Israel geht in Baku mit Izabo an den Start

Das war ja mal wieder eine schwere Geburt zwischen Rotem und Totem Meer! Zunächst hieß es für eine ganze Weile, der staatliche TV-Sender IBA wolle eine Riesenvorentscheidung mit einem Privatsender auf die Beine stellen. Doch dann der plötzliche Rückzieher und nun eine kurze und knappe interne Auswahl

Im Prinzip ist es schon mal nicht selbstverständlich, dass die Israelis überhaupt in Baku dabei sein werden. Immerhin ist Aserbaidschan ein islamisches (wenn auch säkuläres) Land mit einer offenen Grenze zum Iran. Und zwischen dem Iran und Israel steht ja momentan wirklich nicht alles zum Besten. In die Einzelheiten einzusteigen, würde an dieser Stelle sicher zu weit führen. Aber viele Beobachter glauben, es liege Krieg in der Luft. Und wenn dieser Fall tatsächlich eintreten sollte, werden die aserischen Sicherheitskräfte vor Ort in Baku aller Voraussicht nach alle Hände voll zu tun haben, die israelische Delegation abzuschirmen und überhaupt die gesamte Veranstaltung zu schützen.

Wie dem auch sei – in Jerusalem hat man jetzt eine interne Auswahl getroffen. Angeblich gab es juristische Schwierigkeiten bei der Organisation der Vorentscheidung im Rahmen von Public-Private-Partnership. Das Parlament hätte eine Lösung schaffen können, aber die Damen und Herren in der Knesset sind dieser Tage verständlicherweise mit anderen Fragen beschäftigt.

Gefallen ist die Wahl auf das Quartett Izabo – drei Männer eine Frau. Durchaus eine Geschlechterverteilung, die Sinn macht und die Israel schon einmal Glück brachte – 1979 beim Song Contest im eigenen Land, als Gali Atari sich mit dem Männertrio Milk and Honey „paarte“ und man mit „Hallelujah“ als Sieger die Halle verließ. Zwei Jahre später versuchte es die Habibi Group, die 1979 den späteren Siegersong abgelehnt und sich daraufhin selbst irgendwo hingebissen hatte, mit dem Song „Halaylah“ – was immerhin noch für Platz 7 reichte.

Izabo besteht also aus Shiri Hadar (das ist die Frau!), Ran Shem Tov, Jonathan Levi und Nir Mantzur. Die Band existiert mit wechselnden Besetzungen bereits seit 1989 – so ähnlich wie unsere ESC-Truppe Wind, dann aber doch mit deutlich modernerer und experimentellerer Musik. Ihr Stil ist offenbar nur schwer zu greifen – verschiedene Quellen im Internet sprechen von ganz unterschiedlichen Musikrichtungen – irgendwo zwischen Disco, Punk und Psychedelic Rock, alles gewürzt mit leichten arabischen Elementen.

Interessanterweise hat die Gruppe in über zwanzig Jahren nur zwei Alben veröffentlicht. Offenbar bestreitet man den Großteil des Lebensunterhalts mit Live-Gigs, was ich sehr sympathisch finde.

Ob ich ihre Musik beim ESC hören möchte, weiß ich noch nicht. Den Song „On my way“ (siehe nachfolgendes Video) aus dem Jahr 2010 kann ich mir nicht so gut auf einer ESC-Bühne vorstellen – aber was soll´s – wir haben ja aus dem Heiligen Land schließlich auch „Push the button“ und „Same´ach“ überstanden…..Und das Video mit den i-Phones ist doch auch ganz originell.

Izabo – On my way (2010)

Izabos Song für Baku wird übrigens „Time“ heißen und hat sich ganz offenbar gegen eingereichte Songs der ewigen Fanfavoritin Maya Buskila, dem stets genannten Idol-Sieger Vladi Bleiberg sowie dem israelischen Grand-Prix-Opa Tzvika Pick durchsetzen können. Wann „Time“ uraufgeführt wird, steht noch nicht fest – wahrscheinlich bzw. ganz sicher sogar in den kommenden Wochen!