Last but not least… verlieren ist erlaubt (3): Josh Dubovie

Josh Dubovie, Schlagerpride 2011

Unsere Serie porträtiert Künstler, die sich beim Eurovision Song Contest am Ende des Votingtableaus wiederfanden. Wie haben sie diese Erfahrung verarbeitet, was haben sie danach musikalisch auf den Weg gebracht? Was tun sie heute? Diesmal ist Josh Dubovie aus Großbritannien an der Reihe.

Woche 3 in unserer „Ene, mene, muh“-Rubrik… United Kingdom is calling. Der ESC wimmelt ja dieser Tage von Promis, die „Ich bin ein Star, lasst mich hier rein“ rufen. Im Jahr 2010 durfte sich ein damals 19-Jähriger Castinggewinner über diese Herausforderung freuen. „Your country needs you“ – mit diesem bescheidenen Vorentscheidungstitel suchte das Heimatland der Queen einen würdigen Vertreter für Oslo. Josh Dubovie stieg in den Boxring des europäischen Musikantenstadls und erlag einem K.O. mit nur 10 Punkten. Letzter Platz! Und auch hier greift unser Abzählreim: „…und raus bist du noch lange nicht!“.

Josh Dubovie, Schlagerpride 2011

Josh wurde 1990 in Essex geboren und stand bereits mit 9 Jahren auf der Bühne. Das dieser Junge talentiert ist, blieb niemanden verborgen, der ihn singen hörte. Von der Schulbühne ging es direkt zum Theater, in dem er die Rolle des Javerts in „Les Miserables“ verkörperte. Joshs Stimme überzeugt durch Kraft und Genauigkeit – so ein Zitat, welches ich im Internet finden konnte. Es folgten Auftritte auf Festivals vor mehr als 40.000 Zuschauern und Wettbewerbe, die der Künstler für sich entscheiden konnte. Im Jahre 2008 gewann Josh den Gesangscontest „Southend United Blues Idol“ und „Billericay’s Got Talent“.

Als ich mich mit der Biographie des Künstlers beschäftigte, fiel mir auf, dass Josh sich nicht zu schade für Castingshows ist. Er sieht deren Teilnahme als eine Art Wettkampf an und ist überzeugt von sich und seiner Qualität. Trotz obiger Erfolge wurde Josh bei „The X-Factor“ und „Britain’s Got Talent“ im Vorwege abgelehnt.

Der Sänger versuchte weiterhin sein Glück und bewarb sich bei der BBC für den englischen Vorentscheid des Grand Prix. Diese Bewerbung verlief positiv. Josh stand im Wettstreit zu fünf anderen Teilnehmern und konnte die dreiköpfige Fachjury mit einem Lied von Jason Donovan für sich gewinnen.

Mit „That sounds good to me“ begeisterte Josh nicht nur das Live-Publikum in der Halle, sondern auch die englischen Fernsehzuschauer. Seine Version des vom Jury-Vorsitzenden Pete Waterman eingereichten Liedes erfreute sich allgemeiner Beliebtheit. Produzenten des Songs waren „Stock & Aitken“, die in den Achtziger Jahren eine der Popfabriken Großbritanniens waren und Künstler wie Rick Astley und Kylie Minogue berühmt machten.

29 ASP Josh

Der Gute-Laune-Song wurde strahlend vom Sänger vorgetragen. Josh nahm viele Einladungen für Fernsehshows an, präsentierte seinen Song sympathisch im Ausland und freute sich sehr auf das große Event in Norwegen. Allerdings wurden die Stimmen – auch in den eigenen Reihen – lauter, dass dieses Lied nicht mehr dem Zeitgeist entspräche und auf einem europäischen Niveau nicht mithalten könne. Das Lied erfülle seinen Zweck bei einer gemütlichen Autofahrt, aber nicht auf der großen Bühne. Selbst Andrew Lloyd-Webber räumte bei „Wetten das..?“ ein, dass England keine Chancen auf den Sieg haben werde.

Die Kritiken gingen an Josh nicht spurlos vorbei und dieser zeigte sich dennoch weiterhin überzeugt, strahlend und professionell. Dieses Video zeigt Josh in einer niederländischen Fernsehsendung (kurzes Interview + Live Auftritt):

Josh ging in Oslo beim Eurovision Song Contest 2010 mit der Startnummer 12 ins Rennen. Zwei Tänzer und drei Backgroundsängerinnen unterstützten den Engländer stimmlich wie auch choreographisch.

Das Lied ist keine charakterlose Nummer. Dennoch wirkt der Auftritt unvollkommen. Die Stimmen der Backgroundsängerinnen klingen disharmonisch und auch die Tänzer sind im Besitz eines zu bedeutsamen Spielraums auf der Bühnenfläche. Die Treffsicherheit der Töne – vor allem zum Liedende – wirken beim Sänger verkrampft und nicht schaffbar. Den Spaß an der Musik und die Lebensfreude, die Josh in seinen Bewegungen + Körpersprache ausstrahlt, wirken fragmentarisch einstudiert.

Und gerade dieser ESC war ein Contest der Natürlichkeit, nicht der der Stimme. Lena überzeugte mit ihrem Gesamtpaket – vor allem mit ihrer Spontanität. „That sounds good to me“ hätte Chancen auf eine Platzierung im Mittelfeld haben können, vorausgesetzt, der Sänger hätte auf seine Art und Weise entertainen dürfen. Welche Stimmgewalt und Natürlichkeit Josh abrufen kann, zeigt dieses Video:

In einem Artikel las ich, dass Josh seine Niederlage beim ESC sportlich entgegen nahm und gleichwohl auf der Aftershow-Party lächeln und feiern konnte. Wenn dem so ist und wir dem Artikel glauben schenken dürfen, spricht das sehr für seine Defensivstärke.

Josh Dubovie, Schlagerpride 2011

Bei itunes habe ich ein Album des Sängers entdeckt, dass den Namen „Carpe Diem“ trägt. Die CD besteht aus diversen Coversongs. Es gibt einige Tracks, die mich überzeugen und wunderbar zu dem Stimmvolumen des Künstlers passen (z.B. „Always a woman“). Josh berührt durch eine klare und saubere Artikulation.

Seit Februar 2013 tastet sich Josh mit neuen Ideen im Musikbusiness vor. Seine Nachname „Dubovie“ entfällt und wird ferner durch „James“ (seinem zweiten Vornamen) ersetzt. Auch ein markanterer Haarschnitt ziert sein Gesicht. Auf seiner mittlerweilen zweiten Homepage stellt der Künstler den Song „Game over“ vor.

Das Besondere: Josh bietet seinen Fans dieses Lied zum kostenlosen Download an. Laut seinem facebook-Profil wurde dieser Song -allein in den ersten drei Tagen- mehr als tausend Mal heruntergeladen. In gleicher Weise zeigt sich Josh auch auf Twitter kommunikativ und berichtet über Engagements, Happenings und Foto-Shootings.

 

Next one: Ireland! „Dervish“ is waiting…

Bisher veröffentlicht:
Last but not least… verlieren ist erlaubt (1): Anna Rossinelli
Last but not least… verlieren ist erlaubt (2): Soluna Samay