Eurovision in Concert 2018: Das XXL-Konzert zum 10ten Jubiläum

Neue Maßstäbe wurden am Samstag beim zehnten Jubiläum von Eurovision in Concert gesetzt. Da die bisherige Location am Melkweg nicht mehr ausreichte, wagten die Veranstalter den Sprung in die viel größere AFAS Live Arena im Süden Amsterdams. Ein volles Konzert mit ca. 4000 begeisterten Zuschauern und toller Stimmung bestätigte, dass es absolut die richtige Entscheidung war. Israel, Australien, Finnland, Albanien und die D-A-CH Länder überzeugten, während die Mitfavoriten Tschechien und Schweden, zumindest in Amsterdam, nicht richtig zünden konnten.

Es war definitiv ein Risiko damit verbunden in die Veranstaltungslocation des Junior Eurovision Song Contest 2012 zu wechseln. In den Fankreisen waren die Befürchtungen groß, ob das ESC-Fanpotential ausreiche bei einem Preevent eine richtige Konzerthalle zu füllen. Auch war die Gefahr da, dass das Event durch den Umzug seine Seele verlieren würde. Doch „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt!“. Mittlerweile ist in zahlreichen Fanmedien vom „besten ESC-Konzert aller Zeiten“ die Rede.

Schon vor Konzertstart sorgten Maxime & Franklin Brown (Niederlande 1996) für jede Menge Stimmung. Neben ihren damaligen Beitrag „De erste Keer“ sangen sie noch ein Medley u.a mit den ESC-Evergreens „Volare“, „Congratulations“ und „Hallelujah“.

Um Punkt 20Uhr ertönte darauf die Eurovisionsfanfare und das Konzert begann offiziell. Neben dem Stammmoderator Cornald Maas gelang es den Organisatoren in diesem Jahr die zauberhafte Edsilia Rombley (Niederlande 1998 & 2007) als Co-Moderatorin zu gewinnen. Begleitet von zwei Tänzerinnen sang sie gleich zu Beginn ihre ESC-Titel „Hemel en Aarde“ und „Nooit meer zonder jou“ auf holländisch.

Danach wurde es für einen Moment etwas ruhig, denn das Moderatorenteam bat um eine Gedenkminute für die kürzlich verstorbenen ESC-Größen Lys Assia und Sandra Reemer. In der großen Halle wurde es mausestill. Eine sehr schöne Geste der ESC-Fans.

Nach diesem besinnlichen Moment wurde es endlich Zeit die Künstler aus diesem Jahrgang kennenzulernen. Insgesamt 32 Acts waren nach Amsterdam angereist. Den Anfang machten die DoReDoS aus Moldawien und sorgten mit ihrem „My Lucky Day“ wieder für gute Stimmung in der Halle.

Act Nummer 2 war Cesár Sampson aus Österreich. Im ärmelfreien, schwarzen Outfit sang er „Nobody But You“ sehr souverän. Edsilia war so angetan, dass sie unbedingt noch seine Oberarme anfassen wollte, bevor er die Bühne verließ. In der Form vom Samstag müsste es mit dem Finaleinzug für Österreich locker klappen.

Es folgte der Auftritt von San Marino. Jessika war etwas perplex, als statt ihrem eigenen Playback aus Versehen wieder der von Österreich abgespielt wurde. Doch schon schnell waren die technischen Probleme behoben und sie konnte gemeinsam mit Jenifer Brening ihren Beitrag „Who We Are“ singen. Ein Interview mit den beiden Mädels wird in Kürze hier bei uns veröffentlicht.

Startnummer 4 war Mazedonien. Während des Auftrittes von Eye Cue wurde im Publikum recht viel geredet. San Marinos Song hatte wohl einiges an Gesprächsbedarf ausgelöst. Die beiden ließen sich davon nicht ablenken und sangen solide.

Mit Mikolas Josef folgte der erste große Favorit um den Titel in Lissabon. Wer jetzt einen großen Bang erwartete wurde wahrscheinlich enttäuscht. Der Tscheche sang zwar gewohnt sicher, aber irgendwie wollte im Publikum nicht so richtig Stimmung aufkommen. Für den Finaleinzug wird es auch so reichen, aber für eine Top Platzierung wird sich Tschechien was Besonderes auf der Bühne einfallen lassen müssen. Mikolas möchte ja in Lissabon das Geheimnis lüften, was in seinem Rucksack drin ist. Wir sind gespannt!

Christabelle aus Malta zeigte wie schon bei der Moskauer Preview Party die Woche zuvor, dass man sie in Lissabon nicht abschreiben sollte. Ein Auftritt mit viel Power!

Es folgte eine der größten Überraschungen des Abends. Eigentlich wollte Eugent Bushpepa aus Albanien auf keinem Preview Konzert auftreten. Kurzfristig entschied er sich doch für Amsterdam. Und er überzeugte mit einem makellosen Auftritt. Stimmlich gehörte er zu einen der besten Auftritte des Abends und erntete jede Menge Applaus. Damit hätte ich wirklich nicht gerechnet und mir gefiel das Lied das erste Mal richtig gut!

Startnummer 8 hatte Laura Rizzotto. Die lettische Schönheit sang ihren Song  „Funny Girl“ fehlerfrei. Leider ist der Song nicht besonders catchy weswegen die Zuschauerresonanz etwas verhalten war.

Es folgte Rasmussen aus Dänemark. Im Gegensatz zur London Eurovision Party war er diesmal wieder im Wikinger Look und kam dadurch sehr authentisch rüber. Ein schöner Auftritt, der mit viel Beifall belohnt wurde.

Im Anschluss der erste Auftritt von SuRie aus Großbritannien (mehr dazu weiter unten). Die Britin hat an ihrer Körpersprache gearbeitet und fuchtelte viel weniger mit den Armen als bei der britischen Vorentscheidung.

Nachbarland Irland war als Nächstes dran. Ein sehr schönes Lied, aber ohne Bühnenperformance und Video schien Ryan in der großen Halle etwas verloren.  Es wurde wieder lauter im Publikum. Da muss sich der Ire für Lissabon etwas einfallen lassen!

Das genaue Gegenteil war der folgende Auftritt von Ungarn. Es wurde so laut, dass viele Fans sich die Ohren zuhielten oder die Chance für eine verfrühte Pinkelpause nutzten. Mit Sicherheit ein Beitrag der polarisiert und man kann auf das Ergebnis in Lissabon sehr gespannt sein.

Die Organisatoren achteten bei der Reihenfolge sehr auf Kontraste. Deshalb musste ja als Nächstes der leiseste Beitrag des Abends kommen. Im Gegensatz zu Ryan schaffte es Ieva Zasimauskaitė die Aufmerksamkeit der Zuschauer voll und ganz zu gewinnen. Beim litauischen Beitrag „When we’re old“ redete niemand, sondern die Fans schwenkten ihre Handylichter. Sie erzeugte eine tolle, sehr bewegende Atmosphäre.

Startnummer 14 hatte Melovin für die Ukraine. Er scheint an seinem englisch gearbeitet zu haben, denn er war viel besser verständlich als bei der ukrainischen Vorentscheidung. Zudem sah er in seinem roten Jackett sehr smart aus.

Es folgte ein absolutes Highlight des Abends. Da Emilie von Madame Monsieur kurzfristig erkrankt war, sprang SuRie kurzfristig ein und sang den französischen Beitrag „Mercy“. Schade, dass ihr eigener Song viel schwächer ist, denn endlich konnte sie zeigen was sie stimmlich drauf hat. Minutenlang gab es für sie Standing Ovationen. Zumindest in der ESC-Bubble hat sie sich damit jede Menge Sympathiepunkte für Lissabon verdient.

Der letzte Act vor der Pause war dann Benjamin Ingrosso aus Schweden. Wer wie ich seinen Auftritt beim Melodifestivalen live in der Friends Arena miterlebt hat, war etwas enttäuscht. Denn ohne die LED-Bildschirme im Hintergrund wirkte alles etwas blasser und fader. Das ist der schwedischen Delegation bestimmt auch bewusst und mal sehen, was sie sich für Lissabon einfallen lassen. DJ Ohrmeister hat Benjamin in Amsterdam interviewt. Das Interview erscheint in den nächsten Tagen.

Nach der Pause trat Sandra Kim (Belgien 1986) als Special Guest auf. Sie betonte nochmal in welchem jungen Alter sie damals den ESC gewonnen hat.  Wer gerne rechnen mag, heute ist sie erst 45 Jahre alt. Neben „J’aime la vie“ sang sie noch ein Medley u.a mit „Kisses for you“, „Diva“ und „Ne partez pas sans moi“.

Der erste Teilnehmer nach der Pause war danach Alekseev aus Weißrussland. Im Gegensatz zu Melovin ist sein englisch immer noch sehr schwierig zu verstehen. Da sind in den nächsten Wochen noch einige Unterrichtsstunden notwendig.

Es folgten ZiBBz aus der Schweiz. Die Geschwister legten einen tollen Auftritt hin und sorgten in der Halle richtig für Stimmung. Im Gegensatz zum etwas aufgesetzten Auftritt von Weißrussland zuvor wirkte die Schweiz richtig authentisch und erfrischend. So kann es mit dem Finalauftritt was werden! Wir vom Prinz Blog drücken ganz fest die Daumen!

Bulgarien hatte mit Kristian Kostov (2ter Platz ESC 2017) auch eine Überraschung mit dabei. Schon in London hob sich Equinox gesanglich von den meisten Konkurrenten ab und auch in Amsterdam überzeugte die Gruppe.  Eine Top 5 Platzierung scheint in Lissabon (auch ohne Kristian) durchaus möglich.

Als Nächstes war Ari Ólafsson aus Island dran. Er hatte den selben violetten Anzug wie bei der Vorentscheidung an. Wie oft von den Fans vorgeschlagen, sang er die erste Strophe von „Our Choice“ auf isländisch. Das wertete den Song auf jeden Fall auf, aber insgesamt wird es nach wie vor sehr schwierig bis unmöglich für ihn werden sich zu qualifizieren.

Auch Slowenien konnte an dem Abend nicht richtig überzeugen. Ohne Background Tänzerinnen wirkte der Song sehr statisch. Lea sah aber zumindest klasse aus und zeigte viel Beine.

Danach waren Alfred & Amaia aus Spanien dran. Die Fans leuchteten wieder mit den Handys und der Kuschelfaktor in der Halle nahm zu. Mich selbst berührt der Song aber nach wie vor nicht.

Der erste Beitrag beim ESC auf armenisch folgte. Sevak Hanagyan sang „Qami“. Einleitend lobte Edsilia die Sprachenvielfalt beim diesjährigen ESC und sagte jedes Land sollte wieder nur auf seiner Sprache singen dürfen. Ein deutliches Statement für die Landessprache. In der Halle gab es sehr viel Applaus.

Sommerfeeling gab es danach beim polnischen Beitrag. Gromee feat. Lukas Meijer sorgen für sehr gute Stimmung mit ihrem Song „Light me up“.

Auch Sennek aus Belgien wurde danach von den Fans sehr euphorisch empfangen. Grund dafür war nicht nur ihr „Heimvorteil“ in Benelux, sondern auch ein sehr solider Gesang. Ein besseres Ergebnis als Blanche im letzten Jahr ist durchaus möglich.

Dagegen wirkte dann Montenegro wieder wie ein Pausenfüller. Der arme Vanja hatte es nicht leicht und sein Auftritt ging auch bei mir etwas unter.

Denn die Vorfreude war groß auf meinen absoluten Lieblingsbeitrag in diesem Jahr: Australien. Und die sehr sympathische Jessica Mauboy überzeugte auf ganzer Linie. Wer bisher gezweifelt hatte ob sie live singen kann, wurde eines Besseren belehrt. Wer weiss, vielleicht schafft sie ja in Lissabon sogar den Sprung ganz nach oben!

Es folgte unser Michael Schulte. Und er legte einen klasse Auftritt hin. Im Vergleich zur deutschen Vorentscheidung wirkte er viel sicherer und erzeugte in der Halle richtige Gänsehautstimmung. Man sah, dass er den Auftritt vor einem so großen Publikum richtig genoss. Nach dem Song animierte er das Publikum dazu den Refrain nochmal „a cappella“ zu singen. Das kam sehr gut an und die Zuschauer gingen mit. Es war sein bisher bester Auftritt von „You let me walk alone“ und das stimmt sehr positiv für Lissabon. In den nächsten Tagen werden wir auch ein Interview mit Michael veröffentlichen.

Und schon folgte mit Netta aus Israel das nächste Highlight. Alle waren gespannt, ob die Topfavoritin die Erwartungen auch live erfüllen würde. Und sie konnte das absolut. Netta legte einen Hammer-Auftritt hin und brachte die Halle zum Kochen. Es war der mit Abstand umjubelte Auftritt des Abends. Innerhalb der ESC-Community führt kein Weg an ihren Sieg vorbei. Aber das war ja letztes Jahr auch bei Francesco Gabbani der Fall. Auch er wurde in Amsterdam ähnlich gefeiert. Deshalb ist das noch lange keine Garantie für den Sieg, aber den Barbara Dex Award wird sie mit diesem Outfit wohl sicher haben. Auch Netta stand DJ Ohrmeister für einige Fragen zur Verfügung. Stay tuned!

Perfekt passte der Übergang zu Finnland und Saara Aalto. Die Fans waren schon in Feierlaune und die Finnen schaffte es tatsächlich ähnlich viel Stimmung zu erzeugen wie zuvor Netta. Man kann gespannt sein, ob sie sich in Lissabon gegenseitig Stimmen nehmen werden.

Fast wie ein Rausschmeisser wirkte da schon der Abschluss des Gastgeberlandes. Waylon sang seinen Beitrag „Outlaw In Em“, aber sehr viele Fans waren noch am diskutieren ob denn nun Netta oder Saara besser war. Für mich ist der Finaleinzug der Niederlande in diesem Jahr noch lange nicht sicher.

Zum großen Finale betraten nochmal alle Künstler die Bühne und feierten sich gemeinsam mit den Fans. Ein wunderschönes Konzert ging zuende, wahrscheinlich wirklich das „beste ESC-Konzert aller Zeiten“.  Hoffen wir, dass die Organisatoren es schaffen auch im nächsten Jahr die AFAS Live als Veranstaltungsort zu gewinnen. Es wäre großartig!