Laing im Interview: „Kraftwerk meets The Supremes“

Laing

7 Acts stehen bislang für den deutschen Vorentscheid am 5. März in Hannover fest. Nicht zuletzt wegen ihres Überraschungserfolgs beim Bundesvision Song Contest 2012 und ihrer außergewöhnlichen Bühnenshows wurden Laing von Anfang an als Mit-Favoriten auf das Ticket nach Kopenhagen gehandelt. Wir haben mit Leadsängerin Nicola Rost über die Entwicklung von Laing, die Gründe für ihre Teilnahme am Vorentscheid, ihre Pläne für Hannover, Heintje und Vogelgezwitscher gesprochen.

PRINZ-Blog: Am 5. März ist der Vorentscheid, am 6. und 7. März habt ihr schon wieder Konzerte. Seid ihr unermüdlich?

Nein, unermüdlich natürlich nicht, das hat sich einfach so ergeben; und wir gehen davon aus, dass wir da sowieso noch auf der Adrenalinwelle vom Vorentscheid surfen und freuen uns deswegen, direkt im Anschluss in die Arme unserer Fans zu sinken.

Wie würdet ihr euren Musikstil beschreiben?

Reduzierte, elektronische Beats mit mehrstimmigem Gesang und deutschen Texten. Kraftwerk meets The Supremes hat ein Journalist mal gesagt, das fanden wir als Eckdaten ganz passend.

Wie ordnet ihr „Wechselt die Beleuchtung“ im Vergleich zu „Paradies naiv“ ein? Seid ihr routinierter geworden?

Routinierter klingt so abgegessen; eher erfahrener! Durch das viele live- spielen von „Paradies Naiv“ haben wir auf jeden Fall sehr viel gelernt, über Songwriting und Inszenierung auf der Bühne. Das ist alles eingeflossen in die Arbeit an „Wechselt die Beleuchtung“. Wir kennen unsere Stärken besser als früher und sind klarer geworden, würde ich sagen. Der Fokus liegt immer mehr auf den Geschichten, die wir erzählen wollen.

Laing

Und wo wollt ihr musikalisch noch hin?

Weiter! Das ist die Hauptsache. Neue Seiten von Laing erforschen, die wir selber noch nicht kennen.

Welche Musik hört ihr im Moment selbst am liebsten?

Meditations- CDs.. Vogelzwitschern, Bachplätschern, Panflöte. Gegen die Aufregung.

Habt ihr den ESC in den letzten Jahren verfolgt? Wer waren eure Favoriten?

In den letzten Jahren sind natürlich besonders Lena und Conchita Wurst herausgestochen. „Taken by a stranger“ von Lena mochte ich sehr gerne, auch wenn sie damit nicht gewonnen hat. Und Conchita Wurst hat so eine Shirley Bassey-mäßige Dramatik, das fand ich auch super.

Von dir ist das Zitat überliefert, der Grand Prix mache dir „als Künstlerin Angst“. Hat sich die Show in deinen Augen in den letzten Jahren weiterentwickelt oder was hat dazu geführt, dass ihr euch dieser „Angst“ nun stellt?

Naja, diese Angst bezog sich ja eher auf das Wettbewerbs- Format generell. Das ist einfach nicht ohne, sich so einer riesigen öffentlichen Bewertung zu stellen. Letztlich ist Musik ja immer Geschmacksache, und selbst wenn man gewinnt oder gut abschneidet, wie es uns beim BuViSoCo passiert ist, bleibt ein komisches Gefühl; denn die Letztplatzierten sind natürlich immer total enttäuscht und stehen dann mit hängenden Schultern neben dem jubelnden Gewinner. Das ist eine komische Situation, das kennt man als Musiker nicht so (wie zum Beispiel Sportler, für die das ja eher normal ist) und scheut das wenn möglich.. Gleichzeitig ist es aber eigentlich eine schöne Idee, dass alle europäischen Länder je eine Band ins Rennen schicken und sich gegenseitig „ihre“ Musik vorstellen. Wir haben das einfach eine Weile abgewogen und uns dann aber anlässlich unseres neuen Albums „Wechselt die Beleuchtung“ entschieden, dass wir gerne mehr Leuten zeigen würden, was wir machen. Und dafür stellen wir uns auch dem Voting.

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Schon seit eurem Auftritt beim Bundesvision Song Contest haben einige ESC-Fans ein Auge auf euch geworfen. Habt ihr das wahrgenommen und hat das eure Entscheidung beeinflusst?

Ja, wir wurden auf jeden Fall mehrfach darauf angesprochen. Wie gesagt, das war ein kleiner Prozess bei uns, gerade weil wir beim „BuViSoCo“ so gut abgeschnitten hatten und unser Schicksal nicht gleich nochmal herausfordern wollten.. Jetzt gibt es uns aber auf jeden Fall ein gutes Gefühl, dass unsere Fans die Bewerbung so unterstützen. Und im Prinzip geht es beim ESC ja um Sachen, die wir lieben: gute Songs und große Inszenierungen.

Apropos Fans: War euch bislang bewusst, dass es für den ESC-Zirkus eine relativ große und treue Fangemeinde gibt, die Jahr für Jahr live vor Ort ist, zu internationalen Vorentscheidungen fährt, Blogs schreibt, Merchandise sammelt etc.?

Ja, wir wussten das schon, kriegen aber gerade natürlich nochmal ein ganz neues Gefühl dafür. Wir haben eine Interviewanfrage aus Brasilien erhalten!

Kannst du etwas zu eurer Songauswahl für „Unser Song für Österreich“ sagen?

Mittlerweile ist es ja offiziell: Unser erster Song wird “ Zeig dein Muskeln“ sein, der zweite „Wechselt die Beleuchtung“. Wir sind sehr glücklich mit dieser Songauswahl, weil beide Songs sehr plakativ inszenierbar sind und dadurch auch für Zuschauer verständlich, die die deutschen Texte nicht verstehen. Außerdem zeigen wir damit zwei Facetten von Laing, eine etwas aufgedrehtere und eine weichere, ernste. Wir sind sehr gespannt!

Angenommen ihr fahrt nach Wien: Der Song bleibt trotzdem auf Deutsch, oder?

Na klar.

Können wir beim Vorentscheid mit einer „typischen Laing-Performance“ rechnen? Macht ihr euch für ein solches Event nochmal spezielle Gedanken oder übernehmt ihr die Choreographie, die ihr schon für eure Liveshows sowieso einstudiert habt?

Und wie wir uns Gedanken machen! Seit unsere Teilnahme klar war sind wir am planen und vorbereiten. Unsere Live- Shows inspirieren uns da natürlich sehr, gleichzeitig hat man in so einer Show ganz andere Möglichkeiten. Das werden wir voll ausschöpfen! Mehr werden wir dazu noch nicht verraten.

Laing

Ihr seid mit einer Coverversion von Trude Herrs „Morgens bin ich immer müde“ bekannt geworden und auch „Alles nur geklaut“ von den Prinzen habt ihr euch schon zu Eigen gemacht. Mittlerweile setzt ihr eher auf eigenes Material. Gibt es keine Songs mehr, die ihr gern covern würdet?

Auf “ Wechselt die Beleuchtung“ ist auch ein Coversong! „Sei doch bitte wieder gut“ heißt er und ist im Original von Heintje. Jedenfalls der Refrain. Wir lieben Cover, es macht Spaß, etwas aus einem Song rauszuholen, was keiner darin vermutet hätte. In der Richtung ist auf jeden Fall noch mehr von uns zu erwarten.

Eine Zeit lang war es Tradition, bei der Vorentscheidung eine Coverversion eines Grand Prix-Songs vorzutragen. Hättet ihr dafür einen Favoriten?

Oje.. Schwierig. Da müsste ich mal tiefer in die 60 Jahre ESC-Geschichte eintauchen um etwas zu finden, das zu uns passen würde. Aber fündig würde man bestimmt!

 

Unsere Leser hätten da sicher ein paar Ideen? Welche ESC-Songs würden sich für eine Coverversion im Laing-Stil besonders gut eignen?