacht. Aber Vorsicht: Der folgende Abschnitt ist für Leser unter 16 Jahren nicht geeignet (auch nicht für Personen, die gerade essen).

Bisher kannten wir Prothesen auf der Eurovisionsbühne in erster Linie in Form von Brustimplantaten. In diesem Jahr gibt’s diesbezüglich eine Neuerung. Und Schuld ist ein Unfall mit einer Motorsäge, bei dem ein Unterarm selbstverschuldet abhandenkam. Das gibt’s nicht? Aber hallo! Im russischen Buranowo passiert so etwas.

Als ob die heute 72-jährige Valentina Pjatschenko von den russischen Großmütterchen nicht schon genug durchgemacht hätte: Erst verließ sie ihren alkoholsüchtigen Mann kurz bevor dieser starb. Dann, vor 13 Jahren, hantierte sie mit der Motorsäge beim Bau einer Veranda (selbst ist die [russische] Frau). Dabei verfing sich der Ärmel ihres Oberteils in der Säge. Den Rest kann man sich blutrot ausmalen. Ihre Armprothese trägt Valentina nicht ständig, weil sie recht schwer ist. Dankenswerter legt sie sie für Konzerte jedoch an – ergo auch auf der Bühne in Baku.

Damit aber nicht genug der Schicksalsschläge bei den russischen Babuschkas: Elisaweta Zarbatowa, das mit 84 Jahren älteste Mitglied der großmütterlichen Gesangstruppe wurde vor 55 (!) Jahren Witwe, als ihr Mann durch einen Stromschlag ums Leben kam. Nach eigenen Angaben verfügt Elisaweta seitdem jedoch über eine Gabe: die Fähigkeit, Musik zu komponieren. Ob Party for everybody ein Ergebnis dieser Gabe ist, ist nicht überliefert.

Ab hier können auch Personen mit schwächerem Gemüt weiterlesen.

Vielleicht nicht wichtig zu wissen, aber doch irgendwie interessant: Die Udmurtische Republik, aus der die singenden Babuschkas kommen, war bisher nur für die Produktion von Waffen bekannt. Michail Kalaschnikow – genau: der Designer der AK-47 – kommt daher. Insofern wird erwartet, dass die Omas nun auch das Image der gesamten Gegend aufbessern sollen. Dann man los!

Von den alten Damen zu jungem norwegischen Eye-Candy. Da wir unsere Leser kennen, haben wir unsere gesammelten Norwegisch-Kenntnisse zusammengepackt, um tratschwürdige Infos über Tooji „Tuntji“ Keshtkar zu finden. Allein: Er ist so ein Gutmensch, über den es zu allem Überfluss nichts zu sagen gibt, außer dass er eigentlich Touraj heißt, als einjähriger Asylsuchender mit seiner Mutter nach Norwegen kam, als Model und MTV-Moderator gearbeitet hat und seine Passion die Arbeit im Kinderschutzbereich ist. Ehrenwert, aber für uns ohne jeglichen Newsfaktor. Daher folgen wir einfach der alten Weisheit: Ein Bild sagt mehr als 1.000 Worte – und zeigen ein paar hübsche Bilder von Tooji. Peng.

Da uns Tooji eurotrashmäßig enttäuscht, freuen wir uns umso mehr, dass uns Jedward nicht im Stich, sondern viel mehr fleißig an ihrem Leben teilhaben lassen. Andererseits: Bei BorderWaterline, diesem lauwarmen Aufguss von Lipstick, ist ein PR-Feuerwerk trotz letztem Startplatz im Semi auch mehr alsnotwendig, um es überhaupt ins Finale zu schaffen.

Also, was gibt’s von den beiden Großmäulern? Das Aktuellste zuerst: Die beiden haben am letzten Wochenende nach eigenen Angaben ohne vorheriges Training und ohne vorher zu essen den Los-Angeles-Marathon absolviert. Natürlich haben sich die irischen Bleichgesichter bei dem Lauf Unter der Sonne Californiens einen schönen Sonnenbrand zugezogen.

Um sich die Zeit kurzweiliger zu gestalten, haben sie außerdem die ganze Zeit ihre neuen Songs gesungen – und dabei angeblich die Texte vertauscht. Ob das an der Austauschbarkeit eben dieser oder einfach der geistigen Umnachtung der Jedward-Jungs lag, sei mal dahingestellt. Auf jeden Fall schafften die beiden es auch in L.A. in die News:

Und wo Jedward schon mal in L.A. waren, konnten sie die Gelegenheit gleich nutzen, sich endlich mal ihre Traumvilla in Hollywood zu kaufen. Man kann’s ja schon nicht mehr hören und liest ständig davon wie hier und hier! Und dann variieren die Kostenangaben für das Anwesen auch noch die ganze Zeit. Mensch: Schlagt doch endlich zu!

Denn am Geld kann’s nicht liegen, dass das Thema noch immer nicht durch ist. Schließlich verdienen Jedward weiter fleißig. Nächste Mission: Jedward bekommen auf dem britischen Channel 5 jetzt im Frühling ihre eigene, sechsteilige Pannen-Show mit dem Namen Weird Wild World. Ob da auch das oben gezeigte Video von ihrem Marathonlauf zu sehen sein wird, bleibt abzuwarten.

Zum Abschluss noch eine, gerade in diesen sexualisierten Zeiten begrüßenswerte Nachricht aus Kroatien. Deren Vertreterin Nina Badrić (im Foto unten mit Liebestöterhöschen) will bis zur Beendigung des Eurovision Song Contests auf jeglichen Sex verzichten!

Zum einen schätzen wir diesen unbedingten Siegeswillen. Zum anderen freuen wir uns, dass die Musik-Olympiade (also der ESC) kein hormongesteuertes Sündennest ist wie eben die olympischen Spiele, wo seit Jahrzehnten Kondome in den Sportlerdörfern verteilt werden, weil sich die Athleten wirklich in jeglicher Hinsicht körperlich verausgaben wollen/müssen.

Möglicherweise hat Ninas Enthaltsamkeit auch einfach nur etwas mit Presse-Geilheit zu tun oder damit, dass ihre, die gefühlt 700. Balkan-Ballade in diesem Jahr, einfach eine solche Schlaftablette ist, dass danach an den Austausch von Körperflüssigkeiten nicht mehr zu denken ist.

Im Übrigen sind ein paar Wochen Sexverzicht nichts gegen das, was wir diesbezüglich aus Schweden gehört haben. Ganze zehn Jahre (in Zahlen: 10) hatte Kikki Danielsson nach eigener Auskunft kein Date und ergo kein Sexleben mehr (was man sich bei dem Foto unten gar nicht vorstellen kann).

Frau Badrić, DAS ist eine Pressemeldung wert und nicht Ihre Kindergartenshow!