Eurovision Top 250: Loreen bleibt das Maß aller Dinge

Schweden Loreen 2012

Der Hattrick ist geschafft: „Euphoria ist bei der Wahl der besten ESC-Songs nicht zu schlagen. Loreen führte auch 2014 wieder die Eurovision Top 250 an, die an Silvester von der Website 12points.tv verkündet und bei ESC Radio gespielt wurden. Wie schon 2012 und 2013 hieß es am Ende: Der Siegertitel von Baku steht auf Platz 1.

Doch dahinter hat sich einiges getan. Die in Kopenhagen zur Queen of Europe gekürte Conchita Wurst schaffte es zwar nicht ganz an die Spitze, und sie musste sich jetzt sogar noch denen geschlagen geben, die sie im Mai noch überrundet hatte: Die Common Linnets aus den Niederlanden landeten mit „Calm after the storm“ hinter Loreen, mit deutlichem Stimmenabstand allerdings.

Auf Platz 3 folgt dann also „Rise like a phoenix“. Damit haben zwei Neuheiten des Jahrgangs 2014 ältere Songs von den Silber- und Bronzerängen verdrängt. „Fairytale“, Alexander Rybaks Siegertitel von 2009, fiel in diesem Jahr von Platz 2 auf 4; noch kräftiger verlor indes die im Vorjahr noch Drittplatzierte Sertab Erener, die mit „Everyway that I can“ ganz aus den Top10 fiel und auf Rang 12 landete. (Nicht der einzige türkische Beitrag, der nach unten taumelte: Auch Mangas „We could be the same“ fiel von 13 auf 35, „For real“ von Athena gar von 67 auf 165.)

Zurück in die Top 10 kamen ABBA: „Waterloo“, voriges Jahr noch auf 11, sprang auf Rang 6. Das Schwedentrio unter den ersten Zehn komplettiert Sanna Nielsen, die mit „Undo“ auf Platz 10 einstieg. Daneben hielten sich aus dem Vorjahr Siegerin Emmelie de Forest und Anouk in den oberen 10. Höchstplatzierter Song aus Deutschland bleibt „Satellite“, der Siegertitel aus Oslo. Allerdings musste auch Lovely Lena Federn lassen (von Platz 5 auf 9).

ABBA: Waterloo (Platz 6)

Rund 3600 Fans gaben zwischen dem 3. November und dem 13. Dezember ihre Stimme ab, nach dem klassischen ESC-Punkteschema von 1 bis 12 Punkte. Schweden ist mit 15 Einträgen in den Top 250 wieder Hitlieferant Nummer eins – genau so viele wie im Vorjahr. Da, wie erwähnt, „Undo“ neu mit dabei ist, muss ein anderer Schweden-Hit dafür Platz gemacht haben: Es ist Malena Ernmans Opernpop-Crossover „La voix“, voriges Jahr noch auf Platz 194. Carola hat wieder ihre drei ESC-Songs in die Top 250 gebracht, am erfolgreichsten ist nach wie vor ihr jüngster Titel „Invincible“ (Platz 62 nach 68 im Vorjahr).

In der Länderliste ist Israel nach oben geschossen: Fünf Lieder von dort kamen neu in die Top 250, etwa beide Beiträge von Ilanit, „Hora“ von 1982 und der Siegertitel von 1978, „A-ba-ni-bi“. Aus Israel kommt auch der höchstplatzierte Semifinal-Song, der es nicht in ein Eurovision-Finale schaffte: „Same heart“ von 2014. Israel liegt im Länder-Ranking mit 14 Titeln knapp hinter Schweden auf Platz 2, vor Italien (11 Songs) und einem Grüppchen aus Deutschland, Griechenland und Spanien (je 10).

Avi Toledano: Hora (Platz 61)

Deutschland hat mit 10 Beiträgen zwei mehr als im Vorjahr in der Liste. Neu dabei sind jetzt „Wir geben ’ne Party“ von Mekado (ESC 1994) auf Platz 56 sowie „Nur die Liebe lässt uns leben“ von Mary Roos (ESC 1972) auf Platz 249. Kräftig nach oben geklettert ist zudem „Dschinghis Khan“ von 1979: nach Platz 204 im vergangenen Jahr findet sich die Ralph-Siegel-Nummer nun auf Platz 72.

 

Mekado: Wir geben ’ne Party (Platz 56)

Eine andere Siegel-Nummer verliert indes an Zugkraft: Valentinas zweiter Versuch in Malmö, „Crisalide (Vola)“, fiel von Platz 16 auf 43. Neu dabei ist dafür auch Valentina, Teil 3: „Maybe“ stieg auf Platz 108 ein.

Österreich ist wie im Vorjahr mit zwei Songs dabei – interessanterweise mit zwei völlig anderen. „The secret is love“ von Nadine Beiler (2011) und „Shine“ von Natália Kelly (2013) sind rausgeflogen, dafür ist neben Conchita Wurst jetzt auch der kurz vor Weihnachten verstorbene Udo Jürgens mit seinem 1966er-Siegertitel „Merci Chérie“ dabei (Platz 242).

Die Schweiz hat 5 Lieder in der Liste: Neben Celine Dions Sieger „Ne partez pas sans moi“ (Platz 48) und den beiden Neueinsteigern Sebalter (55) und Paolo Meneguzzi (196) sind auch „Io senza te“ (150) und „Cool vibes“ (215) wieder dabei.

Aus dem aktuellen Jahrgang 2014 schafften 24 der 37 Lieder den Einzug in die Top 250. Insgesamt enthält die Liste 56 Lieder, die in der Top 250 des Jahres 2013 nicht drin waren. Neben den neuen Liedern von Kopenhagen sind u.a. „Mana mou“ (Zypern 1997), „Dime“ (Spanien 2003), „Hullu yö“ (Finnland 1991), „Parlez-vous français?“ (Luxemburg 1978) und „Go“ (UK 1988) neu dabei. Auch ältere Siegertitel sind neu dabei: „Making your mind up“ (UK 1981) auf Platz 173 und „Rock me“ (Jugoslawien 1989) auf Rang 65.

Kaija: Hullu yö (Platz 228)

Die erfolgreichsten Lieder der Jahrzehnte:

– Fünfziger (1956-1960): „Nel blu dipinto di blu“ (151)
– Sechziger: „Congratulations“ (67)
– Siebziger: „Waterloo“ (6)
– Achtziger: „Hold me now“ (40)
– Neunziger: „Nocturne“ (17)
– „Nuller“: „Fairytale“ (4)
– 2011-2014: „Euphoria“ (1)

Beim Blick auf die Verteilung der 250 Songs auf die verschiedenen Jahrzehnte zeigt sich ein interessanter Trend (in Klammern die Zahl bei der Top 250 vom Vorjahr):

– Zahl der Hits der Jahre 1956-1960: 1 (1)
– Zahl der Hits der Jahre 1961-1970: 10 (10)
– Zahl der Hits der Jahre 1971-1980: 25 (20)
– Zahl der Hits der Jahre 1981-1990: 28 (24)
– Zahl der Hits der Jahre 1991-2000: 45 (45)
– Zahl der Hits der Jahre 2001-2010: 74 (90)
– Zahl der Hits der Jahre 2011-2014: 67 (60)

Aus den „Nuller“-Jahren sind viele Songs verschwunden, dagegen nahm die Zahl der Titel aus den Jahren 1971 bis 1990 um insgesamt um 9 zu. Es wurden also wieder mehr ältere Songs gewählt –auch ungewöhnliche Lieder wie der Münchener 0-Punkte-Beitrag „¿Quién maneja mi barca?“ aus Spanien und „Tijd“ von Saskia & Serge (Niederlande 1971).

Saskia & Serge: Tijd

Noch ein paar interessante Facts:

– Nur noch ein ESC-Teilnehmerland taucht in der Top 250 nicht auf: Tschechien. Alle anderen Länder, die je bei einem Grand Prix dabei waren, sind mit wenigstens einem Lied in der Liste vertreten – selbst Andorra und Litauen, die beide letztes Jahr fehlten, sind jetzt dabei („Salvem el món“ von 2007 auf Platz 193; „Strazdas“ von 1999 auf Platz 190).

– Aufsteiger des Jahres: Simone de Oliveira schaffte mit „Desfolhada portuguesa“, ihrem Beitrag von 1969, einen Riesensprung nach vorn, von Platz 233 im Vorjahr auf Rang 80.

– Größter Loser des Jahres: Der Erfolg des griechischen Gratis-Ausschanks währte nur ein Jahr – „Alcohol is free“, vor einem Jahr noch auf Platz 70 zu finden, schafft es gerade mal noch auf Platz 234.

– Höchster Neueinsteiger, der nicht aus dem aktuellen Kopenhagen-Jahrgang stammt: „Wir geben ’ne Party“ von Mekado auf Rang 56 – in diesem Jahr exakt 20 geworden.

– Die höchste Platzierung des Jahres 2013, die jetzt gar nicht mehr dabei ist: „Believe in me“ von Bonnie Tyler – der britische Beitrag von Malmö lag vor einem Jahr noch auf Rang 93.

– Neben Bonnie Tyler sind weitere Songs des Jahrgangs 2013 wieder verschwunden, etwa „Igranka“ aus Montenegro (war Platz 109), „What if“ aus Russland (letztes Jahr noch auf der 137) und „L’enfer et moi“ aus Frankreich (211).

– Von den vier Siegertiteln des Jahres 1969 fehlten schon voriges Jahr „Boom bang-a-bang“ und „Vivo cantando“ – und daran hat sich auch dieses Jahr nichts geändert. „Un jour, un enfant“ hält sich auf Platz 137 (Vorjahr 103), „De troubadour“ steigt von 239 auf 222.

Frida Boccara: Un jour, un enfant (Platz 137)

– Zwölf Interpreten sind mit mehr als einem Song vertreten: Carola, Johnny Logan, Vicky Leandros, Gigliola Cinquetti, Dima Bilan, Charlotte Nilsson/Perrelli, Ilanit, Paula Seling & Ovi, Helena Paparizou (solo und als Teil von Antique), Valentina Monetta, Željko Joksimović und Maarja-Liis Ilus (solo und mit Ivo Linna).

Seit 2007 rufen die Websites immer im November die Fans auf, ihre zehn Lieblings-ESC-Lieder zu nennen – bepunktet nach dem bekannten ESC-Schema. Die bisherigen Sieger:

2007: Monica Aspelund, „Lapponia“ (Finnland 1977)
2008: Danijela, „Neka mi ne svane“ (Kroatien 1998)
2009: Yohanna, „Is It True?“ (Island 2009)
2011: Željko Joksimović,Lane moje (Serbien & Montenegro 2004)
2012: Loreen, „Euphoria“ (Schweden 2012)
2013: Loreen, „Euphoria“ (Schweden 2012)
2014: Loreen, „Euphoria“ (Schweden 2012)

Die Top 10 des Jahres 2014:

1. (Vorjahr: 1) Loreen, Euphoria (Schweden 2012)
2. (–) The Common Linnets, Calm After the Storm (Niederlande 2014)
3. (–) Conchita Wurst, Rise Like a Phoenix (Österreich 2014)
4. (2) Alexander Rybak, Fairytale (Norwegen 2009)
5. (6) Pastora Soler, Quédate conmigo (Spanien 2012)
6. (11) ABBA, Waterloo (Schweden 1974)
7. (4) Anouk, Birds (Niederlande 2013)
8. (7) Emmelie de Forest, Only Teardrops (Dänemark 2013)
9. (5) Lena, Satellite (Deutschland 2010)
10. (–) Sanna Nielsen, Undo (Schweden 2014)

Die gesamte Liste ist auf der Website von 12points.tv nachzulesen.

Hier gibt es die Liste auch zu sehen:

Unser Bericht über die Top 250 von 2013: „Euphoria“ bleibt ganz vorn! 

Unser Bericht über die Top 250 von 2012: “Euphoria” lässt alle anderen ESC-Songs hinter sich 

Unser Bericht über die Top 250 von 2011: Größter ESC-Hit heißt “Lane moje”