GENEALOGY für Armenien: Song und Video sind da

Armenien 2015 GENEALOGY complete

Was gab es für Diskussionen auf unserem Blog, als der Titel des armenischen Beitrags veröffentlicht wurde. Don’t deny (Verleugne nicht) sei ein politisches Machwerk, das gegen den Nachbarn Türkei adressiert sei und an den Genozid 1915 erinnern solle. Bisher waren das alles Spekulationen. Nun ist endlich auch das offizielle Video präsentiert und wir wissen, welcher Interpret aus Armenien die Gruppe vervollständigt.

GENEALOGY heißt die Gruppe, die eigens für den Contest zusammengestellt wurde, zu deutsch „Ahnenforschung“ oder „Familienforschung“. Was mit diesem Wort verbunden ist für die Armenier, kann man wohl als Europäer kaum verstehen. Genozid hin, Genozid her, was immer 1915 passiert sein mag: Die Folge war, die Armenier wanderten aus und flüchteten – so dass sie heute auf allen Kontinenten zu finden sind.

Die Delegationsleiterin Gohar Gasparian sagte, dass der offizielle Slogan „Building Bridges“ die Inspiration zu GENEALOGY gab. Das Ziel war, armenische Sänger und Sängerinnen auf allen Kontinenten zu finden und für dieses Projekt zusammenzuführen. Damit sie gemeinsam mit einem Künstler aus Armenien das kleine Land im Kaukasus vertreten.

Das Symbol der Blume steht mit ihren 5 Blüten für die Kontinente und der Stempel (Zentrum einer Blüte) symbolisiert Armenien als Ausgangspunkt aller Armenier auf der Erde. Im Laufe der vergangenen Wochen wurden nach und nach die Interpreten aus der Diaspora bekannt gegeben. Es sind:

Esai Altounian aus Frankreich:
Er sagte: „First of all I’m really proud to represent Armenia. To be a part of the Genealogy means something powerful to me. It is like being a link between the past and the future, a link between earth and sky.“

Esai Altounian Armenian 2015 GENEALOGY
Bisher war Esai in Armenien noch nicht sehr bekannt – trotz einiger musikalischer Projekte. Spätestens jetzt dürfte ihn so ziemlich jeder kennen. Esai ist auch Komponist, Schauspieler und Keyboarder.

Tamar Kaprelian aus den USA:
Ihr Kommentar zu GENEALOGY: „I am so excited to be joining a very talented group of artists to represent Armenia and America, and to share a positive message about peace and unity with the audiences.“

Tamar Kaprelian Armenien 2015 GENEALOGY

Sie wuchs in Kalifornien auf – da gibts eine Menge Armenier, insbesondere in L.A.

Vahe Tilbian aus Äthiopien:
„I know you will all continue to support and encourage me along this bridge building journey of 6 destinies with 1 story. Peace, Love and Music to you all.“

Vahe Tilbian Armenien 2015 GENEALOGY
Vahe Tilbian ist ein extrem vielseitiger Musiker. Sein Bandbreite reicht von Rock zu Techno, von Reggae zu RnB, von armenischer zu äthiopischer Musik – alles unterlegt mit ein wenig Latin. Außerdem soll er ein passionierter Tänzer sein.

Stephanie Topalian aus Japan:
Auf Facebook konnte man folgendes lesen: „Hey guys. So it’s me. Yes it’s me. I am the 4th artist of Genealogy for Eurovision 2015!!! I am so very honored to be a part of this. It is a dream for me to be able to represent both Armenia and Japan with something that I love to do. „Music“ and my „Roots“ are so precious to me.“

Sephanie Topalian Armenien 2015 GENEALOGY
Stephanie Topalian ist nicht nur Sängerin, sie schreibt auch ihre eigenen Songs und ist Schauspielerin. Sie wurde zwar in Kalifornien geboren, aber lebt zurzeit in Japan. Übrigens ist auch ihre Mutter Japanerin.

Mary-Jean O’Doherty Vasmatzian aus Australien:
„I am so thrilled and honoured to be the 5th member of Genealogy Music and representing Armenia for the Eurovision Song Contest 2015…“

Mary-Jean O’Doherty Vasmatzian Armenien 2015 GENEALOGY
Mary-Jean studierte Gesang und Tanz und ist vor allem inspiriert durch den berühmten Komponisten, Musikwissenschaftler und Priester Komitas.

So – nun kennen wir 5 der insgesamt 6 Band-Mitglieder. Wie gesagt, Nummer 6 wird heute bekannt gegeben. Gerüchte besagen, es sei eine der Schwestern Arshkajan, 2009 als Inga & Anush in Moskau beim ESC dabei. Einige bekundeten im Internet ihren Wunsch, Sirusho möge zurückkehren. Wir werden es bald wissen.

Eigentlich warte ich auf eine eigene Sendung, so wie letztes Jahr, aber ich merke gerade, es könnte auch einfach nur im Rahmen der Nachrichten bekannt gegeben werden. Nun kommt die Bestätigung: Es ist tatsächlich Inga Arshakyan.

Die verschiedenen Interpreten und Komponisten werden interviewt und bekunden dabei, dass sie sehr viel Spaß haben. Man stellt fest, man fühle sich schon ein wenig wie in einer Familie. Ferner werden schon die ersten Impressionen vom Video-Dreh gezeigt. Ich erkenne viel Kirche, viel Tradition und armenische Kleidung.

Noch hoffe ich, dass es eine eigene Sendung gibt, sonst ist es ja nicht wirklich ein Live-Blog heute Abend. Wie jedes Jahr verspätet sich alles.

Armenien 2015: GENEALOGY – Don’t deny

So – nun ist es auch im armenischen TV zu sehen.

Tja – was soll ich sagen…“Don’t deny“ beginnt als Ballade und steigert sich zu einer Art Rock-Pop-Hymne. Sehr dramatisch inszeniert und sicher toll gesungen. Entscheidend in Wien wird die Inszenierung sein.

Ich bin hin und her gerissen, ob es mir gefällt. Es ist doch ein wenig kitschig. Was mir gefällt, wie im Video die Verbindung der Generationen dargestellt wird. Die Großfamilie am Anfang, die mit der Zeit immer kleiner wird – am Schluss sitzen dann die heutigen Sänger von GENEALOGY am selben Platz. Dennoch bin ich ziemlich sicher, dass „Don’t deny“ kein Sieger in Wien wird. Spätestens seit 2014 wissen wir ja (Aram Mp3), ein grandioses Video macht noch keinen Sieger.

Ich bin gespannt auf die Reaktionen aus Armenien, aber auch aus den USA, wo ich Kontakte zu Armeniern habe. Ich habe mir das Lied noch mal mit geschlossenen Augen angehört und mich nicht ablenken lassen. Ich komme zu folgendem Schluss:

Ja – es ist ein wenig kitschig, aber ich stehe auf Hymnen und fand auch Six4One damals gut. Ein wenig hat „Don’t deny“ auch das Strickmuster von Ralph Siegel. Nur etwas rockiger am Ende. Trotz der großartigen Stimmen, einen Sieger sehe ich hier nicht, weil es grundsätzlich schwer ist für eine 6er-Kombo, sich entsprechend zu präsentieren. Sieht man ja auch an den vergangenen Siegern. Abgesehen davon sehe ich eine Hymne nicht als Liebling der Zuschauer.

Außerdem glaube ich auch nicht, dass Armenien disqualifiziert werden könnte, zumindest nicht wegen möglicher politischer Aussagen im Text. Was immer prophezeit oder auch befürchtet wurde – es trat nicht ein. Soweit ich das interpretieren kann, sehe ich keine politischen Aussagen. Was meint ihr?

We find so many ways of fooling our heart
Playing too many games, trying to hide
When you follow your dream, surrender the sorrow inside
Face every shadow you deny

Feels like so many times life was unfair
Will you run and forget all the despair?
If it’s breaking you down, remember the power inside
Face every shadow you deny

Time is ticking and you keep thinking
That you are tricking your heart

So don’t deny
Ever, don’t deny
Baby, don’t deny
You and I

Across the ocean of blues happy you’ll be
Once you’ve risen you are meant to be free
When you’re feeling afraid remember there’s hope inside
Face every shadow purified

Time is ticking and you keep thinking
(Time is ticking, thinking)
That you are tricking your heart

So don’t deny
Ever, don’t deny
Listen, don’t deny (I don’t want you to deny)
You and I

Don’t deny
Ever, don’t deny
Listen, don’t deny (Listen)
Don’t deny you and I

Bildschirmfoto 2015-03-12 um 21.12.39

Insofern werde ich wie jedes Jahr die Daumen halten, hoffen, dass die Armenier den Kelch nach Hause tragen. Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

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Pari Kisher aus Hamburg, euer Armen