Francesco Gabbani im PRINZ-Blog-Interview: „Nicht zu gewinnen, wäre schon ein wenig enttäuschend!“

Großer Andrang herrschte am vergangenen Samstag in Amsterdam am italienischen Tisch. Alle wollten ein Interview mit dem großen Favoriten Francesco Gabbani. Und jeder, der wollte, kam auch dran. Es gab beim italienischen Team überhaupt keine Allüren angesichts des Favoritenstatus, das ist in den vergangenen Jahren auch schon mal anders gewesen. Die PRINZ-Blogger Jan, Marc und Salman hatten die Gelegenheit, ein paar Minuten mit Francesco zu sprechen.

Ciao Francesco! Es ist ja keine übertriebene Behauptung, dass du der Top-Favorit auf den Sieg in Kiew bist. Hast du das so erwartet und fühlst du dich dadurch einem besonderen Druck ausgesetzt?

Nein, erwartet habe ich das sicher nicht. Auf der einen Seite freut mich das natürlich, auf der anderen Seite ist das dadurch aber auch mit einer gewissen Erwartungshaltung und einer Menge Verantwortung verbunden.

Wer hat die Erwartungshaltung? Du oder das italienische Publikum?

Sicher beide. Aber ich muss schon zugeben, dass ich schon ein wenig enttäuscht wäre, wenn es dann am Ende doch nicht der erste Platz werden sollte.

Du willst den Sieg also unbedingt?

So deutlich würde ich es nicht sagen wollen. Natürlich möchte ich in allererster Linie mit Euch allen eine schöne Zeit in Kiew verbringen und meine Musik präsentieren. Aber machen wir uns nichts vor – am Ende des Tages der ESC ist ein Wettbewerb. Und wenn man dort dann als Favorit nicht gewinnt, wäre doch jeder enttäuscht. Da bin ich ganz ehrlich.

Was ist aus deiner Sicht das besondere an deinem Song? Und wann hast du bemerkt, dass die Leute „Occidentali´s Karma“ lieben?

Ich glaube, da gibt es eine italienische und eine internationale Sichtweise. Den Sieg in San Remo erkläre ich mir so, dass die Mischung aus einer gewissen Leichtigkeit und dem sehr tiefgründigen Text mir sehr geholfen hat. Und irgendwie hat meinen Landsleuten wohl auch gefallen, wie wir den Song optisch rübergebracht haben.

Aus internationaler Sicht ist vermutlich der frische Sound der Schlüssel, denn die wenigsten Zuschauer werden ja unmittelbar verstehen könne, wovon ich singe.

Dein Song ist thematisch inspiriert durch das 50 Jahre alte Buch „Der nackte Affe“ von Desmond Morris. Kannst du uns noch einmal kurz erläutern?

Im Wesentlichen geht es um Menschen aus dem westlichen Kulturkreis, die oftmals auf eine sehr oberflächliche Art und Weise östliche Kulturkreise imitieren. Das nehme ich ein bisschen mit Augenzwinkern auf´s Korn. Aber am Ende des Tages sind wir doch alle nur „nackte Affen“, die im wesentlichen von ihren Instinkten gesteuert werden.

Vergangene Woche hast du Desmond Morris in England getroffen. Was hält der von deinem Song?

Das Treffen war für mich wirklich sehr beeindruckend. Und Mr. Morris hat gesagt, dass ihm der Song sehr gut gefällt und er mir die Daumen drückt.

Stand eigentlich jemals ernsthaft zur Debatte, den Song in Kiew auf Englisch zu präsentieren?

Wir haben das kurz überlegt, aber auch sofort wieder verworfen. Es wäre wohl auch schief gegangen, die eigentliche Bedeutung des Textes ohne inhaltliche Abstriche in eine andere Sprache zu übersetzen.

Italien hat ja zwischendurch viele Jahre lang nicht mehr beim ESC mitgemacht. Die Pause begann, als du noch ein Jugendlicher warst und der Wettbewerb ist in Italien ein wenig in Vergessenheit geraten. Hast du noch irgendwelche Erinnerungen an frühere Songs?

Ich kann mich tatsächlich noch an den Sieg von Toto Cutugno 1990 erinnern, da war ich sogar noch ein Kind. Danach habe ich den Wettbewerb aber überhaupt nicht verfolgt und bin erst im vergangenen Jahr wieder darauf aufmerksam geworden, als Francesca Michielin nach Stockholm gefahren ist – wir sind nämlich sehr gut miteinander befreundet. Ich habe auch keine Sekunde gezögert, als Sieger von San Remo für den ESC zuzusagen. Es ist doch wunderbar, wenn ich italienische Musik im Ausland präsentieren kann!

Heutzutage spielen ja die sozialen Medien eine immer größere Rolle. Ganz oft ist das ja auch mit Fake-News verbunden. Erzähl´ uns doch bitte mal, welche Fake-News über deine Person für dich besonders lustig waren?

Das war kurz nach San Remo, als eine italienische Klatsch-Zeitung schrieb, dass ich mich als schwul geoutet hätte. Sie haben sogar meinen angeblichen Lebensgefährten präsentiert. Der sah zwar ausgesprochen gut aus, aber ich muss euch leider sagen: An dieser ganzen Geschichte ist GAR NICHTS dran (lacht).

Wo wir gerade bei News und Fake-News sind. Hast du den Disput bezüglich der russischen Sängerin Yulia Samoylova verfolgt und was denkst du darüber?

Zu solchen politischen Themen möchte ich mich ehrlich gesagt nicht so gerne äußern.

Abschlussfrage: Falls du tatsächlich gewinnst – in welche italienische Stadt würdest du die ESC-Gemeinde 2018 am liebsten einladen?

Definitiv in meine Lieblingsstadt in Italien – nach Mailand!

Grazie mille für das Gespräch, Francesco. Wir sehen uns in Kiew und im nächsten Jahr in Bella Italia!