Israel: Drei Karat Feingold – was soll nach Kopenhagen?

Mei Feingold, "Be Proud", Video

Wer für Israel beim Eurovision Song Contest auf Moran Mazor folgt, ist schon seit Längerem klar. Nur: Welches Lied soll Mei Feingold im Mai in Kopenhagen singen? Die Zuschauer von IBA haben die Wahl aus drei Liedern. Der Sender hat sie heute Abend präsentiert, jetzt kann die Öffentlichkeit eine knappe Woche abstimmen – übrigens zum ersten Mal, dass Israel 100% Televoting ansetzt. Am 5. März um 20 Uhr MEZ wird das Ergebnis verkündet.

Es gab keine Liveshow mit Auftritten von Mei Feingold. IBA zeigte in einer schlicht gehaltenen halbstündigen Sendung lediglich die Videoclips der drei Titel. Mei war noch nicht mal in der Show anwesend. Über die Dame selbst hatte Jan ja Mitte Januar, als die Nominierung bekannt wurde, schon einiges erzählt (hier).

Ohne große Umschweife startete der Moderator, mit locker gebundener Krawatte allein in einem Studio stehend, nach kurzer Einleitung mit Lied 1.

1. Same Heart
(Text/Musik: Rami Talmid)

Eine Poprock-Nummer mit einem stampfenden Beat, der Refrain hat durchaus Ohrwurm-Charakter und ist etwas poppiger. Vor allem die Strophen singt Mei mit weichem Timbre, dann wird’s etwas härter. Leider kann sich IBA nicht von dem Unsinn verabschieden, Englisch und Hebräisch zu vermischen. So singt Mei Feingold eine Strophe auch in Hebräisch, der Hauptteil ist aber auf Englisch. Die drei Minuten vergehen schnell. Das Video erinnert an Madonnas Gymnastikstunde („Hung Up“). Aber mir gefällt’s.

Mei Feingold – Same Heart

Ohne Unterbrechung ging es direkt zu Lied/Video 2.

2. Nish’eret iti
(Musik: Chen Metzger Adar, Text: Loren de Paz)

Es beginnt wie „Euphoria“ – ein leicht elektrisierender Beat zu einer Art Café-del-Mar-Chillout-Melodie. Nach gefühlt einer Minute dreht die Nummer auf, der Beat wird stärker und die Ähnlichkeit zu Loreens Siegertitel wird erheblich geringer. Nun gewinnt „Nish’eret iti“ (kommt im Refrain häufig vor) Eigenständigkeit. Im Video steht Mei Feingold in irgendeinem Gang rum… Gegen Ende wechselt sie wieder die Sprache und singt „Staying with me“.

Mei Feingold – Nish’eret iti

Immerhin ein ganz anderer Stil als Lied 1. Ich dachte, wir würden von Frau Feingold nur Rocknummern kriegen. Schließlich ist sie bei der Castingshow Kokhav Nolad 2009 vor allem durch tendenziell rockige Songs aufgefallen und bekannt geworden.

3. Be Proud
(Text/Musik: Mei Feingold)

Ah, Rock again: Gitarrenriffs, die mich ein wenig an den geilen Kracher „Kashmir“ von Led Zeppelin erinnern, läuten eine Nummer ein, die anschließend irgendwo zwischen Rock und Pop changiert. Auch hier irritiert mich wieder der Sprachenwechsel (erste Strophe auf Hebräisch, und dann plötzlich der „Be Proud“-Refrain auf Englisch). Optisch sieht Mei in dem Video ein wenig aus wie Madonna (ihr heimliches Vorbild?) in ihren frühen Videos – wer sich an „Like a virgin“ erinnert…

Mei Feingold – Be Proud

Zwischendurch darf der Zuschauer ein paar Flashdance-Gedächtnishebefiguren bewundern. Alles in allem ein ganz akzeptabler Song. Die Gitarrenriffs bleiben im Gedächtnis haften. Der Refrain ist aber eher harmlos.

Nach der Präsentation der drei Videos las der Moderator die Telefonnummer vor – und sagte dann auf Englisch „Israel, start voting now!“ Und ich fragte mich da gerade selber, für welches Lied ich anrufen würde. Mein Kopf war schon wieder leer. So richtig konnte ich mich an kein Lied erinnern. Ein schlechtes Zeichen? Am ehesten war da noch das letzte Lied im Kurzzeitgedächtnis. Vielleicht auch ein Zeichen, dass alle drei ähnlich gut waren?

Danach zeigte IBA ein Interview, das der Moderator mit Mei Feingold geführt hatte. Außer „Eurovision“ verstand ich leider nix. Aber Mei kam sehr sympathisch rüber, lächelte viel.

Mei Feingold, InterviewMei Feingold, Interview, Liedpräsentation Israel 2014Anschließend gab’s als Schnelldurchlauf kurze Ausschnitte aus den drei Videos, zwischen denen das Volk nun wählen soll. Nun schwankte ich zwischen Lied 1 und Lied 2 – mit leichter Tendenz zum ersten. Der Refrain von Lied 3 ist zu schwach.

Dann war Moran Mazor im Studio, diesmal hochgeschlossen – zu solchem Outfit hätte sie mal in Malmö greifen sollen… Sie unterhielten sich kurz, dann wurde Morans Auftritt von „Rak bishvilo“ im Semifinale 2013 gezeigt. Moran erzählte dazu offenbar ein bisschen von den Erlebnissen in Südschweden.

Moran Mazor, Studio, Liedpräsentation Israel 2014

Nochmal der Schnelldurchlauf: „Same Heart“ erinnert evtl. ein wenig an den slowenischen Beitrag 2013, aber ohne dieses Gefühl, hier schon die Remixversion zu hören. „Nish’eret iti“ ist der Beitrag für die Dance-Freunde, aber im Ausschnitt wirkte das ganze doch wieder recht nahe an „Glorious“ und „Euphoria“ dran, und ich finde, so recht passt es nicht zu Mei. Lied 3 ist nett, aber ein bisschen zu harmlos.

Ich lege mich fest: Ich würde gern „Same Heart“ in Kopenhagen hören.

Damit endete die halbstündige Show auch schon, mit einem Ausschnitt aus Emmelies „Only Teardrops“.

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