Ihre Präsenz adelte den Concours: Erinnerungen zum Tode von Katie Boyle

God save the queen. So singt die britische Nation zu Ehren ihrer Majestät, der sie auch nach all den Eskapaden und Skandalen des britischen Königshauses stets die Treue hält. Ähnlich verhielt sich das britische Fernsehen, der als einziger Sender einer Dame das Vertrauen schenkte, vier Mal den Eurovision Song Contest moderieren zu dürfen. Nun starb Catherine Boyle alias Katie Boyle im Alter von 91 Jahren und hinterlässt vier wunderbare Eurovisions-Abende in den Herzen der Fans.

Geboren als Caterina Irene Elena Maria Imperiali dei Principi di Francavilla am 29. Mai 1926 in Florenz als Tochter eines Markgrafen und und einer Engländerin wuchs Catherine Boyle in einem Schloss auf, das der italienischen Königsfamilie einst gehörte.

Im Alter von knapp 20 Jahren ging es ins Vereinigte Königreich, wo ihre Karriere als Model begann. Schon früh entdeckte man Catherine aber auch für den Film.

Die BBC schnappte sich die talentierte Lady und setzte sie als Ansagerin ein. In den sechziger Jahren kam dann ihre Fernsehpräsenz hinzu. Man legte Quizshows in ihre Hände. So moderierte sie unter anderem das auch hierzulande erfolgreiche Format „Was bin ich?“ für das britische Fernsehen und saß in verschiedenen Juries bei Gameshows.

Schon Anfang der Achtziger war ihr Name so legendär, dass sie sich in einem Hörfunkprogramm selbst darstellte. Neben dem Fernsehen war sie auch auf der Bühne zu Hause. In späteren Jahren wurde sie zu einer Tierschutzaktivistin.

Dreimal war sie verheiratet. 1947 gab sie dem Erben des 8ten Earl of Shannon, Richard Bentinck Boyle das Jawort. Acht Jahre später wurde die Ehe getrennt, aber Katie behielt den Nachnamen. Die nächste Ehe ging sie noch im gleichen Jahr mit Greville Baylis ein, der Rennpferde besaß. 1976 starb ihr zweiter Mann und 1979 ehelichte sie ihren dritten Mann Sir Peter Saunders,Theaterimpresario seines Zeichen, dem sie bis zu seinem Tod 2003 verbunden blieb.

Ähnlich wie man Angela Rippon, Moderatorin 1977, nachsagt, eine Liaison mit Mark Phillips gehabt zu haben, so wurde Catherine Boyle eine Beziehung zu Marks damaligen Schwiegervater Prinz Philip in den Fünfzigern angedichtet. Catherine kommentierte dies als frei erfunden, aber wenn irgendwas geschrieben steht, würden es die Menschen glauben.

1960 übernahmen die Briten zum ersten Mal die Ausrichtung des Eurovision Song Contest. Die BBC war damals führend in der Fernseh Technologie und das wollte man der Welt zeigen. In der sehr modernen Royal FestivaL Hall trug man den fünften Song Contest am 29. März aus. 13 Länder begaben sich unter die Fittiche von Catherine Boyle, die den Abend souverän in feiner Robe präsentierte.

Eurovision Song Contest 1960 Opening

National durfte Catherine Boyle nur einmal die Leitung inne haben. Am 15. Februar 1961 stellte sie neun potentielle Kandidaten, die von den großen Plattenfirmen nominiert waren, in „A Song For Europe“ vor, von denen The Allisons die Trophäe errangen und Zweite in Cannes wurden.

Wiederum zwei Jahre später lief es dann nicht so rund. Der Eurovision Song Contest 1963 kannte ein für heute unvorstellbares Setting, wo die 16 Künstler zusammen mit dem Orchester in einem Studio des BBC Television Centre auftraten und wo sich die Moderatorin mit dem Publikum in einem weiteren Studio befand. Dieses Mal hatte Catherine mit den Wertungen zu kämpfen. Norwegen wollte zum Abschluss des Votings nochmals angerufen werden, da sie die erste Wertung in falscher Reihenfolge durchgaben. Am Ende las die Sprecherin ein abweichendes Ergebnis vor und katapultierte Dänemark an die Spitze. Die zur Zweiten degradierte Schweizer Vertreterin Ester Ofarim ist heute noch nicht gut zu sprechen auf den Verlauf der Show.

1968 durfte die BBC die Gastgeberrolle endlich übernehmen, weil Großbritannien im Jahr zuvor mit Sandie Shaw fulminant gewonnen hatte. Man ging in die ehrwürdige Royal Albert Hall und 17 Länder stellten sich den Juries. Eigentlich war der eigene Teilnehmer Cliff Richard mit „Congratulations“ der haushohe Favorit, aber die Siegesblumen erhielt zum Schluss die Spanierin Massiel mit einem Punkt Vorsprung. Später wurde bekannt, dass der spanische Diktator Franco seine Finger mit im Spiel hatte.

Als am 6. April 1974 The Dome in Brighton 17 Länder zum Festival rief, war die Präsentatorin Katie Boyle schon eine Legende.

In ihrem Satinkleid ohne Unterwäsche, welches wie ein plüschiger Bademantel aussah, liess sie während des Votings alle Komplimente mit einem gewissen Humor nonchalant über sich ergehen und leitete durch die Punktevergabe, ohne dass eine bestimmte Reihenfolge eingehalten wurde. Der Jahrgang wurde zu einem Aushängeschild für den Eurovision Song Contest, nicht zuletzt durch den Sieg von ABBA.

Eurovision Song Contest 1974 Finale

1998 kehrte sie nochmals zum Song Contest zurück, als Birmingham Gastgeber des Sängerwettstreits wurde. Sie saß in der ersten Reihe und wurde als „Guest of Honour“ willkommen geheissen. Der deutsche Vertreter Guildo Horn spazierte in seinem Vortrag durchs Publikum und passierte dabei auch die Ikone der Moderation.

Guildo Horn – Guildo hat euch lieb

Unvergessen wird Catherine oder Katie Boyle den Briten durch ihr langjähriges Fernsehschaffen sein und für die internationalen Fans bleiben die vielen Momente aus den vier verschiedenen Eurovisionsshows, die die Künstlerin leitete und vor der sich sicher noch mancher Nachfolger etwas hätte abschauen dürfen.