Glosse: Macht die Eurovisions-Jury doch einfach zur Prinz-Blog-Jury!

Die ESC-Vorentscheid-Saison ist gestartet – und wir alle dürfen mitmachen und uns beim NDR für die Eurovisions-Jury bewerben (im Aufmacherbild der engbestuhlte, hintere Teil). Viel Geld wird also wieder eingesetzt, um den deutschen ESC-Vertreter zu finden. Dabei könnte es eine Prinz-Blog-Jury schneller, billiger und vermutlich genauso erfolgreich machen – Champagner für alle inklusive.

Dieses Kribbeln im Bauch … will sich dieses Jahr einfach nicht einstellen. Liegt es an der Hitze oder ist wieder aufgewärmt eben doch nicht so spannend wie das erste Mal? Der NDR hat zur Eurovisions-Jury-Mitglieds-Jagd geblasen und alle Fans sollen folgen. Viele haben auch schon mitgemacht und den Screening-Fragebogen ausgefüllt. Aber der Hype in der Blase ist bisher ausgeblieben. Vielmehr: Sommerloch-Business as usual.

Dabei könnte es jetzt so schon schön hoch hergehen – wenn man die Fans einfach machen ließe. Hier auf dem Prinz ESC-Blog zum Beispiel. Was wurden hier schon für Künstler-Ideen gesponnen und hochgejazzt! Mit Ryk hat es ein solcher Kandidat im letzten Jahr doch tatsächlich in den deutschen Vorentscheid geschafft. Zufallstreffer oder einfach die Macht der Experten-Mehrheit? Vermutlich beides.

Denn wer sitzt da eigentlich im Eurovisions-Panel? Der Fußball-Fan, der Zeit-Leser oder Oma Erna? Womöglich alle drei – vereint in einer Person, die sich dann aber nicht nur für Musik, sondern auch für den ESC begeistern können muss. Denn das muss man wohl, wenn man nicht nur den Auswahlfragebogen ausfüllt, sondern sich in der Folge über Stunden und Tage für den Auswahlprozess aufopfern will.

Und wo findet man solch engagierte Leute? Genau, hier auf dem Prinz ESC-Blog. Insofern überrascht es kaum, dass bereits im letzten Jahr einige unserer Leser Mitglied der Eurovisions-Jury waren. Vielleicht entspricht nicht jeder einzelne Leser den Ansprüchen des NDR für Jury. Der Autor dieses Textes zum Beispiel hat diesbezüglich sich selbst gegenüber die größten Zweifel. Wer will schon einen Vorentscheid ausschließlich mit Happy-Sound-Tunes oder spanischen Power-Balladen und schönen Menschen, die sich choreografiert bewegen können?! Aber: die Masse macht’s. Die Weisheit der Vielen.

Dass die vielen Blogleser über diese Weisheit in Bezug auf den ESC verfügen, haben sie in der Vergangenheit immer wieder unter Beweis gestellt. Beim deutschen Vorentscheid etwa, bei diversen Tippspielen. You name it. Und das Beste: Diese ganze Weisheit kostet keinen Cent.

Während der NDR nun in das zweite beratungs- und (höchst wahrscheinlich) kostenintensive Jahr mit Simon Kucher geht, könnte er das ganze Wissen für lau haben. Vielleicht hier noch eine*n Projektmanager*in, da noch eine*n Assistent*in – und schwups, haben wir den besten deutschen Vorentscheid seit 2001. Selbst die hochgelobten französischen ESC-TV-Verantwortlichen würden in völliger Schockstarre über den Rhein schauen, wie hier der nächste ESC-Sieger geformt und gekürt wird.

Das Dumme daran wäre, dass mit dem Wissen der Blogleser um die eigene Relevanz und Verantwortung auch Ansprüche entstehen könnten, womöglich gar Neid und Missgunst. Dem müsste vorgebeugt werden. Marie Antoinette würde in ähnlicher Situation womöglich Kuchen vorschlagen, was natürlich hervorragend zu diesem Blog passen würde. Ich plädiere aber für Champagner. Und zwar für alle.

Billiger als die ganze Simon-Kucher-Beratung dürfte das trotzdem werden – erst recht dann, wenn jedes deutsche ESC-Fanclub-Treffen als jeweils eine Runde des deutschen ESC-Vorentscheids zelebriert würde. Dann könnte das Wirtshaus an der Isar zum Beispiel durch die Rudi-Sedlmayer-Halle ersetzt werden und das Eurovision Weekend Berlin in der Arena Berlin stattfinden. Und trotzdem würden die Vereinskassen geschont und die Stimmung der Beteiligten (ich erwähnte bereits den Champagner) deutlich steigen. Win-Win!

Im Zweifel bleibt auch noch eine Magnumflasche über für die KEF, die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der öffentlich-rechtlichen Sender. Wir wollen doch nicht, dass irgendein Erbsenzähler uns die Vorentscheid-Party kaputt macht. Und wenn wir dann erstmal in Israel ESC-Sieger sind, fragt ohnehin keiner mehr danach, wo das Geld vorher hingeflossen ist.