Kasia Moś im PrinzBlog-Interview: „Ich werde singen, solange ich noch Stimme habe“


Polens ESC-Hoffnung Kasia Moś, die mit ihrem dritten Anlauf das Ticket zum Eurovision Song Contest gewann, sprach am Rande der London Eurovision Party mit PrinzBlogger OLiver über ihren Weg zum ESC und über die Botschaft und Präsentation ihres Songs „Flashlight“ in Kiew.

PrinzBlog: Wann hast Du zum ersten Mal vom Eurovision Song Contest gehört?

Kasia Moś: Das war natürlich, als Edyta Gorniak als erste für Polen gesungen hat und gleich Zweitplatzierte wurde.

Du hast offensichtlich einen langem Atem und es schon mehrfach im polnischen Vorentscheid versucht.

Weißt Du, ich wollte schon immer meine Musik auch außerhalb Polens zeigen. Vor elf Jahren war ich das erste Mal dabei, damals war ich 18 Jahre alt und hatte einen Song, an den ich nicht geglaubt habe, es war eben nicht mein Song. Letztes Jahr bei meinem zweiten Anlauf mit „Addiction“ war das ganz anders, da war ich emotional sehr verbunden – genau wie in diesem Jahr mit „Flashlight“. Beide Songs sind wahr und ehrlich und ich stehe sehr dahinter.

Mit Edyta hast Du ja im letzten Jahr im Vorentscheid gesungen und ihr habt beide verloren. Enttäuscht?

Nein, überhaupt nicht. Ich war sehr glücklich und zufrieden mit meinem Auftritt und meinem Live-Gesang. Es ist eben ein Wettbewerb, jemand muss gewinnen und jemand muss verlieren. Dass ich nicht gewonnen habe, hat mich nicht dazu gebracht, mit der Musik aufhören zu wollen, denn Musik ist meine wahre Leidenschaft. Ich werde singen, solange ich noch Stimme habe. Und jetzt war die Zeit eben für mich im Vorentscheid richtig.

Welche Idole, welche Inspirationen haben Dich begleitet?

Ich liebe Alicia Keys und Kim Burrell, das ist eine Gospelsängerin, und auch Fantasia Barrino, die Gewinnerin von American Idol. Natürlich bin ich mit der Musik von Michael Jackson aufgewachsen und als Kind war ich auch sehr begeistert von der Stimmkraft der Backstreet Boys, mein Bruder und ich haben den Dokumentarfilm damals über die Gruppe verschlungen.

Du nennst nur US-Sänger. Niemand aus Polen?

Doch sicher. Zuerst Edyta Gorniak und dann auch Mietek Szcześniak, er war ja auch schon beim ESC, und dann haben wir da diese fantastische Gruppe Sistars – Natalia und Paulina Przybysz sind Schwestern, daher der Name. Und Piotr Cugowski, er ist für mich einer der besten Sänger, die ich jemals gehört habe. Er ist einfach fantastisch. Er könnte vielleicht nächstes Jahr zum ESC fahren.

Du hast eine klassische musikalische Ausbildung. Einen Abschluss in Piano und Cello an der Frederic-Chopin-Musikschule in Bytom und danach an der Karol-Szymanowski-Musikakademie in Katowice Jazz studiert. Warum geht Dein ESC-Beitrag in eine ganz andere Richtung?

Ja, ich habe Cello gelernt (seufzt), aber sagen wir mal, es war einfach nicht meine Leidenschaft. Mein Bruder hat es auch gelernt und acht Stunden am Tag geübt, ich habe dagegen immer nur soviel gemacht, um das Examen zu bestehen und ich habe es nicht wirklich gemocht. Später habe in der Ausbildung sowohl die Jazzstandards aber auch modernęn Populärjazz gesungen. „Flashlight” geht überhaupt nicht in diese Richtung, das stimmt. Der Song ist tiefer und dunkler.

Welche Botschaft hat „Flashlight“?

Es ist kein Liebeslied. Ich weiß nicht genau, was sich Komponisten sonst so denken, wenn sie Songs schreiben. Meine Inspiration waren Tiere, beim Schreiben dachte ich an das Leid, dass sie vielfach erleben müssen. Ich interpretiere „Flashlight“ als Lied gegen die Tierquälerei. Ich war schon als Kind eine große Tierfreundin und wollte mich immer um leidende Tiere kümmern. Wir sind jetzt im 21. Jahrhundert und immer noch werden Hunde an der Kette gehalten, das ist nicht akzeptabel. Ich widme den Song daher dem Tierschutz.

Hat Dein Song etwas Autobiographisches?

Es geht im Song auch darum, sich nicht wohl in der eigenen Haut zu fühlen – und das passiert mir natürlich auch immer mal wieder. Wenn Du Lieder schreibst, ist zwangsläufig immer auch ein Stück von Dir und Deinen Erfahrungen im Text zu finden.

Polen schickt sehr oft Balladen zum ESC – was meinst Du, warum das so ist?

Das weiß ich nicht, vielleicht gefallen dem Publikum ja die Balladen immer besser und es meint, sie wären einfach besser geeignet für den ESC? Vielleicht wird es ja im nächsten Jahr wieder upbeat. Margaret hatte im letzten Jahr ja auch einen schnellen Song (aber der wurde trotz großer Vorschusslorbeereen nicht gewählt, d. Red.)

Polen ist derzeit rechtskonservativ von der PiS (Prawo i Sprawiedliwość –Partei für Recht und Ordnung) regiert. Hat Dir denn der Kultusminister nach dem Gewinn im Vorentscheid gratuliert?

Nein, kein Anruf, keine Nachricht, keine Einflussnahme. Ich habe nichts von der Regierung gehört. Aber ich habe viele Glückwünsche vom polnischen Fernsehen erhalten. Vielleicht höre ich später noch etwas von der Regierung, falls ich gewinne … oder Letzte werde (lacht).

Welche Stellung hat der ESC heute in Polen?

Das ist im Wandel. Die Qualität der Lieder ist in den letzten Jahren sehr gestiegen. Daher ist auch der Respekt für den ESC in Polen größer geworden. Die Einstellung auch bei den Interpreten wandelt sich. Michał Szpak wurde völlig unerwartet Achter im letzten Jahr fast ohne Jurypunkte und mit viel Zustimmung der Zuschauer. Ich weiß, wir haben eine große Diaspora, die uns da unterstützt hat. Ich hoffe, dass sie auch an mich und meinen Song glauben und mich unterstützen werden. Ich würde aber auch gern bei den Jurys punkten.

Wie wird denn Deine Präsentation auf der Bühne in Kiew aussehen?

Anders als im Vorentscheid. Wir werden keine Bilder von mir für die Projektionen verwenden, sondern Vögel und andere Tiere. Und es wird in einem dunklen, düsteren Stil sein. Ich hoffe, wir werden gute visuelle Effekte haben. Ich werde auch nicht alleine auf der Bühne sein, sondern mit meinem Bruder. Nur wir zwei, er wird die Violine spielen. Er ist mein größter Unterstützer, gibt mir Selbstvertrauen und er hat zudem eine tolle Bühnenpräsenz, ich wollte ihn daher unbedingt dabeihaben. Ich freue mich schon sehr und natürlich möchte ich gern ins Finale.

Wir wünschen Dir viel Glück. Welches ist für Dich der beste polnische ESC Song?

Für mich persönlich ist hier die Stimme wichtiger als der Song. Michał Szpaks Song war wirklich nicht mein Fall, aber seine Stimme ist fantastisch. Edyta möchte ich nennen, weil sie die Erste war und auch eine tolle Stimme hat. Und natürlich auch Mietek Sześzniak.

Gute Auswahl. Und wer sind Deine persönliche Favoriten aus diesem Jahr?

Ich kenne noch nicht alle Beiträge gehört, aber es sind viele gute Songs dabei. Beim Konzert in Riga habe ich die Letten von Triana Park live erlebt, das war mir sehr gut gefallen. Ich mag auch Bulgarien, Belgien und Schweden.

Vielen lieben Dank, Kasia und viel Erfolg in Kiew!

 

Kasia bei der London Eurovision Party 2017