Joy Fleming: „Mit Xavier Naidoo würde ich noch mal zum ESC gehen“

Joy Fleming

Für viele Fans ist Ein Lied kann eine Brücke sein bis heute einer der besten deutschen Eurovisions-Beiträge in der Wettbewerbsgeschichte. Und seine Interpretin, Joy Fleming, feiert heute ihren 70. Geburtstag. Wir gratulieren herzlich – und berichten, was die Jubilarin vor ein paar Tagen unserem Kollegen Marco erzählte, über den ESC 1975, Conchita Wurst und über ihre Vorentscheidungsteilnahmen 2001 und 2002.

Bis heute erinnert sich Joy Fleming natürlich gut an den Eurovision Song Contest 1975 in Stockholm. Schmach? Von wegen! „Wenn es nach dem Publikum gegangen wäre, hätte ich den ersten Preis mit fünf Sternen gewonnen, vom Applaus her“, erzählte sie Marco. Die Schuld für die schlechte Platzierung (17. von 19) gibt Joy vor allem einer schlechten Bild- und Tonqualität, „und außerdem war ich aus Deutschland, das war damals noch ein Problem“.

Dass bei ESC-Fans Ein Lied kann eine Brücke sein aber nach wie vor gut ankommt, weiß sie natürlich: „Das ist heute ein Kultlied und für viele Leute immer noch das beste Lied“, sagt sie: „Es war ja auch ein schöner Titel.“ Und er öffnete ihr Türen: Er machte sie in Deutschland bekannt, brachte ihr Auftritte und TV-Shows ein – bis heute. „Da war damals ein junges Mädchen aus der Türkei, die hat ihren Kopf auf meinen Schoß gelegt und bitterlich geweint“, berichtet sie vom Stockholmer ESC; Semiha Yankı wurde mit Seninle bir dakika damals Letzte. „Ich hab’ ihr gesagt: Hör auf zu weinen, das Leben geht weiter.“

Joy Fleming: Ein Lied kann eine Brücke sein

Den Eurovision Song Contest schaut sie auch heute noch ab und zu, „aber manchmal geht er mir echt auf die Brezel“, gesteht sie. „Die guten Lieder landen meistens ganz hinten und die schlechten vorn. Das ist traurig. Manche Leute haben offensichtlich wirklich keinen Geschmack.“

Allerdings: Conchita Wurst habe in Kopenhagen zu recht gewonnen, findet Joy Fleming. „Er oder sie – ich weiß bis heute nicht, ob das ein Mann oder eine Frau sein soll – hat richtig schön gesungen, ganz sauber.“ So eine Ballade sei ja nicht leicht zu singen, und Conchita habe es perfekt gesungen. „Über das Äußere kann man ja streiten – ich hätte den Bart wegrasiert. Aber es geht ja um Song und Können, und er/sie hat es toll verkauft!“

Joy Fleming bedauert – wie viele, die früher beim ESC dabei waren – dass man das Orchester abgeschafft hat. Noch einmal mitzumachen schließt sie aber nicht völlig aus: „Das käme drauf an. Falls Xavier Naidoo mir einen schönen Duotitel anbieten würde, würde ich auch mit 80 ohne Zähne auf die Bühne gehen“, lacht sie. „Xavier ist ein Fan von mir, das weiß ich.“

Schließlich versuchte Joy selbst auch in der Nach-Orchester-Zeit, zum ESC zu kommen: 2001 nahm sie mit Lesley Bogaert und Brigitte Oelke am deutschen Vorentscheid teil (Power of Trust), 2002 versuchte sie es erneut mit dem Jambalaya Chor (Joy to the World). Beides Mal reichte es nur für Platz 2, hinter Michelle bzw. Corinna May.

Lesley, Joy & Brigitte: Power of Trust

„Ich bin ganz schön veräppelt worden“, sagt sie rückblickend zu den Teilnahmen. Sie vermutet, dass beides Mal nicht alles mit rechten Dingen zuging. „Wir haben die Michelle an die Wand gesungen… Aber gönnen wir’s ihr. Ich bin nicht neidisch oder böse.“ Auch Joy to the World sei ein „Supertitel“ gewesen.

Joy Fleming & Jambalaya: Joy to the World

Danach saß sie 2004 in Stefan Raabs Casting SSDSGPS in der Jury, als Max Mutzke gewann. Max sei gar nicht der beste Sänger gewesen, meint Joy Fleming, „da waren Frauen dabei, da muss man sagen: Halleluja!“ Bei Max Mutzke habe aber eben das Gesamtpaket gestimmt.

Bis heute hat Joy ihre Auftritte, ob auf kleineren Bühnen oder im Fernsehen. „Die Musik hält einen jung“, sagt sie. „Ich bin richtig fit. Ich bewege mich viel, habe meine Auftritte, ich übe jeden Tag, im Januar erscheint ein neues Album.“ Im Moment bereitet sie sich auf Auftritte mit Weihnachtsliedern in der Adventszeit vor. „Ich habe immer was zu tun. Ich bin keine Rentnerin, die rumhockt, strickt und jammert.“

Na, dann alles Gute zum Siebzigsten, liebe Joy Fleming!

Zum Schluss noch als Schmankerl einen Titel, mit dem Joy vor allem in ihrer Kurpfälzer Heimat bis heute berühmt ist: dem Neckarbrückenblues.

Joy Fleming: Neckarbrückenblues