Glen Vella im PRINZ-Blog-Interview: „Eine Ballade kann ich auch mit 50 noch singen“

Glen Vella Interview2011 trat er mit „One Life“ in Düsseldorf an, doch es fehlte ein Punkt für den Einzug ins Finale des Eurovision Song Contest. Jetzt will Glen Vella wieder zum ESC: Für Wien hat er im maltesischen Vorentscheid den Uptempo-Song „Breakaway“ im Feuer. Wir haben am Rand der Proben in Malta uns mit ihm unterhalten: darüber, was er seit Düsseldorf so gemacht hat und ob es leichter ist, Balladen oder schnelle Popsongs zu singen.

PRINZ Blog: Glen, jetzt sind schon wieder mehr als drei Jahre vergangen, seit du beim Eurovision Song Contest in Düsseldorf warst. Als Deutscher muss ich natürlich erst mal fragen: Was sind deine Erinnerungen an den ESC in Deutschland?

Glen Vella: Wirklich schöne Erinnerungen. Es war eine großartige, positive Erfahrung beim ESC in Düsseldorf. Das war auch der Grund, warum ich jetzt wieder beim Vorentscheid mitmache.

PRINZ Blog: Warum gerade jetzt, für den ESC vier Jahre nach Düsseldorf?

Glen Vella: Der Song gab den Ausschlag. Kevin Borg und Simon Gribbe – die Autoren von „Breakaway“ – schickten mir das Lied und ich habe mich sofort darin verliebt. „Breakaway“, das bin ich. Ich habe mir sofort vorgestellt, wie ich den Song auf der Bühne performe, wie ich herumspringe und die Leute unterhalte. Das macht mir einfach Spaß, und „Breakaway“ passt perfekt zu mir. Der Song macht die Leute fröhlich. Also habe ich sofort gesagt: „Ja, lasst uns das Lied aufnehmen.“ Wir hatten nur fünf Tage dafür, und dann musste das Lied ja noch gemixt werden usw. Aber wir haben es rechtzeitig geschafft, ihn einzureichen – und hier bin ich. (lacht)

Kevin Borg, Glen Vella, Malta Eurovision Song Contest 2015
Glen Vella mit Kevin Borg

PRINZ Blog: Kevin Borg ist ja aus Malta, ihn kennst du ja sicher schon lange…

Glen Vella: Ja, klar.

PRINZ Blog: … aber Simon Gribbe ist aus Schweden. Wie kam es zu der maltesisch-schwedischen Zusammenarbeit?

Glen Vella: Kevin Borg wohnt in Schweden, er und Simon arbeiten schon länger zusammen. Und Kevin und ich haben auch schon länger gesagt, wir sollten mal musikalisch etwas zusammen machen. Jetzt ergab sich die Gelegenheit, und durch Kevin habe ich Simon kennen gelernt.

PRINZ Blog: Hast du das Lied hier in Malta aufgenommen?

Glen Vella: Nein, ich bin dafür nach Schweden geflogen. Ich habe dann auch in Eskilstuna ein kleines Konzert gegeben.

Glen Vella: Breakaway

PRINZ Blog: Erzähl uns ein bisschen, was du seit Düsseldorf gemacht hast.

Glen Vella: Bei den Malta Music Awards habe ich mehrere Preise für „One Life“ gewonnen. Ich war danach in TV-Shows und habe neue Musik aufgenommen und Singles veröffentlicht. Und ich unterrichte ja auch und hatte viel zu tun mit meinen Schülern. Zwischendurch habe ich mich mehr darauf konzentriert und dazwischen auch wieder Musik gemacht. Außerdem habe ich ein Projekt namens „Vocal Troupes“ gestartet. Da unterrichte ich Gruppen mit zwölf Sängern. Da geht es um Techniken, mit denen man als Gruppe gemeinsam harmoniert. Denn das ist ja anders, als wenn man alleine singt. Ich liebe das Projekt, es macht viel Spaß. Und zudem bin ich ja Gründer und Mitglied des Animae Gospel Choir, und da haben wir eine Show konzipiert und Konzerte gegeben mit Soulmusik. Und in den Eurovision-Vorentscheid war ich in der Zwischenzeit ja trotzdem involviert, wenn auch auf andere Weise. Ich habe Franklin gecoacht, der im Februar dabei war und auch jetzt wieder.

PRINZ Blog: Ich habe gelesen, dass du auch Hauptrollen in mehreren Musicals gespielt hast…

Glen Vella: Ja, aber das war in der Zeit vor dem ESC 2011. In den letzten drei Jahren habe ich keine Musicals mehr gemacht. Musicals waren damals ein Experiment für mich, ich wollte ausprobieren, worauf ich Lust habe. Aber jetzt konzentriere ich mich darauf, zu singen und Konzerte zu geben.

PRINZ Blog: Musicals ist auch etwas Anderes, weil man ja nicht nur singt…

Glen Vella: Ja, genau, man muss auch schauspielern. Ich kann das, aber ich fühle mich da nicht so wohl wie wenn ich bei Festivals auftrete.

Glen Vella und Matthias, Malta Eurovision Song Contest 2015

PRINZ Blog: In welchen Musicals warst du dabei?

Glen Vella: Ach, das waren einige… Jesus Christ Superstar, Abbamania, Godspell, ein paar maltesische Musicals. Zum Beispiel Jesus von Nazareth auf Maltesisch. Hmm… mehr fallen mir gerade nicht ein, ist schon so lange her.

PRINZ Blog: Kann man in Malta als Musiker allein davon leben?

Glen Vella: Das ist sehr hart, nur Musik zu machen und von Gigs zu leben. Fast unmöglich. Ich habe das Glück, dass ich auch in meinem anderen Job als Lehrer Musik mache und unterrichte, Stimmunterricht gebe. Es ist toll, dass beides, was ich mache, mit Musik zu tun hat. Ich spiele Gigs, ich unterrichte… es geht immer um Musik, aber eben nicht immer auf der Bühne.

PRINZ Blog: Dein Lied „Breakaway“ für 2015 ist wieder voller Energie, wie schon „One Life“ vor drei Jahren.

Glen Vella: „Breakaway“ ist sogar noch energischer, ich liebe den Song. Voller Energie – das bin ich.

PRINZ Blog: Also weniger ein Balladensänger?

Glen Vella: Ich liebe auch Balladen, und ab und zu singe ich auch mal eine. Und dann sagen viele Leute: Du solltest mehr Balladen singen und mal mit einer Ballade mitmachen. Aber in Shows wie Eurovision und in meinem Alter – ich bin 31 – darf ich doch sehr gut mit einem Upbeat-Song antreten, oder? Okay, ich bin keine 20 mehr, aber ich bin immer noch jung und will die Energie, die in mir steckt, auf die Zuschauer übertragen. Ich kann immer noch eine Ballade singen, wenn ich mit 50 vielleicht wieder zum ESC fahre. Dann sehe ich mich nicht mehr mit einem Lied wie „Breakaway“ auf der Bühne. Aber jetzt passt das. Das Leben besteht eben aus verschiedenen Phasen.

PRINZ Blog: Interessant ist ja, dass du selbst einen Uptempo-Song singst und daneben Franklin coachst, der die Ballade „Still here“ singt…

Glen Vella: Coaching ist natürlich was anderes als selbst zu singen. Da arbeite ich mit dem Sänger je nach seinen Stärken. Ich glaube, Franklins Stärken sind seine Stimme und sein Stimmumfang bei Balladen.

Franklin: Still here

PRINZ Blog: Ist es einfacher, einen Uptempo-Song zu singen? Da passiert auch neben dem Gesang viel auf der Bühne, man springt herum usw., während bei einer Ballade meist nur wenig passiert und die Stimme im Fokus steht.

Glen Vella: Das hängt stark vom Song ab. Es gibt einfache Balladen und einfache Dancesongs. Und es gibt ebenso schwierige Balladen und schwierig zu singende Uptempo-Songs. Das hängt von der Melodie ab. Ich glaube, man kann das nicht so einfach trennen und sagen: Balladen sind schwierig, Dancesongs sind leicht.

PRINZ Blog: Du hast bereits den Animae Gospel Choir erwähnt. Du bist am Samstag mit dem Chor im Junior Eurovision Song Contest aufgetreten, im Interval Act zusammen mit Vorjahressiegerin Gaia Cauchi. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

Glen Vella: Ich war ja ohnehin involviert in die Musik für den JESC, und es war klar, dass Gaia auch auftreten würde. Und als das Lied feststand, das sie singen würde, und wir ein paar Gospel-Harmonien mit ihr übten, meinte Gordon, der Producer der Show, der Gospel Choir könnte doch zusammen mit Gaia auftreten. Eine sehr schöne Idee, es hat Spaß gemacht.

Gaia & Animae Gospel Choir: Interval Act, Junior Eurovision Song Contest 2014

PRINZ Blog: Wie lange gibt es den Chor schon?

Glen Vella: Wir sind jetzt im siebten Jahr. Wir waren auch schon in England und Italien und haben Konzerte gegeben. Das ist eine großartige Sache. Es ist wirklich schön, mit 20 Leuten auf der Bühne zu stehen und gemeinsam zu singen, mit schönen Harmonien und so. Das ist echt toll. Und viele im Chor sind ja bekannte maltesische Sänger, das macht das ganze noch bemerkenswerter.

PRINZ Blog: Wer singt sonst noch so im Chor?

Glen Vella: Zum Beispiel vom jetzigen Vorentscheid sind Gianlucas Schwester Dorothy Bezzina und Amber im Chor.

PRINZ Blog: Gegen die du jetzt im Vorentscheid kämpfst.

Glen Vella: Ja, sicher, es ist ein Wettbewerb und wir konkurrieren, und sicher will jeder gewinnen. Aber es ist nicht so, dass man sich gegenseitig attackiert oder so…

PRINZ Blog: Aber in einem kleinen Land wie Malta kennt ja jeder jeden. Da ist es sicher ein merkwürdiges Gefühl, wenn man gegen diejenigen konkurriert, mit denen man befreundet ist oder die man eben gut kennt. Oder betrachtet man das ganze wie ein großes Konzert?

Glen Vella: Das Gefühl von Konkurrenz wird sicherlich aufkommen. Es ist kein gemeinsamer Auftritt, es ist ein Wettbewerb – aber eben ein freundschaftlicher. Man wünscht sich gegenseitig nichts Böses. Ich will ja auch, dass die, mit denen ich befreundet bin, ihr Bestes geben und Erfolg haben – zum Beispiel Franklin, Amber oder Dorothy. Sie sind mit genauso viel Herzblut dabei wie ich und proben hart, und ich wünsche ihnen das Beste. Aber am Ende ist es natürlich ein Wettbewerb. Du gibst dein Bestes, und der Rest liegt dann in den Händen der Jurys und der Televoter.

PRINZ Blog: Und falls Franklin gewinnen sollte, wärst du dann ja wohl auch selber in Wien dabei….

Glen Vella: O mein Gott – das wäre fantastisch. Das wäre so, als ob ich selbst gewonnen hätte! Ehrlich!!

PRINZ Blog: Trotzdem wünschen wir dir natürlich viel Erfolg am Freitag und Samstag!

Glen Vella: Vielen Dank. Und danke für das Interview!

Glen Vella: One life (Eurovision Song Contest 2011)