Joan Franka im PRINZBlog-Interview: „Schade, dass wir auf das Background-Video verzichten müssen“

Joan Franka ist Nederlands Hoffnung, nach acht Jahren endlich mal wieder in ein ESC-Finale vorzustoßen. Mancher Fan sieht die 22-Jährige als „Dark Horse“ des Wettbewerbs in Baku, andere halten die Chancen für eher gering. Wie Joan sich auf den Grand Prix vorbereitet und ob sie auch Promo in der Heimat ihres türkischen Vaters macht, fragte PRINZ-Blogger Matthias die junge Rotterdamerin. Er hatte in Amsterdam vor „Eurovision in Concert“ die Gelegenheit, kurz mit ihr ins Gespräch zu kommen.

PRINZBlog: Joan, wie laufen die Vorbereitungen für Baku?

Joan Franka: Ich bin ziemlich beschäftigt, die Vorbereitungen für Baku laufen sehr gut. Ich kann gar nicht glauben, wie viel ich gerade zu tun habe. Ich arbeite fast jeden Tag ganz hart, und selbst wenn ich mal Pause mache, bin ich im Kopf immer noch bei der Arbeit und bei den ganzen Sachen, die ich bis zur Abreise nach Baku noch erledigen muss. Aber es macht wahnsinnig viel Spaß, ich genieße es wirklich.

PRINZBlog: Wie sieht deine Arbeit momentan genau aus?

Joan Franka: Ich gebe Interviews, derzeit besonders viele. Und dann arbeiten wir natürlich an der Show für Baku, und nebenbei arbeite ich auch noch an meinem Album.

PRINZBlog: Wann wird es erscheinen?

Joan Franka: Erst nach dem Eurovision Song Contest. Ich arbeite hart dran, aber vor Baku wird es nicht herauskommen. Vielleicht direkt danach, aber das wissen wir noch nicht genau. Im Moment ist da noch viel zu tun.

PRINZBlog: Dein Vater kam aus der Türkei, und du bist in Baku im selben ESC-Halbfinale wie die Türkei. Warst du schon dort, um Werbung für dich und dein Lied zu machen?

Joan Franka: Bisher noch nicht, aber ich fliege jetzt am Freitag hin, nach Istanbul. Das wird ganz sicher eine ganz tolle Erfahrung werden, dass ich in dem Land auftreten darf, aus dem meine Existenz zur Hälfte stammt.

PRINZBlog: Was machst du in Istanbul?

Joan Franka: Ich weiß es nicht ganz genau, aber ich glaube, ich werde dort in einer TV-Sendung auftreten und Interviews geben. Ich spiele auf jeden Fall in einem Club, am „Koninginnedag“. Wir werden den niederländischen Nationalfeiertag feiern, mit anderen Leuten, die ihn auch dort feiern. Das wird sicher ganz nett werden. Das Wetter ist in Istanbul bestimmt auch schön, es ist bestimmt wärmer als hier… (lacht)

PRINZBlog: Du hast „You and Me“ selbst geschrieben. Wie entstand der Song?

Joan Franka: Am Anfang habe ich den Refrain geschrieben, und dann entstand der Rest der Melodie drum herum. Zuerst wusste ich nicht so recht, worum sich das ganze drehen sollte; ich glaube, der Refrain bezog sich auf nichts und niemanden Speziellen. Und plötzlich hatte ich die Idee und es kamen alte Erinnerungen hoch… nichts, woran ich mich jeden Tag erinnern würde, aber es waren so alte Sachen, die mir plötzlich durch den Kopf schossen. Es kam einfach so aus meinem Inneren, das musste wohl einfach so sein. Manchmal entstehen so Lieder – zack, dir kommt eine Idee, du schreibst sie auf und fertig ist der Song.

PRINZBlog: Wie schreibst du üblicherweise Lieder – was ist zuerst da, die Melodie oder der Text?

Joan Franka: Ach, oft spiele ich einfach auf meiner Gitarre herum, und dann entstehen kleine Melodien, und dann singe ich meistens einfache Wörter dazu, manchmal auch Wörter, die gar nicht existieren. Und erst danach, wenn ich die Melodie schon aufgeschrieben habe, entsteht dann ein Text dazu. Manchmal entwickelt sich beides aber auch parallel. Das ist ganz unterschiedlich, aber in der Mehrzahl der Fälle habe ich zuerst die Melodie.

PRINZBlog: Werden die Lieder auf dem Album von einem ähnlichen Stil sein wie „You and Me“?

Joan Franka: Ja, mein Album wird so in die Folkpop-Richtung gehen. Es wird auch Balladen darauf gehen, ruhige Lieder – aber auch happy songs. Ich mag fröhliche Songs, eben wie „You and Me“.

PRINZBlog: Im niederländischen Vorentscheid lief bei deinem Auftritt im Hintergrund ein Video von zwei spielenden Kindern. Werden wir das auch auf der Bühne in Aserbaidschan sehen?

Joan Franka: Den Film dürfen wir leider nicht mit nach Baku nehmen, den können wir dort nicht zeigen. Ich hätte es sehr gern gehabt…

PRINZBlog: … ja, denn das Video passt so gut zu deinem Auftritt.

Joan Franka: Ja, wirklich, und es passt so gut zum Text, und es ist auch in meinem Musikvideo. Es gehört eigentlich zum Gesamtpaket. Es ist schade, dass wir darauf verzichten müssen.

Niederlande 2012: Joan Franka – You and me

PRINZBlog: Wie wird dein Auftritt sein – ähnlich wie beim Vorentscheid, inklusive Federschmuck?

Joan Franka: Ich darf euch leider nicht viel über meine Performance sagen… ich werde natürlich auf der Bühne stehen und singen (lacht). Aber Details darf ich nicht verraten, es ist eine Überraschung.

PRINZBlog: Es gab in den letzten Wochen immer wieder Berichte über die politische Situation in Aserbaidschan und über die schwierige Menschenrechtslage dort, und Aktivisten forderten, die ESC-Künstler sollten während des Song Contests dazu auch öffentlich Stellung beziehen. Was meinst du dazu?

Joan Franka: Ich habe natürlich auch von der Lage dort gehört, und wir können das nicht einfach zur Seite schieben oder ignorieren. Aber mein Ziel im Leben ist, dass durch meine Musik die Leute zusammenkommen und meine Lieder hören, und das versuche ich auch durch den Eurovision Song Contest. An den Dingen dort kann ich ansonsten nichts ändern – ich kann nur das tun, was ich eben in Baku tun werde: meine Musik machen.