Festival RTP da Canção 2012: Fado als Weltkulturerbe für Portugal zur Eurovision

Quer durch Europa führt am Samstag die Reise bei der Suche nach dem richtigen Beitrag zum Eurovision Song Contest  2012. Im hohen Norden suchen die Schweden ihren Beitrag, im Südosten steht Rumänien vor der Entscheidung. Und im äußersten Südwesten wählt Portugal sein Lied für den 57. Eurovision Song Contest 2012 in Baku, Aserbaidschan.

Nach dem revolutionär angehauchten Komik-Beitrag „A luta é alegria“ von der Gruppe Homens da Luta im letzten Jahr, der den Portugiesen nach drei mehr oder weniger erfolgreichen Finalteilnahmen einen 18. Platz im Halbfinale bescherte, setzt das Land der Seefahrer 2012 wieder auf Tradition. Der musikalische Nummer Eins Exportartikel des Landes wurde zum Thema des diesjährigen nationalen Wettbewerbs gewählt: Fado
Der Klagegesang, der in den Armenvierteln Lissabons seinen Ursprung fand, wurde 2011 in das immaterielle Weltkulturerbe der UNESCO aufgenommen. Amália Rodrigues prägte den Musikstil und nach ihrem Tod übernahm Dulce Pontes, die 1991 Achte mit „Lusitana paixão“ beim Grand Prix wurde, ihr Erbe.

12 Kandidaten wurden ausgewählt. Ihnen wurden wiederum Autorenteam zugeordnet, die sich um ein passendes Lied zum Thema bemühten. Das Ergebnis wird am Samstag im RTP Studio in Lissabon von Silvia Alberto, Joana Teles und Pedro Granger präsentiert.

Die ersten Proben sind gelaufen und man kann einen ersten Eindruck gewinnen. Auf einer runden Bühne mit LED Hintergrund zeigen sich die Künstler und haben zumeist neben einem Chor einen Gitarrenspieler, der die so typische „Guiterra Portuguesa“ erklingen lässt.

Hier nun die 12 Hoffnungsträger:

Nr. 1: Ricardo Soler „Gratia Plena“
Komponist Nuno Feist, Textdichter: Nuno Marques da Silva

Ricardo Soler begann seine Karriere bei der Casting Show „Operação Triunfo“ 2007. 2008 nahm er am nationalen Vorentscheid zum Grand Prix mit „Canção Pop“ und wurde Vierter. Anschließend war er in Musicals wie „West Side Story“ zu sehen.
Der Komponist Nuno Feist nahm 1985 zusammen mit seinem Bruder Henrique am Festival da Canção mit „Meia da Conversa“(Platz 3) teil. Zudem schrieb das Autorenteam 2007, 2008 und 2010 zum Wettbewerb.

„Gratia plena“ ist eine wachsende Ballade, die von einer guten Stimme dargebracht wird. Von 12 Punkten vergebe ich 9

 

Nr. 2: Pedro Macedo „Outono em forma de gente (So ein Fall von Mensch)“
Autorenteam: Pedro Marques, Daniela Varela, Jaime Oliveira

Unterstützt wird der junge Student, der sich vornehmlich mit Oper und Jazz beschäftigt und in einer Casting Box entdeckt wurde, von den Leuten rund um die Gruppe Flor-de-Lis, die 2009 in Moskau Portugal auf Platz 15 brachten.

Sein Lied wird geprägt von Tangoelementen. Nicht sehr überzeugend: 5 von 12 Punkten

 

Nr. 3: Tó Martins „Amanhã começa o meu futuro (Morgen beginnt meine Zukunft)“
Autor: Tozé Brito

Tó Martins wurde bei der Casting Show „Chuva das Estrelas (Soundmixshow)“ 1997 entdeckt. Er hat seine eigene Band und ein Soloalbum konnte er schon veröffentlichen. 2011 stand er auf der Bühne von „A voz de Portugal (The Voice)“ und erreichte die Duellphase.

Sein Autor Tozé Brito stand schon mehrfach auf der Eurovisionsbühne: 1978 in der Formation „Gemini“, mit der er 17. wurde. 1982 und 1985 schrieb er die portugiesischen Lieder und endete auf Platz 13 und 18. 1972 debütierte er beim nationalen Wettbewerb mit „Se quiseres ouvir cantar“ und 1979 sang er „Novo canto português“.

Der Beitrag hat Fadoanklänge, aber kommt eher wie ein Wiegenlied daher. Die Stimme ist etwas dünn. 4 von 12 Punkten.

 

Nr. 4: Gerson Santos „Redescobrir Portugal (Portugal wiederentdecken)“
Autor: Tozé Santos

Der gutaussehende Gerson wurde durch seine kurze Teilnahme an „Ídolos (DSDS)“ bekannt.

Der Autor Tozé Santos ist zum ersten Mal beim Song Contest. Er singt und komponiert normalerweise in der und für die Band Per7ume.

Das Lied ist ein Möchtegernpopsong, der nicht so recht von der Stelle kommt. 6 von 12 Punkten.

 

Nr. 5: Joana Leite „O amor é maior que a vida (Die Liebe ist größer als das Leben)“
Komponist: Tiago Pais Dias Textdichter: Mariza Liz

Joana Leite steht erst am Anfang ihrer Karriere. Auch sie nahm an der portugiesischen Version von „The Voice“ teil und endete in der Duellphase.

Der Komponist schreibt und produziert normalerweise für die erfolgreiche Gruppe Amor Electro. Die Frontfrau schrieb den Text des Liedes Nr. 5.

Der Song kommt sehr schwungvoll daher, aber Joanas Stimme geht mit ihrem Sprechgesang unter. Im weiteren Verlauf des Liedes neigt sie dazu zu schreien. 5 von 12 Punkten.

 

Nr. 6: Palmela Salvado „Fica a saudade (Es bleibt die Sehnsucht)“
Autor: Miguel Gameiro

Bis jetzt stand Palmela nur auf kleinen lokalen Bühnen. Für sie ist der portgiesische Vorentscheid der erste große Auftritt, sich einem breiten Publikum zu präsentieren.

Miguel Gameiro war früher Sänger der Gruppe Pólo Norte. Seit 2009 wandelt er aber auf Solopfaden. Sein bisher größter Erfolg: „Dá-me um abraço“

Endlich kommt das Wort zu Gehör, daß für den Fado so wichtig ist: Saudade. Viele sagen, man kann das Wort nicht übersetzen. Ein aufgepeppter Liedermachersong wird dargeboten: 7 von 12 Punkten.

 

Nr. 7: Cúmplice’s „Será o que será (Sei wie es ist)“
Autorenteam: Johnny J. Galvão und Rui Filipe Reis

Pedro Portas und Susana Gonçalves blicken schon auf eine lange Zusammenarbeit zurück. 2004 erschien ihr erstes Album.

Johnny Galvão schrieb für Bárbara Reis 1996 das Lied „A minha ilha“ zum nationalen Entscheid. 2001 sorgte er für die richtige Orchestrierung einiger Beiträge.

Orientiert am Fado der Rosa Negra kommt der Song wie ein schlecht gemachtes Remake von „Geh`die Strasse“ daher. Ein hektisches Hin -und Hergesinge: 2 von 12 Punkten.

 

Nr. 8: Arménio Pimenta „Um poema na bagagem (Ein Gedicht im Gepäck)“
Autor: Menito Ramos

Arménio sang in diversen Bands und ist durch Auftritte in „Jesus Christ Superstar“ und „Piaf“ musicalerprobt. Seinen jüngsten Erfolg landete er bei „A voz de Portugal (The Voice)“ wo er im Team von dem sehr erfolgreichen Sänger Paulo Gonzo landete und bis zu den Duellen kam.

Der Autor begann seine Karriere im Duo Tiago und Daniel. Mittlerweile ist er ein erfolgreicher Komponist, der für Künstler wie Beto Stücke schreibt.

Eine kraftvolle Stimme kombiniert mit einer pop-rockigen Ballade läßt musikalisch den Fado hinter sich. Gut dargebracht 8 von 12 Punkten.

 

Nr. 9. Carlos Costa „Queres que eu dance (Du möchtest, daß ich tanze)“
Autor: João Só

Ein Wuschelkopf, der durch seine feminine Art bei „Ídolos (DSDS)“ auffiel.

João Só ist als Leadsänger der Formation „João Só e Abandonados“ bekannt.

Der Song ist nix Halbes und nix Ganzes. Ein bißchen Disco-Sound. 4 von 12 Punkten.

 

Nr. 10 Vânia Osório „O mundo passa ( Die Welt dreht sich)“
Autor: Armando Teixeira

Die Künstlerin begann schon sehr früh mit Auftritten in Karaoke-Shows und gründete mit 14 ein eigenes Duo. Ihr Musikschaffen umfasst eine große Bandbreite. Vor allem der Reggae hat es ihr angetan. Ihr letzter Erfolg war das Erreichen der Duell-phase bei „A voz de Portugal“

Armando Teixeira ist Leadsänger der Rockformation „Balla“

„O mundo passa“ ist eine amerikanisch anmutende Ballade mit guter Stimme dargebracht. 7 von 12 Punkten.

 

Nr. 11: Rui Andrade „Amor a preto e branco (Liebe in schwarz und weiß“
Autorenteam: Miguel Majer und Inês Vaz

Letztes Jahr hatte Rui das Nachsehen. Dritter Platz für seine große Ballade „Em nome do amor“. Ihm wäre in Düsseldorf vielleicht mehr Erfolg beschieden gewesen.

Miguel Majer ist Komponist der Gruppe „Seda“. 2008 nahm er schon einmal am nationalen Wettbewerb teil mit Joana Melo und os „Lisboa não sejas francesa“ und dem Lied „Ponto de encontro“.

Kein typischer Fado, eher ein schwungvoll balladesker Song, der durch die Stimme von Rui Andrade lebt. Ihm sei der Sieg gegönnt. 11 von 12 Punkten.

 

Nr. 12: Filipa Sousa „Vida minha (Mein Leben)“
Komponist: Andrej Babic  Textdichter: Carlos Coelho

Filipa Sousa begann bei der Casting Show „Operação Triunfo“ 2007. In der Sendung „Nasci para o Fado ( Ich bin geboren für den Fado)“ gewann sie ihre ersten Kontakte zum Thema des diesjährigen Festivals.

Das Autorenteam, das für Jorge Fernando nachgerückt ist, prägt seit 2008 den nationalen Wettbewerb. Sie gewannen damals mit Vânia Fernandes und „Senhora do mar“ national und überzeugten in Belgrad mit Platz 2 im Halbfinale und Platz 13 im Finale. 2010 kam man national auf den zweiten Platz und letztes Jahr wurde man wieder zweiter aber dieses Mal vom Schluß aus gesehen.

Ein Klagelied ganz in der portugiesischen Tradition. Man fühlt sich gleich an „Senhora do mar“ erinnert, aber es besitzt nicht die Qualität dieses erfolgreichen Beitrages. 7 von 12 Punkten.

 
Diese zwölf Kandidaten werden zu 50 % von nationalen Juries, die in den Distrikten des Landes und auf Madeira und den Azoren sitzen, beurteilt, die anderen 50 % stellt das nationale Televotingergebnis.

Die Lieder werden in Dreierblöcken präsentiert. Dazwischen gibt es Interval-Acts zum Thema Fado.

Es wird hoffentlich ein erfolgreicher Abend für Portugal, denn Portugal ist das Land, das am längsten beim Grand Prix dabei ist, ohne auch nur einen Top 3 Platz ergattert zu haben.