Inside Eurovisions-Jury: Die aussichtsreichen 50 Acts für die deutsche Vorentscheidung 2019 stehen fest

Die Eurovisions-Jury hat ihre erste Entscheidung gefällt. Aus 198 Acts haben die 100 Fans die 50 aussichtsreichsten Kandidaten ausgewählt. Wir geben euch einen Einblick in die Arbeit der Jury und haben außerdem den deutschen Head of Delegation, Christoph Pellander, nach seiner Einschätzung gefragt. Jetzt aktualisiert.

Rückblick: Am 12. Juli startete der NDR einen Aufruf, sich für die neue Eurovisions-Jury zu bewerben. Diese Jury entscheidet neben der internationalen Jury darüber, welche Acts letztendlich an der deutschen Vorentscheidung zum Eurovision Song Contest 2019 in Israel teilnehmen. Außerdem hat die Eurovisions-Jury das Ergebnis des 2018er-Vorentscheids zu einem Drittel mitbestimmt. Ob dieser Modus beibehalten wird, ist bislang noch unklar.

Vergangene Woche haben wir dann von NDR-Unterhaltungschef Thomas Schreiber erfahren, dass die diesjährige Eurovisions-Jury zur Hälfte (d.h. 50 Personen) aus Mitgliedern besteht, die schon bei „Unser Lied für Lissabon“ mitentschieden haben, und zur anderen Hälfte aus neuen Mitgliedern, die erstmals in der Jury sind. Von Herrn Schreiber wissen wir außerdem, dass die Jury-Sitzungen am vergangenen Sonntag begonnen haben. Gestern Abend fand dann der letzte Termin in Hamburg statt.

Wie sah die Arbeit der Jury nun konkret aus? Darüber ist bisher nur wenig an die Öffentlichkeit gedrungen, aufgrund der Erfahrungen aus dem letzten Jahr, Bildern und Texten der Kollegen von Eurovision.de und Aussagen einzelner Jury-Mitglieder, konnten wir uns jedoch ein relativ gutes Bild davon machen, wie die Jury-Sitzungen aussahen.

Eurovisions-Jury 2018 Sitzung Köln
Quelle: eurovision.de

Der Versuchsaufbau aus dem vergangenen Jahr wurde fast 1:1 übernommen. Die Jurymitglieder sitzen in den Räumen von Simon Kucher & Partners an einem langen Tisch zusammen und haben jeweils ein mobiles Gerät zum Abstimmen vor sich. Auf den Fotos ist zu erkennen, dass die zweckmäßigen Laptops aus dem vergangenen Jahr stylischen Surfaces weichen mussten. Außerdem wurden auch in diesem Jahr wieder Getränke und Snacks für das Wohlbefinden der Teilnehmer zur Verfügung gestellt.

Da es in diesem Jahr mehr Jury-Sessions (sieben statt fünf im vergangenen Jahr) gab, sind pro Session im Durchschnitt weniger Mitglieder anwesend, nämlich ungefähr 15. Diese 15 Juroren bewerten dann in einem Zeitfenster von vier Stunden Clips und zwar im Stil des Fragebogens, den wir schon von der Suche nach den Jury-Mitglieder und aus dem letzten Jahr kennen.

Nachtrag, 16:45 Uhr: Weil es in den Kommentaren zu Nachfragen kam, hier nochmal das genaue Prozedere, das aber ebenfalls dem des vergangenen Jahres entspricht. Jeder Juror musste 100 der 198 Clips bewerten. Jedes Video dauert etwa 40 Sekunden und die Jury-Mitglieder haben sich die Clips jeweils in 10er-Blöcken angeschaut. Nach jedem Block wurde bewertet, welcher Act einem am besten in Erinnerung geblieben ist, im Anschluss durften die Juroren zwei Minuten durchatmen, bevor es mit den nächsten 10 Videos weiterging. Nach 50 Beiträgen gab es dann eine längere Pause, vor der die Jury-Mitglieder allerdings nochmal die Acts notieren sollten, die ihnen bis dahin in Erinnerung geblieben waren.

Ganz am Ende wurden die Teilnehmer dann gebeten, aus ihren top-bewerteten Beiträgen nochmal einen absoluten Favoriten zu benennen. Und keine Sorge, Pausen dürfen die Juroren natürlich auch machen. Insgesamt wird die Atmosphäre als sehr angenehm beschrieben und die Arbeit habe Spaß gemacht.

Was die Zusammensetzung der Jury angeht, soll diese in diesem Jahr nicht so männlich sein, wie es zumindest das zweite Bild oben vermuten lässt. Stattdessen soll die Gruppe gut durchmischt sein, tendenziell aber eher jünger als älter. Was das zu bedeuten hat, hat Peter im vergangenen Jahr aufgeschrieben: „Das junge Durchschnittsalter dürfte damit zusammenhängen, dass gezielt europakonform abstimmende Panelisten mit einem Gespür für Hits ausgesucht worden sind. Mehrfach wurde uns aus dem Kreis der Beteiligten bestätigt, dass in den vier Panel-Städten ‚keine Fans altbackener oder unzeitgemäßer Künstler bzw. ihrer Musik‘ versammelt waren. Eben keine Voter, die ’nichts Besseres zu tun hätten, als jeder Siegel-Komposition zuzujubeln‘.“ Anke Giffhorn, die Jury-Sprecherin aus dem vergangenen Jahr, ist auch diesmal wieder dabei. Außerdem gibt es Beistand von ganz oben, denn mit Bruder Benedikt hat es auch ein Mönch in die Jury geschafft. Celebrate Diversity!

Nach den ersten drei Jury-Sitzungen in Köln konnten wir mit dem deutschen Head of Delegation, Christoph Pellander, über seine Live-Vor-Ort-Eindrücke von der Arbeit der Eurovisions-Jury sprechen. Auch er zeigte sich begeistert von der angenehmen Atmosphäre und der positiven Stimmung. Insgesamt sei das Niveau der Bewerbungen im Durchschnitt nochmal höher als im vergangenen Jahr und vor allem liege die Spitze eng beieinander. So sei es vielen Juroren schwer gefallen, ihre drei oder vier Favoriten nochmal in eine Reihenfolge zu bringen und vor allem – wie im Fragebogen gefordert – einen Favoriten zu benennen.

2018 Deutschland Christoph Pellander Meet & Greet
Christoph Pellander in Lissabon

Gestern Abend fand nun die letzte Jury-Sitzung in Hamburg statt. Damit sind alle Wertungen abgegeben und es steht fest, welche 50 Acts die Favoriten der Fans sind. Diese 50 werden nun der internationalen Jury vorgelegt, die ebenfalls ihre Wertung abgibt. Aus diesen Wertungen wird im nächsten Schritt ein Gesamtergebnis gebildet, das dann darüber entscheidet, welche 20 Künstler zum Eurovision-Workshop eingeladen werden.

Insgesamt gab es fast 1.000 Bewerbungen oder Vorschläge für die deutsche Vorentscheidung 2019, darunter Die Auster Bunny, Drangsal und Meike „Maxi“ Garden. Ob diese drei Acts es aber auch unter die besten 198 oder gar unter die besten 50 geschafft haben, wissen wir leider nicht. Ebenfalls offen ist, ob Laing – wie von uns vermutet – unter den Kandidaten sind. Ihre gerade angekündigte Januar-Tour liegt jedenfalls ideal zwischen der Produktion der Vorentscheidungsbeiträge im Dezember und der deutschen Vorentscheidung im – voraussichtlich – Februar.

Wir halten euch an dieser Stelle natürlich weiter auf dem Laufenden.