Der große Mary-Roos-Abend auf VOX – So war „Sing meinen Song“ mit Mary

Mary Roos hat für Deutschland nicht nur einen 3. und einen 13. Platz beim – damals noch – Grand Prix d’Eurovision de la Chanson ersungen, sondern war in diesem Jahr auch Präsidentin der deutschen ESC-Jury. Heute Abend wurde bei VOX ihr bisheriges Lebenswerk geehrt.

Dort nimmt Mary aktuell an der fünften Staffel von „Sing meinen Song“ teil, wo sie unter anderem auch auf die ebenfalls Jury-erprobten Johannes Strate von Revolverheld, Leslie Clio und Mark Forster trifft. Heute Abend ist „ihr Abend“, das bedeutet, dass die Genannten sowie Judith Holofernes von Wir sind Helden, Marian Gold von Alphaville und Rea Garvey Songs von Mary Roos covern und in der Show präsentieren. ESC-Fans können sich vor allem auf „Nur die Liebe lässt uns leben“ von Mark Forster und „Aufrecht geh’n (I’ll Walk Tall)“ von Rea Garvey freuen. Mary Roos selbst wird das Lied „Zu schön um wahr zu sein“ singen, das auch auf ihrem aktuellen Best-of-Album „Mary (Meine Songs)“ und dem aktuellen Studio-Album „Abenteuer Unvernunft“ zu finden ist.

mary roos 2018 abenteuer unvernunft

Im Anschluss an die Sendung folgte dann die Doku „Die Mary-Roos-Story“. Gemeinsam mit Moderatorin Jeannine Michaelsen konnte Mary dann eine knappe Stunde auf ihre Karriere zurückschauen – Bilder von den ESCs 1972 und 1984 inklusive.

Die besondere „Sing meinen Song“-Sendung haben wir hier kurz zusammengefasst. Und die besten Clips findet ihr hier auf der VOX-Seite zur Sendung. DJ Ohrmeister übernimmt nun fur den Recap der Sendung.

Mark Foster moderierte – an Marys Seite sitzend – den Abend und outete sich auch bald als Riesenfanboy, nicht nur von Mary, sondern auch ein bisschen vom ESC. Natürlich wie immer üblich bei diesem Format überschütteten sich die Kandidaten gegenseitig mit Lob und Komplimenten (was etwas langatmig sein kann), aber heute versprach der Spannungsbogen von Rosemarie Schwab alias Mary Roos und der überwiegend jüngeren Kollegen ein paar interessante Feedbacks zu liefern.

Judith Holofernes war die Erste am Mikro, die „Geh nicht den Weg“ ausgesucht hatte, was sie vor allem vom Text sehr angesprochen habe – nach tagelangem Durchhören von Mary-Songs. Und das sie unbedingt singen wollte, weil ja anfangs immer die Einspieler-Videos der Originale kommen, und das hier von Mary als Teenager besondere Maßstäbe in Körperrhythmik setzte. So süß und cool zugleich.

Ein toller Einstieg mit Judiths bisweilen etwas schrägen Stimme, die aus dem 60er-Jahre-Schlager ein Wir-Sind-Helden-Epos machte, gleichzeitig aber auch zeigte, dass Judith ein echtes Mary-Fangirl geworden ist in dieser Staffel. Sie hatte soviel Spaß, dass sie es am liebsten nochmal gesungen hätte.

Etwas schade, dass direkt danach die zweite Frau im Cast gleich dran war – Leslie Clio.

Leslie machte aus „Arizona Man“ zunächst mal eher eine am Original sehr angelehnte Coverversion. Mary kriegte sie aber, als sie den damals häufig weggeblendeten Mittelteil – eine ganz safte Liebeserklärung an den Angebeteten – mutig mit einbaute in den Auftritt. Und ich gebe Judith recht, die mitunter etwas kühl wirkende Leslie gab das Lied im besten Sinne elegant und classy wieder.

Mark ließ dann raus, dass er ganz ESC-fanatisch sei und sich daher auch „Nur die Liebe lässt uns leben“ ausgepickt habe – ihren 3. Platz beim ESC 1972 in Edinburgh. Mark Foster nahm den Song sehr zurück, ließ in der Strophe neben seiner Stimme lediglich Percussion zu und im Chorus einen sehr souligen Background scheinen – wow! Und dann seine eigene zweite Strophe, typisch fosteresk sprechgesungen, so dass Mary sogar die Tränen kamen. Bei dem Hundeblick, den er dazu auflegte….

Obwohl Mary gebeichtet hatte, dass sie das Lied damals nicht mochte, schien sie es hier neu zu entdecken mit der Neuinterpretation. Und sie erzählte direkt von der Zeit von damals, den TV-Shows und den unglaublichen Einschaltquoten.

Und war dann selber dran mit „Zu schön, um wahr zu sein“. Wunderbar, wie die anderen Sechs sie vollkommen andächtig ansahen, als sie als Grande Dame über das Leben philosophierte mit dieser persönlichen Ansprache an das geliebte Gegenüber – und dabei immer in ihrer sympathischen Nahbarkeit blieb. Tatsächlich einer der rührendsten Momente dieser Sendung. Including group hug mit Mary.

Mary erzählte zwischendurch vom ihrer eigenen Show „Mary’s Music“, die damals in 25 Ländern lief, sogar in Japan. Und die Karriere in Frankreich und wie sie die Zeit dort verändert habe. Und dass ihr Name, wie damals in Frankreich als Mari Ross ausgesprochen, an ein Entlaubungsmittel erinnert habe.

Als Nächster dann Johannes Strate – erstmals im Smoking – mit einem von Marys Lieblingsliedern – „Morgens um fünf“. Im Original ein fantastischer Bossanova-Song, jetzt ein swingender Klassiker, und Johannes – noch eine Premiere! – erstmals auf Französisch im deutschen TV, als er in die französische Version von damals überwechselt: „Amour toujours“. Und was der zunächst übernervöse Johannes sich erhoffte, ging voll auf. Mary war jedenfalls aus dem Häuschen und tanzte mit Mark und mit Johannes.

Dann kam im Talk etwas über die 80er, nämlich ihre kurze Romanze mit der Musik von Dieter Bohlen, als sie Modern Talking und C.C.Catch ins Deutsche holte. Und passend dazu eine Ikone der 80er, Marian Gold von Alphaville, der sich „Schau Dich nicht um“ ausgesucht hatte. Der Einspieler lustigerweise von einem verregneten Open-Air-Auftritt mit gelangweiltem Publikum. Marian machte aus dem Hau-drauf-Schlager von 1999 eine rockige Kracher-Nummer, die alle zum Tanzen anspornte, Johannes und Ray sogar noch zusammen.

Und was für ein Wechsel dann hin zu Ray Garvey und „Aufrecht geh’n“, das wie wir alle wissen für Mary eine ganz schwierige Geschichte im Hintergrund verbirgt. Der Anruf, den sie kurz vor ihrem Auftritt beim ESC 1984 erhielt und der ihr ganzes damaliges Leben in Stücke riss. Und dazu dieser „Phönix aus der Asche“-Text, den sie kreidebleich in Luxemburg vortragen musste. Mary hatte jetzt wieder mit Tränen in den Augen, als sie diese Geschichte aus ihrem Leben in der „Sing meinen Song“-Runde ausbreitete.

Und dann kam Ray, der die englische Original-Version „I’ll walk tall“ in eine kaum wiedererkennbare megarockige, jamesbondhafte Version verkehrte, die Mary mitriss und der ganzen Runde richtig viel Energie spendete. Krass, wie jemand, der die ganze Schlager- und ESC-Zeit von Mary Roos vorher gar nicht kannte, sich hier mit dieser Nummer so auseinandergesetzt hatte im Vorfeld.

Mary vergab ihre drei (!) Konfettikanonen als Extrakompliment an die drei Herren, „weil sie so anders waren“. Und fühlte sich am Ende dieses Lebenswerk-Gala-Abends beschenkt, belustigt und warm ums Herz. So wie wir uns auch – ich spreche jetzt einfach für alle Blogger, die in allen Ecken Deutschlands verstreut mitgeschaut haben mögen. (Ich check‘ mal gleich die WhatsApp-Gruppe nach Spontankommentaren.)

Danke Mary für das ganze Liedgut, das diese Sendung so gefühlig und kurzweilig gemacht hat. Ich leg‘ mir gleich die aktuelle (krass-hässlich pink gestaltete) Doppel-CD „MARY“ mit all den Klassikern und originellen Fremdsprachversionen ein. Denn: Rosemarie Schwab rulez!

Allen Interessierten sei aufs Wärmste die siebenteilige „Die fabelhafte Welt der Mary Roos“-Serie von Blogger WM empfohlen.

Letztes Jahr hatte bereits Lena an „Sing meinen Song“ teilgenommen und in diesem Zuge ihre bis dato letzte Single „If I Wasn’t Your Daughter“ vorgestellt.