Junior Eurovision 2014: 16 Songs unterm Giga-Tangram

JESC 2014 Malta
Foto: EBU

Kandidaten aus 16 Ländern bestreiten am kommenden Samstag den 12. Junior Eurovision Song Contest in Malta. Wer hat das Zeug, in die Fußstapfen von Gaia Cauchi zu treten, die den allerersten Eurovision-Sieg überhaupt für die kleine Mittelmeerinsel holte? Wir schauen uns die Teilnehmer näher an.

Die EBU hat es geschafft, gleich mehrere Länder erstmals zur Teilnahme am kleinen Bruder des ESC zu überreden: Italien, Slowenien und Montenegro machen das erste Mal mit. Zudem gelang es, Serbien, Bulgarien, Zypern und Kroatien zur Rückkehr zu bewegen. Allerdings sprangen auch drei Länder ab: Aserbaidschan, Moldawien und der Letztplatzierte des vergangenen Jahres, Mazedonien.

So sind es am Ende 16 Länder geworden, die Teilnehmer zwischen 10 und 15 Jahren nach Malta geschickt haben – die Proben in der einstigen Schiffswerft in Marsa, einem Vorort der Hauptstadt Valletta, laufen bereits. Die ersten Fotos der Bühne mit mehreren LED-Wänden und zwei Catwalks sind beeindruckend. Die Dreiecke sollen erstens Bezug nehmen zum Logo des diesjährigen Wettbewerbs und zweitens eine Art Riesen-Tangram bilden.

Bühne Malta JESC 2014
Bühne des JESC 2014, Foto: EBU

Wie der vergangene ESC in Kopenhagen hat auch der JESC 2014 ein Hashtag-Motto bekommen: Unter #together ist man also eingeladen, fleißig zu twittern. Moira Delia, die schon mehrfach den maltesischen Vorentscheid moderiert hat (zuletzt im Februar 2014), wird am Samstag ab 19 Uhr durch die Show führen. Und wie bei früheren JESCs wird im Voting jedes Land von vornherein mit 12 Punkten starten, damit niemand mit „nul points“ nach Hause reisen muss. Der PrinzBlog wird den JESC wie in den vergangenen Jahre live bloggen.

Was erwartet uns? Eine ganz gute Mischung aus Popsongs im modernen Sound, Balladen – und sicher auch der eine oder andere schiefe Ton. Vor allem aber Kinder, die mit Spaß bei der Sache sind. Da drückt man hier und da auch mal ein Auge zu. Hier in der Startreihenfolge die Preview-Videos der Wettbewerbssongs.

1. Weißrussland: Nadeschda Misjakowa, Sokal („Falke“)

Nadeschda ist 14 Jahre alt und stammt aus der Hauptstadt Minsk. Schon 2013 war sie beim weißrussischen Vorentscheid für den Junior Eurovision Song Contest angetreten, hatte aber nicht gewonnen – im Gegensatz zu diesem Jahr. Ihr Lied „Sokal“ hat sie selbst geschrieben; es beruht auf einem alten slawischen Märchen über einen Falken, der sich in einen jungen Mann verwandelt. Interessant instrumentiert, allerdings nicht auf Anhieb eingängig. Wer Nadeschda auf Twitter folgen will: bitte sehr.

Nadeschda Misjakowa, Sokal

2. Bulgarien: Krisia, Hasan & Ibrahim, Planet of the Children

Die 10-jährige Krisia Todorova steht im Mittelpunkt, die gleichaltrigen Zwillingsbrüder Hasan und Ibrahim begleiten sie an Flügeln. Krisia hat in Bulgarien schon ein paar Gesangspreise gewonnen, und auch die beiden Jungs haben schon Auszeichnungen erhalten. Fehlt ja nur noch ein Sieg der drei (hier ihre Facebook-Page) beim JESC. „Planet of the Children“ ist ein klassischer Grand-Prix-Beitrag, der das Klavierspiel der Twins clever integriert.

Krisia, Hasan & Ibrahim, Planet of the Children

3. San Marino: The Peppermints, Breaking My Heart

Fünf Mädels im Alter von 14 und 15 – vier aus Italien, eines aus San Marino – bilden diese Girlgroup (hier ihre Website), die extra für den Wettbewerb gegründet wurde. Eine der fünf ist übrigens die jüngere Schwester von Michele Perniola, der voriges Jahr das Debüt San Marinos beim JESC bestritten hat. „Breaking My Heart“ ist ein 08/15-Popsong von der Stange, bei dem man sich fragt, ob es Not tat, bei 95 Prozent italienischem Text noch zwei Zeilen auf Englisch einzustreuen.

The Peppermints, Breaking My Heart

4. Kroatien: Josie, Game Over

Josephine wurde im Jahr 2000 in den USA geboren, doch schon mit zwei Monaten zog sie mit den Eltern nach Kroatien; ihr Vater stammt aus Bosnien, die Mutter ist Amerikanerin. Josie singt seit ein paar Jahren in Zagreb im Chor, außerdem spielt sie Geige, hat einen eigenen Youtube-Kanal und hat begonnen, auf dem Computer zu programmieren. Vielseitig begabt, die junge Dame. „Game Over“ hat sie selbst geschrieben. Und aus Malta twittert Josie auch ganz fleißig.

Josie, Game Over

5. Zypern: Sophia Patsalides, I pio omorfi mera („Der schönste Tag“)

Sophia, im Dezember 2000 in Nikosia geboren, macht schon seit einigen  Jahren Musik und hat auch schon mal in einem Musical mitgespielt. Im Sommer 2014 spielte sie auf Zypern Theater, und nebenbei wurde sie auch ausgewählt, Zypern beim JESC zu vertreten. Der Song dafür wurde von keinem Geringeren als Alex Panayi („Sti fotia“, „Nomiza“) geschrieben. Eine richtig gute Dancepop-Nummer, die man immer wieder gern hört. Auf Twitter ist Sophia auch zu finden.

Sophia Patsalides, I pio omorfi mera

6. Georgien: Lizi Pop, Happy Day

Liza Japaridze nennt sich auf der Bühne Lizi Pop. Mit ihren zehn Jahren gehört sie zu den Jüngsten auf der Bühne in Marsa. Dabei hat sie in Georgien schon zwei Songs veröffentlicht und hat mit den georgischen Gewinnern des JESC 2011, der Gruppe Candy, gearbeitet. Natürlich würde sie selbst am Samstag gern auch so abräumen – es wäre der dritte Sieg Georgiens in der Junior-Eurovision-Geschichte. Ob „Happy Day“ das Zeug dazu hat? Mich erreichen Lizis „It’s okay, happy day“-Rufe nicht so.

Lizi Pop, Happy Day

7. Schweden: Julia Kedhammar, Du är inte ensam („Du bist nicht allein“)

Die 14-jährige Julia Kedhammar aus Skogås südlich von Stockholm tritt mit einem Ohrwurm-Popsong aus der Feder des ESC-Veteranen Thomas G:son an. Mit 10 Jahren nahm sie schon ihre erste CD mit Kinderliedern auf, die sich recht gut verkaufte und sie sogar zu Konzerten in die USA führte. Allerdings gewann sie erst beim dritten Anlauf das „Lilla Melodifestivalen“ und damit das Ticket für den Junior Eurovision Song Contest. Auf Facebook gibt’s auf der offiziellen Page Neues von Julia, auf Twitter ebenso.

Julia Kedhammar, Du är inte ensam

8. Ukraine: Sympho-Nick, Pryyde vesna („Der Frühling wird kommen“)

Kein Junge namens Nick, sondern drei 14-jährige Mädchen namens Amalija, Sofia und Marta stecken hinter Sympho-Nick (auch das Trio gibt’s auf Facebook). Sie siegten Anfang August im nationalen Vorentscheid zum JESC, mit Höchststimmen von Jury und Televotern. Den elfenhaften Auftritt vom Vorentscheid, den man im folgenden Video sieht – mit dem symbolischen Bewässern der Erde, auf das Pflanzen wachsen mögen -, wiederholt das Trio in Malta. Das Gesäusel erinnert mich etwas an den Enya-Ethno der 90er Jahre.

Sympho-Nick, Pryyde vesna

9. Slowenien: Ula Ložar, Nisi sam („Du bist nicht allein“)

Ula ist 12 Jahre alt und kommt aus der slowenischen Hauptstadt Ljubljana. Seit vier Jahren lernt sie Klavier und nimmt zudem Gesangsstunden. In Slowenien hat sie immer wieder an Talentwettbewerben teilgenommen. Zusammen mit dem Musikproduzenten Raay Vovk, der auch „Round and round“ von Tinkara Kovač produziert hat, schrieb Ula „Nisi sam“, den allerersten slowenischen JESC-Beitrag. Mit Tinkara sang Ula auch schon „Spet“, die slowenische Version, im Fernsehen. Ula auf Facebook: hier.

Ula Ložar, Nisi sam

10. Montenegro: Maša Vujadinović und Lejla Vulić, Budi dijete na jedan dan („Sei für einen Tag ein Kind“)

Montenegro schickt fürs Junior-Debüt Maša (14) und Lejla (12). Maša stammt aus der Hauptstadt Podgorica; Lejla ist in Florida geboren, lebt aber heute in der Adriaküstenstadt Tivat. Lejla hat auch am Text des Songs „Budi dijete na jedan dan“ mitgeschrieben. Darin fordern die beiden (hier auch auf Facebook) die Erwachsenen auf, die Welt mal wieder mit Kinderaugen zu sehen. Einer dieser typischen Balkan-Stampf-Popsongs, wie man sie schon vor zwölf Jahren beim ESC gehört hat („Fairytales about love“).

Maša Vujadinović und Lejla Vulić, Budi dijete na jedan dan

11. Italien: Vincenzo Cantiello, Tu primo grande amore („Deine erste große Liebe“)

Der 14-jährige Vincenzo (hier seine Facebook-Page) stammt aus einer Kleinstadt bei Neapel und wurde in Italien bekannt durch die RAI-TV-Show „Ti lascio una canzone“. Dadurch durfte er sogar in der italienischen Botschaft in Washington D.C. auftreten. Zusammen mit Leonardo de Amicis hat er seinen JESC-Beitrag über die erste große Liebe, die ein Teenager erlebt, geschrieben. Klingt im Grunde wie ein typisches San-Remo-Canzone – eine einzige große Geste.

Vincenzo Cantiello, Tu primo grande amore

12. Armenien: Betty, People of the Sun

Elizabeth Danielyan, oder kurz Betty, ist elf Jahre alt. Sie macht seit ihrem vierten Lebensjahr Musik und tanzt, zudem moderiert sie in Armenien eine TV-Kindersendung. Für den JESC hat sie zusammen mit Mane Hakobyan und Avet Barseghyan (der 2011 den JESC in Jerewan moderierte) „People of the Sun“ geschrieben. Die Melodie geht direkt ins Ohr und macht richtig gute Laune! Beim Mitwippen gern nebenbei schauen, was Betty so twittert…

Betty, People of the Sun

13. Russland: Alisa Koschikina, Dreamer

Im Frühsommer gewann Alisa im russischen Fernsehen „The Voice Kids“ – bei uns gibt es die Castingshow ja auch (bisher zwei Staffeln, mit Lena Meyer-Landrut als Coach). Anschließend wurde die Elfjährige (hier ihre russische Website) ausgewählt, Russland beim diesjährigen Junior Eurovision zu vertreten. Der russische Komponist und Produzent Maxim Fadeev, in dessen Team Alisa bei „Voice Kids“ war, schrieb ihr auch die zuckrige JESC-Ballade „Dreamer“.

Alisa Koschikina, Dreamer

14. Serbien: Emilija Đonin, Svet u mojim očima („Die Welt in meinen Augen“)

Die 14-jährige Emilija ist in Serbien keine Unbekannte: Im März 2012 wurde sie in der TV-Castingshow „Ja imam talenat!“ (Ich habe Talent), der serbischen Variante des „Supertalents“, Zweite. Damit wurde sie vor allem in ihrer Heimatregion Vojvodina zu einer kleinen Berühmtheit. Gut zwei Jahre später wählte das serbische Fernsehen das Mädel mit dem Silberblick für die Teilnahme am Junior Eurovision 2014 aus. „Svet u mojim očima“ ist eine ruhige Ballade, ohne den eurovisionär gern gewählten Balkan-Sound. Auch Emilija twittert übrigens.

Emilija Đonin, Svet u mojim očima

15. Malta: Federica Falzon, Diamonds

Wer Federica (Twitter-Account hier) singen hört, könnte meinen, hier eine erwachsene Mezzosopranistin zu erleben – dabei ist sie gerade mal elf Jahre alt. Mit ihrer Ausnahmestimme hat sie im diesem Jahr schon die TV-Show „Ti lascio una canzone“ in Italien gewonnen und schickt sich nun an, dasselbe auf heimischem Boden zu wiederholen. Sie singt gern die opernhaften Eurovision-Beiträge, also „La voix“ oder „Cvet z juga“; ihr Wettbewerbsbeitrag „Diamonds“ hat allerdings weniger Popeinschlag wie die beiden genannten ESC-Songs.

Federica Falzon, Diamonds

16. Niederlande: Julia, Around

Julia van Bergen ist 15 Jahre alt und gehört damit, zusammen mit drei der Peppermints, zu den Ältesten im JESC-Rennen. Im September setzte sie sich im „Junior Songfestival“ gegen vier andere Kandidaten durch. Ihre Karriere begann damit, dass sie selbstgesungene Lieder bei Youtube hochgeladen hat. Außerdem spielt sie Klavier und komponiert eigene Songs (und twittert). Auch „Around“ stammt von ihr. Der Popsong geht musikalisch in dieselbe Richtung wie das Lied ihrer Namensschwester aus Schweden und auch wie der zyprische Beitrag – ein Nachteil?

Julia, Around

Tja, wer soll nun den Junior Eurovision Song Contest 2014 gewinnen? Meine persönlichen Favoriten sind die Popsongs aus Zypern, Niederlande und Schweden, die schöne serbische Ballade und der Happysound aus Armenien. Am Samstag Abend sind wir schlauer. Wir bieten einen Live-Blog zum JESC 2015 an. Wenn alles klappt, melde ich mich dann auch live aus der Marsa Schiffswerft.