Live-Blog ESC 2018: 2. Semi. Wer kommt ins Finale?

Eigentlich ist es ja ganz einfach, wer sich heute Abend beim 2. Halbfinale des Eurovision Song Contest für das Grand Final am Samstag qualifiziert. Doch andererseits: Wie sicher sind Australien, die Niederlande und Polen wirklich? Schafft Russland den Einzug? Wer wird überraschen? Womöglich die georgischen Herren auf dem Aufmacherfoto?

Wir bloggen heute Abend live das 2. Semi. Ihr könnt die Show mit dem Kommentar von Peter Urban auf dem Fernsehsender ONE verfolgen. Auch Eurovision.de. bietet einen Stream an. Über Eurovision.tv bzw. auf YouTube gibt’s die Show ohne deutschen Kommentar. Und wer sich an Sanna Nielsens Stimme nicht satthören kann, der wählt den Stream auf svtplay.se, wo sie zusammen mit Edvard af Sillén kommentiert – allerdings auf Schwedisch. Wer sich für einen russischen oder chinesischen Stream entscheidet, könnte das Endergebnis erst zeitversetzt erfahren, möglicherweise um einige Highlights der Show beraubt werden und Teile der Show nur verschwommen sehen. Aber keine Angst: Die flachen Witze der Moderatorinnen wird schon niemand rausschneiden.

Guten Abend aus Hamburg-Hohenfelde. Es melden sich die Blogger Peter, WM und Douze Points sowie der dem Blog sehr zugewandte und verbundene, langjährige ESC-Mitstreiter und ehemaliger Hanse-Grand-Prix-Sieger Harald. Noch läuft irgendwelche Comedy auf ONE. Wir sind bereit.

So, jetzt geht’s gleich los. Wir haben noch kurz Jamie-Lees diesjährige Top 10 gesehen. Bei ihr siegt Ungarn. Ob das heute auch so ist?

Peter Urban meldet sich aus Lissabon. Die Show beginnt wieder mit demselben Film vom 1. Semi mit den Sounds aus Lissabon. Das nenne ich mal budgetbewusstes TV. Vielleicht sind die schlimmen Witze und Sketche der Moderatorinnen auch dieselben wie am Dienstag? Dann flippe ich aus.

Unsere vier Desperate Housewives aka Moderatorinnen haben neue Kleider an und erklären uns den Ablauf des Abends. Wow, heute kommt der 1.500. ESC-Beitrag. Und es ist … Alexander Rybak.

1. Norwegen: Alexander Rybak – That’s How Your Write Song

Alexander ist schon eine Rampensau und weiß mit der Kamera zu spielen. Das Schibidubidapdap finde ich gaaaaanz schlimm. Wir stellen wieder einmal fest, dass es zu wenige musikalische Elemente in dem Lied für die 3 Minuten gibt. Aber dafür gibt’s eine große Show. Boah, ist das am Ende redundant.

Wir geben 23 von 40 Punkten

2. Rumänien: The Humans – Goodbye

Das Puppen-/Maskentheater am Anfang ist etwas irritierend. Wenn man sich überlegt, dass Rumänien letztes Jahr noch gejodelt hat… Wir kommen – vermutlich wegen Langeweile – auf die schwedische Serie zu sprechen, die ebenfalls „Humans“ heißt. Und wir reden über das Carpaccio und das Tatar, das frisch aus dem Gallo Nero in Winterhude hier gerade auf dem Tisch steht. Schöner Gesang und gute Töne. Aber sooo langweilig.

11 von 40 Punkten (das ist schlechter als Weißrussland am Dienstag)

3. Serbien: Sanja Ilic & Balkanika – Nova Deca

Der Flötenschlumpf eröffnet und Sanja übernimmt – oder ist Sanja der Flötenschlumpf? Am Anfang spannender als Rumänien, kommt dann aber auch nicht in die Gänge. Bis der Mann übernimmt und uns das liefert, was wir seit 20 Jahren vom Balkan kennen. Der Rhythmus ändert sich und wir haben das dritte Lied in einem beginnt. Der Trommler arbeitet schön. Und schon ist der Positionstanz zu Ende.

22 von 40 Punkten

4. San Marino: Jessika feat. Jenifer Brening – Who We Are

Jessika wirkt in ihrem roten Kleid ganz sympathisch. Der Rap-Teil von Jennifer erinnert vom Outfit und Gesang entfernt an Mekado. Der Computer sagt „Size doesn’t matter“. Wir fragen uns, was die Interaktion zwischen Jessika und dem Computer soll. The computer says: „no“.

7 von 40 Punkten (ein neuer Negativ-Rekord, das war keine Absicht)

5. Dänemark: Rasmussen – Higher Ground

Großer Jubel des Publikums beim Erscheinen von Rasmussen. Laut WM hat er aber in seiner ersten Liedzeile keinen Ton getroffen. Harald findet, dass das davon kommt, wenn man Schminkkurse belegt, statt Gesangskurse. Wir sind uns sicher, dass das hinter Michael Schulte landen wird. Uns fehlt bei Rasmussen ein bisschen der Pepp. Es ist stimmlich schwach. Ja, gib uns den Mittelaltertanz. Hier kommt auch Schnee? Oder war der noch von Irland über. Die weiße Fahne weht – sie ergeben sich.

16 von 40 Punkten

Unsere Punkte sind substanziell niedriger als beim ersten Semi.

6. Russland: Julia Samoylova – I Won’t Break

Julia beginnt mit geschlossenen Augen. Den Anfang scheint sie allein zu singen – oder singt sie jetzt doch gar nichts selbst? Harald begrüßt, dass der Chor zu sehen ist – er ist ja auch nicht zu überhören. Der Ausdruckstanz ist eher schwierig. Das lilafarbene Kleid lässt an „den letzten Versuch“ denken – zumindest ist es der zweite ESC-Anlauf. Großes Finale mit roter Bühne.

8 von 40 Punkten (einer mehr als San Marino)

Schalte in den Green-Room. Alexander Rybak verkauft sich sympathisch. Dann spricht die Moderatorin mit dem Computer aus San Marino. Er sagt nicht „no“. Peter Urban hat über den Witz der Moderatorin mit den Dänen gelacht. Wenigstens einer.

7. Moldawien: DoReDos – My Lucky Day

„Genial“-Rufe ertönen. Was für eine Show. Man will nichts verpassen. „Tratsch im Treppenhaus“ meets „When Bodytalk is magic“. Da achtet keiner mehr auf den hohlen Text – und versteht trotzdem die Story. Perfekt gelöst, Moldawien. Und das landestypische große Finale. Super.

38 von 40 Punkten (WM gibt 8)

WE LOVE IT!

8. Niederlande: Waylon – Outlaw in ‚Em

Gutes Intro mit den Gitarrenriffs. Und das sage ich, der das Lied hasst. Das Outfit von Waylon ist jetzt auch nicht so schlimm, wie befürchtet. Wir finden den Rumzucktanz schwierig, es macht den Song aber nicht komplett unmöglich. Deswegen würde man im Zweifel trotzdem für das Lied anrufen. Waylon als solcher ist schon charismatisch.

18 von 40 Punkten

9. Australien: Jessica Mauboy – We Got Love

Hat sich Jessica die Haare nicht gemacht? Sie wirkt sehr nervös und versammelt einige Töne oder sie singt gesamt zu tief. Zum Pre-Chorus fängt sie sich. Leichter Mitwippfaktor, aber es ist nicht so richtig dynamisch. Sie hält das Mikro ins Publikum? Das ist doch nicht der Euro Fan Club! Sie wirkt am Ende ziemlich außer Atem. Oj, oj, oj. Schöngesang ist das nicht.

23 von 40 Punkten

10. Georgien: Iriao – For You

WM und Peter sind große Fans von dem Lied. Sagen sie vorher. Zum weihnachtlichen Auftakt am Bildschirm wische ich mir den Mund mit der „Let it snow“-Serviette ab. Wir haben Final-Vibes. Gerade nach dem australischen Beitrag davor ist das optimal platziert. Da hat es fast etwas beruhigendes. Erstaunlich schön. Ist das ein Sleeper, der gerade erwacht? Respekt!

36 von 40 Punkte (damit ist das Platz 2 nach Moldawien)

11. Polen: Gromee feat. Lukas Meijer – Light Me Up

Sehr langes Intro. Und Lukas wirkt nicht wirklich sympathisch. Nach 2 Stunden kommt dann mal ein bisschen Disco-Sound. Das Getanze von Gromee ist ein bisschen affig. Die Aktivierung des Publikums funktioniert am Ende doch noch einigermaßen. Trotzdem wissen wir nicht so recht. Da muss wohl die polnische Diaspora ran.

19 von 40 Punkten

12. Malta: Christabelle – Taboo

Wir unterhalten uns über die Wettquoten. Harald fühlt sich von Christabelle etwas gequält. Trotz der ganzen Bühnenaufbauten sind wir abgelenkt – und zwar nicht nur vom Lied, sondern auch vom Auftritt. Wir werden nicht wirklich erreicht. Peter Urban hat recht: Thomas G:son hat schon bessere Songs geschrieben.

7 von 40 Punkten

Schalte in den Green Room. Die Russin wird interviewt, dann die Polen und Jessica Mauboy. Sie bekommt eine Nata gereicht. Was Leichtes zum Abend. Jetzt kriegen alles eine Pasteis de Nata. Naja, wenn keine Eiscreme verfügbar ist, hilft das auch zum Trost, wenn man es nicht ins Finale schafft.

13. Ungarn: AWS – Viszlát Nyár

Jetzt kommt mal Action in die Bude. Der Sound scheint sehr zu hallen. Es sollte ihnen hoffentlich nicht schaden. Wenn man das Lied anders arrangiert, könnte es auch Kikki Danielson singen. Aber so ist es natürlich geiler. Schöne Flammen. Gute Bilder. Stage Diving des Bassisten. Goooo!

29 von 40 Punkten

14. Lettland: Laura Rizzotto – Funny Girl

Franka reloaded. Nur dass Franka sympathischer wirkte. Und hier ist alles rot. Ich persönlich finde die Hotpans etwas billig. Laura füllt die Bühne allein besser aus als Jessica Mauboy – und trotzdem dürfte es fürs Finale nicht reichen. Jetzt kommt noch eine Lena Ph-Mikrostativ-Choreo. Das Lied ist aber ziemlich egal.

15 von 40 Punkten (10 davon von Peter)

15. Schweden: Benjamin Ingrosso – Dance You Off

Geiler rot-blau Effekt zum Einstieg. Die Röhren funktionieren. Perfekte Choreografie für so ein Solarium. Wir diskutieren die exakten Verwandtschaftsverhältnisse von Benjamin zu Charlotte Perrelli (die angeheiratete Frau des Bruders seines Vaters). Man hört heute seine Stimme schon deutlich. Nach hinten raus plätschert das Lied ziemlich vor sich hin. Michael-Jackson-Pose zum Abschluss.

29 von 40 Punkten (10 davon von Peter)

16. Montenegro: Vanja Radovanovic – Inje

Also dieses asymmetrische Outfit geht gar nicht. Vanja wirkt nicht wirklich zerbrechlich, sondern eher aufgesetzt und nicht halb so sicher wie zuvor der Schwede. Das Finale des Auftritts wirkt eher wie eine Schulaufführung. Zejlko Joksimovic ist meilenweit entfernt. Ein leidender Schlusston.

12 von 40 Punkte

17. Slowenien: Lea Sirk – Hvala, Ne!

Schönes erstes Bild mit den Tänzerinnen, die sich zackig bewegen. Dann setzt der monotone Beat ein. Mit dem melodischen Pre-Chorus kriegt sie mich vorübergehend. Der Refrain ist dann aber wieder abtörnend. Zum Teil wirklich schöne Choreo-Ansätze. Der geplante Aussetzer wirkt etwas aufgesetzt. Harald hat er gefallen.

16 von 40 Punkte

18. Ukraine: Mélovin – Under the Ladder

Melovin wird aus dem Klavier-Sarg hochgefahren. Herrlich und überraschend. Die Linse im Auge macht ihn nicht nahbarer. Harald: Das ist ein Albtraum. Brennende Stufen, statt brennendes Klavier. WM fasst es zusammen: Es ist von allem zu viel, nur vom Lied ist es zu wenig. Man soll übrigens nie unter der Leiter durchgehen. Naja, wenn man als Hobby das Komponieren von Parfüm hat…

12 von 40 Punte

Schnelldurchlauf. Wir sind abgelenkt, weil wir heute auch voten dürfen. Ich höre 07 und 10 und 14 als Nummern durch den Raum schwirren. Und die 13.

Dann folgt eine neue Version aus der Eurovision-Enzyklopädie (Esclopedia). Oder ist es dieselbe Fassung von Dienstag? Man kommt so schnell durcheinander.

Oh, die Moderatorinnen müssen tanzen – zu Eurovisions-Melodien. Zum Teil werden sie dabei von Tänzern und Tänzerinnen unterstützt. Unterhaltsam, aber halt Schuldisco. Herrlich auch mit Riverdance. Zurück ins Jahr 1994. Soooo viel besser als die Sketche am Dienstag.

Weiterer Schnelldurchlauf. Der russische Ausschnitt ist wirklich schlimm mit den laaaaangen Tönen.

Neben-Info: Deutschland auf Platz 7 bei den Wettquoten auf Sieg. Rybak hat offenbar nicht überzeugt. Der ist seit Beginn der Show von 2 auf 6 gefallen.

Das Voting ist beendet. Eine MAZ mit Outtakes, wie die ESC-Künstler durch die Türen in den Einspielfilmen kommen und andere Sache, die schiefgegangen sind. Ganz amüsant. 12 Punkte von Peter. Das könnten sie jedes Jahr machen.

Dann aber doch eine neue Folge von David Attenberger über die Marotten der Portugiesen. Nicht lustig.

MAZ mit einem Rückblick darauf, wie ESC-Songs die Geschichte begleiten. Für die Portugiesen war es 1974 der Song „E depois do adeus“. Dieses Lied wurde als Auslöser für die Nelken-Revolution genutzt. Nice.

Schalte ins Publikum… und dann geht’s zu den Big5. Die Frau von Madame Monsieur singt für ihren Mann den Vorjahressieger auf Portugiesisch. Dann wird der Auftritt der beiden von der Probe als Ausschnitt gezeigt.

Und weiter geht’s mit Michael Schulte – origineller schwarzer Pulli. Er berichtet, dass er Ende August Vater wird. Sehr gut. Und es wird ein Junge werden. Dann singt er kurz „Fly on the Wings of Love“ und ab geht die MAZ von „You Let Me Walk Alone“. Der Ausschnitt war aber ungünstig gewählt. Beim Finale sollte das ein Teil vom Ende sein.

Dann die beiden Italiener. Sie und das Publikum werden genötigt, gemeinsam „Volare“ zu singen. Bei ihrem Probenauftrittausschnitt sind die Texteinblendungen dabei. Finde ich nicht so gelungen. Und auch ein komischer Ausschnitt, der nicht wirklich berührt.

Jetzt kommen die Qualifikanten. Nach Jan Ole Sand. Er gibt den Weg frei für:

Serbien (erste Überraschung)

Moldawien (yeah!)

Ungarn

Ukraine

Schweden

Australien

Norwegen

Dänemark

Slowenien (was?!)

Niederland

Russland zum ersten Mal raus. Rumänien auch. Das war überraschend. Verrückte Welt. Schade, dass es Georgien nicht geschafft hat. So kann’s gehen.

Es werden noch einmal Videoausschnitte der Auftritte aller Qualifikanten gezeigt.

Zum Schlussbild sind alle auf der Bühne versammelt, die sich qualifiziert haben. Wir verabschieden uns nach diesem durchaus unterhaltsamen und überraschenden Abend. Gute Nacht.