Euro-Trash SPEZIAL: Carolas lesbische Erfahrungen und ihre neue Hetero-Liebe

Carola KussSie ist die unbestrittene Göttin des schwedischen Schlagers – und wird von ihren tragisch veranlagten Fans mit Hass-Liebe verehrt: Carola Häggkvist. Was sie mit ihrer Stimme und Tonartwechseln auf Weltniveau aufbaut, reisst sie regelmäßig mit ihren homophoben Ausfällen wieder ein. Doch damit ist es jetzt vorbei: Denn Carola hat selbst schon einmal am anderen Ufer gefischt – ist aber gerade wieder frisch in einem Mann verliebt.

Carola weiß wie PR geht – und man das Ruder rumreisst. Am morgigen Samstag ist sie die Hauptfigur in der diesjährigen Staffel der schwedischen TV-Show Så mycket bättre, die am ehesten mit der deutschen Sendung Sing meinen Song – Das Tauschkonzert auf Vox verglichen werden kann.

Die seit dem 18. Oktober laufende Staffel ist hervorragend gestartet, hat seitdem aber dramatisch Zuschauer verloren. Waren bei der ersten Folge, in der The Ark-Sänger Ola Salo (ESC 2007) im Mittelpunkt stand, noch 2,2 Mio. Zuschauer dabei, saßen am letzten Sonnabend beim Johan-Karlsson-Tag (von der Gruppe Familjen) nur noch 1,2 Schweden vor dem Fernseher. Die sehr anständigen Quoten der Folge mit Orups Titeln (Komponist von Lena Philipssons „Det gör ont“/“It hurts“, ESC 2004) waren da längst vergessen.


Carolas Cover von Orups „Sjung Helleluja„, das derzeit auch auf dem Mello-Dancefloor im Stockholmer Gay-Club Candy gespielt wird

Jetzt soll es also Carola richten. Um der nach wie vor ungeheuren Popularität der Sängern genüge zu tun, wird die Sendung am Sonnabend eine halbe Stunde länger sein als die anderen Ausgaben. Ganze zwei Stunden lang werden die anderen Så mycket bättre-Teilnehmer Carolas Lieder covern und sie selbst wird viel erzählen. Sehr viel, wie man jetzt erfuhr.

Der erste PR-Akt erfolgte aber bereits am gestrigen Donnerstag: Carola ist neu verliebt. Nach ihrer Scheidung von Runar Sögaard im Jahr 2000 hatte die Sängerin immer wieder kürzere Beziehungen mit unterschiedlichen Männern. Gestern verriet sie Aftonbladet: „Ich habe einen guten Mann getroffen. Ich will nicht sagen, wie lange es schon geht, aber es ist stabil. Es fühlt sich wunderbar an“.

Ein bisschen mehr musste sie aber doch noch los werden: „Wir kennen uns von früher… Er ist nicht so prominent, aber ist ab und zu doch öffentlich zu sehen … Das hier passierte gerade, als man es am wenigsten ahnte … Es ist besser als ich jemals geglaubt hätte… Es kommt mir richtig und natürlich vor.“

Der Hinweis auf die Natürlichkeit der Beziehung weckt – wenn auch unbeabsichtigt – Erinnerungen an frühere Äußerungen von Carola in Sachen Homosexualität. Im Jahr 2001 hatte sie in einem Interview mit der Gay-Zeitschrift QX Homosexualität als unnatürlich bezeichnet, war aber später zurückgerudert.

Carola Så mycket bättreCarola bei den Så mycket bättre-Dreharbeiten auf Gotland

An diesen Vorfall dachte wohl auch Love Antell, der wie Carola in der aktuellen Så mycket bättre-Staffel mitwirkt. Er veränderte ihren von ihm gecoverten Titel dahingehend, dass dieser nun von einer schwulen Beziehung handelt (um welchen Song es genau geht, wird erst in der morgigen Sendung verraten). Carola lobte Love für sein Cover und die Veränderung: „Er hat das cool gemacht. So sollte dieser Song heutzutage gemacht werden.“

Anschließend thematisierte Carola weiter gleichgeschlechtliche Beziehungen und berichtete: „Ich erinnere mich, dass ich was mit einem Mädchen hatte, in den 80-ern… Wir waren definitv kein Paar, aber ich hab’s ausprobiert. Es war anstrengend, denn ich fühlte eine extreme Attraktion und eine Kraft, die darin lag. Aber ich entschied mich, das nicht weiter zu verfolgen… Ich weiß nicht, ob es wahre Liebe oder nur Begierde war… man ist ja sexuell als Teenager.“ Auf die anschließende Frage von Ola Salo, ob die Beziehung eine sexuelle Note hatte, antwortet Carola „Ja“ und schiebt nach, dass sie auch erregt war.

Carola und OrupCarola als Pocahonta und Orup als YMCA-ler am Amanda-Jenssen-Tag bei Så mycket bättre

Dankenswerterweise erwartet die Sängerin gar nicht erst, dass sich das Publikum selbst Gedanken machen soll, warum sie das alles erzählt. Vielmehr schießt sie selbst nach, dass sie das alles berichtet, um zu zeigen, dass sie Verständnis dafür hat, dass man „Gefühle haben“ kann – und dass sie es wunderbar findet, dass das Gaypublikum sie liebt: „Die sind einfach am besten.“

Die Zeitschrift QX befragt unter dem entsprechenden Bericht ihre schwulen und lesbischen Leser, wo sie stehen, wenn es um Carola geht. Viele Sorgen muss sich die Göttin um diese Zielgruppe offenbar nicht machen: 44% sagen „Ich liebe Carola. Punkt!“, 14% mögen sie unabhängig von ihren frühreren Äußerungen und 13% mögen sie, wünschen sich aber, dass sie klarmacht, wo sie in der Homo-Frage steht. Lediglich bei 18% ist sie vollständig unten durch.

Carola UmfrageDass Carola im Rahmen ihrer Så mycket bättre-Sendung PR-Vollgas gibt, ist aber auch durchaus langfristig gedacht: Ab Ende Januar tourt sie das erste Mal seit fünf Jahren durch Schweden. „Det bästa av mig“ (Das  Beste von mir) heißt die Konzertreihe. Und es schadet dem Kartenverkauf ganz sicher nicht, sich als Künstler kurz vor der Geschenkehochzeit Weihnachten intensiv in Erinnerung zu rufen.