Eurovision Top 250: An Loreen kommt keiner vorbei

Probe Schweden Loreen Euphoria

Seit 2012 ist die ESC-Siegerin von Baku auf Platz 1 der Eurovision Top 250 – und war es auch bei der Ausgabe 2015 wieder, die an Silvester von der Website 12points.tv schrittweise veröffentlicht und bei ESC Radio gespielt wurde. Hinter Loreens „Euphoria“ hat sich aber viel verändert – selten waren die ersten Zehn so aktuell. Und: Höchstplatzierter Beitrag des Jahrgangs 2015 war nicht Monz! Hier unsere Analyse der Liste.

Die Hälfte der 10 Songs an der Spitze stammt aus dem Wiener ESC-Starterfeld. Unglaublich – das spricht für einen guten Jahrgang.

Nachdem im Vorjahr Conchita Wurst hinter ihren direkten ESC-Kontrahenten Common Linnets gelegen hatte, hat sich das nun umgedreht. „Rise Like a Phoenix“ erreichte Platz 2, „Calm After the Storm“ fiel von Rang 2 auf 4. Zwischen Conchita und das niederländische Countryduo schob sich der diesjährige Televoting-Gewinner „Grande amore“: Il Volo sind somit der höchste Neueinsteiger der Liste. Der tatsächliche ESC-Sieger Måns Zelmerlöw muss sich mit Platz 5 begnügen.

Weitere drei Neuzugänge vom ESC 2015 finden sich auf den Plätzen 7, 9 und 10: „Goodbye To Yesterday“, die Ballade „A Million Voices“ und „Rhythm Inside“. In den Top10 hielten sich nur die Wuchtballade „Quédate conmigo“ (Pastora Soler sank einen Platz von 5 auf 6) und der ESC-Klassiker „Waterloo“ (von 6 auf 8).

Pastora Soler: Quédate conmigo (Platz 6)

Die Top 10 des Jahres 2015:

1. Loreen, Euphoria (Schweden 2012)
2. Conchita Wurst, Rise Like a Phoenix (Österreich 2014)
3. Il Volo, Grande amore (Italien 2015)
4. The Common Linnets, Calm After the Storm (Niederlande 2014)
5. Måns Zelmerlöw, Heroes (Schweden 2015)
6. Pastora Soler, Quédate conmigo (Spanien 2012)
7. Elina Born & Stig Rästa, Goodbye To Yesterday (Estland 2015)
8. ABBA, Waterloo (Schweden 1974)
9. Polina Gagarina, A Million Voices (Russland 2015)
10. Loic Nottet, Rhythm Inside (Belgien 2015)

Welche fünf Songs wurden damit aus den Top10 verdrängt? Den größten Sturz musste Anouk hinnehmen. Letztes Jahr war ihr „Birds“ noch auf Platz 7 – jetzt nur noch auf Rang 37. Um einige Plätze abwärts ging es aber auch für den 2009er-Sieger Alexander Rybak: „Fairytale“ fiel von Platz 4 auf 13.

Zwei weitere Siegersongs sind ebenfalls nicht mehr unter den besten Zehn: Emmelie de Forests „Only Teardrops“ rutschte von Platz 8 auf 12, Lenas „Satellite“ von Platz 9 auf 14 (damit bleibt der Song der höchstplatzierte deutsche ESC-Beitrag in der Liste). Und Sanna Nielsens „Undo“ war voriges Jahr noch auf Platz 10 und ist jetzt auf 11 zu finden.

Il Volo: Grande amore (Platz 3)

Schweden bleibt das Land mit den meisten Platzierungen in den Eurovision Top 250: Das Siegerland 2015 hat sogar zwei mehr als im Vorjahr und ist jetzt 17 mal gelistet. Neu dabei sind neben „Heroes“ auch „Stad i ljus“ (Platz 156) und „Diggi-loo, diggi-ley“ (189); zudem kehrte Malena Ernmans „La voix“ zurück (215). Zwei Schwedensongs sind rausgeflogen, nämlich „It hurts“ und „This is my life“.

Carola ist wieder mit allen drei Songs dabei – wobei „Främling“ immer noch der schlechtplatzierteste des Trios ist (214), am besten hält sich Invincible (Platz 111 nach 62 im Vorjahr); „Fångad av en stormvind“ liegt auf Platz 174.

Tommy Körberg: Stad i ljus (Platz 156)

Die Länderliste hinter Schweden sieht wie folgt aus:

2. Italien (12 Lieder)
3. Frankreich (11 Lieder)
4. Griechenland, Israel, Italien, Niederlande (je 9 Lieder)
5. Deutschland (8 Lieder)

Ja, Deutschland hat ein wenig eingebüßt: Voriges Jahr waren noch 10 Songs „made in Germany“ in den Top 250. Ann Sophie hat sich mit „Black Smoke“ eingereiht (Platz 107), drei aus dem Vorjahr sind uns damit verloren gegangen: „Nur die Liebe lässt uns leben“, „Johnny Blue“ und „Wir geben ’ne Party“. Und einige Songs mussten kräftig Federn lassen: Joy Flemings Kultklassiker „Ein Lied kann eine Brücke sein“ stürzte von 85 auf 208, „Dschinghis Khan“ von 72 auf 149. Auch Nicoles „Ein bißchen Frieden“ sank von 123 auf 200. Dafür machte Roman Lob Boden gut („Standing Still“ von 203 hoch auf 138).

Österreich ist in der aktuellen Liste nur noch mit einem Lied vertreten, dem Siegertitel von Conchita Wurst. Letztes Jahr war Udo Jürgens mit „Merci Chérie“ noch unter den 250.

Die Schweiz verliert auch ein wenig. 4 Songs sind noch dabei, nach 5 vor einem Jahr. „Cool vibes“ machte einen Riesen-Sprung von 215 auf Platz 100, „Io senza te“ wäre dafür fast nicht mehr reingekommen (243) – und „Era stupendo“ von Paolo Meneguzzi ist jetzt schon raus.

Vanilla Ninja: Cool Vibes (Platz 100)

Was sonst noch auffällt:

– Maltas Superstar Chiara hat keinen ihrer drei Songs in der Hitliste. Letztes Jahr war „Angel“ noch auf Platz 175. Die maltesische Flagge in der Liste trägt allein Gianluca Bezzina, sein „Tomorrow“ enterte die Charts auf Rang 209.

– Einige andere sind dagegen mit allen ihren ESC-Beiträgen in der Liste vertreten. Neben der schon erwähnten Carola sind das auch Gigliola Cinquetti („Non ho l’età“ auf 97, „Si“ auf 130), Lena (neben „Satellite“ auch „Taken By a Stranger“ auf Platz 114), Željko Joksimović („Lane moje“ auf 24, „Nije ljubav stvar“ auf 95) und Paula Seling & Ovi („Playing With Fire“ auf 109, „Miracle“ auf 196).

– Aserbaidschan ist ausgesprochen erfolgreich. Es hat von seinen bisher 8 ESC-Beiträgen sieben in den Top 250, nur das dröge „Start a Fire“ von 2014 ist nicht darunter.

– Von allen Ländern, die je beim ESC dabei waren, sind nur zwei nicht mit Liedern in der Liste vertreten: Andorra und Marokko. Australiens bisher einziger Titel „Tonight Again“ ist auf Platz 42 eingestiegen. Das nicht mehr existierende Jugoslawien ist nur mit dem Fan-Favoriten „Hajde da ludujemo“ von 1990 dabei, voriges Jahr stand der Siegersong „Rock me“ noch auf 65.

– Schock! „Congratulations“ von Cliff Richard, im vorigen Jahr noch auf Platz 67, ist komplett rausgefallen. Was ist da nur passiert??!?

– Die gleiche Frage stellt man sich auch angesichts mancher Merkwürdigkeiten in einer Liste, die angeblich die 250 besten Songs der ESC-Geschichte umfassen soll. Es lässt sich ja über manches streiten – aber: Was haben die unterirdischen Songs „Attention“ (Litauen 2014, Platz 127) und „Amar“ (Portugal 2005, Platz 132) – beides Neuzugänge – hier verloren??

Tajci: Hajde da ludujemo (Platz 117)

Die erfolgreichsten Lieder der Jahrzehnte:

– Fünfziger (1956-1960): „Nel blu dipinto di blu“ (142)
– Sechziger: „Poupée de cire, poupée de son“ (63)
– Siebziger: „Waterloo“ (8)
– Achtziger: „Hold Me Now“ (21)
– Neunziger: „Nocturne“ (27)
– „Nuller“: „Fairytale“ (13)
– 2011-2015: „Euphoria“ (1)

Beim Blick auf die Verteilung der 250 Songs auf die verschiedenen Jahrzehnte zeigt sich ein interessanter Trend (in Klammern die Zahl bei der Top 250 vom Vorjahr):

– Zahl der Hits der Jahre 1956-1960: 1 (1)
– Zahl der Hits der Jahre 1961-1970: 8 (10)
– Zahl der Hits der Jahre 1971-1980: 15 (25)
– Zahl der Hits der Jahre 1981-1990: 17 (28)
– Zahl der Hits der Jahre 1991-2000: 37 (45)
– Zahl der Hits der Jahre 2001-2010: 67 (74)
– Zahl der Hits der Jahre ab 2011: 105 (67)

Von den 40 Songs des Jahrgangs 2015 sind 32 in die Liste gekommen, eine recht hohe Ausbeute. Zu den hochplatzierten Songs gehören (außerhalb der Top 10) unter anderen „A Monster Like Me“ (17), „Amanecer“ (22), „Love Injected“ (34) und die Partynummer „Golden Boy“ aus Israel (43). Überraschend schlecht platziert ist übrigens der andere Partysong, der in der Wiener Stadthalle gut ankam: „Beauty Never Lies“ von Bojana Stamenov schaffte es nur auf Platz 206.

Dagegen sind selbst Titel, die in Wien floppten, teils gut im Rennen, etwa „Unbroken“ aus Island (Platz 41) oder „Chain of Lights“ aus San Marino (73). Nicht dabei ist allerdings das Lied des Gastgebers, „I Am Yours“. Für mich überraschend weit oben: Elhaida Dani mit „I’m Alive“ (19).

Die Liste hat sich insgesamt verjüngt, da auch aus den Jahrgängen 2011-2014 ein paar Lieder neu hinzukamen.

Aber auch ältere Lieder, die im vergangenen Jahr nicht in den Top 250 waren, schafften es in die Liste: Für mich überraschend platzierten sich Raphael mit „Yo soy aquel“ aus dem Jahr 1966 (Platz 123) und „Humanahum“, Frankreichs Antikriegs-Beitrag 1981 (Platz 96), sowie „Give Me One Good Reason“ (Niederlande 1999, Platz 203). Schön, dass Anne-Marie David jetzt neben ihrem Siegertitel von 1973 auch ihr 79er-Chanson „Je suis l’enfant-soleil“ in die Liste brachte (238).

Raphael: Yo soy aquel (Platz 123)

Jean Gabilou: Humanahum (Platz 96)

Dafür sind einige ältere Titel, die voriges Jahr neu reinkamen, schon wieder verschwunden („Go“, „Making Your Mind Up“, „Parlez-vous français?“).

Weitere Facts:

– Höchster Neueinsteiger, der nicht aus dem aktuellen Wien-Jahrgang stammt: „I Love Belarus“ von Anastasiya Vinnikova auf Platz 74.

– Aufsteiger des Jahres: Zwei Griechen machten in der Liste den größten Sprung nach vorn: Loukas Giorkas und Stereo Mike verbesserten sich um 170 Plätze, von 248 auf 78. Warum „Watch My Dance“ nun plötzlich so beliebt ist?!? Eine Achterbahnfahrt in den Top 250 erleben Ell & Nikki. Ihr Siegersong „Running Scared“ von Düsseldorf ist mal weit oben wie vor zwei Jahren (Platz 57), dann wieder weit hinten (letztes Jahr auf 212) und nun wieder vorn (Platz 81).

– Größter Loser des Jahres: Ein Klassiker verliert an Gewicht – „Desfolhada portuguesa“, das portugiesische Kultlied aus dem Jahrgang 1969, war voriges Jahr noch auf Platz 80 notiert, in diesem Jahr eröffnete der Song die Hitparade auf Rang 250. Interessant dabei: Voriges Jahr war Simone de Oliveira unsere Aufsteigerin des Jahres, weil sie einen Sprung von 233 auf 80 gemacht hatte. Noch ein Paternoster-Song in der Top250-Geschichte…

– Loser des Jahrgangs 2014: „Silent Storm“ von Carl Espen – der Norweger lag bei der Top250-Ausgabe vor einem Jahr noch auf Platz 147 und ist jetzt nicht mehr dabei. Dafür kamen aus dem Kopenhagen-Jahrgang gleich drei Songs erst jetzt dazu: neben dem schon erwähnten „Attention“ auch der dänische „Cliché Love Song“ (185) und „No Prejudice“ von Pollapönk aus Island (229).

– Und unser üblicher Blick auf die vier Siegertitel des Jahres 1969: Wie schon in den Top250-Ausgaben der Jahre 2013 und 2014 fehlten auch diesmal „Vivo cantando“ und „Boom Bang-a-bang“. Die französische Ballade „Un jour, un enfant“ verbesserte sich leicht (von 137 auf 125), und auch „De troubadour“ stieg weiter in der Fangunst (von 222 auf 178).

Anastasiya Vinnikova: I Love Belarus (Platz 74)

Seit 2007 rufen die Websites immer im November die ESC-Fans auf, ihre zehn Lieblingslieder der ESC-Geschichte zu nennen – bepunktet nach dem bekannten ESC-Schema von 1 bis 12 Punkten. Die bisherigen Sieger der Top 250:

2007: Monica Aspelund, „Lapponia“ (Finnland 1977)
2008: Danijela, „Neka mi ne svane“ (Kroatien 1998)
2009: Yohanna, „Is It True?“ (Island 2009)
2011: Željko Joksimović, Lane moje (Serbien & Montenegro 2004)
2012: Loreen, „Euphoria“ (Schweden 2012)
2013: Loreen, „Euphoria“ (Schweden 2012)
2014: Loreen, „Euphoria“ (Schweden 2012)
2015: Loreen, „Euphoria“ (Schweden 2012)

(„Lapponia“ ist mittlerweile gar nicht mehr unter den Top250…)

Hier gibt’s die gesamte Liste von Platz 250 bis zur Nummer 1 zum Anschauen:

Das Ranking

Die gesamte Liste ist auf der Website von ESC Radio und bei 12points.tv nachzulesen.

Unser Bericht über die Top 250 von 2014: Loreen bliebt das Maß aller Dinge

Unser Bericht über die Top 250 von 2013: „Euphoria“ bleibt ganz vorn!
Unser Bericht über die Top 250 von 2012: “Euphoria” lässt alle anderen ESC-Songs hinter sich
Unser Bericht über die Top 250 von 2011: Größter ESC-Hit heißt “Lane moje”